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Maries Modelcheck: Penis-Panik bei GNTM: "So ein Lulu ist nicht ästhetisch"

Beleidigungen vom Fotografen, verliebte Kandidatinnen, ein echter Job, Penis-Panik - und am Ende landen alle im Gefängnis. Eine ganz normale Woche bei "Germany's Next Topmodel".

Von Marie von den Benken

Neue Staffel der Castingshow: Heidi Klum oben ohne - das ändert sich bei GNTM 2018

Als ich etwa acht Jahre alt war, fand ich die Plattensammlung meiner Eltern im Keller. In ihrer wilden Zeit wurde Musik noch von Hand gemacht, auf Vinyl gepresst und von Plattenspielern abgespielt. Es gab daher eine Menge Rolling Stones und Beatles, aber auch Exoten wie Harry Belafonte.

Die erste Platte, die ich mir anhörte, war allerdings von Bettina Wegner. Wahrscheinlich, weil Achtjährige mit dem Titel "Kinder" mehr anfangen können, als mit "Sympathy for the Devil". Obwohl in letzterem viel Wahrheit steckt. Heidi Klum zum Beispiel mag ich heute tatsächlich irgendwie. Bettina Wegner jedenfalls sang in diesem Song "Sind so kleine Hände, winzige Finger dran".

Sie fragen sich, was das mit der GNTM-Folge von dieser Woche zu tun hat? Warten Sie einfach ein paar Absätze ab.

So nackt wie noch nie

Im Vorfeld der siebten Folge trommelt ProSieben, es würde "so nackt wie noch nie" – und hält auf gewisse Weise sogar Wort. Es gibt splitternackte Körper. Allerdings nur die von Male-Models. Das ist irgendwie ein bisschen wie die Ankündigung, es gäbe ein Geschenk von historischem Ausmaß, und dann kommt Heino mit einer Platte voller SS-Lieder.


Egal. Nicht alle sind enttäuscht. Zumindest einer in der GNTM-Chefetage wählt diese neue Disziplin möglicherweise sogar zu seiner Lieblingsrubrik. Aus Produktionskreisen hört man Gerüchte, in Michael Michalskys Zimmer im Chateau Marmont würde sogar schon der Jungle Juice knapp.

Das Chateau Marmont ist übrigens ein Luxus-Hotel in Los Angeles mit großer Topmodel-Vergangenheit. So wurde Emily Ratajkwoski hier auf einer Party entdeckt. Naja, oder zumindest ihre Brüste. Lindsay Lohan soll Hausverbot haben, weil sie für 40.000 Dollar Champagner getrunken aber nie bezahlt hat. Dabei modelt sie in ihrer Freizeit ja gerne mal für Mehmet Scholls Bruder Philipp Plein. Außerdem hat Benjamin von Stuckrad-Barre hier seinen Roman über sich und Udo Lindenberg geschrieben. Und Benjamin von Stuckrad-Barre ist ja quasi die Heidi Klum der Popliteratur.

Aus dem Schlafzimmer von Heidi Klum

Aber genug davon. Es geht ja um GNTM. Als es da endlich losgeht, instruiert Heidi Klum ihre Mädchen erst mal, dass ein Fashion-Shooting folgt (darum ist das Male Model auch nackt) und sie "die Attitude der modernen Frau verkörpern" sollen.

Anhänger des beliebten Trinkspiels, jedes Mal einen Kurzen zu exen, wenn bei GNTM jemand "Attitude" sagt, liegen also nach sieben Minuten bereits im Koma. Und das, obwohl Thomas Hayo, dem Sting seiner Zeit seinen Welthit "I'm a Denglishman in New York" gewidmet hat, gar nicht vor Ort ist.

Definitiv dabei dagegen ist Pia. Sie ist die erste Kandidatin, die es mit der geballten Nacktheit der Male Models aufnehmen muss. Vorher mutmaßt sie noch, die angekündigte Überraschung beim Shooting wäre möglicherweise ein Tier. Ganz so falsch liegt sie da nicht. Würmer sind ja auch Tiere. Wirbellose zwar, aber Tiere.

Apropos wirbellos: Heidi Klum fühlt sich am Set sichtlich wohl. Kein Wunder. Den ganzen Tag neben einem völlig nackten, 25 Jahre jüngeren Typen zu verbringen, kennt sie ja aus ihrem Schlafzimmer.

Sind so kleine Hände

Weniger amused ist Sally. Den Einwand, Male Model Shootings gäbe es doch in jeder Staffel, korrigiert sie wahrheitsgetreu mit "ja, aber nicht dass der Typ nackt ist, du Ekelige".

Dank Klaudia mit K erlebt die Staffel dann endlich ihren ersten Höhepunkt. Konfrontiert mit der Info, sie würde gleich auf einen komplett nackten Mann treffen, inklusive Blick auf sein Geschlechtsorgan, stellt sie fest: "Ein Lulu ist nicht ästhetisch". Das K in Klaudia steht offensichtlich für Klartext. Anatomisch offenbart sie dann allerdings eine Gemeinsamkeit mit Donald Trump: winzige Hände.

Und so gleitet der Familienabend bei ProSieben noch vor 21Uhr komplett in zotige Softerotik-Plattitüden ab. Heidi Klum erklärt Klaudia enttäuscht: "Deine Hand ist zu klein, du kannst sein Teil damit nicht komplett verstecken". Hier schließt sich dann der Kreis zu meiner Einleitung.

Irgendwo in Unterhaching sitzt der ProSieben-Vorstand mit offenen Mündern vor dem TV und summt leise Bettina Wegners "Sind so kleine Hände" vor sich her. Im Penisgrößen-Contest hat also Male Model Matthew (nimmt in 30 Jahren an "Bauer sucht Frau" teil) gegen Klaudia mit K und ihre Trump-Hände gewonnen.

Kurz befürchte ich, ProSieben meldet seinen Sender in der nächsten Werbepause spontan vom TV-Betrieb ab, denn besser kann es nicht werden.

Gerda geht nach Hause

Aber was soll ich sagen: ProSieben macht weiter. Zum Glück. Was wäre uns sonst alles entgangen. Zoe beispielsweise. Über sie wissen wir ja bereits, dass sie für ihre 18 Jahre sexuell recht aktiv ist. 16 Partner. Oder sogar 60, wie ihre Beischlaf-Chronistin Victoria behauptet. Das ist final noch ungeklärt.

Klar ist dafür aber: Im Fernsehen fünf Wochen lang über 16 bis 60 Sexpartner zu philosophieren ist okay, aber ein Foto mit einem nackten Male-Model "da habe ich Angst, was die Leute denken". Das ist, wie zwölf Big Mac und fünf große Pommes essen und dann Panik bekommen, dass man fett wird, wenn man keinen Süßstoff in den Kaffee rührt, sondern Zucker.

Entsprechend schockiert sind ihre Kolleginnen. Kandidatin Stephanie fasst zusammen: "Ausgerechnet Zoe redet plötzlich irgendwas von Moral, ich habe das gar nicht so richtig verstanden". Falls Heidi Klum hier mitliest: Was sie damit meint ist "Ich hatte das gar nicht so richtig verstanden gehabt".


Auch nicht so richtig verstanden gehabt hatte Thomas Hayo. Nämlich, dass Jennifer ins Shoot-Out gegen Gerda muss. Er hält Gerda nämlich für "nicht wandelbar". Star-Fotograf Yu Tsai pflichtet ihm bei. Bei ihrem Shooting mit dem nackten Male Model sagt er Sätze wie "I'm bored" oder "this is aweful". Keine große Überraschung, dass Gerda das Shoot-Out verliert und als erste diese Woche gehen muss.

Er wusste nicht, ob das Yu Tsai oder schlecht

Gerda bleibt aber nicht Yu Tsais einziges Opfer. Während Sharis Shooting beispielsweise bittet er Heidi "weck mich auf, wenn was Spannendes passiert". Im Netz bleibt das nicht unkommentiert. Auf Twitter beispielsweise tendieren Yu Tsais Sympathiewerte in Richtung Kim Jong-Un.

Zum Glück ist die Nackt-Farce irgendwann vorbei, und die Mädchen dürfen sich bei einem Casting für einen echten Kunden regenerieren: Deichmann. Um der GNTM-Zielgruppe seine junge, hippe Philosophie und die Freshness der Marke direkt näher zu bringen, sendet der größte Schuhhändler Europas seinen Marketingleiter und seine Kreativ-Direktorin ans Set, die beide etwa so alt sind, wie alle verbliebenen 16 Models zusammen.

Auch hier kommt wieder ein Male-Model zum Einsatz. Glücklicherweise angezogen. Victoria zeigt sich trotzdem schockverliebt: "Ist der fesch!"


"Fesch" scheint für Österreicherinnen so was wie "süß" für Absolventinnen von Hamburger Mädchenschulen zu sein. Da soll noch mal jemand behaupten, bei GNTM würde man nichts lernen. Wenn man sich sieben Tage lang mit solchen Jungs umgibt, nennt man das in der Heimat von Victoria übrigens Feschen Week, aber das ist eine andere Geschichte.

Verhaftet wegen Catwalk

Am Ende beruft Deichmann fünf Models für seine Kampagne. Als erstes Sally. Das entschädigt für ihre Enttäuschung beim Shooting. Sally ist noch minderjährig und durfte daher keinen Blick auf den "Lulu" werfen. Für ihren Auftritt musste das Male-Model extra eine Unterhose anziehen. Echt frustrierend, zumal sie auch viel größere Hände als Klaudia mit K hat. Mit ihr dürfen noch Toni, Pia, Bruna und Julianna in den Deichmann-Spot.

Anschließend gibt es für die Kandidatinnen die Quittung für ihre gesammelten Verfehlungen. Alle landen im Gefängnis. Verhaftet wegen langweiligem Posing oder gemeiner Zickerei? Nein. Nur ein Szenario für den Final Walk, das mit der wahren Modelwelt so viel zu tun hat wie Martin Schulz mit dem Kanzleramt. Ein Walk durch eine grölende Menge männlicher Gefängnis-Insassen.

Am meisten lässt sich dabei Anne von den pöbelnden Häftlingen beeindrucken und fliegt raus.

Wir lernen; Man kann nur Topmodel werden, wenn man sich von randalierenden Straftätern nicht irritieren lässt. Total realistisch. Man kann ja auch nur Busfahrer werden, wenn man sich traut, mit einer Schüssel Kartoffelsalat vom 10-Meter-Brett zu springen. Aber ich kann es nicht ändern. Anne ist raus.

Die Top 15 stehen. Langsam wird die Luft also dünner. Wen wird es kommende Woche treffen? Ich bleibe dran!

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

Neue Staffel der Castingshow: Heidi Klum oben ohne - das ändert sich bei GNTM 2018