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Maries Modelcheck: "Curvy Supermodel": Von der Putzfrau aus Köln zum Model bei Peyman

Ines Dahmen aus Köln ist "Curvy Supermodel" 2018. Wer sich an die Namen der Vorjahresgewinnerinnen noch erinnert, hat eine vage Vorstellung davon wie sich das Leben der 18-Jährigen jetzt "total ändern wird".

Von Marie von den Benken

Curvy Supermodel

Ines Dahmen aus Köln ist das "Curvy Supermodel" 2018.

RTL II

Schon im Teaser zur Final-Folge von "Curvy Supermodel" werden die Zuschauer (noch kann man bei diese Format laut Quoten-Analyse da ja ohne den Verdacht zu erwecken, Fake News zu verbreiten, im Plural sprechen) auf eine dreifache emotionale Spannungs-Zerreißprobe gestellt:

1. Jana Ina, die ihr eigenes Format weiterhin konsequent "Görwie Subamoddel" nennt, kündigt an, dass gleich zu Beginn direkt eine der fünf Finalistinnen gehen wird. Also, nicht über den Catwalk, sondern nach Hause.
2. Juror Oliver Tienken steht um 6 Uhr morgens verzweifelt vor Hotelzimmer 215, um Schulamit zum ersten Tag der Finalwoche zu geleiten. Sie öffnet jedoch die Tür nicht. Was mag wohl passiert sein? Nervenflattern? Jan Ullrich-Gedächtnis-Party? Oder ist Schulamit doch Oliver Kalkofe in seiner längsten Rolle?
3. Bei der finalen Entscheidung steht ganz links neben der Jury ein großer Spiegel, so dass es so aussieht, als säße Oliver Tienken zwei Mal im Studio. Mit dem bloßen Auge ist innerhalb der wenigen Sekunden nicht zu erkennen, dass es sich tatsächlich um Ex-Juror Peyman Amin handelt, der seinen ehemaligen Kolleginnen Jana Ina und Angelina Kirsch für das Finale zur Hilfe geeilt ist. Immerhin gewinnt die Siegerin einen Modelvertrag bei seiner Agentur. Das liegt vor allem daran, dass Jan Kralitschka keine Modelagentur hat und niemand einen Opel Adam wollte.

Wo ist Schulamit? 

Nach der ersten Werbepause geht es dann aber richtig ans Eingemachte. Also, das ist so eine Redewendung und kein billiger Fatshaming Gag über das Essverhalten von Plus Size Models. Und ja: Es gibt bei "Curvy Supermodel" noch Werbekunden, die TV-Spots schalten. Das verwundert natürlich ein wenig, denn so wie sich die Quoten während dieser Staffel entwickelt haben, wäre es für Unternehmen günstiger, jedem Zuschauer ihr Produkt gratis zuzuschicken und noch 10.000 Euro in bar draufzulegen, damit sie dann jedem ihrer Freunde erzählen, wie toll es ist. Quasi Influencer-Marketing RTL 2 Modus.

Oliver Tienken macht sich um 6 Uhr morgens auf den Weg, die Mädchen für ein überraschendes Job-Casting aufzuwecken. Nachdem er wild, aber erfolglos minutenlang gegen die Tür von Zimmer 215 geklopft und damit die gesamte zweite Etage (außer Schulamit) geweckt hat, flüchtet er auf die vierte Etage und weckt erst mal die übrigen vier Finalistinnen. Schulamit bleibt auch dann noch verschollen, als "die Sarah von er Joy" schon da ist und mit eigentlich fünf Curvy-Models eine Herbst/Winter-Mode-Strecke shooten wollte. Peinlich berührt bläut Jana Ina daraufhin den verbliebenen vier Mädchen vehement ein, dass man mit so einer Einstellung im Business keine Chance hat. Die Vokabel "No-Go" fällt etwa 493 mal. Die gesamte Szene wirkt natürlich ein wenig bizarr, da die vier ja pünktlich parat standen. Das ist in etwa so, als würde Jogi Löw eine Stunde lang auf den Kader des Weltmeisters Frankreich einreden, dass Deutschland wieder viel besser Fußball spielen muss.

Dreitausendmilliardenwasauchimmer Prozent (damit ist nicht die Quote gemeint)

Irgendwann im Laufe der Vorbereitungen zum großen Shooting für die "Joy" trudelt Schulamit dann doch noch ein. Sie hatte den letzten Zug am Vorabend verpasst. Professionalität ist kein Dozent an der Hochschule. Sie wirkt nicht so, als wäre der Sieg ihr größter Wunsch. Dabei hatte sie im Teaser auf die letzte Folge "Curvy Supermodel" noch angekündigt, sie würde für das Finale "nicht 100 Prozent, sondern Dreitausendmiliardenwasauchimmer Prozent geben". Stattdessen gibt es nur Dreitausendmiliardenwasauchimmer Ausreden. Das kommt eher so mittel gut an. 

Die Gardinenpredigt hatten sich aber ja bereits die vier pünktlichen Kandidatinnen abgeholt und es bleibt auch nicht viel Zeit, denn es muss ja auch noch gearbeitet werden. Herbst/Winter bedeutet natürlich vor allem dicke Mäntel und Rollkragenpullover. Und das bei 30 Grad. Hallo Saisongeschäft im Modelbusiness. Einige Mädchen scherzen darüber, dass es in der Klamotte recht warm wird und langsam der Schweiß kommt. Jana Ina ist schon wieder auf 180 und hat vermutlich auch kein Deo dabei. Sie zitiert aus ihrem Model-Ratgeber: "Regel Nummer 1: ein Model schwitzt nicht! Regel Nummer 2: ein Model schwitzt nicht! Regel Nummer 3: ein Model schwitzt nicht!" Die vierte goldene Regel ("ein Model wiederholt sich nie") lässt sie unentschuldigt weg.

Schula(nicht)mit dabei

Nach dem Joy-Job geht es direkt weiter auf eine Art Steinbruch. Dort gibt es vor dem nächsten Shooting noch schnell den ersten Rauswurf. Wenig überraschend trifft es Pünktlichkeits-Wunder Schulamit. Ihr letzter Versuch, die Herzen der Jury zurück zu gewinnen, scheitert mit ihrer Antwort auf die Frage, warum sie besser ist als die anderen Kandidatinnen: "Ich finde mich selber sympathischer". Die grenzenlose Sympathie kann sie jetzt wieder zu Hause in Stuttgart ausleben, "Curvy Supermodel" wird sie nicht. Angelina Kirsch gibt ihr noch schnell mit, sie müsse "an ihrer Professionalität, Disziplin und Zuverlässigkeit arbeiten". Klingt ein bisschen so wie der Satz "du musst mehr Blau, Bleu oder Blue tragen", aber es ist ja auch ein Talent, drei Vokabeln für die selbe Aussage zu finden. 

Schulamit ist das aber egal. Sie bliebe auch unberührt, wenn Kirsch 23 Vokabeln gefunden hätte. Sie ist weiterhin von sich überzeugt: "Vielleicht werde ich berühmter als die Gewinnerin von Curvy Supermodel." Ja, Vielleicht. Vielleicht sitzen auch Mario Barth, Horst Seehofer und Alice Schwarzer neben Heidi Klum in der Jury von "Germany's Next Topmodel 2019". 

Peyman hat Fragen

Nach dem Superhelden-Shooting mit den verbliebenen Vier geht es dann mit den großen Überraschungen weiter. Sie treffen unverhofft auf Peyman Amin. Er soll sie interviewen, um mehr über  Benehmen und Anstand der Kandidatinnen zu erfahren. Der Markus Lanz von RTL 2 geht dafür mit den Kandidatinnen einzeln essen. Zur Begrüßung lautet seine erste Interview-Frage direkt: "Wer bin ich?" Der Höhepunkt des lustigen Promi-Ratens bleibt leider aus. Die Antwort "hä? Der Olli?" fällt nicht. Peyman ist also eindeutig der Richtige, um die letzten Geheimnisse aus den Mädchen heraus zu kitzeln. Das findet auch Angelina. Sie bezeichnet den Oliver Tienken Münchens als "Trüffelschwein der Schwachstellen".

Jana Ina fügt hinzu: "Er hat eine Mega-Modelagentur". Nun, da hat sie nicht so ganz richtig aufgepasst. Mega-Modelagentur, das ist die Agentur von Ted Linow, der in der ersten Staffel in der Jury saß. Da kann man also schon mal durcheinander kommen. Am einfachsten kann man die Staffeln über die Quoten-Ergebnisse auseinanderhalten. Während Ted Linows Staffel haben nämlich noch Leute zugesehen. Peymans Agentur heißt "Pars Models". Bislang konnte mir noch niemand erläutern, was "Pars" heißen soll. Davon ausgehend, dass "PA" die Initialen von Payman Amin sind, könnte "RS" ja für Ralf Stegner stehen, der sich mit diesem Move Richtung Model-Biz ein zweites berufliches Standbein aufbauen möchte. In Anbetracht der ziemlich hohen Wahrscheinlichkeit, dass seine Karriere als Politiker demnächst beendet sein wird, wäre das keine dumme Idee.

Drei Engel für den Catwalk

Peyman verrät in den Gesprächen dann beinahe mehr über sich ("Nennt man das in deinem Gesicht Leberfleck, Muttermal oder Warze? Ich bin kein Hautarzt!") und über die großen Geheimnisse der Modelwelt ("Models sind auch nur Menschen und die dürfen Kinder bekommen"). Trotzdem wirft die Jury nach den Einzelinterviews eine weitere Kandidatin raus. Es trifft Alina. Es hilft ihr nicht mal, dass sie als Vorbereitung auf ihr Interview "so in mir gegangen" ist. Gut, was soll das auch bringen. Wenn ich zum Beispiel in mir gehe, finde ich hauptsächlich zu viele Chips und 40 Liter Kaffee. 

Die drei Final-Finalistinnen shooten dann noch schnell das potenzielle Cover, bevor es im Final-Walk "um die Wurst" geht, wenn man das bei einem Format, das "Curvy Supermodel" heißt, noch sagen darf, ohne dass ein mittelschwerer Shitstorm entfacht wird. Dieser wird "Höhepunkt der Staffel" inszeniert. Guter Zeitpunkt, so 10 Minuten vor Staffelende. Am Catwalk sitzen Freunde und Familien der Mädchen. Quasi ein Heimspiel der Emotionen für Rahel, Pauline und Ines. Nach einigen umjubelten Walks und euphorischen O-Tönen der Liebsten fliegt als Vorletzte der 2018er Staffel Rahel und holt Curvy-Bronze. 

Ines ist "Curvy Supermodel" 2018 

Für die letzte Entscheidung des Curvy-Jahres kommt auch noch mal Model-Agent Peyman Amin auf die Bühne, um seinen neuen Agentur-Schützling persönlich in Empfang zu nehmen. Minutenlanges Lobhudeln, Tränen, Aufregung – dann verkündet Angelina Kirsch das "Curvy Supermodel" 2018: Ines. Von der Putzfrau aus Köln zum Supermodel bei Peyman. Läuft bei Ines. Ihr "Joy Style" Cover wird eingeblendet, ein 15.000 Euro Gutschein für Klamotten überreicht und dann fällt sie auch schon in die Arme ihrer heulenden Eltern. Die Gewinnerinnen der ersten beiden Staffeln waren Céline Denefleh und Hanna Wilperath. Wer sich an die Namen noch erinnert, hat eine vage Vorstellung davon wie sich "ihr Leben jetzt total ändern wird". Das jedenfalls kündigt RTL II an. Eine vierte Staffel "Curvy Supermodel" dagegen bislang nicht. Auch komisch: Ein TV-Format nahe am Quoten-Desaster, ohne dass ich an den Moderations-Texten beteiligt war. Egal - ich hoffe, "Curvy Supermodel" kommt 2019 wieder. Dann vielleicht mit Dwayne "The Rock" Johnson in der Jury. Gemeinsam mit Peyman Amin und Oliver Tienken wäre das Doppelgänger-Trio dann komplett. 

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

Curvy Models - Kurven sind sexy