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Sophia Thomalla: "Ich bin gern der scharfe Feger"

Und was ist sie noch so? Die Schauspielerin Sophia Thomalla lacht über sich und das meiste, was in der Zeitung über sie steht. Ein klärendes Gespräch über das wilde Leben.

Model? Schauspielerin? Rockerbraut?: Wer ist eigentlich... Sophia Thomalla?

"Frau Thomalla ..." Wie klingt das für Sie?

Es klingt komisch. Bei "Frau Thomalla" fühle ich mich, ehrlich gesagt, steinalt.

In Interviews werden Sie oft geduzt.

Ja, aber man sollte sich wohl aus Respekt eher siezen.

Also, Frau Thomalla, als wir erzählten, dass wir Sie treffen, antwortete ein Kollege: "Ach so, die 'Tatort'-Kommissarin!" Nervt es, immer mit der Mutter verwechselt zu werden?

Nein, weil ich sehr gern mit ihr in Verbindung gebracht werde. Ich glaube, ich wurde schon fünf Millionen Mal mit Simone angesprochen und meine Mutter mit Sophia. Das kennen wir schon von meinem Großvater.

"Tatort"-Kommissarin – das hört sich griffig an, da weiß jeder, was los ist. Wie würden Sie sich einem eher älteren stern-Leser vorstellen?

Meine Berufung ist Schauspielerin, und deshalb habe ich Schauspielerei studiert. Das ist meine aktuelle Berufsbezeichnung.

Ihr derzeitiger Film?

"EneMe". Kinofilm. Drehbeginn: September. Regie: Jakob Gisik. Deutsches Kino. Und wissen Sie was: Es gibt so viele junge Schauspieler allein hier in Berlin, die groß rauskommen möchten und auf Rollen warten. Bei mir ist es genau das Gegenteil: Ich sage ein Ding nach dem anderen ab, weil ich nicht gezwungen bin, Vorabendserien zu drehen.

Sie ist keine, die auf Kommando lacht. Entweder echt oder gar nicht. Sophia Thomalla führt ein diszipliniertes und geordnetes Leben – aber das glauben nur die, die es wissen

Sie ist keine, die auf Kommando lacht. Entweder echt oder gar nicht. Sophia Thomalla führt ein diszipliniertes und geordnetes Leben – aber das glauben nur die, die es wissen

Sie modeln und moderieren lieber. Und Sie machen Werbung.

Ich mache auch da nur das, worauf ich Lust habe. Ich habe mir über zwölf Jahre einen Namen aufgebaut, ich glaube nicht, dass ich je Model war, dafür bin ich auch zu klein, schon eher Testimonial. Man steht mit seinem Namen für eine Marke und nicht mehr nur mit einem unbekannten Gesicht.

Welche Rolle würden Sie denn nicht absagen?

Die, die mit mir persönlich am allerwenigsten zu tun hat.

Eine Mörderin mit schlechten Zähnen und Kurzhaarschnitt?

Ja, irgendwas Krasses. Eine Herausforderung. Ich kriege aber immer wieder diese Rolle angeboten: Schöne Arzttochter studiert in München, findet am Wörthersee die große Liebe und wird alt mit Kühen und Ziegen. Damit habe ich vor zwölf Jahren angefangen, als Tochter von Barbara Rudnik und Henry Hübchen. Darauf habe ich keine Lust mehr.

Ihre häufigsten Beinamen lauten: It-Girl, Lottofee, Skandal-Beauty. Zutreffend?

Alles okay für mich. Bis auf "Skandal-Beauty". Was soll das denn sein? Ich lach mich schlapp. Wenn man das jetzt mal auf mein Privatleben bezieht ...

Nach Ihrem schillernden Privatleben haben wir noch gar nicht gefragt.

Aber darum geht es ja andauernd im Internet und in den Boulevardzeitungen. Sich von jemandem zu trennen oder doch nicht zu trennen, mit jemandem nach der Trennung wieder zusammenzukommen oder sich in jemanden zu verlieben – das ist doch kein Skandal, sondern einfach nur das Leben! Und mir ist egal, was alle denken, ich mache, was ich für richtig halte!

Sophia Thomalla: "Ich bin gern der scharfe Feger"

Sie ist erst 27. Da kann man ja wohl mal Hot Pants tragen! Auf dem Klavier hat Sophia Thomalla zwischendurch auch gespielt


Sie waren sieben Jahre lang mit Till Lindemann, Frontsänger der Band Rammstein, liiert, dann heirateten Sie blitzartig den stark tätowierten Sänger Andy LaPlegua, von dem Sie sich nur wenig später wieder scheiden ließen, nun sollen Sie in den Rocksänger Gavin Rossdale verliebt sein. Aber er lässt ein gemeinsames Foto löschen. Was denn nun?

Ich bin immer in irgendwen verliebt. Das gehört zu meinem Lebensgefühl. Die Medien stilisieren halt alles hoch, was sie zu wissen glauben. Ist nicht schlimm. Aber ich habe bis jetzt noch nie einen Skandal verursacht!

Glückwunsch!

Danke sehr.

Sie seien zuverlässig, belastbar, stark, und Sie ließen sich nie gehen, hört man über Sie. Was heißt das genau?

Ich würde nie öffentliche Aussetzer haben. Betrunken die Straße langtorkeln oder so. Ich bin mit mir so sehr im Reinen, dass ich mich auch nicht mehr provozieren lasse. Mich kann keine Schlagzeile über mich schocken, ich reagiere beruflich nie emotional.

Mit Henry Hübchen, Barbara Rudnik und Sergej Moya, 2006, Filmtitel: "Gib jedem seinen eigenen Tod"

Mit Henry Hübchen, Barbara Rudnik und Sergej Moya, 2006, Filmtitel: "Gib jedem seinen eigenen Tod"

Sich nicht gehen zu lassen heißt auch: Ich stehe morgens auf und arbeite meinen Tagesplan ab.

Ich bin ein Hundert-Prozent-Mensch. Wenn ich etwas mache, dann hundertprozentig: Wenn ich Sport mache, dann stehe ich früh auf, jeden Tag. Und wenn ich sage: Jetzt habe ich keinen Bock mehr, dann passiert es, dass ich drei, vier Monate lang einfach den Arsch nicht hochkriege. Gesundes Maß und das ein ganzes Leben lang – nee, nee, das ist nichts für mich.

Struktur und Disziplin auch nicht?

Doch. Diszipliniert bin ich definitiv. Das muss ich auch sein.

Weil Sie dem Druck der TV-Branche standhalten müssen?

Nein, meinem eigenen! Ich weiß, dass ich vor allem mit meinem Aussehen Geld verdiene. Ich bin ja nicht naiv. Mein Hauptmerkmal ist, dass Sophia Thomalla gut aussieht. Aber über Weihnachten nehme ich auch mal fünf, sechs Kilo zu.

Fünf, sechs Kilo, ausgeschlossen!

Doch, das passiert. Aber die sind dann schnell wieder runter. So viel zur Disziplin ...

Sie sind ein "Mädchen aus Ostberlin", einen Monat vor der Wende geboren. Wie sind Sie aufgewachsen?

Sehr bürgerlich. Meine Mutter und mein Vater ...

... der Schauspieler André Vetters ...

... haben sich am Theater kennengelernt. Meine Mutter ist dann mit 24 schon Mutter geworden. Sie hatte gerade erst die Schauspielschule abgeschlossen und war in Leipzig am Theater. Für sie war die Zukunft in trockenen Tüchern, bis die Wende kam. Das war für viele Künstler erst mal eine große Verunsicherung. Die Bühne war ja plötzlich doppelt so groß, sozusagen.

Sophia Thomalla mit Exfreund Till Lindemann auf der Berlinale 2016

Sophia Thomalla mit Exfreund Till Lindemann auf der Berlinale 2016

Hatte sie Existenzängste?

Ja, auch. Erst als ich fünf war, hat meine Mutter die erste TV-Rolle angenommen. Ich habe dann viel Zeit am Set und bei meinen Großeltern in Kleinmachnow verbracht. Nannys oder so was gab es nicht.

Kurz darauf trennten sich Ihre Eltern. Was macht das mit einer Fünfjährigen?

Mit mir hat es nicht viel gemacht, weil meine Mutter immer ein wahnsinnig gutes Verhältnis mit meinem Vater hatte. Da wurde nicht über Anwälte gequatscht. Ich bin zwar ein Mutterkind. Aber mein Vater war bei allen Familienfesten dabei.

So etwas ist selten.

Meine Mutter ist ein genauso entspannter und gelassener Typ Frau wie ich. Das habe ich auch von ihr. Wir führen keinen Krieg mit Leuten. Sie sagen über Ihre Mutter, sie sei schwächer und sensibler als Sie. Definitiv, ja.

Was heißt das?

Ich bin mit Kameras aufgewachsen. Ich bin mit Schlagzeilen groß geworden, ich bin mit Zeitungen groß geworden, und da entwickelt man natürlich so ein gewisses Selbstbewusstsein ...

... das von Berlin bis München reicht ...

... wenn nicht sogar bis in die USA.

Macht Schönheit selbstbewusster?

Nee, ich glaube, dass das mit dem Aussehen wenig zu tun hat. Meine Mutter hat mich gelehrt, auf mich selbst zu hören, mein eigenes Schäfchen im Trockenen zu haben und unabhängig zu bleiben. Ich kann mich jederzeit selbst versorgen.

Sophia Thomalla mit ihren beiden Neuen: Gavin Rossdale und Zwergspitz Chewy

Sophia Thomalla mit ihren beiden Neuen: Gavin Rossdale und Zwergspitz Chewy

Frau Thomalla, Sie sind uns zum ersten Mal aufgefallen, als Sie kürzlich in einer Radio-Bremen-Talkshow saßen. Trifft Sie das?

Habe ich da was Dünnes erzählt? Oder wieso sollte mich das treffen?

Man könnte Sie längst kennen, weil Sie ja gefühlt jeden Tag in der "Bild"-Zeitung vorkommen!

Viele meinen sogar, ich wäre da angestellt.

Außerdem haben Sie über 700.000 Abonnenten auf Instagram, auf "Insta", wie junge Leute sagen.

Ich bin in Deutschland fast schon weltberühmt.

In jener Talkshow bekannten Sie sich zu Angela Merkel. Warum?

Ich bin CDU-Mitglied.

Seit wann?

Seit fünf Jahren etwa. Seither zahle ich jährlich meinen Beitrag.

Wie kam es dazu?

Ich bin politisch immer schon interessiert gewesen. Ich möchte wissen, was mit meiner Zukunft passiert. Vielleicht gerade deswegen, weil ich ein junger Mensch bin.

Mit 22 in die CDU einzutreten, das fanden doch manche Ihrer Freunde bestimmt komisch?

Ja, aber ich dachte, wenn ich schon wählen gehe, warum dann nicht auch Mitglied sein.

Wollte sich Generalsekretär Tauber schon mal mit Ihnen treffen?

Nein.

Wissen die in der CDU überhaupt, dass Sie Parteimitglied sind?

Nee, ich glaube nicht.

Warum sind Sie denn nun Merkel-Fan?

Ich finde, dass sie sich gerade in der Flüchtlingspolitik moralisch absolut richtig verhalten hat, und deswegen wähle ich sie auch jetzt wieder. Sie bietet einem so eine gewisse Sicherheit. Da würden niemals emotionale Ausbrüche kommen. Es würde von ihr nie Stinkefinger-Fotos geben wie damals von Peer Steinbrück.

Tochter Sophia und Mama Simone Thomalla (r.)

Tochter Sophia und Mama Simone Thomalla (r.)

SPD-Herausforderer von 2013.

Genau! Den Mann fand ich eine Katastrophe. Er hat gedacht, er kriegt die jungen Leute. Mich hat er nicht gekriegt.

Frau Merkel gilt als langweilig.

Sie wird sich immer im Griff haben und ist absolut skandalfrei. Das finde ich großartig für eine Kanzlerin.

Der Aspekt, dass da eine Frau im Kanzleramt sitzt und nicht ein älterer Herr mit Halbglatze ...

Ist mir völlig wurscht. Ich bin auch der Meinung, dass wir die Frauenquote in Deutschland nicht brauchen, gerade weil wir eine Frau an der Spitze haben! Mir persönlich ist es wichtig, dass die Politik stimmt. Egal, ob Mann oder Frau.

Auf Instagram schreiben Sie über sich "27 und Berliner". Wissen Sie, was ein Gender-Gap ist?

Ja klar, dass man "Berliner_in" schreibt, so wie man jetzt auch "Anspitzer_in" schreiben soll anstatt "Anspitzer". Gähn.

Ähnliches sagten Sie in einer "Hart aber fair"-Sendung. Die wurde danach erst aus der Mediathek gelöscht, dann wiederholt. "Die Schauspielerin Sophia Thomalla wurde eingeladen, um Spott und Häme zu verbreiten", empörte sich die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ja, das war völlig verrückt. Es ging um den Genderwahn. Nur weil ich lange Haare und hohe Schuhe trage, sprechen mir alle ab, Feministin zu sein. Aber ich bin natürlich auch eine! Ich bin genau der Typus Frau, für den die Frauenrechtlerinnen früher gekämpft haben.

Was heißt denn Feminismus für Sie?

Ich bin unabhängig, ich darf sagen, was ich möchte, ich darf mich kleiden, wie ich möchte, ich darf heiraten, wen ich möchte, ich darf beruflich machen, was ich möchte.

Ich darf mich außerdem in Latex, Leder und lasziven Posen präsentieren. Ist es nicht unheimlich anstrengend, immer der scharfe Feger sein zu müssen?

Ich bin gern der "scharfe Feger". Es ist meine persönliche Entscheidung. Wieso muss?

Sie inszenieren sich ständig als Männerfantasie.

Das ist auch ein Teil meines Jobs. Ich bin stolz auf meinen Körper. Und ich habe hart daran gearbeitet, dass er so aussieht, wie er aussieht. Auch das ist meine Art von Feminismus. Ich darf meinen Körper zeigen und trotzdem Zeitungen und Bücher lesen und Mitglied der CDU sein.

Als Siegerin der RTL-Tanzshow "Let's Dance" traten Sie üppiger auf.

Da war ich erst 19. Der Babyspeck war noch dran.

Sie hatten sich auch die Brüste vergrößern lassen.

Ja. Aber seit Januar sind sie wieder natürlich. Ich hatte in den letzten Jahren wahnsinnig abgenommen, und meine großen Brüste passten einfach nicht mehr zum Rest. Außerdem hatte ich dauernd Rückenschmerzen, ich konnte nicht mehr richtig schlafen, nicht laufen. Also habe ich gesagt: raus damit.

Viele Ihrer Fans beklagen das.

Ich bin eben kantiger und älter geworden. Manche sagen auch, maskuliner. Die meisten Männer finden mich immer noch gut. Wenn, dann schreiben fast immer nur Frauen: schrecklich!

Alle neidisch?

Ja. Ich finde, dass Neid eine große Fraueneigenschaft ist. Ich habe übrigens wahnsinnig hässliche Füße. Können Sie ja mal gucken: Hammerzehen! Aber ich bin doch deswegen nicht auf Ihre Füße neidisch!

Welche Männerfantasie hat denn der Mann in Ihnen?

Meryl Streep! Meryl Streep ist für mich die absolute Ikone. Talent, Haltung, alles. Sie ist ein großes Vorbild.

Wenn man Berichten glaubt, führen Sie ein ziemlich turbulentes Liebesleben. Immer Musiker, selten Schmusesänger.

Ja.

Warum?

Ein großer Teil meines Umfelds arbeitet in der Musikszene, da gibt es immer spontane Begegnungen. Ich stehe einfach auf selbstbewusste Männer, auf unabhängige Männer. In welchem Beruf die sind, ist mir dann meist egal.

Kennen Sie Uschi Obermaier?

Ja, natürlich.

Sie war die Ikone der 68er und hatte gleichzeitig Affären mit Mick Jagger und Keith Richards. Der schrieb in seiner Autobiografie: "Sie ist das beste böse Mädchen, das ich kenne."

Das würde ich als Kompliment nehmen.

Was ist denn böse an Ihnen?

Na ja, böse ist relativ. Vielleicht, dass ich mich nicht an angeblich weibliche Verhaltensmuster halte. Dass ich das Leben einfach auskoste, solange ich jung bin.

Und dass Sie einfach so mal schnell heiraten.

Das war eine Kurzschlussreaktion. War ein Fehler. Eigentlich sehne ich mich nach einer langjährigen, festen Beziehung. Aber der Zug ist ja noch nicht abgefahren.

Heimlich sind Sie also eine Romantikerin?

Total! Und ich bin treu. Ich kann schwer Menschen teilen.

Mick Jagger und Keith Richards parallel, das wäre kein Modell für Sie?

Nee, das wäre kein Modell für mich.

Ihr Mister Right sei ein Macho mit Humor, haben Sie gesagt. Gibt es die Kombination überhaupt?

Ja, die gibt es ohne Ende. Ich möchte trotzdem einen Mann, der mir die Tür öffnet und mich zuerst reinlaufen lässt. Er darf auch gern mal ein unkorrektes Witzchen auf meine Kosten reißen. Dann gibt es eine kleine Klatsche zurück, und dann wird zusammen gelacht – das ist mein Traum von Beziehung.

Und konkret? Gerhard Schröder, Wolfgang Kubicki oder Mario Barth?

Wenn ich mir von den dreien einen aussuchen dürfte: Ich bin der allergrößte Kubicki-Fan. Sehr lustig, sehr gebildet, leider falsche Partei.

Er entspannt sich dadurch, dass er nachts Kriegsfilme schaut.

Allein dafür liebe ich ihn schon, und er liebt die Frauen.

Gehörte auch Rudi Assauer in diese Kategorie?

Hundertprozentig. Hat er immer gehört, und deswegen hatte meine Mutter sich auch in ihn verliebt.

Welche Rolle spielte es bei Ihrer Charakterbildung, dass Sie ab dem zehnten Lebensjahr beim früheren Schalke-Manager in Gelsenkirchen aufgewachsen sind?

Rudi Assauer war ein großer Teil meines Lebens. Ein Macho, der meine Mutter und auch mich mit Haut und Haaren geliebt hat.

Er ist vor Jahren an Alzheimer erkrankt. Haben Sie noch Kontakt?

Nein, leider nicht. Die Krankheit geht so rapide. Aber ich behalte ihn immer in meinem Herzen. Und in der Erinnerung.

Viele erinnern sich noch an die rustikalen Bier-Werbespots, in denen Ihre Mutter ihm zum Beispiel einen Kasten Bier hinterhertrug.

Ja, die waren großartig.

Wenn Sie gefragt würden, ein Remake zu drehen, wer kriegt dann das Bier? Till Lindemann oder Ihr neuer Boyfriend Gavin Rossdale?

Vielleicht ich? Ach, ich schätze, da findet sich bestimmt einer, der Durst hat.

Auf einem Ihrer Fotos posieren Sie mit dem Roman "Lieben" von Karl Ove Knausgård. 763 Seiten. Wie weit sind Sie gekommen?

"Lieben", "Leben", "Sterben". Ich habe alle drei Romane gelesen!

Wie haben Sie diese larmoyante Selbstbeobachtung ertragen?

Wenn der so von seinem Leben erzählt, von seinen Höhen und Tiefen, wenn er von seinen Schreibblockaden schreibt und der Schwangerschaft seiner ersten Frau – das plätschert alles vor sich hin, und manchmal lese ich 100 Seiten und denke: Ja, so ist das Leben.

Seit wann spielen Sie eigentlich Klavier?

Seit 20 Jahren. Meine Mutter hat mich damals gezwungen. Heute spiele ich regelmäßig und freiwillig. Ich würde jetzt gern noch mit Gitarre anfangen.

Klingt alles sehr bürgerlich. Hier die Spießerfrage: Warum haben Sie sich die Arme tätowieren lassen? Und jetzt bitte nicht: "Ich war jung, und der Tätowierer hatte Zeit."

Das ist eine Sucht. Man fängt an und kann schwer aufhören. Das hat bei mir auch mit dem Symmetrie-Empfinden zu tun. Man kann sich nicht nur einen Oberarm tätowieren lassen und den anderen nicht. Die Katastrophen im Tattoo-Bereich wie Arschgeweih und Tribals habe ich allerdings übersprungen.

Als der Sänger Chester Bennington vor Wochen Suizid beging, haben Sie ein Foto von sich und ihm gepostet. Der Text: "Das bringt mich dazu, mein ganzes Leben zu überdenken." Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?

Dass das, was man tut, eigentlich wahnsinnig unwichtig ist. Dass man viel Schwachsinn macht. Wir müssen einfach mehr auf uns achtgeben, mehr in die Leute reinhorchen, und wenn einer sagt: "Mir geht es nicht gut", nicht sagen: "Ach, Mensch, wird schon wieder" und sich an der nächsten Ecke 'ne Brezel kaufen.

Bennington ist nach dem Fotografen Oliver Rath der zweite Freund, den Sie durch Freitod verloren haben. Denken Sie selbst manchmal über Ihren Tod nach?

Für mich war der Tod etwas ganz weit Entferntes. Jetzt weiß ich, wie sehr er zum Leben gehört.

Und wenn Ihnen morgen ein Dachziegel auf den Kopf fallen würde. Letzter Gedanke?

Ich würde denken, ich hatte ein tolles Leben, aber ich wäre noch gern nach Nordkorea gereist, nach Afghanistan und nach Afrika. Ich hätte gern noch mehr gesehen. Auch von den Schattenseiten.