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stern-Stimme Maries Modelcheck: GNTM: Dessous, Dandys und die Zicken-Polizei

Unterwäsche-Shooting in der Öffentlichkeit, das Comeback von Wolfgang Joop, ein gelangweilter Starfotograf, Dandys und Sehnsucht nach Honey. Das gab es diese Woche bei "Germany's Next Topmodel".

Von Marie von den Benken

Models auf einem Shooting bei der neunten Folge von "Germany´s Next Topmodel" (GNTM)

Der finale Walk in der neunten GNTM-Folge findet auf Zuggleisen statt

Diese Woche steht "Germany's Next Topmodel" unter dem Motto "Boys, Boy, Boys". Kein Wunder, dass Ex-Juror ausgerechnet heute als Stargast einfliegt. Und während Nathalie Volk sich mit dem demnächst 60-jährigen Frank Otto ihren Traumboy bereits angelacht hat und sich dieser Tage bei der VOX-Doku "Goodbye Deutschland! Die Auswanderer" zum (Achtung!) Otto macht, müssen die GNTM-Kandidatinnen auf dem Hollywood Boulevard erst mal einen wildfremden Typen ansprechen und gemeinsam ein lustiges Polaroid machen. In nur 30 Minuten. 30 Minuten oder wie Donald Trump sagt: 23 Tage. Das längste Polaroid-Flirt-Shooting aller Zeiten. Jungs ansprechen - das hat Natalie Volk nicht mehr nötig. Mit Sätzen wie "Ich habe mein Leben ja noch vor mir, Frank hat seins ja schon hinter sich", manifestiert sie die ewige Liebe zwischen sich und ihrem Otto-Erben. 

Greta jemand aus der Fassung?

Solche Zitate für die Ewigkeit gelingen den Mädchen aus Team Thomas und Team Michael selbst im Flirtmodus nicht. Außer einem kurzen Ghetto-Slang-Exkurs ("Wenn eine meinen Freund einfach so ansprechen würde, wäre ihre Nase gebrochen") überwiegt bei den Kurzshootings die Langeweile. Vielleicht, weil "Letittssia", Sabine und Soraya nicht dabei sind. Sie wurden vom kalifornischen Trendlabel "As Much" zum Casting geladen. Jobmagnet Sabine erläuft sich auch diesen . Vor Ort erläutert die leicht genervte "Letittssia" Sabines Erfolgsgeheimnis: "Sie hat ein tolles Lächeln – und sonst nichts". Schon wieder ein Job für Sabine. Irgendwo in Hamburg zertrümmert Greta gerade ihren Fernseher.

Mit der alljährlich wiederkehrenden Angst vor Eifersuchtsanfällen ihrer Boyfriends geht es für die Kandidatinnen am nächsten Tag ins Boy-Shooting. Natürlich in Unterwäsche. Inklusive halbnacktem Male-Partner. Auf dem Maroon 5 "Never Gonna Leave This Bed"-Gedächtnis-Anhänger, der ein Bett durch Los Angeles fährt. Abgelichtet von 183. Lieblingsfotografen Rankin. Der britische Starfotograf beschreibt sich selber wie folgt: "Wenn Sie einen Fotografen buchen, haben Sie die Wahl zwischen jemandem, der vielleicht ein gutes Bild macht und jemandem, der es garantiert hinbekommt. Ich mache immer ein gutes Bild. Sie können diese Art von Kerl für 5.000 Pfund mieten. Oder mich für 70.000 Pfund." 14 mal so viel zahlen, um aus einem "vielleicht" ein "auf jeden Fall" zu machen, das gibt es sonst nur auf Verlobungspartys von Nathalie Volk.

Der Mann, der immer ein gutes Bild macht, trifft heute aber auf seinen Endgegner: Serlina. Nach verzweifelter Bemühung, ihren Körper irgendwie halbwegs lasziv um das Male-Model (oder wie Back-Expertin Heidi Klum sagt: Mehl-Model) zu arrangieren, bricht Rankin gelangweilt ab: "I'm not interested". Frei übersetzt heißt das für Serlina: verkackt. Und für Rankin: Premiere! Erstmals kein gutes Foto. Besser läuft es dann bei Carina ("Ja, fass mich ruhig an!"), Romina ("She's fantastic!"), Anh ("Der Typ hat einfach meine Brüste geküsst!"), Maja ("Du bist heiß") und Giuliana ("Mir ist ganz schwindelig vor lauter Zungen überall").

Honeymals geht man so ganz

Die Angst vor Reaktionen des Freundes auf das Tête-à-Tête mit dem Male-Model ist bei Lynn am größten. Während des Shootings in knapper Lingerie merkt man davon allerdings nichts. Sie überzeugt sogar Chefnörgler Rankin. Sehnsüchtig denke ich an Honey. Er hätte es sich nicht nehmen lassen, spontan das Male Model vom Anhänger zu schubsen und mit den Worten "Wenn schon erotisch, dann mit dem Sexiest Man Alive!" über die Mädchen herzufallen. Das hätte vielleicht sogar Soraya geholfen. Rankin findet sie nämlich "Very beautiful, but very boring". Ein 17-jähriges Mädchen, das sich in superknapper Unterwäsche in der Öffentlichkeit einem fremden Typen an den Hals wirft und dabei versucht, so lasziv wie möglich zu wirken, als "boring" bezeichnen. Genau mein Humor.

Als der Sexbomben-Test vorüber ist, sind sich Heidi und der 70.000-Pfund-Mann Rankin uneinig. Mit Pfund ist hier übrigens die britische Währung und nicht sein Gewicht gemeint. TV-Kameras machen aber auch immer so dick. Heidi jedenfalls sieht (nomen est omen) "Letittssia" vorne, während Rankin findet: "Sabine is the best". Wieder Sabine. So viele Jacken kann man gar nicht geschenkt bekommen, wie Greta zu Hause in zerfetzen möchte. Beobachtung am Rande: Der Anhänger, der das Bett der Sünde durch L.A. zieht, ist übrigens kein Opel Adam. Da hagelt es hoffentlich keine Konventionalstrafe. Jürgen Klopp darf ja auch nicht plötzlich in einem Ford Focus Kackwitze machen. 

Dandy Gondeln Trauer tragen

In dieser Folge gibt es erstmals mehr Werbeblöcke als Plusquamperfekt. Vor jedem einzelnen kann man 5000 Euro und zwei Sonnenbrillen aus der neuen Michalsky-Kollektion gewinnen. Oder wie der Gewinner sagt: 5000 Euro und was man halt auf eBay für die potthässlichen Gestelle da bekommt. Gleich nach der Werbung steht Wolfgang Joop im Raum. Ganz der Gentleman putzt er erst mal charmant eine Kandidatin runter: "Serlina? Hört sich an wie eine Alpenziege".

Apropos Alpenziege. Heidi Klum hat Joop natürlich nicht nur geholt, um sich über die Vornamen der Kandidatinnen lustig zu machen. Sondern um den Mädchen zu erklären, was ein "Dandy" ist. Bei eine der wichtigsten Lehrstunden, Dandy nächste Entscheidung kommt bestimmt. So auch diese Woche. Joop erklärt, dass ein Dandy sehr androgyn ist und man oft nicht weiß, ob Mann oder Frau. Der berühmteste Dandy der Generation Instagram ist so gesehen also Justin Bieber. Der füllt mittlerweile allerdings Stadien, die Mädchen maximal Klatschspalten einschlägiger Gossipmagazine. Außerdem sei ein Dandy eine Erscheinung wie aus dem 19. Jahrhundert. Und damit kennt er sich aus, immerhin ist es das Jahrhundert seiner Kindheit.

Es werde Licht

Die Jury, inklusive Gastjuror Joop, sitzt beim Final Walk mitten auf einem Bahngleis, über das sie Kandidatinnen in Dandy-Outfits stolpern lassen. Eines an dieser Stelle vorweg: Trotz einiger Stoßgebete im Millionenpublikum zu Hause rast kein Zug durch das Bild. Wohl aber die Zicken-Polizei. In Person von Wolfgang Joop. Der lässt sich zu einem "süß, wie ihr euch hier so anbitcht, wie zwei echte Tucken" hinreißen, als Hayo und Michalsky sich ihre gescripteten Provokationsspitzen zuwerfen. Joop flieht in seine Zeitmaschine, findet dort Anh und stellt begeistert fest: "Du siehst sehr nach Übermorgen aus". Mehr nach vorgestern dagegen Brenda, sie wackelt nämlich. Vor allem, weil Rankin sie nach ihrem Shooting als schlechteste Kandidatin bezeichnete und alle Qualitäten als Model absprach.

Dazwischen sitzt noch Heidi Klum. Die hat offensichtlich irgendwo gelesen, dass viel Licht die Haut jünger wirken lässt. Sie wird daher während der gesamten Folge mit einem Scheinwerfer-Ensemble ausgeleuchtet, das sonst etwa 400 Fußballfelder flutlichtet. Bevor die Stromrechnung zu hoch wird, schmeißt die Jury schnell Soraya raus und beendet die Wolfgang-Joop-Comeback-Woche. Soraya übrigens, da bin ich mir sicher, wird ihr Aus bei GNTM schnell verschmerzen. Ein paar wenige Kilos runter, eine gute Agentur und ihr stehen die Türen zu einer echten Modelkarriere offen. Ob ich damit richtig liege, werde ich an dieser Stelle berichten.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

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