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Der Tinder-Schwindler Hannah trifft einen reichen Angeber – zwei Jahre später sieht sie ihn in den Nachrichten

Tinder
Online-Dating hat unser Liebesleben stark verändert. Hier erzählen elf Menschen ihre persönliche Tinder-Geschichte.
Er redet auf dem Tinder-Date von Privatjets, seiner reichen Familie und zeigt ihr die Überwachungskameras in seinem Haus. Das Geprahle lässt Hannah misstrauisch werden. Ihre Vorahnung bestätigt sich, als sie ihre Bekanntschaft zwei Jahre später in den Nachrichten sieht.

Tinder wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Der stern hat mit Menschen über ihre Erfahrungen mit Online-Dating gesprochen. Das hier ist die Geschichte von Hannah, 29. Nach dem ersten Date blockte sie den reichen Angeber sofort – und war später heilfroh darüber:

Es gibt ein Tinder-Date, das ich nie vergessen werde. 2017 ist mir ein Mann aufgefallen. Simon. Seine Bilder waren anders, irgendwie ausgefallen. In einer Limousine, in einem Privatjet. Das hat mich neugierig gemacht und ich habe mich gefragt: Kann der überhaupt echt sein? Ich habe nach rechts geswiped – und hatte ein Match. Wir haben gechattet, Nummern getauscht, einmal sogar telefoniert. Er war viel unterwegs, doch ein paar Wochen später haben wir uns in Berlin getroffen: Im Ritz Carlton am Potsdamer Platz. Ein Abendessen.

Ich war etwas früher da und habe deshalb beobachten können, wie er die Treppe runterkam. Er hatte einen Bodyguard dabei und trug extravagante Sachen, die nicht wirklich zusammengepasst haben. Eine dunkelrote Hose und ein blau-weiß-gestreiftes Hemd, meine ich. Dazu noch getönte Brillengläser und eine große Uhr. Aber er sah fast genauso aus wie auf den Bildern. Bei Tinder ist das nicht die Regel. Ich war trotzdem überrascht, dass er wirklich so vor mir stand. Bis zuletzt hatte ich befürchtet, es würde jemand ganz anderes kommen. Oder sogar niemand.  

"Er hat ziemlich geprahlt und geprotzt"

Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass er fast nur über sich gesprochen hat. Seine Arbeit für einen großen Diamanthändler etwa. Über mich wollte er hingegen kaum etwas wissen. Er hat mir auch eine App gezeigt, mit der er seine Flüge in Privatjets gebucht hat. Und die Überwachungskamera in seiner Wohnung. Dort hat er einmal das Licht an- und wieder ausgeschaltet. Er hat ziemlich geprahlt und geprotzt, wenn ich es mir so überlege.

Später am Abend hat er mir dann seine Hand auf meinen Oberschenkel gelegt und wollte mir immer näherkommen, hat mir viele Komplimente gemacht. Auch seine Bekenntnisse wurden plötzlich intimer. So erzählte er mir, dass er schon im Gefängnis saß und in ständiger Angst lebt, gekidnappt zu werden, weil er angeblich aus einer reichen Familie stammt. Die ganze Situation hat sich für mich falsch angefühlt und deshalb habe ich abgeblockt. Ein zweites Date gab es nicht. Seltsam fand ich noch im Nachhinein, dass er bei WhatsApp ständig seine Telefonnummern wechselte und sein Instagram-Account häufig zwischen online und deaktiviert schwankten.  

Ihr Tinder-Date ist plötzlich in den Nachrichten

Ich habe dann nichts mehr von ihm gehört, bis ich im Jahr 2019 meine Großmutter im Hospiz besucht habe. Im Fernsehen lief dort ein Bericht über einen Betrüger, der zahlreiche Frauen um teilweise sechsstellige Geldbeträge gebracht hatte und sie für ihn hohe Kredite aufgenommen haben. Ich habe ihn sofort wiedererkannt: Es war Simon. Simon Leviev, wie er sich mir damals vorgestellt hatte. In Wirklichkeit heißt er jedoch Shimon Jehuda Hayut. Ich saß mit offenem Mund vor dem Fernseher und war schockiert.

Er hatte mir die gleichen Aufnahmen aus seiner Wohnung gezeigt wie allen anderen Frauen, dieselben Selfies aus seinem Privatjet. Ich bin schon immer vorsichtig gewesen beim Dating. Aber nach diesem Erlebnis achte ich nun noch mehr darauf, was mir die Leute erzählen. Ich treffe mich nur in öffentlichen Orten. Bevor wir uns privat bei jemandem treffen, lasse ich mir vorher den Ausweis zeigen, fotografiere ihn und schicke ihn meiner besten Freundin. So gehe ich sicher, dass mir nichts passiert. Wenn ich das bei Simon gemacht hätte, wäre mir vermutlich sowieso der andere Name in seinem Pass aufgefallen. Aber so weit kam es ja gar nicht.   

Aufgezeichnet von: Gerrit-Freya Klebe  

Anders lief das erste Date bei Sven und Karoline. Sie verstanden sich so gut, dass sie beim zweiten Date sofort in den Urlaub fuhren. Der Beginn einer romantischen Liebesgeschichte.

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