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Maries Modelcheck: "Curvy Supermodel": Nackt in Andalusien

Halbfinale bei "Curvy Supermodel": Bevor die Hüllen fallen müssen die Nachwuchsmodels zum Fitnesstraining ran. Trotz vollem Körpereinsatz schaffen es am Ende nur fünf von sieben Mädchen ins Finale.

Von Marie von den Benken

Fotoshooting mit Kandidatin Lisa-Marie. Fürs Finale hat es trotzdem nicht gereicht.

Fotoshooting mit Kandidatin Lisa-Marie. Fürs Finale hat es trotzdem nicht gereicht.

Liebes Promi-Tagebuch: Vergangenen Freitag habe ich auf der Filmpremiere von "Safari - #MatchMeIfYouCan" die "Curvy "-Juroren Angelina Kirsch und Oliver Tienken getroffen. Natürlich befürchtete ich zunächst, beide würden mir nach der Lektüre meiner letzten Beiträge zu ihrer Casting-Show ordentlich Dresche androhen. Kaum hatte ich mir also den Spruch "aber bitte nur so oft schlagen, wie ihr Zuschauer habt, weil dann geht es für mich glimpflich aus" zurecht gelegt, wurde ich unverhofft Zeugin davon, dass Angelina und Olli, wie ich ihn jetzt nennen darf, durch und durch Profis sind. Beide beteuern umgehend, dass sie das alles mit Humor nehmen. Das schafft nicht jeder.

RTL2, der "Curvy Supermodel"-Sender, übrigens auch. Die PR-Abteilung stattete mich vergangene Woche aus heiterem Himmel mit tollen "Love Island"-Devotionalien aus. Ich habe jetzt also eine Trinkflasche, wo mein Name draufsteht. Und halt "Love Island". Fast möchte man meinen, RTL2 hofft darauf, dass ich mich mit der selben Euphorie dem lustigen Insel-Abenteuer widme, wie es mir Model- und Tanz-Shows angetan haben. Mal sehen. Liebes RTL2, wir können reden, wenn ihr mich kommendes Jahr in die Jury nehmt. Das ist auch super für euch: Dann gucken garantiert meine Mutter, meine Oma, mein Vater und meine Schwester zu – und damit ist die Quote von diesem Jahr schon mal verdoppelt!

Oliver Tienken – der Welpenflüsterer

Oliver Tienken übrigens schwänzte die sensationelle After Show Party im Hooters. Dabei hätte er seine helle Freude an den Moves der leicht bekleideten Kellnerinnen gehabt. Curvy Supermodels, so weit das Auge reicht. Mit seiner Begründung allerdings hat er direkt mein Herz erweicht: Er konnte nicht so lange, weil zu Hause ein ganz neuer und ganz junger Hundewelpe wartet. Zack: Sofort ist Oliver Tienken mein Juror des Jahres. Ich habe nie was anderes gesagt. Wer ist schon Peyman Amin? Nie gehört. Ich habe auch Karl gefragt und der hat Claudia gefragt: In kennt Amin niemand.

Ebenfalls niemand kennt in Paris die verbliebenden Kandidatinnen im Rennen um den Titel "Curvy Supermodel". Mit sieben Aspirantinnen geht es ins Halbfinale, das erst Mal als mehrminütige Dauerwerbesendung beginnt, noch bevor Superstar und (erwähnte ich es bereits?) Welpen-Papa Tienken das erste Wort sagen darf. Komplett durcheuphorisiert starren die Kandidatinnen zunächst auf ein Handy, auf dem sie eine Sprach-App zum Lernen von Fremdsprachen ansehen, als stünden auf dem Display die Lottozahlen der kommenden zwei Monate. Anschließend beziehen sie ihre Hotelzimmer in , oder "Anndahlussssia", wie Jan Kralitschka (der alte Maure) die Gegend an der Südküste Spaniens gerne nennt und finden dabei zufällig mehrere Tonnen Make-Up.

Fit mit Kralitschka

Viel Zeit bleibt aber leider nicht, die Produkte auch auszuprobieren, denn irgendwie muss ja auch noch etwas passieren, was es der Jury am Ende des Abends erlauben wird, zwei Kandidatinnen auszusortieren. Also erst mal raus und das machen, was die "Bunte" neulich auch dem etwas unvorteilhaft fotografierten Sohn von Nicholas Cage riet: Sport machen! kündigt ein hammerhartes Work-Out an. Allerdings ohne sie, denn: "Für die Fitness der Kandidatinnen ist Jan der perfekte Coach."

Die Nachwuchsmodels trainieren bei einer Sporteinheit mit Juror Jan Kralitschka

Die Nachwuchsmodels trainieren bei einer Sporteinheit mit Juror Jan Kralitschka

Kurz frage ich mich, warum ein Ex-Bachelor, der aussieht wie der Vater von Tom Cruise, prädestiniert als Fitness-Coach ist. RTL2 hat doch eine klare Vita ausgegeben: "Der ehemalige Jurist wurde 2013 als 'Bachelor' bekannt. Der Sportbegeisterte arbeitet seit vielen Jahren hauptberuflich als Fotomodel." Ach so. Weil er sportbegeistert ist, ist er der perfekte Trainer? Nach der Logik müsste ich schon lange Chefdesignerin bei Balenciaga sein. Die Kandidatinnen sehen das anders und machen alle begeistert mit. Für Jana Ina keine Überraschung: "Die Mädchen wollen ja nicht schlecht vor unserem schönen Jan aussehen." Der schöne Jan? Hä? Macht da jetzt heimlich auch noch Jan Delay mit oder was? Wäre cool ... obwohl. Nee. Korrigiere. Wäre nicht cool. Auf einen Rap-Battle zwischen Delay und Tienken hätte ich zwar schon Bock, aber am Ende kommt dann wahrscheinlich so ein Heulsusen-Fansong für "Curvy Supermodel" raus, wie zuletzt bei "Grün-Weiße Liebe" für Werder Bremen. Den Älteren unter Ihnen vielleicht noch als Fußball-Club bekannt.

Nackt in Andalusien

Egal. Die weitestgehend einschläfernde Sport-Stunde mit Bachelor-Trainer Kralitschka ist zum Glück schnell vorüber und Angelina Kirsch verrät, dass es eine Woche vor dem Finale endlich zum ersten Höhepunkt der Show kommen wird: "Wofür sind die einsamen Strände Andalusiens gemacht? Genau – ein Nacktshooting!" Für mich unverständlich, dass das unerschöpfliche Talent von Jan Kralitschka zu dem Zeitpunkt bereits für ein paar Sätze wie "jetzt machen wir noch ein Flanking" verheizt wurde. Beim Nacktshooting wäre er, als "Ossi, die FKK erfunden haben" doch noch prädestinierter gewesen, als Oliver Tienken als Peyman Amin-Double.

Während sich die ersten Kandidatinnen in Rage echauffieren, ob sie ganz nackt vor der Kamera stehen wollen ("Ich bin ja gerade erst 18, da muss ich meine Familie fragen"), nähert sich bereits das Casting-Shooting für einen echten Job für eine internationale Hotelkette. Pff. Internationale Hotelkette? Wer hängt sich denn Hotels um den Hals? Na ja, anderes Thema. Die Bilder schießt jedenfalls die Fotografin Estelle Klawitter. Quasi der Rankin der Curvys. Es gibt Kandidatinnen in Bikinis und einen "Quick Change". Was sich anhört, wie das Liebesleben von Katja Krasavice ist in Wirklichkeit eine extra für TV-Formate erfundene Model-Disziplin, in der sich das Model zwischen zwei Shootings innerhalb von wenigen Sekunden umziehen muss.

Wie heißen die Juroren nochmal?

Sehr realitätsnah ist das nicht, obschon FKK-Jan die TV-Gemeinde an seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz als Model teilhaben lässt: "Bei Modeschauen muss man sich richtig beeilen, dass man rechtzeitig auf dem Laufsteg ist." Das stimmt natürlich. Es heißt ja auch Laufsteg und nicht Schlenderweg. Viel wichtiger an diesem Tag ist aber: Warum nennt sich Estelle Klawitter auf Twitter nicht @klatwitter. Für mich unverständlich.

Apropos Twitter: Der Welpe von Olli ist bestimmt ein Golden Retweeter. Zumindest so gucken wie ein Welpe kann auch Jana Ina, die vom RTL2-Off-Sprecher konsequent "Tschanna Iiiihna" genannt wird. Überraschend, dass er die anderen nicht "Ölliwöhr", "Tschan" und "Äntschellinna" ausspricht. Zwischenzeitlich wird den Kandidatinnen dann bewusst, dass heute noch diverse Entscheidungen anstehen. Da ist die Stimmung gleich mal im Eimer. "Ich will nicht nach Hause gehen", zittert Alina. Aber da kann ich sie beruhigen: So schlecht sieht es trotz zuletzt etwa 4,4 Prozent Marktanteil nun auch nicht aus bei RTL2. Geld für ein Rückflugticket sitzt wohl noch drin.

Zoten statt Quoten

Stichwort Marktanteil: Das aktuell laufende Freizeitprojekt von Jochen Schropp und Rainer Laux, "Promi Big Brother", holt seit zwei Wochen konstant um die 20 Prozent. In Brutto-Zahlen ausgedrückt, entspricht das zirka der Menge aller Hotelbetten in Deutschland. Mal zum Vergleich: Die Zuschauer von "Curvy Supermodel" entsprechen dagegen in etwa der Menge an Luftmatratzen in einem durchschnittlichen Baumarkt in Thüringen.

Das wird sich diese Woche vermutlich nicht signifikant ändern, zumal der Fatshaming-Beauftragte von RTL2 schon wieder Überstunden machen muss. Mit einem launigen "Du musst jetzt reinhauen", motiviert Angelina Kirsch die etwas schwächelnde Kandidatin Lisa. Reinhauen. "Curvy Supermodel". Sie verstehen? Lisa nimmt sich die Warnung zu Herzen und liefert ab. "Tschanna Iiiihna" ist beeindruckt und lobt: "Du hast eine neue Fatzette gezeigt". Was immer das auch ist. Da will sich Fitness-Guru Kralitschka nicht lumpen lassen und schiebt ein "Yolanda, du hast ein Gesicht" hinterher. Überraschende Wendung. Allerdings eine positive. Models ohne Gesicht haben es in der Branche nämlich eher schwer.

Einige Models Carmen gut an

Das Hotel-Ketten-Casting gewinnt übrigens Ines. Das Nacktshooting bleibt ihr aber dennoch nicht erspart. Ein Feiertag des Casting-TV-Genres. Zur Feier des Tages hat Angelina Kirsch sich extra einen geflochtenen Zopf quer über den Kopf gelegt. Viele Kandidatinnen sind zögerlich, nicht so Schulamit. Sie gibt sich zuversichtlich, denn "ich habe auch schon privat Nacktshootings gemacht". Ich finde, das ist eine zulässige Schlussfolgerung. Ich beispielsweise bin ja auch schon mal Auto gefahren und werde daher nächstes Jahr Formel-1-Weltmeisterin. Ebenfalls vom Nackt-Erfolg überzeugt ist Lisa. Sie weiß: "Ich habe kein Schamgefühl." Das erkennt auch Fatzetten-Expertin Jana Ina: "Sie hat keine Hemmungen."

Kandidatin Schulamit beim Nackt-Shooting

Kandidatin Schulamit beim Nackt-Shooting

Zum Final Walk vor großer Kulisse aller Einwohner eines kleinen Dorfes in Andalusien, für dessen Aussprache Jan Kralitschka und Oliver Tienken an diesem Abend etwa 53 Varianten kennen, laufen die Kandidatinnen in Flamenco-Kleidern. Kulturell ein alter Hut für die Mädchen, wie dieser Dialog zweifelsfrei belegt:

"Du bist gelaufen wie Carmen."

"Wer ist Carmen?"

"Na, diese typische Spanierin!"

"Ach die, die auch immer so was anhat."

Am Ende schmeißt die Jury Vera und Lisa raus. Das Finale in der kommenden Woche bestreiten Pauline, Ines, Rahel, Alina und Schulamit. Damit sind alle zufrieden. Alle? Naja, fast alle. Tienken zeigt sich schockiert, dass seine Kollegen sich gegen Vera entscheiden und Jana Ina fasst zusammen: "Meine Aioli kommt hoch". Das wird also ein interessantes Finale kommende Woche.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

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