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stern-Stimme Maries Modelcheck: Eine Ode an Cara Delevingne

In der Forbes-Liste der reichsten Supermodels ist Cara Delevingne dieses Jahr von Platz zwei auf Platz sieben abgestürzt. Marie von den Benken erklärt, warum trotzdem jeder so sein will wie das verrückte Model.

Von Marie von den Benken

Maries Modelcheck

Stern-Kolumnistin Marie von den Benken ist von Model Cara Delevingne begeistert.

Liebe , mit 24 Jahren bist du als Model in deinen besten Jahren. Deine Zukunft siehst du dennoch nicht auf Catwalks oder "Vogue"-Covern. "Die Fashion-Industrie macht mich krank", hast du schon im Sommer 2015 entschieden. Nur zu Modeln genügt dir nicht. Dabei wäre das der einfachste und vor allem lukrativste Weg.

Denn was bist du nicht alles gewesen, seit die Mutter deiner besten Freundin, die Chefin der Londoner Modelagentur "Storm", dich direkt vom Schulhof auf die Laufstege der Welt geworfen hat: Die neue Kate Moss, die Muse von Karl Lagerfeld, das Gesicht von Burberry. Du modelst für Traditionshäuser wie Chanel oder Louis Vuitton genauso wie für Trendlabels wie Desquared oder Acne. Du warst auf allen Covern der bedeutendsten Magazine. Mehrfach. Natürlich bist du auch mit Engelsflügeln den legendären "Victoria´s Secret"-Runway hinab stolziert, obwohl du nicht gerade über klassische Rundungen eines "Sports Illustrated"-Covermodels verfügst und mit 1,73 Metern Körpergröße für den Model-Olymp eigentlich deutlich zu klein bist. Neben jemandem wie Heidi Klum siehst du ein bisschen aus wie Jeanette Biedermann neben Dirk Nowitzki. Als Teenager hast du dich selber als Tomboy bezeichnet. Dennoch giltst du in der Modebranche sowohl als erotischer und auch femininer als die meisten anderen Mädchen.

Cara Made Me Do It

Dein Siegeszug durch die Modewelt hat dich kaum verändert. Du zählst zu den beliebtesten Protagonistinnen im Model-Universum. Egal ob Kunde, Fotograf, Model-Kollegin oder Designer: Jemanden, der ein schlechtes Wort über dich verliert, ist nahezu unmöglich zu finden. Du bist crazy. Positiv verrückt. Du suchst stets einen Weg, den Moment lustiger und interessanter für alle zu machen. Wie zum Beweis finden sich auf YouTube unzählige Videos mit "Cara Delevingnes Funniest Moments". In deinem millionenfach abgerufenen Rap-Battle "Drop the Mic" gegen den amerikanischen Late-Night-Talker James Corden und Hollywood-Star Dave Franco beerdigst du mal eben im Vorbeigehen beide Macho-Männer mit den grandiosen Zeilen "You're both shorter than me and I think that you're fine, I hooked up with hotter girls than both of you combined". Viele Kolleginnen wie Jourdan Dunn oder Suki Waterhouse wurden zu guten Freundinnen und zollen dir mit "Cara Made Me Do It"-T-Shirts Tribut. Auch ich

Wie machst du das, Cara?

Eine deiner Besonderheiten ist dein Name. Niemand kann ihn richtig aussprechen. Du würdest jetzt wahrscheinlich sagen: "Wieso? Cara ist doch voll einfach!" Tatsächlich existieren aber durch unzählige Auftritte in TV-Shows und Interviews mehr Versionen deines Nachnamens, als Ben Teewag Sozialstunden ableisten musste. Von "Delwenje" über "Dellewinnje" bis zu "Dälähwähnjäh" ist für alle was dabei.

Cara tauscht Paris gegen Hollywood

Jetzt also kehrst du dem Model-Business ein wenig den Rücken und widmest dich intensiv deiner Schauspiel-Karriere. Das scheint ein logischer Schritt, immerhin sagst du: "Ich wollte schon als Kind vor die Kamera. Ich wollte ein Disney-Star werden. Ich wollte Hannah Montana sein." Und auch dafür bist du mit dem notwendigen Talent gesegnet. In die Riege von Topmodels, die mit peinlichen und bemerkenswert erfolglosen Filmen glänzen, wirst du dich nicht einreihen. Wer erinnert sich zum Beispiel an den Flop "Fair Game" von 1995, in dem sich Cindy Crawford, die damals heißeste Frau des Planeten, als Schauspielerin versucht? Die einzige Szene, die für Furore sorgte, war eine mehrminütige Sexszene in einem fahrenden Güterzug, die dramaturgisch in etwa so viel Sinn machte, wie Taylor Swift als Background-Sängerin der Wildecker Herzbuben. Dein aktueller Blockbuster "Suicide Squad" dagegen hat in knapp drei Wochen an den Kinokassen bereits deutlich über 600 Millionen Dollar eingespielt und wird mit ziemlicher Sicherheit als einer der erfolgreichsten Filme in die Geschichtsbücher eingehen.

Du hast weniger als vier Jahre nach deinem ersten zarten Gehversuch im Filmbusiness bereits mit Schauspiel-Größen wie Will Smith, Daniel Brühl, Jared Leto, Ethan Hawke, Judi Dench, Alicia Vikander, Christoph Waltz, Billy Bob Thornton, Hugh Jackman, Backinsale oder Keira Knightley gedreht. Dass du in einigen Jahren nach Paris und London auch noch Hollywood beherrschen wirst, daran haben die meisten Filmemacher keinen Zweifel mehr.

"Forbes"-Liste Topmodels: Reich und schön
Miranda Kerr

Platz 10: Miranda Kerr 

Seit ihrem Aus als Victoria's-Secret-Engel rutscht Miranda Kerr im Ranking immer weiter nach unten. Im vergangenen Jahr belegte die Australierin noch Platz sechs, nun schafft sie es gerade noch in die Top Ten. Immerhin, sechs Millionen Dollar pro Jahr sind trotzdem ein ordentlicher Verdienst. Den erlangte Kerr durch lukrative Werbeverträge und ihre eigene Kosmetiklinie.


Was ist das Geheimnis von Cara Delevingne?

Du bleibst immer authentisch. Und ehrlich. In der aktuellen US-Ausgabe des "Esquire"-Magazins sprichst du über deine Depression, als du 16 warst. Nicht ohne zu betonen, dass du dich stets geschämt hast, als so privilegiertes, reiches Mädchen überhaupt solche Probleme zu haben. Auch aus deinen lesbischen Neigungen hast du nie ein Geheimnis gemacht. Dein Bekenntnis zu deiner aktuellen Liebe St. Vincent kam daher nicht überraschend. Ganz in Cara-Manier schürst du seither Gerüchte über eine Verlobung, beispielsweise mit einem, sagen wir mal, wenig subtil auf Instagram arrangierten Ring.

Wie talentiert du bist, kann man auch an deiner Historie ablesen. Simon Fuller, einer der einflussreichsten Briten in der Musikindustrie, wollte dich als Teenager in eine Girlband holen. Die Rolle als Victoria Beckham im "Spice Girls"-Musical hast du abgelehnt. Für eine völlig unbekannte junge Frau wie dich damals eine ungewöhnliche, aber goldrichtige Entscheidung. Deine stringente Aussage aus dem letzten Sommer, das Modeling aufzugeben, hast du mittlerweile etwas relativiert. Heute sagst du: "Ich war nicht glücklich und ich wollte noch so viele andere Sachen sehen und lernen. Nur für mein Aussehen beliebt zu sein, hat mir nicht gereicht."

I Cara For You

Wie sehr ein sympathischer Mensch selbst in Bereichen punkten kann, wo es andere sehr schwer haben, auch dafür bist du ein Paradebeispiel. Als Veganerin zum Beispiel müsste ich dich alleine für dein "Bacon"-Tattoo hassen. Auch deine Erklärung, dass "einfach alles, was mit Bacon zu tun hat, großartig ist" sollte mich wütend machen. Wenn du dann aber verschmitzt lächelst und über dein Engagement für den Tierschutz berichtest (zum Beispiel für das Projekt "I Am Not A Trophy"), kann man dir einfach nicht mehr böse sein. Ein wenig inkonsequent von mir. Das gebe ich zu. Aber hey: Cara Made Me Do It.

Zusammenfassend muss man neidlos anerkennen: So ziemlich alles, was du anfasst, wird zu Gold. Selbst ein leicht verstaubtes Label wie Mulberry konnte seine Talfahrt mit einer Cara-Delevingne-Handtasche stoppen. Und der nicht unbedingt für TV-Werbung mit Kultpotenzial bekannte Online-Shop Zalando landete mit deinem Clip zur Einführung der Marke Topshop einen viralen Hit. Wenn du "Mönschenglahdback" oder "Kackenloocken" sagst, liegen Freunde deutscher Sprachkultur lachend am Boden.

Apropos Zalando: Dieses Wochenende blickt die Modewelt nach Berlin - zur "Bread & Butter". Die findet erstmals mit Zalando als Hauptsponsor statt. Gelingt es dem deutschen Internet-Modehaus, dadurch mehr Credibility in der Fashionbranche aufzubauen? Ich bin bereits auf dem Weg in die Hauptstadt und werde berichten! Schade, Cara, dass du nicht da sein wirst.

Bis dahin: Alles , Eure Marie

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