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stern-Stimme Maries Modelcheck: "Curvy Supermodel": Ein Caspar auf Helium und ein ehemaliger "Bachelor" auf Model-Suche

Neue Jury, neues Vermarktungs-Konzept und alte Model-Casting-Rituale. "Curvy Supermodel" startet bei RTL 2 in die dritte Staffel. In der heißt es: Quote machen oder in den ewigen TV-Jagdgründen verschwinden.

Von Marie von den Benken

Curvy Supermodel

Die Jury der diesjährigen Staffel "Curvy Supermodel": Jan Kralitschka, Angelina Kirsch, Jana Ina Zarrella und Oliver Tienken. 

Dritte Staffel, dritte Jury-Kombination. Anders als bei der dünnen Schwester "Germany's Next Topmodel", wo zuletzt der Ausstieg von Thomas Hayo nach acht Jahren in der Jury beinahe einer Sensation gleichkam, gehören neue Gesichter bei "Curvy Supermodel", das gestern Abend zur Primetime auf RTL 2 startete, offensichtlich zum Konzept. Von den vier Juroren, die vor zwei Jahren mit ordentlichen Quoten knapp über Senderdurchschnitt das neue Kurven-Format aus der Taufe hoben, ist nur noch Angelina Kirsch an Bord.

Und auch aus der zweiten Staffel im vergangenen Jahr, als nur noch 6% Marktanteil erreicht werden konnten, sind bereits zwei Juroren wieder Geschichte. Obwohl – einer ist irgendwie nur halb weg. Peyman Amin, immerhin mit GNTM-Expertise angetreten, ist kein Mitglied der Jury mehr. Dafür sitzt Oliver Tienken jetzt neben Kirsch. Er bezeichnet sich selber als Choreograph, Model und Dancer. In meinen Augen ist er vor allem ein Peyman Amin Lookalike-Contest-Sieger. Optisch könnte er Amins Zwillingsbruder sein.

"Curvy Supermodel": Wie Caspar auf Helium

Damit das nicht zu sehr auffällt, trägt er den ganzen Abend einen lustigen Hut. Spätestens, als er das erste Mal eine Bewertung abgibt, wird jedoch klar: Es gibt noch weitere Unterschiede zu Amin. Zum einen klingt Tienkens Stimme beim Sprechen in etwa so wie der Rapper Casper beim Singen. Auf Helium. Zum anderen biedert er sich dem Slang der vermeintlichen Zielgruppe an und lässt regelmäßig bei den ersten Auftritten der Curvy-Kandidatinnen ein "I like" fallen. Er retweetet sich quasi selber. Gnadenlos ist er aber nicht nur bei seinem Vorhaben, der Peyman Amin der Herzen zu werden, sondern auch bei den Aspirantinnen auf den Titel "Curvy Supermodel" 2018. Für einige ist die Hoffnung, am Ende der Staffel Supermodel oder vielleicht wenigstens Influencerin zu werden, schon nach wenigen Sekunden wieder vorbei. Vernichtende Urteile werden schneller gefällt, als der DFB-Präsident "Özil ist doof" sagen kann. Eine karrierebereite Dame schickt er mit den Worten "für so einen Titel muss man brennen" wieder nach Hause. Ich persönlich wittere eine Verschwörung. Keine der letztendlich in die kommende Runde eingezogenen Mädchen musste gelöscht werden. Auf der nach oben offenen Aluhut-Skala ist das mindestens auf Chemtrails-Niveau.

Curvy-Influencer

Damit die dritte Staffel nicht die letzte wird, darf RTL 2 auf der Zuschauer-Seite nicht noch weiter einbrechen, da sind sich auch die Experten der Carsten-Maschmeyer-Quoten-Analyse-Unit sicher. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt RTL 2 neben den Jury-Wechselspielchen auf einen neuen Sendeplatz. Nach Mittwochs (Staffel 1) und Montags (Staffel 2) catwalken die Curvy-Supermodels dieses Jahr auf dem für Model-Formate durch Heidi Klum etablierten Donnerstagabend durch die Primetime. Vor allem aber setzt der Münchner Privatsender auf die neue Wunderwaffe Influencer-Marketing. Und so versuchen ausgewählte und zum Thema passende Instagram-Sternchen, ihre Follower zum Einschalten zu bewegen. Darunter auch Deutschlands vermutlich bekanntestes Curvy-Model Sarina Nowak. Sie war 2009 noch sehr viel dünner und unter der Jury-Führung von Peyman Amin in der 4. Staffel "Germany's Next Topmodel" immerhin Sechste geworden. Um für die neue "Curvy"-Staffel die Werbetrommel zu rühren, schaut sie bei Instagram verträumt in die Kamera und beteuert #ilovecurves.

Eigentlich wollte sie das Bild ja an einem Pool machen, aber dann hat sie Angst bekommen, dass irgendwo am Rand Micky Beisenherz und seine Comedy-Rentner-Urlaubsgruppe rumsitzen und das Ganze dann per Facebook-Live-Stream an die Nation weiterdistributiert.

Heidewitzka, Jan Kralitschka

Ich persönlich finde das schade. Ein Live-Video, in dem ältere Männer bei gefühlten 50 Grad in schwarzen Oberhemden in der prallen Mallorca-Sonne sitzen und Sprüche wie "kann diese Weight Watchers Broschüre mehr Likes bekommen als die Schnalle" raushauen, hätte ich gerne gesehen. Ich mag ja Shitstorms. Apropos Shitstorm: Jana Ina ist die zweite Überlebende der 2017er Jury. Zur Feier des Tages trägt sie Ohrringe in der Größe eines handelsüblichen Bügelbretts. Neben ihr sitzt ein braun gebrannter Mann in weiß. Kurz denkt man: Oh, Andreas Türck ist jetzt Notarzt? Kann ja nicht schaden, bei diesen Temperaturen. Es ist aber nur Jan Kralitschka. Einem breiteren (haha, Bodyshaming-Alert) Publikum als RTL-Bachelor bekannt. Was genau ich qualifiziert, ein "Curvy Supermodel" zu finden, bleibt unklar. Grundsätzlich dürfen seine Auswahl-Fähigkeiten ja historisch gesehen durchaus angezweifelt werden. Immerhin hatte er sich ja bereits 2013 im Finale von "Der Bachelor" zum Entsetzen des Second Screens und der einschlägigen Begleit-Boulevard-Presse für Alissa anstatt Ramona entschieden.

Die 4 von der Kein-Zank-Stelle

Vielleicht dachte RTL 2 aber auch einfach nur, dass vielleicht auch mal ein Mann in der Jury sitzen sollte, der für die zum Mitgucken verdonnerten Mütter Schwiegersohn-Potenzial ausstrahlt. Das war bei seinen Vorgängern wie beispielsweise Harald Glööckler ja jetzt nicht unbedingt der erste Impuls, dem man beim Einschalten erlag. Damit ist die Jury also komplett: Angelina Kirsch, Jana Ina Zarrella, Oliver Tienken und Jan Kralitschka. Und neben Kralitschka als Schwiegermamas Liebling hat offenbar auch jeder andere seine gezielt redaktionell vorbereitete Rolle. Tienken reißt das Zepter von Anfang an bemerkenswert eindeutig an sich. Der Peyman-Amin-Klon hat den mit Abstand höchsten Redeanteil. Kirsch gibt das wissende Model, das sich schwesterlich mit guten Ratschlägen auf die Seite der Kandidatinnen schlägt. Für Zarrella bleibt da nur noch wenig Nettosendezeit. Sie sitzt die meiste Zeit lächelnd auf ihrem Jury-Sessel und wirft hin und wieder Sätze wie "Es gibt einen Markt für sie!" zu den Kandidatinnen in die Runde. Die kurze Hoffnung, sie hätte eine Edeka gewonnen, zerschlägt sich für das möglicherweise angehende "Curvy Supermodel" übrigens. "Es gibt einen Markt für sie!" heißt lediglich, dass die Frau von "Let's Dance"-Legende Giovanni sicher ist, dass es in der Curvy-Model-Branche Kunden gibt, die sie buchen würden. Insgesamt fällt auf, dass kleine Frotzeleien oder Meinungsverschiedenheiten unter den Juroren, wie man sie aus den vergangenen Jahren und auch aus anderen Casting-Formaten kennt, vollkommen ausbleiben. Alles läuft vollkommen harmonisch ab.

Ja, nein, ja, nein

Die für den Recall ausgewählten Kandidatinnen müssen in Zweier-, Dreier- oder Vierergruppen jeweils zu einem bestimmten Motto eine Choreographie absolvieren. Die erste Gruppe tritt als Cheerleader auf, eine andere trägt Luftballons. Eine von ihnen wird in einigen Wochen zum neuen "Curvy Supermodel" ausgerufen. Sie kommt auf das Cover der Zeitschrift "Joy", quasi der "Cosmopolitan" der Wartezimmer. Außerdem bekommt sie einen Vertrag mit der Modelagentur Pars Management. Bei der von Ex-Juror Peyman Amin geführten Agentur ist bereits Vorjahressiegerin Hanna Wilperath unter Vertrag.

Der Weg dahin ist allerdings noch lang. In einer viel zu langen Bewertungs- und Auswahlprozedur geben die vier Juroren zu jeder Kandidatin ihr Urteil ab. Mindestens drei "ja" aus vier Juroren müssen es sein, um in die Endrunde einzuziehen, bei der dann die Shootings und Challenges beginnen. Alle Juroren bemühen sich, möglichst originelle Urteile abzugeben. Das führt dann im Fall von Bachelor Jan zu Bewertungen wie "Du hast einen tollen Akzent". Ja, was man eben so braucht als Model.

Sechs Kurven für ein Halleluja

Wenn ich das neue Konzept richtig verstanden habe, gibt es in den kommenden zwei Wochen nochmals große Casting-Shows und die Auserwählten aus diesen beiden Sendungen und heute bilden dann den Kader für die anschließend beginnenden "Curvy Supermodel"-Shows. Diese Woche qualifizieren sich Ines, Viktoria, Yolanda, Tessa, Vera und Larissa. Kommen nächste und übernächste Woche also noch mal je sechs Kandidatinnen weiter, geht es ab Woche vier mit 18 Aspirantinnen in die Endrunden. Insgesamt sollen sieben Folgen geplant sein, wie auch im vergangenen Jahr bereits. Wie die Suche nach dem dritten "Curvy Supermodel" weitergeht, werde ich aber in jedem Fall beobachten.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

Ia Ostergren: Dieses schwedische Model hat die wohl längsten Beine der Welt