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VfB-«Wundermann»: Promi-Geburtstag vom 25. Januar 2020: Jürgen Sundermann

Humor, Motivation, Spielfreude: Der frühere Trainer Jürgen Sundermann steht für die besseren Zeiten des VfB Stuttgart. Am Samstag feiert der «Wundermann» seinen 80. Geburtstag. Ein wichtiger Mensch wird dabei jedoch fehlen.

Jürgen Sundermann

Jürgen Sundermann wird 80. Foto: Tom Weller/dpa

Jürgen Sundermann lächelt verschmitzt, als er erzählt, wie er in den 1960er Jahren seine Frau Monika kennengelernt hat.

Er war Spieler bei Hertha BSC und Monika Nehls, wie sie damals noch hieß, stand einmal mit ihrem Karmann Ghia Cabrio neben dem Fußballplatz. Der technisch beschlagene Sundermann sah sie, fing sofort Feuer - und zirkelte den Ball in hohem Bogen hinter die Sitze des roten Flitzers. «Da musste ich den Ball natürlich wieder holen und schon waren wir im Gespräch.»

51 Jahre ist er nun mit der Frau verheiratet, die später Assistentin von Hans Rosenthal in der TV-Show «Dalli-Dalli» werden sollte. Heute feiern sie an ihrem Wohnort Leonberg bei Stuttgart seinen 80. Geburtstag.

So wie damals ist Sundermann noch heute: kontaktfreudig, direkt - und stets um gute Laune bemüht. Das war ihm schon als Coach des VfB immer wichtig - insbesondere zwischen 1976 und 1979, als er die «Roten» aus der zweiten Liga zurück in die Bundesliga und dort zu Platz zwei führte. Noch heute fällt schnell das Wort vom Motivator und «Wundermann», wenn ältere Stuttgarter über ihn sprechen.

Hurra-Fußball ließ er spielen - und die Fans kamen in Scharen ins Neckarstadion. Seine Spieler seien alles junge Leute mit einer «unheimlichen Motivation» gewesen, erklärt Sundermann. «Die haben immer nur nach vorne gespielt.» Hinten hatte er die Förster-Brüder, im Mittelfeld den Spielmacher Hansi Müller, davor Dieter Hoeneß und Ottmar Hitzfeld. Taktik und Gegneranalysen waren dagegen nicht sein Ding. «Das ist dann auch manchmal in die Hose gegangen», räumt der frühere rechte Läufer von Viktoria Köln und Hertha BSC ein, der mit dem FC Basel zweimal Schweizer Meister wurde.

Seine Spieler ließen sich gerne von ihm antreiben, denn «Freude und Begeisterung war mir immer das Wichtigste». Er habe die Elf «heiß gemacht, das war das Sundermann'sche Hochamt», sagte einmal der 2015 verstorbene frühere VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder.

Er habe viel Glück im Leben gehabt, hat Sundermann schon häufig erzählt. Wenn da nur nicht der Tod seines zweiten Sohnes Leif im vergangenen Jahr gewesen wäre. Sundermann senior schweigt kurz, als sein Name fällt. Er wirkt sehr traurig und scheint mit den Gedanken weit weg zu sein.

Leif, ein Sportjournalist, sei alkoholkrank gewesen. «Das Schlimme war diese Hilflosigkeit», erklärt Sundermann. Mit zusehen zu müssen, wie sich der eigene Sohn selbst schadet. «Wenn du weißt, du kannst ihn nicht vom Alkohol abbringen.» Bei der Geburtstagsfeier dabei sein wird aber Leifs Bruder Marc.

Auch Europameister Hansi Müller ist eingeladen. Er weiß um die Trauer, kann sich aber auch noch gut an die alten Zeiten erinnern. Wie es Sundermann gelang, mit seiner menschlichen Art auch die Ersatzspieler bei Laune zu halten. «Er hat allen das Gefühl geben, dass sie wichtig sind.» Und Demut eingefordert, sagt Müller. «Tut die Birne nach oben. Ihr habt euer Hobby zum Beruf gemacht, da könnt ihr dankbar sein», habe er mal zu einem missmutigen Spieler gesagt.

Beim aktuellen Zustand seines VfB fällt es aber auch Sundermann schwer, gute Laune zu bewahren. Schuld an dem Absturz in die 2. Liga seien die vielen Wechsel in der Clubführung und bei den Trainern, meint Sundermann. «Sehr skeptisch» sei er, was die direkte Rückkehr in die Bundesliga angeht. «Ich sehe in dem Team keine Begeisterung.»

Dafür freuen sich offenbar noch immer viele Menschen, die «Sund» treffen, wenn er als Scout des VfB über die Dörfer zieht. Da spielt es auch keine Rolle, dass er bei seinem zweiten Engagement in Stuttgart 1980 bis 1982 und bei einer kurzen Rückkehr am Ende der Saison 1994/1995 nicht mehr ganz den Erfolg der 1970er Jahre hatte. «Ich war nie überheblich und link», betont Sundermann, der seine Trainerkarriere 1999 bei Vorwärts Steyr beendete. «Es ist schön, wenn sich die Leute positiv an früher erinnern.» Das tue unheimlich gut.

dpa