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stern-Stimme Maries Modelcheck: GNTM: Mädchen am Abgrund - und zwei müssen gehen

Ex-GNTM-Kandidatin Gerda Lewis sorgt derzeit für mehr Schlagzeilen als Heidi Klum. Dabei schickte die in Folge neun von "Germany's Next Topmodel" knallhart zwei Kandidatinnen nach Hause.

Von Marie von den Benken

Germany's Next Topmodel

Sara aus Team Michael wagt den vertikalen Abstieg

ProSieben

Keine gute Woche für Heidi Klum. Trotz vollem Körpereinsatz per Oben-Ohne-Cover auf der amerikanischen "Maxim" muss sie sich auf dem Boulevard der Nichtigkeiten die Schlagzeilen ausgerechnet mit einer gerade erst von ihr selber geschassten Ex-Kandidatin teilen. Gerda, der Drop-Out der letzten Woche, legt nämlich eine spektakuläre Trennung hin. Nicht so wie die meisten anderen ehemaligen GNTM-Kandidatinnen eine von Günther Klum, sondern von ihrem Freund, dem Fitness-Influencer Tobi. Hervorragend choreographiert in eine medienwirksame Instagram-Trennung. Inklusive beidseitiger Foto-Löschung gemeinsamer Bilder. Da die Accounts beider Ex-Lover bisher weitestgehend aus Pärchen-Fotos bestanden, natürlich ein herber Aderlass in der Timeline. Vor allem Tobis Account sieht mit den nach dem Radikal-Lösch-Manöver verbliebenen Schnappschüssen seiner Muskelpracht eher nach einem Tinder-Account eines kleinkriminellen Mega-Machos aus der Vorstadt mit Testosteron-Overdose aus.

Und während sich die Redaktionen der Pulitzer-Preis verdächtigen Celebrity-Magazine bereits die Hände reiben, wann die ersten schmutzigen Details der Trennung bekannt werden, schieben sich in den Kommentarspalten die jeweiligen Fanlager gegenseitig den schwarzen Peter zu. Bei hat diesen üblicherweise Günther Klum, dessen Management mit seriösem Aufbau einer Model-Weltkarriere etwa so viel zu tun hat, wie der Opel Adam mit dem Gewinn der Formel 1.

Endlich ganz oben angekommen

Als es dann aber endlich mit dem GNTM-Tagesgeschäft losgeht, wird es erst mal beängstigend realistisch. Die Topmodel-Kandidatinnen stehen genau da, wo ihre Karriere von Günther Klum zielsicher in den nächsten Wochen hin navigiert wird: am Abgrund. Das "Over The Edge" Shooting. Frei schwingend von einem Hoteldach baumelnd. Shooting in 50 Meter Höhe. Das ist mal eine interessante Interpretation von (Achtung!) High-Fashion. Bevor sich jedoch das erste Mädchen in die Tiefe stürzen kann, gibt es auf direkte Anweisung des Drama-Beauftragten von ProSieben erst noch ein Fünf-Minuten-Recap des Sally-Abigail-Streits von vergangener Woche. Der ging so ins Eingemachte, dass Sally unter der Woche sogar Morddrohungen erhalten hat. Also, ich glaube, es war wegen des Streits. Zu 100 Prozent weiß ich das nicht, da die Info von "Bild Plus" stammt. Da dieser Content redaktionell noch wertvoller ist, als die normalen "Bild"-Inhalte, kostet er 99 Cent im Monat. Ich habe grundsätzlich nichts gegen fair bezahlten Journalismus, in diesem Fall habe ich die 99 Cent aber lieber in den "Jungle Juice" Fonds für Michael Michalsky eingezahlt.

Jesus is a Photographer

Das Shooting wird übrigens von einem der 428 Lieblingsfotografen von Heidi Klum durchgeführt: Marcus Schäfer. Dessen Fotografie-Stil beschreibt Klum als "surreal-experimentell". Das einzig Surreal-Experimentelle bleibt während des Shootings dann allerdings sein "Jesus lebt"-Look. Das verwundert nicht. In den Tagen nach Ostern sollen plötzliche Jesus-Sichtungen ja Tradition haben.

Einige Mädchen, wie Zoe oder Pia, scheinen sich mit sinnlosem Abhängen offensichtlich auszukennen. Bei ihnen läuft es. Angezählt werden dagegen Bruna und Victoria. Bei der Brasilianerin aus Offenbach mutmaßt Linguistik-Wunder Heidi Klum, dass "das Problem ist, dass sie uns nicht versteht". Sie war halt nicht so gut in Deutsch gewesen. Victoria dagegen macht den Til Schweiger und bekommt prompt ein "der Gesichtsausdruck ist immer der gleiche!" reingeklumt. Enttäuscht fasst die Modelmama zusammen: "Wir haben nur ein Gesicht gesehen." Victoria arbeitet hauptberuflich ja auch nicht als Model, sondern als Sexpartner-Biografin von Zoe. Man sollte ihr daher verzeihen, sollte sie zwischendurch ein wenig unprofessionell auftreten und vergessen, ihr zweites Gesicht mitzubringen. Noch schlimmer trifft es nur noch Shari, die ihr Shoot-Out gegen Jennifer verliert und noch vor Ablauf der ersten Sendestunde nach Hause fliegt.

AboutWho?

Kaum vom Hoteldach abgeseilt, geht es direkt ins nächste Casting. Diese Woche gilt es, einen wirklich fetten Job zu erlangen: Der Gewinnerin winkt eine Rolle im neuen AboutYou-TV-Spot. Skandalös. Ich selber habe von AboutYou noch nie eine Rolle bekommen. Immer nur Lebkuchenherzen.

Dem Online-Modehändler ist das aber egal. Statt mir schickt er dafür extra seinen besten Mann zum Casting. Kurz denkt man: Was? Jürgen Klopp arbeitet jetzt für AboutYou? Es ist aber doch nur jemand aus dem Marketing, der vermutlich ausklappbare Visitenkarten hat. Sein Jobtitel ist nämlich länger, als die Gesichter bei Sat1., wenn die Quoten für Carsten Maschmeyers "Start Up", dem GNTM der Gründerszene, veröffentlicht werden.

Um sich final zu entscheiden, möchte der AboutYou-Klopp nur Zoe und Victoria ein zweites Mal sehen. Das findet Juror Michalsky unfair. Zack – direkt wieder Bitchfight. Thomas Hayo vermutet, Michalskys Einwände resultieren nur daher, dass beide Kandidatinnen aus Hayos Team kommen. Das findet er noch mieser als die Gags bei "Late Night Berlin". Erst mal in Rage geredet, entfährt ihm ein "Du bist so transparent, Michi!" Da ist man in Team Michi aber erst mal entsetzt. Alles Lüge! Michalsky ist keinesfalls transparent! Im Gegenteil, er benutzt immer ausreichend Deo! Wohlriechend oder nicht – in diesem Jahr ist bei GNTM mehr Zickenkrieg in der Jury, als im Ensemble. Außer Abigails ewigem Kampf gegen Victoria, Sally und Zoe, die sich übrigens selber als "Gucci-Gang" bezeichnen, ist da ja relative Harmonie. Harmonie. Oder wie man bei ProSieben sagt: Quotengift.

Havana, ooh na-na

Bei Abigail und Vicotria spitzt sich die Situation rund um das AboutYou Casting zu. Beide haben ein eher mittelgutes Shooting hinter sich und noch gar keinen Job ergattert. Im Hinblick darauf, dass die Luft Richtung Finale langsam dünner wird, machen beide sich Sorgen um ihren Verbleib und wollen den Job unbedingt. Tja. Der AboutYou-Klopp entscheidet allerdings anders und fliegt mit Toni und Julianna nach Havanna, um den TV-Spot zu drehen. Damit sind beide für die Entscheidung diese Woche save. Aus den elf verbliebenen Kandidatinnen wird aber noch eine gehen. Um das zu verhindern, hilft nur noch eine Top-Performance im finalen Catwalk.

Face down runter

Da in dieser Folge noch nicht genug junge Mädchen leicht bekleidet an Seilen hingen, findet der Final Walk von einem Container-Turm vertikal abwärts statt. "Vertical Walk", wie es nennt. Über die Englisch-Skills des GNTM-Jahrgangs von 2018 hatte ich ja vergangene Woche schon berichtet. Die Gesichter der Mädchen bei der Verkündung sehen dann auch tatsächlich durch die Bank so aus, als würden sie denken: Vertical Wok? Wie soll man denn hochkant asiatisch kochen? Um die Verwirrung komplett zu machen, ergänzt Container-Walk-Koryphäe Thomas Hayo: "Die gehen eigentlich Face down runter." Er kennt sich aus. "Face Down runter" ist nämlich auch der Titel seiner Memoiren. Ein epischer Roman über eine Männerfreundschaft, die an einem Jurypult zerschellt.

Der Vertical Catwalk entpuppt sich für die meisten Kandidatinnen als viel zu schwierig und somit quasi zum Vertical Kack-Walk. In Alufolie eingewickelt, Schulterpolster aus "Starlight Express" auftragend, im 90-Grad-Winkel eine Wand runter zu laufen, an der Hüfte beidseitig angeleint, ist allerdings auch eine Herausforderung jenseits aller physikalischen Gesetze. Den "schlechtesten Walk der ganzen 13 Jahre" legt dann Trixi hin. 13 Jahre. So lange gibt es GNTM schon. Eine sehr lange Zeit. Heidi Klums aktueller Lover war damals glaube ich noch gar nicht geboren. Trixi jedenfalls versagt und zeigt eine Körperspannung eines handelsüblichen Discounter-Toastbrots, das vier Wochen in Cola eingelegt war. Sie hat allerdings Glück und bleibt trotzdem.

Einer geht noch, einer geht noch ... nach Hause

Am Ende ist in Woche neun für Abigail Schluss. Die selbsternannte Gucci-Gang bleibt also vereint. Wenn das so weiter geht, sind bald nur noch Kandidatinnen dabei, die schon mal mit Victorias Freund im Bett waren. Direkt danach gibt es für Victoria dann noch schnell zwölf von zehn Punkten auf der Scheinheiligkeits-Skala. Tränenreich versucht sie, nur Minuten vor Abigails Abreise, noch schnell ein paar Karma-Punkte gut zu machen und fällt ihr mitsamt einiger versöhnlicher Worte heulend in die Arme. Tröstende Worte nach offener Lästerattacke. Wenn Germany's Next Charakterstärke suchen würde, gäbe es für die sympathische Wienerin weniger Fotos, als der HSV 2018 Siege eingefahren hat. Als Model ist sie aber noch im Rennen. Mal sehen, ob sie auch die kommende Woche übersteht.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

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