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stern-Stimme Maries Modelcheck: Berlin Fashion Week - Laufstegtreffen der TV-Sternchen und TV-Töchter

Modewoche in Berlin. Oder wie Insider sie nennen: C-Promi-Festspiele. Ist die Fashion Week wirklich völlig unbedeutend? Haben Blogger die Fashion-Industrie zerstört? Und was machen eigentlich die Mädchen aus dem "Germany's Next Topmodel"-Stall?

Von Marie von den Benken

Fashion Week Berlin

Familien-Ausflug zur Fashion Week: Jenny Elvers mit Sohn Paul, Anne Sophie Briest mit Tochter Faye Montana und Natascha Ochsenknecht mit Tochter Cheyenne Savannah

Die Fashion Week Berlin gilt als unbedeutend gegen New York, Paris, Mailand oder London. Sie schafft keine Trends, man sieht keine Stars. Es sei denn, sie werden für viel Geld eingekauft. Supermodels wie Alessandra Ambrosio laufen dann aber nicht, sie sitzen als Pressemagnet in der Front Row. Wenn man bedenkt, dass Hollywood-Star Mischa Barton für ihren Auftritt kolportierte 100.000 Euro erhielt, wird klar, dass Jungdesigner sich internationales Flair nicht oft leisten können. Dabei ist Barton nicht mal ein Celebrity-Schwergewicht. Okay, es gibt Paparazzi-Bilder, die das Gegenteil beweisen, aber ich spreche hier ja vom Star-Faktor.

Mischa Barton

Schauspielerin Mischa Barton soll für ihren Auftritt in Berlin 100.000 Euro kassiert haben

Berlin kennt in Paris keiner

Ganz Berlin ist also von einer Wolke der Irrelevanz umhüllt? Nein. Die deutsche "Vogue" versucht, dem Stempel der Nebensächlichkeit Widerstand zu leisten. Allen voran Chefredakteurin Christiane Arp. Mit dem "Vogue-Salon" hat sie eine Plattform geschaffen, die jungen deutschen Designern den Einstieg ins Geschäft erleichtern soll. Und damit auch der Fashion Week wieder Substanz geben.

Keine leichte Aufgabe, denn "Mode wird nicht in Deutschland gemacht". Das findet zumindest Rolf Scheider. Als ich "Rolfe" auf der Show von Marcel Ostertag treffe, plaudern wir ein wenig über das wenig glamouröse Leben eines Models. Als Casting Director und Ex-Juror bei "Germany's Next Topmodel" ist er Experte. Er hält Berlin maximal für ein Testlabor junger Models: "Berlin inspiriert nicht. Es gibt nicht mal fünf bedeutende deutsche Designer."

Auch die internationalen Models kommen nicht nach Berlin. Aber es laufen 16-Jährige New Faces und wenn die Agenturen sehen, mit einer klappt es besonders gut, dann schicken sie sie nach Paris. Insofern ist Berlin nicht der Nabel der Modelwelt, aber ein Sprungbrett. Eines, das hart erarbeitet werden muss und dem Bild des Model-Lifestyles aus Luxushotels, Chauffeuren und Promipartys überhaupt nicht entspricht.

Blogger haben die Fashion-Industrie zerstört

"20 Prozent der Mädchen machen 80 Prozent der Jobs", sagt zum Beispiel Patrice Bouédibéla. Er war selber Model, wurde der Öffentlichkeit aber mehr als MTV-Moderator bekannt. Wenn ein Mädchen die Castings übersteht und überhaupt einen Job bekommt, wird miserabel bezahlt. Von der winzigen Gage gehen Kosten für Unterbringung und für die Agentur ab. Und dann essen Models tatsächlich mehr als in Orangensaft getränkte Wattebäusche. Patrice hat eine sehr klare Sicht auf die Branche: "Fashionblogger haben die Industrie zerstört." Eine interessante Theorie. Eine positiv gemeinte, in der viel Wahrheit steckt.

Früher konnte die Industrie den Käufern diktieren, was "in" war. Wenn sie entschieden, dass im Sommer Azurblau die Trendfarbe sein soll, dann war das so. Die Menschen kauften, was Designer vorgaben. Durch die neuen Internet-Influencer ist das heute anders. Trends können überall entstehen. In einem abgelegenen Dorf in Finnland genau so wie in den Vorstädten von Nairobi. Das Netz kreiert sich seine Styles und Influencer bringen sie in die Köpfe der Konsumenten. Heute orientieren sich Designer und Industrie an dem, was die Menschen wollen, nicht mehr umgekehrt.

Vogue Chefredakteurin Christiane Arp

Autorin Marie von den Benken im Gespräch mit "Vogue"-Chefredakteurin Christiane Arp

Der Designer - ein Auslaufmodell?

Das macht das Etablieren einer neuen Marke für Designtalente nicht leicht. Sie sind dem Druck der Einkäufer unterworfen, die kommerziell interessante Kleidung wollen. Auch hier versucht der "Vogue-Salon" wertvoller Partner zu sein. Christiane Arp, die vor ihrer Zeit bei "Vogue" unter anderem das Resort Mode & Lifestyle beim stern leitete, beschreibt es so: "Wir geben nicht nur Aufmerksamkeit über die 'Vogue', das mediale Herzstück unserer Branche, sondern auch kontinuierliche, professionelle Unterstützung. Wir vermitteln Kontakte und können viele Türen zum Handel und zur Presse öffnen."

Man merkt schnell, Nachwuchsförderung ist ihr eine Herzensangelegenheit. Und das nicht ganz uneigennützig. Auch die "Vogue" existiert durch gute Fashion-Umfelder. Christiane Arp resümiert: "Ohne neue Designtalente kein Morgen. Auch für uns nicht." In seiner elften Saison ist der "Vogue-Salon" mittlerweile eine Institution. Neben Presse und Handel geben sich auch Prominente die Klinke in die Hand. Zufällig treffe ich "Let's Dance"-Gewinnerin Victoria Swarovski. Als Fashion-Victim ist das Fazit ihrer ersten Fashion Week in Berlin durchweg positiv.

Töchter von ... und GNTM-Sternchen

Diese Saison ist die Fashion Week Berlin das große Laufstegtreffen der TV-Sternchen und TV-Töchter. Die 16-jährige Cheyenne Ochsenknecht debütiert für Riani. Kaum alt genug, um Bier zu trinken, vergleicht der Boulevard sie schon mit Gigi Hadid. Das ist vielleicht ein wenig die Sehnsucht nach einem echten Deutschen Super-It-Girl, aber mit ihrem Körper und ihrem Gesamtpaket ist sie zumindest für den Deutschen Markt nicht uninteressant. Auch Heidi Klums GNTM-Crew um Gewinnerin Kim Hnizdo ist prominenter vertreten als in den vergangenen Jahren.

GNTModewoche

Fata läuft für Anja Gockel, Kim und Elena für Riani und Minx by Eva Lutz. Auch für die älteren GNTM-Semester ist es eine gute Modewoche. Stefanie Giesinger läuft für Marc Cain, Rebecca Mir, Vanessa Fuchs, Anuthida Ploypetch oder Larissa Marolt schweben ebenfalls über die Catwalks der Spring/Summer 2017 Shows.

Anna-Maria Damm ist sogar bei beinahe jeder Show dabei. Allerdings aus anderen Gründen. Drei Jahre nach ihrem fünften Platz in der achten Staffel hat sie keine Chancen mehr auf eine Modelkarriere. Was ihr allerdings egal sein dürfte. Als Influencer auf Instagram folgen ihr fast 850.000 Menschen. Firmen bezahlen sie, um Produkte über ihre Social Media Kanäle bekannt zu machen. Damit verdient sie geschätzte 30.000 Euro im Monat und damit deutlich mehr als 99 Prozent aller Models, die jemals auf der Fashion Week in Berlin gelaufen sind.