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Maries Modelcheck: Zieh dir was an, du Flittchen!

Make-Overs, Game Overs, Jurypäpste, Funktionsunterwäsche und Discounterjobs. Die vierte Folge "Curvy Supermodel" ist fast so spannend wie die Erfolgsgeschichte des deutschen Dieselmotors.

Von Marie von den Benken

Curvy Supermodel

Bianca, Endurance, Khadija, Karina und Gina in der aktuellen Folge von "Curvy Supermodel"

RTL 2 startet in die vierte Woche "Curvy " gleich mal mit einer Ansage: "Über diese Entscheidung wird ganz Deutschland diskutieren." Da scheint man ja einen Final-Walk in petto zu haben, der sogar die Sensationsmeldung um Alessio und sein Einschlaf-Tablet von den Titelseiten verdrängen wird. Was mag das wohl sein? Der entscheidende Catwalk zur Live-Musik von Marius Müller-Westernhagen, der "Ich bin froh, dass ich kein Dicker bin. Denn dick sein ist 'ne Quälerei. Ich bin froh, dass ich so'n dürrer Hering bin. Denn dünn bedeutet frei zu sein" performt?

Damit hätte man es sich jedenfalls sofort mit Curvy Superjournalistin verdorben. Der Abend beginnt also mit einer Portion Vorfreude, die größer ist, als die Beschwerdeliste nach einem durchschnittlichen Air Berlin Flug.

Peyman Amin und die geistige Unterstützung

Bis zu dieser sagenumwobenen Entscheidung müssen die Zuschauer aber erst noch zwei Stunden Jury-Weisheiten und die Kandidatinnen rund 500 Meter Haarverlust verkraften. Es ist nämlich Pflichtprogramm-Abend für Model-Casting-Formate: Das Umstyling - mit Heul-Couture-Garantie. Dieses Jahr haben die Juroren aber die Aufgabe, so viele deutsche Silben wie möglich aus dem Sprachgebrauch zu entfernen und nennen das Umstyling konsequent Make-Over. Dabei sind sie, so verrät uns , vor allem da, um die Mädchen "seelisch und geistig zu unterstützen". Wie eine geistige Unterstützung während eines Make-Overs aussieht, bleibt unklar. Ein Priester scheint nicht anwesend zu sein. Möglicherweise wird die Kandidatin mit der mutigsten Typveränderung aber von Peyman im Anschluss in einem Langhaar-Exorzismus heilig gesprochen.

Make-Over oder Game Over?

Das seelische und geistige Unterstützen läuft dann übrigens so ab: "Nee, Bianca, wenn Du es nicht 100 Prozent machst, also färben und Kurzhaarschnitt, dann brechen wir das Make-Over hier ab." Da nützt dann auch eine Privataudienz bei Jury-Papst Peyman nichts, denn in -Deutsch übersetzt heißt das: Haare ab oder tschüss. Bei "Curvy Supermodel" rausfliegen, weil man seine Haare nicht kürzen wollte, damit schafft man es in der der heutigen TV-Realität, in der pro Jahr mehr Ex-"Bachelor"-Kandidatinnen produziert werden, als Stefanie Giesinger Instagram-Fotos posten kann, nicht mal mehr zu "Promi Big Brother".

Das sieht dann, nach einer schnellen Werbepause, in der Chef-Jurorin Angelina Kirsch kurz eine Staffel "Let's Dance" abdreht, auch Bianca ein. Lieber die Chance auf 14 Tage TV-Knast mit Showgrößen wie Georgina Fleur oder Menowin Fröhlich, als Haare behalten. Der -Obman für geistige Unterstützung, Peyman Amin, frohlockt. Die anderen Juroren sind nicht in der Nähe. Vermutlich entscheiden sie gerade, in welchen Outfits die Curvys im direkt ans Make-Over anschließenden ersten Entscheidungs-Walk antreten sollen.

Nacktlauf

Und was soll ich sagen: Es hat sich gelohnt. Die Kleiderordnung für den Laufsteg lautet: Unterwäsche. Dafür hat die Jury sogar eine ganz neue Legitimations-Strategie für das fortlaufende zur Schau stellen von jungen, beinahe vollständig nackten Mädchenkörpern erfunden: "Damit nichts von ihrem neuen Look ablenkt, treten die Kandidatinnen in minimalistischer Funktionsunterwäsche auf." Minimalistische Funktionsunterwäsche, oder wie meine Oma sagt: Zieh dir was an, du Flittchen! Damit RTL 2 seinem Auftrag, natürliche Schönheit zu zelebrieren, gerecht werden kann, fallen während des Make-Over-Verarbeitungs-Catwalks seitens der Jury noch ein paar aufmunternde Sätze wie „beim Walk sahst du aus wie eine Beerdigung“ oder „für einen Modelagenten bist du die Hölle“. So hart werden die Mädchen nicht mal bei GNTM abgekanzelt. Das ist allerdings auch kein Wunder. Heidi Klums Topmädchen erhalten einen Vertrag bei der Agentur von Günther Klum, und das hat dann mit Modelagenten etwa so viel zu tun, wie AfD mit Regierungsfähigkeit.

Hast Du den KiK?

Zu Birdys "People Help The People" ist Clarissa anschließend nicht mehr zu helfen. Als einzige aus vier Wackelkandidatinnen wird sie schon auf Minute 70 nach Hause geschickt. Wenn man die 5 Werbepausen rausrechnet, war das erst eine knappe Netto-Dreiviertelstunde und schon die erste Kandidatin ist raus. Die Zeit verfliegt so schnell, Khadija konnte noch keinen einzigen Satz über ihre Oberweite unterbringen.

Den 15 Überlebenden des Make-Overs wird dann gleich noch die Überraschung der Woche präsentiert. Es handelt sich nicht um Spiel, Spaß und Schokolade, sondern vielmehr um Fotos, TV-Spots und Discounter. Der Modegigant KiK hat Trägerinnen von Übergrößen als Zielgruppe identifiziert und greift sich vier Kandidatinnen direkt vom Laufsteg für ein Katalogshooting. Die Kandidatinnen reagieren auf KiK etwa so, wie Cristiano Ronaldo auf eine Flasche Haargel: Sie rasten aus. Kurz überlege ich, zurück zu spulen und zu kontrollieren, ob wirklich KiK genannt wurde und nicht vielleicht Balenciaga oder Dior.

Ich ziehe Dior die Ohren lang

Die beiden Curvy-Beauftragten von KiK wählen Christina, Hanna, Karina und Tiffany aus. Direkt im Anschluss an das Shooting in Österreich schickt die Jury die 15 Mädchen in drei Fünfergruppen in Team-Shootings. Erst in kürzester Zeit in einer Stretchlimo umziehen, dann elegant aussteigen und anschließend auch noch einen Choreolauf auf dem roten Teppich hinlegen. Nicht so einfach. Halbnackt in einer Limo und dann in kurzem Kleid aussteigen, ohne dass ein Paparazzo ein unvorteilhaftes Schrittbild machen kann: Was lange Alltag für Paris Hilton war, stresst die Curvy-Supermodel-Anwärterinnen sichtlich.

In der ersten Gruppe verweigert Anastasya die Mitarbeit bei der Generalprobe. Ihre Begründung ist gleichsam interessant, wie auch ein subtiler Hinweis darauf, dass sie mal zur Schule gegangen ist: "Das ist wie mit Vokabeln lernen. Wenn man direkt vor dem Test noch mal alle wiederholt, verwirrt einen das nur." Nicht gerade die Definition von Teamwork. Entsprechend vermasselt die Gruppe den Walk. Das bleibt nicht mal Jury-Attrappe Carlo Castro verborgen, der sie knallhart zur Rede stellt.

5 Freunde müsst Ihr sein

Als die Gruppe ihm eröffnet, dass sie nur zu viert proben konnte, stellt er blitzschnell fest: "Aber ihr seid doch zu fünft." Konsequenzen zieht das Zahlengenie erst mal nicht. Dafür überlässt er den Artikel-Faux-Pas der Woche generös seiner Jury-Kollegin Jana Ina, die belehrend-therapeutisch auf die Mädchen einwirkt: "Der Kunst eines Quick-Changes ist, sich ganz schnell umziehen zu können." "Der Kunst" beherrschen offensichtlich nicht alle Kandidatinnen. Für Mareike war der Quick-Change in der Limo nämlich der letzte Auftritt als Curvy Supermodel. Jana Ina erklärt, dass sie zu wenig wechselbar ist und nur einen einzigen Gesichtsausdruck hat. Mareikes Trauer hält sich in Grenzen. Wahrscheinlich, weil sie weiß, dass sie mit diesem Skills-Set immer noch locker der nächste Til Schweiger werden kann.

Aber bitte mir Rahma

Carlo Castro beschäftigt sich in der letzten Entscheidung der Woche mit Kandidatin Rahma. Er empfiehlt ihr: "Du musst anfangen, dich zu lieben, auch mit deinem Problemsohne." Eine kurze Recherche ergibt: Sie ist noch gar keine Mutter. Der Choreograph meinte offensichtlich "Problemzone". Die Präzision seiner Aussagen erinnert immer ein wenig an den Transrapid-Vortrag Edmund Stoibers über die Anbindung des Münchener Flughafens. Davon unbeirrt checkt Rahma direkt am Münchener Hauptbahnhof ein und ist dann in nur 10 Minuten in der nächsten Runde. Den Curvy-Transrapid verpasst hat leider Samira. Sie muss weiter S-Bahn fahren und kommt nicht rechtzeitig in Runde 5 an. Da geht es dann in der kommenden Woche mit nur noch 13 Kandidatinnen weiter.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie 


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