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Trauerfeier für Whitney Houston: Abschied von der Souldiva

Popstars trauern in Newark um die verstorbene Sängerin Whitney Houston. Stevie Wonder sang, Kevin Costner hielt eine bewegende Rede und Houstons Ex-Mann Bobby Brown sorgte für einen kleinen Skandal.

Von Ulrike von Bülow, New York

Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt wie ein Scheinwerfer. Es ist ein milder Samstag in Newark, New Jersey, als vor der „New Hope Baptist Church“, einer Kirche aus rotem Backstein, schwarze Limousinen vorfahren, denen berühmte Menschen entsteigen, die schwarz tragen. Oprah Winfrey, Mariah Carey, Mary J. Blidge, Forest Whitaker, Kevin Costner. Sie alle halten Einladungen in den Händen, auf denen das Gesicht einer Frau abgebildet ist, die vor einer Woche verstarb: Whitney Houston. „Nippy“, wie ihre Familie sie nennt. Sie lacht auf dem Bild, zu dem ihre Mutter Cissy Houston ein paar Worte geschrieben hat: „Gott sagte: Nippy, es ist Zeit. Du hast deine Arbeit getan. Danke, dass du so eine wundervolle Tochter warst. In Liebe, Mommie.“

Cissy Houston wünschte, dass die Trauerfeier für ihre Tochter in Newark stattfindet, wo Whitney Houston 1963 geboren worden war. Als junges Mädchen hatte sie hier im Kirchenchor gesungen – in der „New Hope Baptist Church“, deren Zaun nun voll gesteckt ist mit Blumen und Grußkarten von Fans, die dort in den vergangenen Tagen ihre Trauer ausdrückten. Heute dürfen sie nur aus der Entfernung zuschauen: Hinter den Absperrgittern, die in einem Umkreis von drei Blocks aufgestellt sind. Doch die Polizei hatte gepredigt: „Leute, bleibt zuhause, ihr kommt hier eh nicht ran“ – und so sind hinter den Absperrungen weniger Fanmassen als Reporterscharen zu sehen, die Newark mit ihren Übertragungswagen zugeparkt haben und auf kleinen Monitoren verfolgen, was in der Kirche geschieht: CNN sendet live, als um 12.17 Uhr Bobby Brown in die Kirche geht, Whitney Houstons Ex-Mann und der Vater ihrer Tochter Bobbi Kristina, 18, die unbeobachtet von Kameras in die Kirche gelingt, wo der güldene Sarg Houstons aufgebaut ist. Blumengeschmückt.

Großes Gelächter als Costner spricht

In der „New Hope Baptist Church“, rote Sitzreihen, drei Holzkreuze hinter dem Altar, singt ein Gospelchor „Halleluja“, dann heißt es: „Bitte jetzt alle die Handys ausschalten. Aufnahmen sind nicht gestattet.“ Bobby Brown bekommt die Ansage nicht mehr mit, da er gleich wieder abrauscht: Als Bobby Brown in der Kirche bemerkt, dass nur er, nicht aber seine neunköpfige Entourage in der für die Familie Houston reservierten Reihe sitzen darf, fühlt Mr. Brown sich ungerecht behandelt und geht wieder. Nicht, ohne den Sarg seiner Ex-Gattin zu küssen und sich von ihr zu verabschieden, wie er später in einem Statement sagen wird, als die Medien von einem „Skandalauftritt“ seinerseits sprechen. Der Gottesdienst beginnt also ohne Bobby Brown, aber mit Cory Booker, dem Bürgermeister Newarks, der sagt, dass es heute darum ginge, „zu trauern, aber auch ein Leben zu feiern. Das Leben eines Engels, der nun im Himmel ist“. Dann erscheint Joe Carter, der Pastor des Hauses, der vergangene Woche bei Cissy Houston ein und ausging, die hier in der Nähe lebt. „Whitney“, spricht Carter“, du bist die einzige, die uns alle hier zusammen führen konnte. Heute ist dein Tag.“

Es folgt ein großer Auflauf von Stars, die nacheinander an den Altar treten oder sich an ein Klavier setzen. Dionne Warwick, Whitneys Cousine, gibt die Ansagerin, sie führt mit tiefer, heiserer Stimme Tyler Perry ein, den Regisseur, der ein Freund der Familie ist und an erzählt, wie Whitney Houston ihm vor ein paar Jahren sagte, wer ihr helfe, wenn sie mit dem Leben hadere: Gott. „Whitney Houston loved the Lord“, so sagt es Perry – und dann gibt es Applaus, wie das bei den Trauerfeiern in amerikanischen Baptisten-Kirchen üblich ist. Da wird auch gelacht, wie wenig später, als Kevin Costner eine Rede hält und sagt: „Whitney und ich hatten viel gemeinsam.“ Großes Gelächter. Sein Blick, der sagt: Glaubt ihr nicht? „Ich weiß, Whitney ist eine Frau, ich bin ein Mann. Ich bin weiß, sie ist schwarz. Trotzdem: Wie sie wuchs ich in einer Baptisten-Gemeinde auf.“ Er habe, so Costner, sofort gewusst, dass Whitney die Richtige sei, um mit ihm den Film „Bodyguard“ zu drehen, in dem sie eine Sängerin mimte und er ihren Bodyguard gab: „Meine Rolle hätte jeder spielen können. Deine nicht, Whitney, die konntest nur du ausfüllen.“

Rührend wird es, als Stevie Wonder auftritt

Mit einem Song, der seit ihrem Tod wieder rauf und runter gespielt wird: „I Will Always Love You“, Whitney Houstons vielleicht größter Hit, der in der vergangenen Woche in jedem New Yorker Nagelstudio und jedem Taxi zu hören war, in dem ein Radio lief. Aretha Franklin, Whitney Houstons Patentante, soll ihn heute bei der Trauerfeier singen, „doch sie ist nicht hier“, wie Dionne Warwick nun verkündet. „Aber sie ist mit ihren Gedanken bei uns.“ Es heißt, Aretha Franklin sei krank. Sie war am Vorabend in der „Radio City Music Hall“ in New York City aufgetreten, wo sie zwei gleich zwei Whitney Houston-Hits gesungen hatte: Franklin gab „I Will Always Love You“ und „The Greatest Love Of All“, vielleicht konnte sie nicht mehr. Dafür sitzt in der „New Hope Baptist Church“ nun Alicia Keys am Klavier, Tränen laufen ihre Wange herunter; Keys wischt sie ab, dann singt sie sehr schön „Send Me An Angel“. Gemünzt auf Whitney Houston, „Whitney, you’re an angel“, singt Alicia Keys – ein Moment zum Taschentücher herausholen.

Ähnlich rührig wird es, als Stevie Wonder auftritt, der legendäre Stevie Wonder, der „Ribbon In the Sky“ vorträgt und sagt: „Whitney, die Welt wird dich immer lieben.“ The world will always love you. Natürlich spricht auch Clive Davis, Whintney Houstons Entdecker, der am vergangenen Samstag in Los Angeles eine Grammy-Party feierte, als Whitney Houston tot in ihrem Hotelzimmer aufgefunden wurde. Kurz zuvor, erinnert Davis sich, habe Houston ihm noch gesagt: „Clive, ich arbeite an mir. Ich werde wieder fit. Das verspreche ich dir.“ Nun ist sie noch einmal zu hören: Es ist 15.45 Uhr, als die Trauerfeier für Whitney Houston zu Ende geht und ihre Stimme durch die „New Hope Baptist Church“ schallt. Es wird „I Will Always Love You“ gespielt, dann verlassen die Gäste die Kirche. Whitney Houston wird am morgigen Sonntag beigesetzt. Auf dem „Fairview Cemetary“, einem Friedhof in der Nähe. Neben dem Grab ihres 2003 verstorbenen Vaters.

Ulrike von Bülow