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Sex, Skandal und Jesus: Promi-Geburtstag vom 18. Juli 2018: Paul Verhoeven

Extreme Geschichten und ungewöhnliche Helden: Der Hollywood-Regisseur Paul Verhoeven drehte Kassenknüller wie «Basic Instinct» und «Robocop». Nur über seine größte Leidenschaft machte er noch nie einen Film.

Paul Verhoeven

Hollywood-Regisseur Paul Verhoeven wird 80. Foto: Andrea Bracaglia/Pacific Press via ZUMA

Sieben Sekunden nur dauert die berühmte Szene im Hollywood-Thriller «Basic Instinct» (1992) - sie machen zum Skandal-Regisseur.

Dieser Ruf aber wird ihm nicht gerecht. Sein Werk ist vielschichtiger, als die Schlagworte Spannung, Sex, Skandal umschreiben. Radikale Figuren und extreme Geschichten faszinieren ihn. Heute wird der Niederländer 80 Jahre alt.

Die Szene aus « » machte Filmgeschichte: Hauptdarstellerin Sharon Stone im knappen Minikleid schlägt beim Verhör die Beine übereinander, und für jeden ist sichtbar: Sie trägt keinen Slip. Es ist typisch Verhoeven. Skandalös, aber nicht platt. Er nutzt Sex nicht als Schockmittel. «Mit Sex kann man etwas ausdrücken, was man mit Worten nicht kann,» sagte er einmal in einem Interview. «Genau wie mit Musik oder Malerei.»

Es hätte nicht viel gefehlt, und es hätte Skandale wie diese nie gegeben, und Paul Verhoeven wäre Mathelehrer geworden. Und das ist kein Film-Klischee.

Verhoeven wuchs in auf. Der Vater war Lehrer, die Mutter Hutmacherin, und Paul ein braver Junge. Er studierte Mathematik und Physik, wie es seine Eltern wollten. Doch dann lernte er bei einem Aufenthalt in Frankreich den Film kennen und war fasziniert.

«Warum, warum», sagte er einmal ungeduldig auf die Frage, was ihn am Film faszinierte. «Da ist kein Warum. Die Möglichkeit ergab sich einfach.» Für ihn war es fast schon eine logische Entwicklung. Erst hatte er gezeichnet, dann kam das Interesse für Comics und schließlich der Film.

Doch dann warf ihn 1966 die ungewollte Schwangerschaft seiner Freundin und späteren Frau Martine fast aus der Bahn. «Das war damals eine große bürgerliche Schande», erinnerte sich der Mann mit der silbergrauen Haartolle. Er war ratlos. Sollte er Mathelehrer werden, um Frau und Kind zu ernähren?

Zufällig geriet er in den Gottesdienst einer Pfingstkirche und hatte ein Jesus-Erlebnis. Später sprach er auch von einer «religiösen Psychose». Er habe die dunklen Seiten in sich entdeckt, erklärte er in einem Interview seinen Hang zum Extremen. Ausgerechnet er, der Naturwissenschaftler, war für das Unerklärliche empfänglich.

Die Faszination für Jesus blieb. Aber der Flirt mit der Pfingstkirche war nur ein kurzes heftiges Intermezzo.

Sein erster großer Kinoerfolg in den Niederlanden war 1973 «Türkische Früchte» - mit über 3,3 Millionen Zuschauern ist es noch immer der meistgesehene Film des Landes. Die Liebesgeschichte machte Furore, nicht nur wegen deutlicher Sexszenen. Denn Verhoeven brachte das Lebensgefühl einer ganzen Generation auf die Leinwand. Für ihn persönlich war «Türkische Früchte», der mehrfach ausgezeichnet wurde, das Sprungbrett nach .

Er hatte Erfolg, auch wenn brutale Gewalt- und Sexszenen für Kontroversen sorgten. Nach großen Kassen-Knüllern wie «RoboCop» (1987), «Total Recall» (1990) mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle und «Basic Instinct» mit Michael Douglas folgten dann Flops. «Showgirl» (1995) fiel beim Publikum durch. Verhoeven wurde sogar mit mehreren der gefürchteten «Goldenen Himbeeren» für den schlechtesten Film des Jahres ausgezeichnet. Immerhin holte der Niederländer sehr sportlich auch diese Preise persönlich ab.

Seine jüngsten Filme sind weniger extrem. Aber Verhoeven sucht immer noch die Grenzen. Nach der Rückkehr in seine niederländische Heimat ging er 2006 etwa die Klischees von Gut und Böse im Zweiten Weltkrieg an. «Schwarzbuch» mit Carice van Houten und Sebastian Koch erzählt das dunkle Kapitel der niederländischen Kollaboration.

Und dann wird 2017 «Elle» mit Isabelle Huppert mit internationalen Preisen überschüttet. Ein Thriller mit einer starken Frau im Mittelpunkt, die auf ungewöhnliche Weise mit ihrer Vergewaltigung umgeht, politisch nicht korrekt - wie er sagt. «Für die USA war das moralisch nicht geeignet.» Doch ihm gefallen Figuren, die gegen den Strom schwimmen. So eine ist auch «Benedetta», eine lesbische Nonne während der Renaisance in Italien, sein neuestes Filmprojekt.

Und es sind nicht nur starke Frauen, die ihn faszinieren. Jesus von Nazareth ist neben dem Film die zweite Leidenschaft des Filmemachers. Jahrelang gehörte er einer illustren internationalen Forscher-Gruppe an. Für ihn war Jesus ein «Wortkünstler», ein «Radikaler». Bisher brachte Verhoeven seine zwei großen Leidenschaften nicht zusammen. 2008 legte er sein großes Jesus-Buch vor. Es ist kein Drehbuch - noch nicht. Denn wenn es um Filmprojekte geht, sagt Verhoeven niemals nie.

dpa