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stern-Stimme Maries Modelcheck: GNTM-Umstyling: Wenn Haare und Nerven am Boden liegen

Panik, hysterisches Gekreische und literweise Tränen: Die Reaktionen auf das Umsytling bei Germany's Next Topmodel haben sich auch in der 13. Staffel nicht geändert. Dagegen ist das Shooting in Unterwäsche eine harmlose Kleinigkeit.

Von Marie von den Benken

GNTM 2018

Nein, das ist nicht Pippi Langstrumpf, sondern Kandidatin Zoe beim Umstyling

ProSieben

Die Woche startet mit einem Novum. Erstmals in der Topmodel-Historie schafft es während einer laufenden Staffel nämlich etwas anderes als die Umgangsformen der Jury an die Spitze der Bodyshaming-Hitparade. Nicht etwa nackte Minderjährige oder launige "Mach mal mehr Sport"-Ratschläge der Jury empören die Nation, sondern die n-tv-"Journalistin" Sabine Franzen-Oelmann. Wer? Genau. Ein Name, mit dem man eher Ministerpräsidentin im Saarland werden sollte, als Moralapostel auf dem Boulevard der Eitelkeiten. Franzen-Oelmann allerdings ist an Politik wenig, dafür sehr an leichter Bekleidung interessiert. Dieser Tage offensichtlich besonders an der von Sängerin Lena Meyer-Landrut.

In einem, sagen wir mal, eher mittelmäßig begeistert aufgenommenen Beitrag wirft sie Meyer-Landrut unter anderem vor, durch ihr freizügiges Outfit während einer Filmpremiere "ungefähr 90 Prozent der Fotos" für sich okkupiert und damit den Schauspielern die Show gestohlen zu haben. Sie nennt das "ignorant" und "auch ein bisschen respektlos". Und um das Triple aus Fehlinterpretation und Neid komplett zu machen, garniert sie den monumental fehlgeschlagenen Ausflug in die Psychoanalyse von Lena Meyer-Landrut schlussendlich noch mit einem lupenreinen Body-Shaming: "Mal abgesehen davon also, dass es einfach zu wenig Stoff war, und dass es gar nicht um dich ging, wünscht man dir doch mal ganz allgemein einen gesegneteren Appetit."

Auf den Gedanken, dass es nicht Lena Meyer-Landruts Hobby ist, bei Minusgraden in einem dünnen Kleidchen vor einem Kino in Berlin hin und her zu stolzieren, sondern dass die Macher des Filmes sie im Gegenteil sogar genau dafür eingeladen haben, um für viel Aufsehen, Blitzlichtgewitter und damit Aufmerksamkeit auch für den Film zu sorgen, kommt die Society-, Fashion- und Ernährungsexpertin Sabine Franzen-Oelmann offensichtlich nicht.

No Model-Villa, No Cry

Hätte man sich eventuell denken können. Dass irgendjemand n-tv für Fashion- und Ernährungs-Experten hält, ist ja in etwa so wahrscheinlich, wie Meisterschaften für den HSV. Partystimmung also bei der GNTM-Jury. Diese Woche stehen sie nicht am Empörungs-Pranger. Dabei ist doch sogar Umstyling. Vorher fliegen die 23 verbliebenen Kandidatinnen noch schnell nach Los Angeles. Der Flug vergeht (haha) wie im Flug, denn die Mädchen beschäftigen sich ausführlich mit der Frage, wie wohl ihre Modelvilla aussehen wird. Lange Rede, kurzer Sinn: Es gibt keine Villa. Es gibt Teamhäuser. Die von der Redaktion an dieser Stelle eigentlich eingeplante Enttäuschung bleibt jedoch aus. Die Mädchen lieben die Häuser.

Das liegt vielleicht daran, dass ProSieben den Stock, den viele GNTM-Kritiker oftmals despektierlich im Hintern von Michael Michalsky vermuten, dieses Jahr herausgezogen und Betten daraus gemacht hat. Stockbetten. Die von den Mädchen bejubelt werden, als hätte Karl Lagerfeld sie gerade "die Zukunft des Modelbiz" genannt. Gut, als die Topmodel-Reisegruppe letztes Jahr in L.A. ankam, warteten Daniel-Wellington-Uhren auf sie, bei deren Anblick sie dann drehbuchkonform ausrasten mussten. Da ist so ein Stockbett natürlich ein Upgrade. Viel Zeit zum Freuen bleibt aber ohnehin nicht. Es geht direkt weiter mit dem Umstyling, das Heidi dieses Jahr konsequent "Make Over" nennt. Thomas Hayo (gesprochen: Tommäss Äääiiitschdschoh) hat ihr vermutlich erklärt, dass die offizielle Muttersprache bei GNTM Denglish ist.

Zoe sieht es aus

Und auch Jungle-Juice-Testimonial Michael Michalsky hat etwas beizutragen: "Wo gehobelt wird, da fliegen Späne." Ja klar. Und wahrscheinlich fallen die Fetzen. Die erste, bei der Späne fliegen, ist dann Zoe: "Kurzhaarschnitt möchte ich nicht." Überraschung: Als Belohnung bekommt sie einen Kurzhaarschnitt. Anschließend sieht sie aus wie die genervte Zwillingsschwester von Taylor Momsen. Das findet jedenfalls ProSieben. Momsen zeigt sich meistens ziemlich nackt. Interessant also, was ProSieben ihrer Beef-Geheimwaffe Zoe also so alles zutraut für die Zukunft. Tatsächlich sieht Zoe eher aus wie die uneheliche Tochter von Dieter Bohlen. Das belegt auch der erste Satz, den Zoe anschließend im Skype-Telefonat mit Mutter und Schwester loswird: "Ich habe einen Scheiß-Vokuhila bekommen."

GNTM 2018

GNTM-Kandidatin Zoe beim Umstyling

ProSieben


Die wunderbare Frisur der Sally

Ein ähnliches Schicksal ereilt danach auch Sally.  Die umstehenden Mitkandidatinnen attestieren ihr während der Umwandlung zwar, sie sähe jetzt sehr süß aus. Sally selber kommentiert ihren neuen Kurzhaar-Look noch während der Entstehung (und ohne selber einen Blick darauf geworfen zu haben) mit der gesunden Selbsteinschätzung: "Ich bin aber nicht süß, ich bin cool! Was soll ich denn machen?" "Einfach mal die Fresse halten" würde die n-tv Political-Correctness-Beauftragte Sabine Franzen-Oelmann jetzt vermutlich brüllen. Aber Sally hat Glück. Sie sieht am Ende nicht aus wie Dieter Bohlen, sondern wie die blonde Version von Audrey Tautou in "Die verrückte Welt der Amelie". Sie selber findet allerdings eher, sie sähe jetzt aus "wie eine Japanesin". Tja. Da hat die Deutschländerin Heidi Klum aber wirklich ganze Arbeit geleistet. Das lapidare "Ja, das ist jetzt blöd mit den Haaren" ihres Freundes verbessert Sallys Laune ebenfalls nicht. Anders als bei Zoe finde ich allerdings, ihr neuer Look sieht durchaus arty aus und erhöht ihre Chancen auf eine Modelkarriere tatsächlich.

Zoe auf den Spuren von Maja

Das Motto, das die Jury den Anwärterinnen auf den Titel "Germany's Next Topmodel 2018" für den Make-Over-Tag mitgibt, lautet: "Den Profis vertrauen, die jedem Mädchen den Look geben, der für sie auf dem Markt am besten funktioniert." Im Fall von Zoe zum Beispiel auf dem Wochenmarkt. Ein Gutes haben die neuen Looks allerdings: Zoe bekommt diese Woche wahrscheinlich kein Foto, sondern ein Albumcover von Modern Talking von der Jury überreicht. Wirklich deutlich besser nach dem Make Over sieht allerdings Gerda aus. Hier hat das Umstyling mal das gemacht, was bei der WM auch von Manuel Neuer erwartet wird: alles gehalten, was versprochen wurde.

Eine ähnliche Metamorphose wie Zoe hat auch Maja Manczak hinter sich. Maja ist 2017 erst haarscharf vor dem GNTM-Finale geflogen - vermutlich damit nicht versehentlich ein Mädchen mit wirklichem Potenzial gewinnt. Sie ist jetzt übrigens bei der hoch renommierten Agentur Place. Für Zoe ist es noch ein langer Weg, es irgendwann auch dorthin zu schaffen.

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New hair, new me 😝 #nofilter

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Dicke Haare, dicke Tränensäcke

Um auf der nach oben offenen Sabine-Franzen-Oelmann–Shaming-Skala etwas aufzuholen, zieht Klum einen Joker. Ab jetzt neben Fat-Shaming ganz neu im Portfolio: Hair-Shaming. "Bei so dicken Haaren kommt man ganz schlecht durch." Dick sind aber nicht nur die Haare, sondern auch die Tränensäcke. Michel Michalsky stellt entsprechend fest: "Hier wird ja schon geheult, seit wir angefangen haben. Ich verstehe gar nicht, wie man so viele Tränen in sich tragen kann. Ich habe schon die Befürchtung, dass ich das Tränen-Reservoir nachfüllen muss." Aha. Tränen-Reservoir. Klingt erst mal wie das neue Album von Helene Fischer.

Wenn du gegen sie nicht gewinnen kannst, Trixi aus

Apropos Helene Fischer: Atemlos ist auch Trixi. Aber vor Euphorie. Sie fiebert dem Umstyling ... sorry ... Make Over entgegen. Mit glänzenden Augen platzt es aus ihr raus: "Ich freue mich so sehr! Ich will kurze Haare! Ich will ein Pony!" Blöd allerdings, dass es mit dem Pferd nicht klappt. Und dann heißt es auch noch: "Wir machen dir etwas, das man immer rein und raus machen kann, je nach Look." Da guckt sie schon ein bisschen, als hätte man soeben angekündigt, sie müsse den Rest ihres Lebens ihre Outfits mit Sabine Franzen-Oelmann abstimmen. Wenigstens war mit dem Satz "immer rein und raus" nicht Zoe gemeint. Mit deren angeblicher 60-Typen-Vergangenheit hätte das direkt wieder für Furore gesorgt.

Während der Make Overs gibt es zwar viel nasse Haare, aber wenig nackte Haut zu sehen. Darum wird noch schnell ein Dessous-Shooting nachgeschoben. Die besten drei Mädchen gewinnen eine Reise nach Cancún, wo sie eine zehn bis zwölf Seiten starke Strecke für die Zeitschrift "InStyle" shooten werden. Dieser erste wirklich gute Job geht an Abigail, Bruna und Sally. Weniger Glück haben Lis und Valèrie, sie erhalten kein Foto und müssen ihre Koffer packen. Dazu müssen Karoline und Trixi kommende Woche ins Shoot-Out. Geht es um wirkliches Potenzial, müsste Karoline das Rennen machen. Aber wir werden sehen (Sie erinnern sich? Maja?). Auffällig ist: Alle vier sind aus Team Thomas. Keine gute Woche also für Cowboyhüte. Aber die Staffel ist noch lang. Und ich bleibe dran!

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

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