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Maries Modelcheck: "Curvy Supermodel": Knutscht die Jungs im Fernsehen und die Jury rastet aus

Moulin-Rouge-Erotik in einer Düsseldorfer Lagerhalle, Selfie-Training mit Sarina Nowak und Knutschkurse mit Männermodels: Auf der Zielgeraden zum Finale legen sich Models und Jury nochmal ordentlich ins Zeug.

Von Marie von den Benken

Kandidatin Schulamit mit Männermodel

Kandidatin Schulamit mit Männermodel

Das Motto dieser Woche lautet "Showgirls". Der Fotograf erwartet "Erotik" in einer in Düsseldorf nachgebauten Moulin-Rouge-Atmosphäre. Düsseldorf und Erotik. Auch so eine Kombination wie Sahnetorte und gesunde Ernährung. Keine fünf Minuten sind um, da stehen die Kandidatinnen in knappen Burlesque-Outfits auf der Bühne und räkeln sich um eine Straßenlaterne. Eleganter ist heute nur der Gewinner des Peyman-Amin-Doppelgänger-Wettbewerbs Oliver Tienken. Der Neu-Juror startet den Abend mit nacktem Oberkörper, nur spärlich von einem Torero-Jäckchen bedeckt. Gerade, als ich mir wünsche, RTL2 würde spontan einen Zuchtochsen in die Manege schicken, der sich kurz um ihn kümmert, rettet der Satz "Eine fehlt, Schulamit schreibt heute ihre Abi-Klausur" mir die Laune. Ich drücke ihr ganz fest die Daumen. Immerhin wäre sie die erste Protagonistin eines RTL 2-Formats, die die Hochschulreife erlangt hat.

Die Village People in der Jury

Ich hoffe, ihre Teilnahme bei "Curvy Supermodel" kostet nicht zu viel Zeit und sie kommt noch gut in der Schulamit. Weniger um Hochschulreife, sondern mehr um Performance geht es derweil im Düsseldorfer RTL2-Moulin-Rouge, das Oliver Tienken konsequent "Mullann Ruhsch" ausspricht, als handelte es sich um einen Disneyfilm über ein junges, chinesisches Mädchen, das gerne Soldatin werden möchte. Jan Kralitschka, einer der gefühlt 150 Ex-Bachelors, die das Deutsche Trash-TV von der Straße geholt hat, staunt unterdessen darüber "wie sehr die Kandidatinnen wachsen". Ich habe jetzt nicht nachgemessen, aber mir kommt es gar nicht so vor, als wären da in den letzten drei Wochen wirklich viele Zentimeter dazugekommen.

Um optisch mit den aufwändigen Kostümen der Kandidatinnen mithalten zu können, hat die Jury sich ebenfalls vorgenommen, fashionseitige Ausrufezeichen zu setzen. So thront Kralitschka in einer Art Zirkusdirektoren-Jacke auf seinem Jury-Sessel, als müsste er später am Abend noch eine Vorstellung bei "Roncalli" eröffnen. Tienken hat offensichtlich auf dem Flohmarkt einen weißen Don-Johnson-Anzug im Miami-Vice-Style erstanden und Angelina Kirsch punktet mit verfilzten Mini-Locken im Dreadlocks-Style, die ein bisschen so aussehen, als wäre ihr ein 1:1 Nachbau des Afros von Lenny Kravitz auf dem Kopf explodiert. Gemeinsam mit Jana Ina und ihrem eleganten Hütchen erinnern die vier ein bisschen an eine Village People Coverband.

Ines, Larissa und Jana (v.l.n.r.) beim Shooting zum Thema "Moulin Rouge"

Ines, Larissa und Jana (v.l.n.r.) beim Shooting zum Thema "Moulin Rouge"

Der Joachim Llambi der Curvy Models

Zum Glück wird "Curvy Supermodel" aufgezeichnet, denn sonst hätte Oliver Tienken ebenfalls gefehlt. In seinem eigentlichen Job als Rapper Casper hatte er nämlich heute einen Geheim-Gig vor dem Stadion von Arminia Bielefeld. Da wäre ich aber so sauer gewesen, dagegen ist Jan Ullrichs Auftritt in Til Schweigers Garten ein Liebesgedicht. Zum Glück ist er aber dabei und kann so tolle Sätze sagen wie "manchmal ist dein Kopf beim Laufen zu weit hinten". Das sieht aber auch wirklich doof aus, wie die Kandidatin auf dem Catwalk so lossprintet und irgendwo ein paar Meter dahinter versucht ihr Kopf, nicht komplett den Anschluss zu verlieren. Vielleicht war es aber auch nur eine subtile Bewerbung für die Jury der 2019er Staffel "Let's Dance". Dort steht man ja, wie wir von Joachim Llambi, dem Curvy Supermodel des Tanzsports, gelernt haben, gerne mal im Arm. Das erkennen von ungewöhnlichen Körperhaltungen sind dort für die Jury unerlässlich. Und wie lange es bei durchschnittlich zwölf Menschen, die abseits von mir "Curvy Supermodel" noch einschalten, das Format noch gibt, ist ja auch unsicher. Da muss man sehen, wo man bleibt.

Unerlässlich für Angelina Kirsch sind offensichtlich Ohrringe in XXL-Übergrößen. Nach den Ohrringen von der Größe eines handelsüblichen Tennisplatzes aus der vergangenen Woche geht es diese Woche in Staffel zwei: Ohrringe, so breit wie das Vorstrafenregister von Ben Teewag.

Jessy From The Block

Dann ist aber auch Schluss mit Friede, Freude, Eierkuchen. Kandidatin Jessy, für die sich insbesondere Kirsch in den letzten Wochen immer wieder stark gemacht hatte, steigt aus. Sie fühlt sich nicht wohl und sagt: "Kamera und Co, das ist nicht so meins". Gut, könnte man sagen, das hält Jan Kralitschka ja auch nicht davon ab, weiter dabei zu sein, aber sie bleibt konsequent. Sie ist bereits nicht mehr dabei, als zwei Abgesandte eines Plus Size Online-Händlers fünf Namen verkünden. Für den ersten echten Job der Staffel, einen Video-Clip-Dreh für "Happy Size". Für die fünf Siegerinnen um Kandidatin Yolanda geht es anschließend erst mal ans Textlernen. Der Kunde möchte ein Musik-Video produzieren, bei dem die Curvy Supermodels Playback singen sollen. Textsicherheit ist also obligatorisch.

Die Spots in der sich nahtlos anfügenden Werbepause legen den Verdacht nahe, dass werbetreibende Unternehmen die RTL2-Zuschauer so einschätzen: Besaufen sich gerne und brauchen dauernd neue Handyverträge. Bemerkenswert ist jedoch immerhin der Spot für einen Online-Shop, bei dem man Produkte individualisieren kann. Auf Flaschen oder Taschen kann man seinen Namen drucken lassen. Oder auch den Namen "Oliver Tienken", wenn man den Wiederverkaufswert minimieren möchte. Der Spot zeigt, dass man anscheinend auch als Vierjähriger Werbetexter werden kann. Der Claim lautet nämlich: "Deinzigartig, sieht das nice aus, deinzigartig, mach dein Ding draus."

Knutscht doch mal

Deinzigartig geht es auch nach der Werbung weiter. Deutschlands erste Curvy-Influencerin Sarina Nowak übernimmt ein Social Media Coaching. Jetzt, wo man "mal oft im Fernsehen ist und auch von Kunden angefragt wird", wie es eine Kandidatin formuliert, muss man natürlich Social-Media-Kompetenz aufbauen. Das geht schon mal mit dem richtigen Profiltext los. Jan Kralitschka bezeichnet sich auf Instagram beispielsweise hinsichtlich seines Berufes offiziell als "TV-Personality". Ich habe sofort "Mathematik-Nobelpreis-Trägerin" in meinem Profil ergänzt. Immerhin habe ich in der siebten Klasse mal eine Zwei in Physik gehabt. Beim Social Media Coaching liegt Kandidatin Vera vorne. Sie gewinnt ein gemeinsames Selfie mit Nowak. Hammer-Preis. Etwa, wie einen Sechser im Lotto zu haben und dafür eine Stunde teure Villen und Yachten anschauen zu dürfen. Weltkarriere vorprogrammiert.

Das Nowak-Selfie bleibt aber nicht der letzte Höhepunkt. Die Jury hat noch drei besixpackte Male-Models in der Hinterhand, mit denen die Mädchen sich dann (nur für die Fotos selbstverständlich!) verlustieren dürfen. Male-Models – oder wie Jana Ina sagt: Mehl-Models. Ein wirklich völlig unpassender Vergleich. Viele Carbs in Form von Backwaren nehmen die drei durchtrainierten Jungs nämlich sicher nicht zu sich. Völlig analog zu Mutterschiff GNTM gibt es auch unter den Curvy Supermodels zwei völlig unterschiedliche Fraktionen bei diesem Thema. Die einen sagen "ach komm, ist doch nur Show, ran an den Körper", die anderen finden sich "gehemmt, weil ich ja einen Freund habe". Das ewige Thema bei Casting-Shows. In der Realität sieht es nämlich so aus: Wer als Model wegen seines Partners im realen Leben auf dem Set nicht abschalten kann, auch wenn mal zwischenmenschliche Erotik dargestellt werden soll, hat keine besonders große Karriere vor sich.

Klaudia mit (Kralitsch) K

Unter tosendem Jubel der Jury ist die inzwischen vom ihren Abi-Prüfungen zurückgekehrte Schulamit die erste, die richtig ran geht. Inklusive eines echten Kusses. "Madonna, war das heiß" entfährt es einer völlig euphorisierten Jana Ina. Rückschlüsse auf den Erotik-Faktor ihrer Ehe mit Giovanni Zarrella möchte ich an dieser Stelle nicht ziehen. Schulamit selber sieht es so: "Ja, ich habe professionell einen Jungen geküsst". Tessa ("Es ist komisch, einen Mann anzufassen, der nicht mein Freund ist") geht weniger hart ran. Der RTL2-Feminismus-Beauftragte Jan Kralitschka ist enttäuscht: "Kommt da noch was?" Irgendwas bestimmt, ja. Ein Kuss allerdings genau so wenig, wie bei eine Vertragsverlängerung für die Jury in der kommenden Staffel für ihn.

Falls das "Aus" für Juror Kralitschka nach dieser Staffel tatsächlich kommt, könnte er immerhin noch im Musik-Business Karriere machen. Ich empfehle ein Duett mit der diesjährigen GNTM-Siebten als Pop-Duo "Klaudia mit (Kralitsch) K".

Kiss The Boys

Kralitschka versucht sich nach dem finalen Walk diese Woche mal als Wortspiel-Akrobat und befindet: "Schulamit war heute für mich Dynamit". Genau das richtige Signal für junge Mädchen, die gerne Model werden würden: Knutscht die Jungs im Fernsehen und die Jury rastet begeistert aus. Yolanda dagegen zweifelt an ihrer Performance: "Ich gehe mit gemischten Gefühlen raus, es hätte besser laufen können." Es? Angelina findet das auch: "Du musst viel mehr Facette zeigen." Sie bleibt trotzdem weiter im Rennen, "Curvy Supermodel" zu werden und einen 15.000-Euro-Gutschein für den Fashion-Versandhändler AboutYou zu gewinnen. 15.000-Euro-Gutschein, oder wie Kim Kardashian sagt: "Geil, drei Sekunden Shoppen." Facette die Jury sonst auch machen sollen?

Trotz viel Kritik und der Empfehlung, sich mal ordentlich zu betrinken (Jana Ina: "Mach dich breit! Von mir ein Ja!") rutschten einige Wackelkandidatinnen doch noch mal so eben durch. Am Ende trifft es Tessa und Jana. Sie sehen wir nächste Woche in den Top neun nicht mehr wieder.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

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