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Liebe ohne Gewalt Moderatorin Aminata Belli: "Jede dritte Frau leidet unter Gewalt in der Partnerschaft – das muss dringend aufhören"

Aminata Belli
Aminata Belli plädiert dafür, dass man auf sein Bauchgefühl achten soll bei der Partnerwahl und Warnsignale ernstnimmt.
© Aminata Belli for Yves Saint Laurent Beauty 'Liebe ohne Gewalt'
Wenn wir über Gewalt in einer Beziehung reden, wird oftmals nur an körperliche Gewalt gedacht, doch auch die psychische kann Menschen zerstören. Aminata Belli unterstützt Frauen dabei, Warnsignale rechtzeitig zu erkennen.

Die Moderatorin Aminata Belli redet gerne Klartext, nicht nur in ihrer Talkshow "deep und deutlich", die sie gemeinsam mit Louisa Dellert für den NDR moderiert. Ein Grund mehr, dass die 30-Jährige ihre Stimme ebenso erhebt, wenn es um die physische und psychische Gewalt an Frauen geht. Gemeinsam mit Yves Saint Laurent Beauty macht sie sich dafür stark, dass Liebe ohne Gewalt gelebt wird. Der stern traf die Influencerin und sprach mit ihr über die möglichen Schattenseiten des schönsten Gefühls der Welt, der Liebe.

Frau Belli, Sie sind eine der Markenbotschafterin der Initiative "Liebe ohne Gewalt". Was verbinden Sie mit diesem Thema?
Ich verbinde fehlende Sichtbarkeit und Aufklärung damit. Wir reden viel zu wenig darüber, das muss sich ändern. Daher möchte ich meine Reichweite dafür nutzen. Jede dritte Frau erfährt mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt in einer Partnerschaft. Diese Zahl schockiert mich.

Warum denken Sie, ist das Thema derart unsichtbar?
Betroffene suchen sich oftmals keine Hilfe von außen, ein Grund könnte sein, dass sie sich unsicher fühlen. Außerdem wird das Thema noch nicht öffentlich stark genug kommuniziert, um dem Ganzen auch eine gewisse Scham zu nehmen. Zusätzlich denke ich auch, dass gerade psychische Gewalt in einer Beziehung viel zu selten als solche erkannt wird. Man tut ein Fehlverhalten des Partners gerne mal ab mit "Er hat heute nur einen schlechten Tag/Phase", wobei die psychische Misshandlung zu dem Zeitpunkt manchmal schon in vollem Gange ist. Wir müssen zusammen daran arbeiten eine Sensibilisierung zu schaffen, dass auch psychische Gewalt eben Gewalt ist.

Frauen, denen Gewalt in der Beziehung passiert, haben oft Angst es zu sagen

Glauben Sie, dass das Nicht-Handeln von Frauen auch oft Angst behaftet ist?
Ja definitiv. Sicherlich ist die Angst da, dass die Situation dadurch noch bedrohlicher wird. Zudem geben Frauen oftmals Signale oder fordern Hilfe, die sie dann aber nicht (rechtzeitig) bekommen. Da muss sich noch einiges ändern.

Oftmals wird in der Gesellschaft ein Art Ranking vollzogen, dass physischer Schmerz schlimmer ist, als psychischer. Muss dieses Denken aufgebrochen werden?
Auf jeden Fall. Das Empfinden von Schmerz ist sehr subjektiv und auch psychische Schmerzen können seelische Auswirkungen in Form von lebensverändernden und lebenseinschränkenden Traumata haben. Man sollte das eine nicht gegen das andere aufwiegen.

Wie lauten die Warnhinweise, die Sie gemeinsam mit YSL Beauty stärken wollen?
Da man nie weiß, was hinter verschlossenen Türen vor sich geht, manchmal nicht mal bei Freunden oder der Familie, ist es sehr wichtig, dass die Warnhinweise für Gewalt in Beziehungen weiterhin publik gemacht werden. Diese lauten:

  • Ignoranz. Immer dann, wenn Wut aufkommt.
  • Erpressung. Wenn du dich weigerst, etwas zu tun.
  • Demütigung. Mit dem Ziel, dich zu unterdrücken.
  • Manipulation. Du sollst tun und sagen, was von dir verlangt wird.
  • Eifersucht. Bei allem, was du tust.
  • Kontrolle. Darüber, wohin du gehst und wie du aussiehst.
  • Eingriff in dein Leben. Dein Handy wird durchsucht oder dein Standort verfolgt.
  • Isolation. Du wirst von Freunden und Familie abgeschnitten.
  • Einschüchterung. Du wirst für verrückt erklärt und verängstigt.

Die Warnhinweise sind ein tolles Hilfsmittel. Worauf ist Ihrer Meinung nach noch zu achten?
Ganz wichtig ist, dass man niemanden gedanklich ausschließt, sondern die Augen offen hält. Man sollte auch nicht denken: "Wie ist jemand, der in so eine Situation geraten könnte" oder "Sie ist nicht der Typ, dass sie sich emotional missbrauchen lassen würde", damit muss dringend aufgeräumt werden. Jedem Menschen kann psychische und physische Gewalt widerfahren. Auch Menschen, die stark nach außen wirken.

Wann sollte man im Umfeld eingreifen, wenn man etwas bemerkt?
Es gibt sicherlich nicht den perfekten Zeitpunkt. Beim Daten, wo diejenige oder derjenige noch sehr verliebt ist, und die rosarote Brille aufhat, ist es bestimmt nicht einfach an denjenigen ranzukommen. Doch ich bin immer dafür, seine Bedenken zu äußern. Oftmals passiert psychische und physische Gewalt aber erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Beziehung. Da ist es natürlich besonders schwierig für Außenstehende. Man sollte generell keine Angst vor offener Kommunikation haben und auf seinen Bauch hören, wenn etwas falsch erscheint. Es könnte vor Schlimmerem schützen.

Was möchten Sie den stern Leserinnen zu dem Thema "Liebe ohne Gewalt" noch unbedingt sagen?
Gewalt in einer Beziehung kann überall stattfinden – in jeder Gesellschaftsschicht, in jedem Alter, mit jeder Herkunft, bei jedem Geschlecht und in jeder Beziehungsform.

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