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GNTM-Kolumne "Maries Modelcheck": Sagen wir es wie Heidi: Es war eine tolle Staffel gewesen

20 Minuten sagte Heidi Klum nur einen Satz, dann endlich: Kim ist Germany’s Next Topmodel. Jetzt hat sie 350.000 Euro sicher und in einem Jahr ist ihr Honey vielleicht schon bekannter als sie. Jedenfalls: Was 'ne schöne Staffel.

Von Marie von den Benken

GNTM-Finale Heidi Klum Kim

Küsschen für die GNTM-Siegerin Kim: Wer weiß, vielleicht ist ihr Honey ja schon bald bekannter als sie

Donnerstag, 20:15 Uhr. Plaça de Toros de Palma. Finalshow. Erster Gedanke: Wow, Thomas Gottschalk hat sich aber verändert. Ist dann aber doch nur Heidi Klum. Das Geschlecht der Moderatorin bleibt nicht der einzige Unterschied zu seiner beliebten Familienshow. In die ehemalige Stierkampfarena auf Mallorca verirren sich zum Live-Finale von GNTM ungefähr so viele Zuschauer, wie zu einer Lichtprobe von "Wetten, dass.. ?".


Tipprunde

Kurz vor Beginn habe ich bei Jorge González nachgefragt, dem ehemaligen Catwalk-Trainer von GNTM. Er schätzt die Finalistinnen wie folgt ein: "Alle sehen toll aus, ich denke jedoch, dass der Titel zwischen Kim, Fata und Jasmin entschieden wird. An Kim gefallen mir ihr Ehrgeiz und ihre Disziplin, das ist sehr wichtig in diesem Business. Fata wiederum ist sehr selbstbewusst und elegant, sie hat Stil. Jasmin sticht durch ihre Exotik und ihr Temperament heraus. Ich bin sehr gespannt, wer es am Ende wird."

Für Yannis Nikolaou, Chef der Hamburger Modelagentur Place, haben alle fünf realistische Chancen. Er lobt sie in den höchsten Tönen: "In dieser Staffel waren die besten Mädchen aller elf Staffeln, was das Potenzial angeht. Vielleicht nicht international, aber eine tolle Karriere in Deutschland ist für alle möglich."

Während ich gemütlich zu Hause meine Karriere auf der Couch fortsetze, ist mein alter Spezi, Bachelor Paul Janke, in der Arena live vor Ort. Mein direkter Draht in die Show. Ich bin also quasi über Handy live dabei. Seine Favoritinnen sind Elena und Fata. Fata ist auch meine Nummer eins. Ihre Segelohren geben ihrer ansonsten perfekten Schönheit etwas Außergewöhnliches. Ihre Wangenknochen sind sehr Haute-Couture.

Brüste & Honey

Das Finale findet als Open Air statt. Eigentlich sollte also Kim die Favoritin sein. Seit ihrem Nipplegate in Sydney kennt sie sich mit "oben offen" ja am besten aus. Auf Brüste warten die Zwölfjährigen kleinen Brüder der GNTM-Kernzielgruppe zu Hause an den Bildschirmen aber vergeblich. Bis zum ersten Höhepunkt plätschert es eine Weile hin.

Stichwort Höhepunkt: Elena wird noch schnell als bisexuell und in Kim verknallt dargestellt und dann ist auch schon: Werbung. Als es nach knapp 483 Spots, in denen Fata für Pingpong-Schläger wirbt, endlich weiter geht, nimmt das Finale immer noch keine Fahrt auf. Gerade, als man sich wünscht, jemand würde beim Sender anrufen und das Zünden einer Kalorienbombe auf der Bühne ankündigen, rettet mal wieder Honey die Show.

Promialarm

Während Michael Michalsky an seinem vermutlich letzten Tag als GNTM-Juror ins Publikum hinabschreitet, um den Ex von Kim zu begrüßen, kommt das erste Mal Stimmung auf: ein gellendes Pfeifkonzert. Honey sonnt sich trotzdem im Kameralicht, vermasselt aber seine einzige Aufgabe: sauber vom Teleprompter ablesen.

Paul Janke, mein persönlicher Promi vor Ort, checkt zwischenzeitlich die Schönen und Reichen in der Arena. Viel ist allerdings nicht zu holen. Lange Gesichter daher auch bei der Boulevardpresse: Die Teilnehmer des Dschungelcamp-Klassentreffens, Elenas Vater Mathieu Carrière und Michaela Müller, sind die Highlights des VIP-Bereichs. Da hat jede Pommesbude in Hamburg einen höheren Promifaktor.

Schönsaufen

Eigentlich wollte ich während des Finales ein Trinkspiel machen: Jedes mal einen Kurzen exen, wenn Jasmin genervt guckt. Ich habe aber gelesen, dass ab 4,0 Promille unkontrollierte Ausscheidungen auftreten und man in ein Koma mit Reflexlosigkeit fällt.

Apropos Koma mit Reflexlosigkeit: Thomas Hayo wirkt in manchen Einstellungen so teilnahmslos, als müsse er sich eine 40-stündige Doku ansehen, in der sich Gina-Lisa Lohfink die Lippen aufspritzen und dabei Gedichte von Prinz Frederic von Anhalt vorlesen lässt. Dann bekommen alle Hunger und bestellen bei Asia Wok. Also, dachte ich. Der Bachelor klärt mich auf: Es ist der Asia Walk. Die Kandidatinnen tragen Kostüme, wie sich russische Ölmilliardäre Kellnerinnen in Chinarestaurants vorstellen. Am wenigsten asiatisch kommt offensichtlich Taynara rüber. Die Jury verabschiedet sie als Erste aus dem Rennen.

Sommer, Sonne, Strand und Trampolin

Aus dem anschließenden Einspieler vom Beach-Shooting mit Trampolin und Star-Fotograf Christian Schuller ist Taynara dann schon rausgeschnitten. So viel zum Thema spontane Entscheidungen. Viel Zeit für Trampolins hat jetzt auch Jasmin, die von Thomas Hayo konsequent "Tschäzzmynn" genannt wird. Das monatelange Elena-Gebashe zahlt sich nicht aus: Sie fliegt als Zweite. Yannis von Place hatte das vorausgesagt. Er findet Jasmin wunderschön, zweifelt aber, dass sie sich mit ihrer Art, sich zu geben, im Business viele Freunde machen wird. Thomas Hayo würde es "Attitude" nennen.

Die drei Verbliebenen stolzieren dann in Unterwäsche über die Bühne. Fata überlegt kurz, ob sie aus religiösen Gründen passen soll, macht dann aber doch mit. Wenn Will.I.Am singen darf, darf sie auch Haut zeigen. Kaum hat Will.I.Am, der im Flieger noch schnell eine Europa-Karte auswendig gelernt hat, "Love You Germany!" in den spanischen Nachthimmel gebrüllt, fliegt Fata raus. Vor Ort rastet Bachelor Paul Janke kurz aus: "Die präsentieren Unterwäsche und die mit der besten Figur fliegt. Verstehe ich nicht!" protestiert er per SMS. Ich hätte ebenfalls eine andere Entscheidung getroffen.

And Then There Were Two

Ich entscheide aber nicht, und somit heißt es Elena oder Kim. Genau diese Konstellation deutete sich bereits an, als Heidi exakt diese beiden Anfang Februar bei der "amfAR Gala" in New York dabei hatte. Ein letztes Fotoshooting steht an. Heidi erklärt, es geht um einen Vorhang und darum, dass "da einer von hinten kommt". Spätestens an dieser Stelle wäre Fata ohnehin selber ausgestiegen. Elena und Kim lassen sich ein bisschen durch den Vorhang betatschen und hoffen, dass dahinter nicht Honey steht.

Ihr finaler Black-&-White-Walk in Daft Punk Outfits ist die letzte Gelegenheit, das Urteil der Jury zu beeinflussen. Dass die letzten zwei nicht vorher feststanden, lässt sich ja auch ganz einfach daran ablesen, dass der letzte Walk als Team Schwarz (Thomas) gegen Team Weiß (Michael) inszeniert wird. Kim war die einzige Finalistin aus Team Weiß.

Bye-bye Drama bei Germany's Next Topmodel

Langsam wird es dunkel über Palma de Mallorca und Heidi Klum sagt für zwanzig Minuten ausschließlich den Satz "Wer wird Germany's Next Topmodel 2016?". Kurz bevor das Publikum ins Wachkoma fällt, verkündet sie, dass Kim es auf das Cover der Cosmopolitan geschafft hat. Dazu gewinnt sie einen Modelvertrag über 250.000 Euro. Weitere 100.000 Euro gibt es cash. Insgesamt hat sie also schon mal 350.000 Euro sicher - oder wie der Limburger Ex-Bischof Tebartz-van Elst sagt: ein Gästehandtuch.

Bleibt die Hoffnung, dass ihr heute in einem Jahr Honey nicht bereits den Rang in Sachen Popularität schon wieder abgelaufen hat, nachdem er sich beim Dschungelcamp mit Prince Damien und ein paar Kandidaten aus "Bauer sucht Frau" zwei Wochen lang ausschließlich von Emuhoden ernährt hat.

Spannend finde ich die Vorstellung, wie sich irgendwo in Deutschland gerade ein hübsches junges Mädchen vornimmt, sich für die nächste Staffel GNTM zu bewerben, ohne zu wissen, dass sie Germany's Next Topmodel 2017 werden wird. Ich freue mich schon darauf. Oder um es mit Heidi Klum zu sagen: Es war eine tolle GNTM-Staffel gewesen.

Alles Liebe, Eure Marie

GNTM-Finalistinnen: Heiß, heißer, Heidis Mädchen