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stern-Stimme Maries Modelcheck: Bar Refaeli - die Angela Merkel der Supermodels

Die Israelin Bar Refaeli ist das kontroverseste Topmodel der Welt. Jahrelang feierte sie gigantische Erfolge an allen Fronten, doch plötzlich steht sie im Epizentrum der Kritik.

Von Marie von den Benken

Bar Reafeli

Bar Refaeli gehört zu den erfolgreichsten Models der Welt, muss sich aber immer wieder Kritik gefallen lassen

Wenn es eine Definition für Supermodel gibt, dann kommt die Vita von Bar Refaeli ihr wahrscheinlich ziemlich nah. Bereits als Kind trat Israels schönster Exportschlager in Werbespots auf. Kaum erwachsen, avancierte die mittlerweile 31-Jährige zu einem der bestbezahlten Models der Welt. Von der "Bäckerblume" bis zur "Vogue": Kein Magazin, auf dessen Cover sie nicht war. Natürlich auch auf dem der "Sports Illustrated", durch das einst Heidi Klum ihre Karriere einleitete. Kurz danach stiegen beide jeweils zu umjubelten Victoria's-Secret-Engeln auf.

Cash Refaeli

Zahllose lukrative Werbedeals mit Top-Marken wie Agent Provocateur, Piaget, Escada, Passionata, Hublot, Garnier, Gap, Moët, Tommy Hilfiger oder Chanel folgten. Parallel gründet Bar ihr eigenes Unterwäsche-Label Under.Me und sorgt so als Unternehmerin für die Zeiten vor, in denen sie nicht mehr die "Hottest Woman in the World" ist, zu der sie die Zeitschrift "Maxim" ausrief. Sie spielt Nebenrollen in Spielfilmen, um auch im Schauspielgeschäft Fuß zu fassen. Gleichzeitig baut sie ihre TV-Karriere aus. In Israel gehört sie zur Jury der "X-Faktor"-Castingshow. Das Sat.1-Format "Million Dollar Shootingstar" brachte sie sogar auf die Deutschen Fernsehschirme. Die Zeitschrift "Elle" zählt sie zu den 25 einflussreichsten Frauen der Welt. Rund um den Globus gilt sie als Inbegriff der Sehnsucht schlafloser Nächte aller Männer zwischen 12 und 92.

Leonardo DiCaprio geht in eine Bar

Natürlich hat sie nebenbei die digitale Transformation ins Model-Business 2.0 erfolgreich absolviert. Ihrem Instagram-Account folgen 2,4 Millionen Menschen, bei Twitter sind es 940.000. Das Männermagazin "GQ" kürt regelmäßig ihre heißesten Bilder. Auch um (Achtung!) Bar-Geld muss sie sich keine Sorgen machen: Zwischen August 2015 und August 2016 verdiente sie laut "Net Worth Tomb" etwa 33 Millionen Dollar, ihr Gesamtvermögen wird auf 245 Millionen Dollar geschätzt. Dafür müsste ein durchschnittlicher deutscher D-Promi 2450 Jahre infolge das "Dschungelcamp" gewinnen. Mal zur Veranschaulichung: Mit 245 Millionen Dollar könnte sie 61 Millionen Ausgaben des "Germany's Next Topmodel"-Magazins kaufen - oder 8,75 Mal Mario Götze.

Privat führt sie gleichfalls ein Leben, um das sie Mädchen rund um den Globus beneiden. Fünf Jahre lang war Superstar Leonardo DiCaprio ihr Bar-Mann. 2015 heiratete sie dann "die Liebe meines Lebens", den israelischen Millionär Adi Ezra. Vor sechs Wochen wurde ihre erste Tochter Liv geboren. Für Mensch und Marke Bar Refaeli läuft alles rund. Denkt man.

MoM

Ein von Bar Refaeli (@barrefaeli) gepostetes Foto am


Luxusleben durch Scheinehe?

Wie so oft wenn etwas märchenhaft klingt, ist auch beim "Body of the Year 2008" ("Arena"-Magazin) nicht alles Gold, was glänzt. Regelmäßig gerät Bar in den Fokus öffentlicher Kritik, vor allem in ihrer Heimat Israel. Nicht alle Landsleute können verzeihen, dass sie mit 18 durch eine kurze, arrangierte Scheinehe mit einem 23 Jahre älteren Freund ihres Vaters der Einberufung zur Wehrpflicht entging. Insbesondere ihre spätere Erklärung "Warum soll es gut sein, für unser Land zu sterben? Ist es nicht besser, in New York zu leben?" sorgte für heftigen Gegenwind, unter anderem von Familien gefallener Soldaten. Durch ihr Bekenntnis "ich habe davon letztlich sehr profitiert" wurde vielen klar: Hätte sie ihren Wehrdienst wie vorgeschrieben abgeleistet, wäre ihre Modelkarriere weniger erfolgreich verlaufen. Sie würde nicht in Millionen baden, während in ihrer Heimat Mütter an den Gräbern ihrer Söhne trauerten. 

Geld oder (Volks-)Liebe?

Daran erinnert man sie immer wieder gerne. Etwa, wenn israelische Hardliner Werbespots mit ihr sperren lassen (zu freizügig) oder zum Boykott von Produkten aufrufen, die mit Bar Refaeli werben (zu wenig patriotisch). Dass sie gegen den expliziten Wunsch des Verkehrsministers ein lokales Flugverbot im Luftraum über der Partylocation ihrer Hochzeit erwirkte, stieß flächendeckend auf Unverständnis. Vor allem, weil es einen kommerziellen Hintergrund gab: Bar wollte Luftbilder ihrer Hochzeit exklusiv an ein Magazin verkaufen.

Ihr völkerverständigend gemeinter Tweet "Ich bete für die Sicherheit von Bürgern auf beiden Seiten und den Tag, an dem wir alle in Frieden und Harmonie leben" über die Situation in Gaza brachte sie dann endgültig in die "Most Hated"-Liste von Israels Hardlinern, die hinter diesem Satz Sympathien für den militärischen Gegner wähnten. Die beharrliche Weigerung, ihre Model-Millionen zu Hause in Israel zu versteuern, beschert ihr die Liebe ihres Volkes auch nicht gerade kübelweise.

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Wie nennt man die Eltern einer Bar? Barents?

Im Dezember 2015 wurde sie dann sogar kurzzeitig inhaftiert, kam allerdings noch am selben Tag gegen Kaution wieder frei. Seither wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Auch ihr Vater hat Erfahrung mit der Justiz. Zuletzt verbrachte er im August eine Nacht hinter Gittern, nachdem er sich eine wilde Schlägerei mit Polizisten geliefert hatte. Bars Familie ist immer wieder für Schlagzeilen gut. So findet man kein einziges Profil von Bar Refaeli auf Facebook, während es zum Beispiel von ihren Kolleginnen im Model-Olymp, Miranda Kerr, Gisele Bündchen, Alessandra Ambrosio, Doutzen Kroes oder Cara Delevingne hunderte Fake-Profile gibt. Hier scheint jemand fleißig aufzuräumen.

Auf Facebook zahlt man Bar

Dahinter soll Tzipi Levine, Bars Mutter, stecken. In den 70ern selbst als Model aktiv, gilt sie heute als Bars wichtigste Beraterin. In der Branche erzählt man sich, dass Tzipi ihre Zeit vor allem damit verbringt, auf Facebook Fake-Profile ihrer Tochter aufzuspüren und den - meist sehr jungen - Betreibern mit empfindlichen Strafen zu drohen. Eltern hin oder her - eines weiß Bar wie kaum eine andere: Wie sich ihr Köper bestmöglich vermarkten lässt. Das älteste Gebot des Marketing lautet: Sex sells. Bar Refaeli ist sexy, also verkauft sie. Nicht zufällig sind viele ihrer Werbepartner Lingerie-Hersteller. Für ihre eigene Wäsche-Linie sorgt sie ebenfalls turnusmäßig für nackte Tatsachen. Wer spielt nicht gerne Tennis in Unterwäsche, taucht in Slip und transparentem Shirt durch den Ozean, träumt nackt in der Badewanne davon, in den Socken seines Lovers den Pool zu reinigen oder strippt sich aus einem Weihnachtsmann-Kostüm?

Wie heißt die nochmal genau?

So viel Körpereinsatz kann Betrachter natürlich verwirren: Wie heißt die jetzt noch mal genau? Denn was sich wie ein roter Faden durch ihre Karriere zieht, sind Schreibfehler bei ihrem Nachnamen. Von jeher wird Bar Refaeli gerne Bar Rafaeli genannt. Ob das so ist, weil diese Schreibweise an zartschmelzende, weiße Süßspeisen und Jan-Josef Liefers erinnert, oder weil Rafael einfach gängiger ist als Refael, kann ich nicht beurteilen. Klar ist aber: Sogar der renommierten "Vogue" ist das schon passiert

Bis bald: Alles Liebe, Eure Marie