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Offener Brief veröffentlicht Models klagen an: Victoria's Secret soll Belästigungsvorwürfe seit Monaten ignoriert haben

Models bei der Victoria's Secret Show 2018 in New York
Models bei der Victoria's Secret Show 2018 in New York
© Dimitrios Kambouris/Getty Images for Victoria's Secret
Models und Mitarbeiterinnen haben schwere Vorwürfe gegen die Chefs der Dessous-Marke Victoria's Secret erhoben. Bereits vor Monaten sollen vermeintliche Missbrauchsfälle angeprangert worden sein, doch das Unternehmen habe nicht gehandelt.

Nach den Enthüllungen der "New York Times" haben sich mehr als 100 Models mit einem offenen Brief an den CEO des Unternehmens Victoria's Secret gewandt. Die US-Zeitung hatte vor wenigen Tagen einen Artikel mit der Überschrift "Engel in der Hölle" veröffentlicht und darin eine "Kultur der Frauenfeindlichkeit, Tyrannei und Belästigung" bei dem Dessous-Label angeprangert.

Castingchef Ed Razek nennt Vorwürfe "unwahr"

Vor allem den obersten Bossen Leslie Wexner und Ed Razek wird schweres Fehlverhalten vorgeworfen. Razek, der 27 Jahre lang das Casting für die Victoria's Secret Show verantwortete, soll Models unsittlich berührt und belästigt haben. Wenn Frauen sich ihm widersetzen, soll er sie bei zukünftigen Castings nicht mehr berücksichtigt haben, so wie das kanadische Model Andi Muise. Der 71-Jährige bezeichnete die Vorwürfe gegenüber "ABC-News" als "unwahr und aus dem Zusammenhang gerissen." 

Muise gehört wie andere namhafte Models - etwa Amber Valletta, Christy Turlington oder Karen Elson - zu den Unterzeichnerinnen des Briefes, in dem die Frauen von dem Unternehmen verlangen, endlich zu handeln. Bella Hadid, die 2018 am Rande einer Victoria's Secret Show von Razek aufgefordert worden sein soll, auf den Slip zu verzichten, gehört hingegen nicht zu den Unterzeichnerinnen. Auch ihre Schwester Gigi Hadid oder bekannte Ex-Engel wie Gisele Bündchen, Heidi Klum und Adriana Lima sucht man auf der Liste vergebens.

Initiiert wurde das Schreiben von der Model Alliance, einer Interessenvertretung, die 2012 von der Amerikanerin Sara Ziff gegründet wurde. Ziel ist es, Models vor Übergriffen zu schützen und für angemessene Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Victoria's Secret wusste von dem Missbrauch - und tat nichts

In dem Brief wird deutlich, dass es bereits im September 2019 ein Treffen mit Verantwortlichen gab, bei dem das Unternehmen aufgefordert wurde, "konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um seine Kultur der Frauenfeindlichkeit und des Missbrauchs zu ändern", doch die Firma habe sich geweigert. Victoria's Secret würde die Beschwerden der Models nicht ernst nehmen. Missbrauchsvorwürfe würden einfach "weggelacht und als normal angesehen werden". Der Artikel der "New York Times" habe gezeigt, dass die Anschuldigungen viel weiter reichen, als bisher bekannt war. 

Victoria's Secret hatte im vergangenen Jahr auf die traditionelle Laufsteg-Show verzichtet und angekündigt, das Image und die Ausrichtung der Marke zu überdenken. Für die Unterzeichnerinnen des Briefes ist das nur eine weitere Ausrede. Sie stellen eine deutliche Forderung: "Es ist Zeit für Victoria's Secret, Maßnahmen zu ergreifen, um die Menschen zu schützen, von denen sie profitieren. Menschenrechtsverletzungen können nicht durch die Neuausrichtung einer Marke gestoppt werden. Dieser Moment sollte ein Weckruf sein."

Quellen: "New York Times","ABC News", Instagram Model Alliance

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jum

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