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stern-Stimme Maries Modelcheck: "Curvy Supermodel": Lieber ein Eis statt den knackigen Kerl

Beim Werbedreh auf Ibiza sollen die "Curvy Supermodel"-Kandidatinnen ihr Talent vor der Kamera unter Beweis stellen. Eine, die es in der Curvy-Liga bereits nach oben geschafft hat, ist das Model Dana. Einst war sie ein Hungerhaken, heute arbeitet sie erfolgreich als Plus-Size-Model.

Von Marie von den Benken

Curvy Supermodel

"Curvy Supermodel"-Kandidatin Aurelie beim Werbedreh auf Ibiza

Auch in der vierten Folge "Curvy Supermodel" trägt Harald Glööckler unter seinem Glitzer-Sakko wieder einen Badeanzug verkehrt herum. Eine Woche vor dem großen Finale zieht RTL2 noch mal alle Register: Schauspieltraining, Ibiza-Trip, Werbeclipdreh und echtes Casting. Und die für ein TV-Format wichtigen Charakter-Stereotypen werden auch noch mal bedient. Wir erleben "die schüchterne Samira", "die freche Aurelie", "die sexy Paulina" und "die selbstverliebte Chethrin". Irgendwo in Los Angeles liegt Heidi Klum am Strand, schreibt versonnen "Hayo, Where Are You?" in den Sand und denkt wehmütig an echte Zicken wie Fiona Erdmann, Tessa Bergmeier oder Darya Strelnikova.

Yes, We're Going To Ibiza

In der Sonne des Mittelmeers sollen die zukünftigen Finalistinnen dann den letzten Schliff erhalten. Dort, wo sich sonst Superstars wie Leonardo DiCaprio oder Paris Hilton die Klinke in die Hand geben, avancieren die Kandidatinnen zu lasziven Pool-Schönheiten. Ganz gegen alle Klischees in eine Story gepresst, bei der sie einem weitestgehend nackten Male-Model ein Eis klauen. Lieber Kalorien als Romantik. Genau die richtige Message für die "Selbstbewusstseins-Show", wie Harald Glööckler, der immer aussieht, als hätte sein Zahnarzt ein halbes Kilo Wattebäusche in seinen Backen vergessen, das Format "Curvy Supermodel" nennt.

Ted Linow - Der Curvy Supermodelmacher

Und was sagt Ted Linow? Im Vorfeld der Ausstrahlung der vierten Folge habe ich mit ihm gesprochen: "Wenn man mich vor einem Jahr gefragt hätte, ob ich mal in der Jury einer Casting Show sitzen würde, hätte ich gesagt, das ist das letzte, was ich mache." Dann jedoch packte den Chef der Agentur "Mega Models" der Ehrgeiz: "Curvy Models wurden immer präsenter und das Ziel der Show ist es ja, trotz aller Unterhaltung, ein Curvy Model zu finden, das auch echte Star-Qualitäten mitbringt. Ich werde mir alle Mühe dieser Welt geben, sie erfolgreich zu machen." Dass er das schafft, davon ist er überzeugt. "Die Gewinnerin ist eine Granate." Wer genau es ist, erfahren wir erst in einer Woche. Dass das erste deutsche "Curvy Supermodel" letztendlich durchstarten wird, hält er für sicher: "So selbstbewusst bin ich, zu sagen, wenn ich von einem Model überzeugt bin, dann hänge ich mich für ihre Karriere auch voll rein."

Haute Curvy

Ein neuer Markt für Plus Size ist entstanden. Sogar erfolgreiche "normale" Models springen auf den Zug auf. Meine Freundin Dana zum Beispiel. Mitte der 2000er Jahre erfolgreiches Jungmodel. Mit Jobs für Jil Sander oder einer weltweiten Kampagne für ein Gucci-Parfum auf dem besten Weg in den Model-Olymp. Irgendwann nervte sie aber der notwendige Aufwand: "Immer Diät, mindestens drei Stunden Sport am Tag. Ständig schlechtes Gewissen, wenn man mal ein Duplo gegessen hatte." Sie wollte sich nicht mehr quälen und in den Mühlen einer Branche zerrieben werden, in der ein Mädchen als "zu dick" nach Hause geschickt wird, dessen Figur 90 Prozent aller Menschen als beängstigend dünn beschreiben würden. Dana stieg aus und begann einen Lebenswandel, "bei dem ein Cheeseburger oder zwei Tafeln Schokolade praktisch zum Trainingsprogramm gehören und die Stunden im Fitness-Studio ablösten".

Ihre Kurven wurden sichtbarer. Aus Konfektionsgröße 36 wurde 42. Als Model arbeitete sie dennoch erfolgreich weiter. "Nur eben nicht so international. Mehr Jobs in Deutschland, vor allem Kataloge." Sie war eine der ersten, die vom Plus-Size-Boom profitierten. Und das, obwohl sie ursprünglich nicht mal Plus Size war. Heute sagt sie: "Wichtig ist mir, dass junge Mädchen wissen, man muss nicht hungern und die Hüftknochen müssen nicht sichtbar sein, damit man sich hübsch finden oder Model werden kann."

Für Dana ist klar, ihr Weg war der richtige: "Für so glamouröse Kunden stehe ich jetzt nicht vor der Kamera. Gucci oder Dior, das ist natürlich vorbei. Aber dafür komme ich abends nach Hause, esse Pizza, wenn ich Hunger auf Pizza habe oder verbringe das Wochenende auf der Couch und gucke Serien." Früher undenkbar: "Ich hatte immer dieses Gefühl, wenn du dich jetzt gehen lässt, riskierst du deinen nächsten Job und damit deine Karriere und deine Zukunft." Glücklich als Curvy-Model - für Dana Realität. "In gewisser Weise haben mich die Kilos, die ich heute mehr habe, gerettet. Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich noch zehn Jahre so weiter gemacht hätte."

KiK Off für Curvys

Diesen Erfolg müssen Fabienne & Co sich erst noch erarbeiten. Auf dem Weg ins Finale wird aber immerhin der Lebenstraum eines jeden angehenden Supermodels wahr: Ein Casting für Kik. Den Job beim Textil-Discounter bekommen nach einer knallharten Challenge in Röcken und Blusen, die günstiger sind als ein Big-Mac-Menu, Fabienne und Aurelie. Sie werden die Nachfolgerinnen von Verona Pooth. Gleich anschließend geht es zum großen Shooting ins Epizentrum der Mode: den Ruhrpott.

Statt Gillette und Opel wie bei GNTM gibt es für die Curvys Kik. So ist das eben manchmal. Es gibt das Original und, tja, die Kopie. In Hollywood beherrscht ja auch die Trennung von Angelina Jolie und Brad Pitt die Schlagzeilen, während sich hier Sarah und Pietro Lombardi die Titelseiten teilen.

Für RTL2 bedeutet das offensichtlich: Selbst Guido Maria Kretschmer wollte mit "Curvy Supermodel" nichts zu tun haben. Dabei hat er eine eigene "Curvy Collection" auf die Wühltische gut sortierter Vorstadtkaufhäuser geworfen. Wenn jemand in die Show gehört hätte, dann jawohl der Mann, der noch aus jedem D-Promi mit 500 Euro und einem Kamerateam eine Shoppingqueen gemacht hat. Als neutrale Zuschauerin bin ich erst mal enttäuscht. Spätestens, als auch der Satz "nur eine bekommt den Job" erstmals fällt, bin ich aber wieder Fan.

Models müssen sich schnell umziehen können

Curvy Supermodel

Kandidatin Samira verpasste den Einzug ins Finale von "Curvy Supermodel"

Ihren wertvollsten Ratschlag hat Jurorin Angelina Kirsch sich bis kurz vor Schluss aufbewahrt: "Models müssen sich immer schnell umziehen können." Das schaffen nicht alle. Céline zum Beispiel nicht. Ted Linow hat auch ein anderes wichtiges Detail an der Favoritin missfallen. Er fasst zusammen: "Du hast alle drei Situationen mit dem selben Gesichtsausdruck absolviert." Das reicht natürlich nicht. Til Schweiger zum Beispiel schafft mit einem Gesichtsausdruck über 40 Gefühlslagen. Vor der Entscheidung entfährt dann auch noch Aurélie ein Satz für die Ewigkeit: "Ich bin so aufgeregt, dass ich Pipi muss!"

Nochmal Stichwort Kik: Rausgekickt werden am Ende Samira und Chethrin. Den Titel machen in der nächsten Woche also Fabienne, Polina, Céline, Aurelie und Michaela unter sich aus. Wer von diesen fünf die von Ted Linow angekündigte Granate wird? Wir werden es erfahren.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie


"Curvy Supermodel. Echt. Schön. Kurvig." läuft immer mittwochs um 20:15 Uhr bei RTL2

Super Size Models Ashley Graham und Robyn Lawley