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#MariesModelcheck : Warum Guido Maria Kretschmer erschwingliche Mode produziert

Kooperationen sind en vogue. H&M hat es mit Top-Designern von Lagerfeld bis Balmain vorgemacht, Otto zieht mit Guido Maria Kretschmer nach. Da entstehen Fragen: Ist Guido ein Feminist? Und was ist eigentlich "Democratic Couture"?

Guido Maria Kretschmer

Guido Maria Kretschmer

Fashion-Entwürfe haben es längst zu internationaler Bekanntheit gebracht. Gleichzeitig ist er dem Deutschen TV-Publikum vor allem durch "Shopping Queen" ein Begriff. Jetzt hat der Designer seine neue Kollektion gemeinsam mit dem Versandhaus Otto auf den Markt gebracht. Ein Spagat? Guido sagt: "Für ein schönes Strandkleid sollte man keinen Kredit aufnehmen müssen." Ist eine solche Partnerschaft am Ende daher sogar die logische Konsequenz? Ich bin der Sache auf den Grund gegangen und habe Guido zum Fashion-Smalltalk gebeten. Und er hatte viel Zeit und äußerst interessante Themen im Gepäck.

Deine neue heißt "Luz De La Luna" - warum ist das die perfekte Bezeichnung für deine neue Linie?
Das Mondlicht in Spanien macht alles so weich und sanft. Die Farben sind so natürlich und einfach zeitlos. Genau diesen Moment wollte ich in dieser Kollektion widerspiegeln.

Wie fühlt sich der Moment an, in dem man bemerkt: Meine neue Kollektion trifft den Nerv, die Leute lieben sie?
Das ist natürlich ein beglückender Moment. Die monatelange Arbeit an der Kollektion, die wochenlange Vorbereitung der Show - und plötzlich schaust du in zufriedene Gesichter: Der Lohn meiner Arbeit könnte nicht größer sein.

Fans deiner Kollektionen und Gäste deiner Shows sind unter anderem Matthias Schweighöfer, Florian Silbereisen aber genauso Influencer aus dem Instagram-Kosmos. Ist es ein Merkmal deiner Arbeit, dass so unterschiedliche Typen und Stile sich bei dir wohl fühlen?
Genau das spiegelt ja auch mein Ansinnen, "Democratic Couture" wider: Alterslos, klassenlos und auch für jede Figur soll meine Fashion konzipiert sein- die Vielfalt der Gesellschaft.

Einer der Stargäste deiner letzten Show auf der Berlin Fashion Week war Goldie Hawn. Wie kam es zu dieser Verbindung?
 Ich bin schon seit meiner Kindheit ein großer Fan von Goldie. Sie ist eine wahre Hollywood-Legende mit einem guten Gespür für Stil. Ich schätze sie sehr und habe mich natürlich sehr gefreut, dass sie in dieser Saison zur Show kommen konnte.

Wie habt ihr es geschafft, die Kollektion weitestgehend "geheim" zu halten, obschon sie direkt nach der Show auch schon bei Otto.de online zum Kauf verfügbar war?
Naja, du kannst dir vorstellen, wie viel helfende Hände bei der Kollektionserstellung und auch bei der Konzeption der Show beteiligt waren. Und in der Tat fiel es uns allen schwer, die Füße still zu halten. Aber umso rührender war der Moment, als endlich unsere Show begann und das Geheimnis gelüftet war.

Wie kam es zu der Kooperation mit Otto.de und was sind die großen Vorteile einer solchen Partnerschaft?
Guido und Otto passen einfach perfekt zusammen: Das ist Mode für alle. Ich bekomme so viele Nachrichten von Fans, die mich fragen, wo man meine Klamotten kaufen kann. Der High-End-Gedanke, im Sinne von zwölf Monate lang auf eine 12.000-Euro-Tasche warten, entspricht meiner Meinung nach nicht mehr der Realität. Ich möchte, dass Frauen, die für ihr Geld arbeiten, ihre großziehen, abends auf dem Sofa sitzen und von einer Tasche träumen, diese auch direkt haben können. Für ein schönes Strandkleid sollte man keinen Kredit aufnehmen müssen.

Wie groß ist der Einfluss und damit die Wichtigkeit von so genannten Influencern mittlerweile? Warum sitzt in den Front Rows bei vielen Designern mittlerweile viel mehr -Prominenz, als wie früher Musiker, Models, Schauspieler und Künstler?
Oh, das ist bei meinen Schauen grundsätzlich anders: Schon immer legte ich großen Wert darauf, die begehrtesten "Front Row"-Plätze gleichberechtigt zu belegen: Die Chefredakteurin eines Modemagazins soll ebenso einen guten Blick auf die Kollektion haben, wie langjährige Stammkunden, gute Freunde des Hauses, aber eben auch ausgewählte Instagramer. 

Du arbeitest bei einer Kooperation auch mit Janina Uhse zusammen. Wie kam es zu dieser Partnerschaft?
Janina und ich kennen uns schon einige Jahre. Sie ist eine tolle Frau und ich mag sie sehr. Ihre aufgeschlossene und herzliche Art ist wunderbar. Jetzt hatten wir die Möglichkeit, enger zusammenzuarbeiten und ein gemeinsames Schmuckstück zu entwickeln. Im Mittelpunkt meiner Designs stehen immer Menschen, und für dieses Projekt waren es die Wünsche und Ideen von Janina, die mich geleitet und inspiriert haben.

Prominente sind das eine - Siehst du privat im Stadtbild, in Restaurants, auf Events oder einfach im Park aber auch manchmal junge Mädchen und weißt, die könnte eine ernsthafte Chance auf eine Modelkarriere haben? Und falls ja: Sprichst du sie an?
Ganz abstreifen kann ich auch privat meine Rolle als Kommentator von "Shopping Queen" nicht, aber ich bin kein Modelscout, der einfach so auf der Straße junge Frauen anspricht. Ich mache gerne Komplimente, aber ich schlüpfe nicht in die Rolle eines Casters.

Wenn man nur ein einziges Teil deiner neuen Damen-Kollektion haben könnte, welches ist das absolute Must-Have?
Das ist ganz eindeutig unser Streifen-Jumpsuit, den auf meiner Show auch sehr viele Bloggerinnen und Influencer in verschiedenen Stylings getragen haben.

In wie fern spielt Nachhaltigkeit in deiner neuen Kollektion eine Rolle?
In meiner Otto-Kollektion greife ich gerne zu Lyocell, vielen vielleicht auch unter dem Namen Tencel bekannt. Hierbei handelt es sich um eine aus Cellulose bestehende, industriell hergestellte Regeneratfaser, die nach dem Direkt-Lösemittelverfahren hergestellt wird. Gegenüber anderen Regeneratfasern wie Viskose ist der Herstellungsprozess aufgrund des umweltverträglichen Lösungsmittels und eines geschlossenen Stoffkreislaufs deutlich nachhaltiger. Zusätzlich ist Lyocell ein sehr komfortables Material: Mit seinem sowohl im Sommer kühlenden als auch im Winter wärmenden Charakter, eignet es sich als fließend gewebter Stoff für unglaubliche Looks.

Wirkt sich deine Arbeit bei TV-Formaten wie "Shopping Queen" auf deine Arbeit als Designer aus?
Auswirkungen würde ich es nicht nennen, aber durch die intensive Beschäftigung mit so vielen unterschiedlichen Menschen, die Spaß an Mode haben, ist es doch eigentlich ein veritabler Spiegel der Gesellschaft und somit wichtig für meine Rückschlüsse, wie ich "Democratic Couture" umsetze.

Wer ist dein schärfster Kritiker, den du zu 100 Prozent ernst nimmst?
Ganz klar: Mein Frank!

"Ich möchte, dass Frauen, die für ihr Geld arbeiten, ihre Kinder großziehen, abends auf dem Sofa sitzen und von einer Tasche träumen, diese auch direkt haben können" – Guido ist ja sozusagen der erste echte Feminist im aktuellen Fashion-Zirkus. Ich bin dankbar, dass er sich für meine Fragen so viel Zeit genommen hat. Vielleicht gibt es in der Modewelt ja noch mehr interessante Charaktere. Falls Ihr gerne ein Gespräch mit einer bestimmten Person aus der Fashion-Branche hier lesen würdet, schreibt mir unter fragdenmal@marievdb.de und ich werde sehen, was ich machen kann. Wunschkonzert bei stern.de! 

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie  

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