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Maries Modelcheck: Berlin Fashion Week: Lasst die Janina-Uhse-Festspiele beginnen!

Alle Jahre wieder treffen sich Designer, Jungmodels, Kunden und eine Armada D-Promis an der Spree und feiern die Mode. Was erwartet uns diesen Winter? Eines ist jetzt schon sicher: Janina Uhse wird in der ersten Reihe sitzen.

Von Marie von den Benken

Janina Uhse

Janina Uhse bei der Berlin Fashion Week

In wenigen Tagen ist wieder Fashion Week in - oder wie man in der Branche gerne sagt: Willkommen zu den Janina-Uhse Festspielen. Es laufen nämlich schon erste Wetten, ob die RTL-Vorzeige-Soapdarstellerin, die sich immerhin vom "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten"-Set in Babelsberg bis zur Markenbotschafterin des Kosmetik-Giganten Lancôme hochgearbeitet hat, es diese Saison endlich schafft, wirklich bei allen Runway Shows in der ersten Reihe zu sitzen.

Lancôme As You Are

Was nicht nur logistisch eine Herausforderung ist, sondern vor allem auch hinsichtlich der Dresscodes. Als Influencer von Welt ist es natürlich ausgeschlossen, in einem Lala Berlin Parka auf dem Défilé von Marina Hoermanseder aufzutauchen - und umgekehrt. Mit anderen Worten: Für die etwa 40 relevanten Shows und Partys benötigt man ebenso viele Outfits. Selbstverständlich werden Honorargäste wie Janina Uhse, deren Anwesenheit vor allem für Fotos der Show in den einschlägigen Promi-Magazinen sorgen soll, entsprechend mit den Musterstücken der jeweiligen Kollektionen ausgestattet. Die Designer möchten ihre Stücke ja fotografiert sehen. Vor allem, wenn der prominente Besuch sich nicht in erster Linie aufgrund einer schon ewig existierenden Freundschaft zwischen Muse und Modeschöpfer einfindet, sondern insbesondere der üppigen Bezahlung wegen. An passenden Kleidungsstücken mangelt es also nicht. Eher an Zeit. Im Kaufhaus Jandorf, wo dieses Jahr die Fashion Week ihr Basislager aufschlägt, startet vier Tage lang stündlich eine neue Prêt-à-Porter Show. Viel Zeit, Outfit, Frisur und Make-up für jedes Label professionell zu ändern, bleibt daher nicht. Influencer auf der Fashion Week wechseln ja mittlerweile öfter ihr Outfit, als Taylor Swift ihre Lover.

Boulevard der Enttäuschungen

Und Influencer gibt es auf der Modewoche häufiger, als Models, Kunden und Journalisten zusammen. Jeder, der mal Skinny Jeans mit einer Samtjacke und Metallic-Pumps kombiniert und davon ein Foto im Internet veröffentlicht hat, nennt sich heute Modeblogger. Und hofft darauf, bei so vielen Runway-Shows wie möglich in der Front Row sitzen zu dürfen und seinen Followern live über Snapchat die Looks der neuen Saison direkt vom Laufsteg zu präsentieren. Einem Laufsteg voller junger Models mit wenig Erfahrung und vielen Träumen, die in den Tagen vor den Shows artig durch ein nasskaltes Berlin gestöckelt sind, um ihre Bücher von zu Casting zu tragen. Immer in der Hoffnung, einen Job auf einem der Laufstege zu ergattern. Sie werden von ihren Agenturen nach Berlin geschickt, schlafen in schäbigen Hostels und träumen von ihrem Durchbruch bei Riani, Marcel Ostertag, Rebekka Ruétz, Lena Hoschek, Dorothee Schumacher oder den anderen Labels und Designern, die ihre neuesten Werke auf dem Catwalk präsentieren.

Am Ende wird die Modewoche für die meisten aus ein paar Freidrinks auf diversen Partys, einigen Handynummern von halbseidenen Ein-Mann-PR-Genies und dem Satz "dein Typ passt leider nicht zur Kollektion" bestehen, den sie innerhalb von einer Woche öfter hören, als ihren eigenen Namen. Irgendwann rufen sie verzweifelt ihre Agenturen an. Die erklären ihnen dann, dass der Casting-Marathon, obschon fruchtlos geblieben, immer noch ein gutes Trainingslager war und die Kontakte sich später auszahlen werden. Nach dem Telefonat bucht der Booker alle entstandenen Kosten trotzdem auf das interne Agentur-Konto des Models, das dann in den kommenden Monaten von seinen Honoraren den Ausflug zur Fashion Week Cent für Cent zurückzahlen wird.

Arm, aber Sexy

Ein finanzieller Befreiungsschlag ist die Woche in Berlin allerdings auch für jene Mädchen nicht, die Shows ergattern können. Die Bezahlung für einen Laufstegjob während der Fashion Week ist mit "mau" zumeist noch freundlich umschrieben. Es gibt zwar einige etablierte Labels, die hin und wieder für etwas internationales Flair sorgen möchten. So verirren sich alle paar Jahre auch mal hochbezahlte Supermodels wie Doutzen Kroes, Julia Stegner oder Lily Cole auf die Laufstege an der Spree. Gemeinhin sind aber bereits Mädchen aus diversen GNTM-Staffeln die prominentesten Läuferinnen. Jedenfalls die paar, die sich in diesem Geschäft halten konnten, ohne dass sie von Günther Klum als ProSieben-Event-TV-Häschen verheizt wurden oder doch lieber Zahnarzthelferin werden wollten.

So wird auch diesen Winter die vom Boulevard am meisten gestellte Frage sein: Welche ehemaligen Teilnehmerinnen aus Heidi Klums Modelwerkstatt schaffen es auf die Berliner Runways? Ich rechne fest mit Kim Hnizdo, die kurz vor dem Start der neuen GNTM Staffel dringend beweisen muss, dass sie noch nicht vollständig in der Versenkung verschwunden ist. Dazu werden sich voraussichtlich die üblichen Verdächtigen gesellen: Rebecca Mir, deren größter Erfolg im vergangenen Jahr war, sich bei "Let's Dance" im Balzen um ihren Ehemann Massimo Sinató gegen dessen Tanzpartnerin Jana Pallaske durchgesetzt und mit der Tradition gebrochen zu haben, dass jeder Profitänzer pro Staffel ein Mal eine Affäre mit einem der prominenten Kandidaten eingehen muss. Vanessa Fuchs, immerhin Gewinnerin 2015, Fata Hasanovic, 2016 haarscharf am Titel vorbeigeschrammt, Larissa Marolt, die nicht nur GNTM sondern auch den Ösi-Abklatsch ANTM absolviert hat, Ex-Titelträgerin Luisa Hartema und natürlich die deutsche Chef-Influencerin Stefanie Giesinger. Sofern sie sich von ihrem Lover Marcus Butler losreißen kann.


Fashion Weak in Berlin

Marcus Butler ist übrigens ein britischer YouTube-Star, den ich bislang immer mit Ryan Tedder, dem Sänger von OneRepublic verwechselt habe. Butler ist in Deutschland kaum bekannt, hat bei Instagram mit 3,6 Millionen aber mal eben mehr Follower, als Stefanie Giesinger und OneRepublic zusammen. Oh, ich komme vom Thema ab. Die Fashion Week in Berlin. Neben eifrigen Modebloggern, enttäuschten Jungmodels, gestressten PR-Praktikantinnen und D-Promis im Selfie-Wahn bevölkern während der Modewoche vor allem eine Armada Schlauberger die Bars, Cafés, Partys und Show-Locations der Hauptstadt. Alle anscheinend mit dem Auftrag ausgestattet, jedem, der nicht schnell genug einen abgehalfterten Ex-Soapstar oder Castingshow-Teilnehmer findet, um sich abzuseilen und gemeinsam ein Instagram-Bild zu schießen, zu erläutern, warum die Fashion Week in Berlin gegen New York, Paris und London in etwa einen Stellenwert besitzt, wie H.P. Baxxter gegen Bob Dylan. In mancher Hinsicht mag das stimmen. Hilfreich war es aber nie, immer nur aufzuzählen, was alles schlechter ist als woanders. Was zählt ist, ob man konstruktive Vorschläge hat, um etwas signifikant zu verbessern.

Gerade in einer so eitlen Branche wie der Fashion-Industrie ist das allerdings selten. Schlechtmachen ist einfach. Bessermachen dagegen nicht. Die meisten wollen dabei sein, aber nicht daran mitwirken, dass es eine positive Entwicklung gibt. Partys sind wichtiger als Nachhaltigkeit. Ob diesen Januar die Klugscheißer oder die Kreativköpfe in der Mehrzahl sein werden, darüber berichte ich dann nächste Woche. Ich werde mich nämlich ins Berliner Getümmel stürzen.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie