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Maries Modelcheck: Mode ist Politik oder: Warum hassen alle Heidi Klum?

Alles ist neu dieser Tage, in der Politik wie auf dem GNTM-Laufsteg. Während Angela Merkel angekündigt hat, den CDU-Vorsitz abzugeben, sucht Heidi Klum frische Juroren für "Germany's Next Topmodel".

Von Marie von den Benken

Supermodel und Geschäftsfrau Heidi Klum

Supermodel und Geschäftsfrau Heidi Klum

DPA

Was für eine Woche. Angela Merkel kündigt an, den CDU-Vorsitz abzugeben. Friedrich Merz bringt sich in Stellung. Dazu könnte ich jetzt einen mehrseitigen Aufsatz schreiben, aber ich betreibe hier ja "Maries Modelcheck" und nicht "Maries Politbarometer". Um in meiner Welt zu bleiben, nur so viel: Merkel durch Merz zu ersetzen, ist ja in etwa so zukunftsorientiert, wie wenn ProSieben Heidi Klum bei "Germany's Next Topmodel" durch Heino ersetzen würde, um das Format zu verjüngen.

Das scheint absurd, jedoch gibt es in der aktuellen Situation zwischen der CDU und GNTM durchaus weitere Überschneidungen. Gut, die Quoten sind bei GNTM besser als bei der CDU und im heutigen Influencer-Zeitalter würden wahrscheinlich mehr unter 18-Jährige die niesende Panda-Mama von YouTube zur Kanzlerin wählen als Angela Merkel, aber die dürfen ja noch nicht.

Das Personal-Karussell dreht sich bei GNTM ungeachtet dessen ähnlich spektakulär wie bei der CDU. Während um die Nachfolge von Merkel bereits selbstinszenierte Werbekampagnen von Jens Spahn (Germany's Next Top-Gesundheitsminister) oder die Selbstnominierung von Merz im Raum stehen, hat Foto-Ikone und Ex-DFB-Liebling Paul Ripke in einem Podcast mit Joko Winterscheidt beispielsweise bereits seinen Hut in den (Hüft-)Ring geworfen, um Nachfolger von Thomas Hayo oder Michael Michalsky in der GNTM-Jury zu werden. Böse Zungen behaupten, vom Gewicht her könne er auch beide gleichzeitig ersetzen, aber an Bodyshaming-Attacken beteiligen wir vom stern uns natürlich keinesfalls.

Die Iden des Merz

Unterföhring, wo der GNTM Muttersender ProSieben sitzt, ist das neue Berlin. Während in den Feuilletons der seriösen Tagespresse spekuliert wird, wer bei der CDU das Rennen macht, kümmert sich der Boulevard eher um die Frage, wer zukünftig Sätze wie "Mehr Attitude" oder "Vom Walk her bist du gut gelaufen" in der GNTM-Jury denglischen darf. Geht es bei der Union um Personalien wie Merz, der als Chef-Lobbyist einiger Finanz-Schwergewichte seit Anfang 2016 Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Tochtergesellschaft von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt und somit "im Auftrag des Geldes" unterwegs ist, wie die Kollegen von der "Zeit" es formulierten, oder Jens Spahn, den im Münsterland geborenen Dauer-Twitterer, der mit Sätzen wie "Hartz IV ist nicht Armut" den "Spiegel" dazu verleitete, ihn als "Geschenk für die SPD" zu bezeichnen, sieht es bei GNTM noch wilder aus.

Heidi Klum, zuletzt in Amerika bei "Project Runway" selbst erst gegen die fast 20 Jahre jüngere Karlie Kloss ausgetauscht, schweigt sich aus. Und während in deutschen Großstädten und auf Instagram unter dem Hashtag #IchBinGNTM2019 bereits die Castings laufen, strahlen die Blüten der Gerüchteküche in den hellsten Farben.

Klar scheint nur, Thomas Hayo wird kein dauerhafter Juror mehr sein. Auch Michalsky scheint das Jury-Pult zu verlassen. So wächst die Hoffnung, GNTM könnte endlich mal eine weibliche Jurorin erhalten. In den bisherigen 13 Staffeln ließ sich Klum unter anderen von Peyman Amin, Bruce Darnell, Boris Entrup, Rolf Scheider, Kristian Schuller, Thomas Rath oder Wolfgang Joop assistieren - nie jedoch gehörte eine Frau zum festen Ensemble der Jury.

Heidi Klum mag keine Frauen

Ein Zufall scheint das nicht zu sein – aber darf man Heidi Klum deswegen unterstellen, sie würde keine weibliche Konkurrenz neben sich dulden? Hat sie doch nicht nur mit GNTM bereits vielen jungen Frauen zu einer veritablen Karriere verholfen. Ohne Klum gäbe es keine Lena Gercke, keine Stefanie Giesinger und keine Sara Nuru, um nur ein paar wenige zu nennen. Vermutlich würden 50 Prozent weiblicher deutscher Influencer wegfallen, wenn es GNTM nie gegeben hätte.

Gut, es würde auch niemand Armin Morbach kennen, aber kein Format ist fehlerlos. Morbach war auch mal Mitglied der Jury, nämlich genau ein Jahr. Nach der Premieren-Staffel wurde er aussortiert. In den Jahren danach gab es nicht mehr viel von ihm zu sehen. Okay, ich persönlich habe ihn in den späten 2010er Jahren ein paar mal an Flughäfen gesehen, wie er große Schminkkoffer hinter Michelle Hunziker herschob, aber das ist natürlich nicht repräsentativ für sein Lebenswerk.

Mode ist Politik

GNTM hat immer polarisiert. Mode ist politischer, als man denkt. Während die Branche sich viele Jahrzehnte darauf beschränkte, für Menschen mit viel Geld fantastische Kleider zu entwerfen, werden die Laufstege der Fashion Weeks immer häufiger zu politischen Statements. Das Label Miss Gee bringt Models mit #MeToo-Shirts auf den Runway. Zadig & Voltaire hat eine "Girls Can Do Anything"-Kollektion, Vivienne Westwood ließ ihre Models gegen Fracking protestieren, Tom Ford weigert sich, Donald Trumps Frau Melania einzukleiden, obschon es stets ein großes Privileg für einen Designer ist, die First Lady auszustatten. Prabal Gurung steckte seine Modes wie Bella Hadid auf der New York Fashion Week in "I Am An Imigrant" und "The Future Is Female"-Shirts. Das Label LRS Studios platzierte seinen Models die eindeutige Trump-Kritik "No Ban, No Wall" auf die Unterwäsche. Die #TiedTogether-Kampagne, die ein weißes Tuch symbolisieren lässt, dass wir alle miteinander verbunden sind, egal welcher Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung, schaffte es mit Gigi Hadid sogar auf den Laufsteg von Tommy Hilfiger.

Auch GNTM ist ein Spielball politischer Interessen. Von Netz-Feministinnen als Zentralorgan für fehlgeleitete Schönheitsideale verschrien und von Ex-Kandidatinnen (und ihren medienbesessenen Rechtsbeiständen) regelmäßig durch Knebelvertrags-Prozesse als PR-Katalysator missbraucht, gibt die 2019 in ihr 14. Jahr gehende Model-Show in der durch stetige Bodyshaming-Debatten dauererhitzten, blühenden Kommentarlandschaft der Hüter der verqueren Schönheitsideale den perfekten Aufhänger für jede Art von Gesellschaftskritik. Dabei hat Heidi Klum doch keinem etwas Böses getan, denkt man. Erst Recht keiner Frau.

Reizfigur Heidi Klum

Warum ist Heidi Klum also in den USA eine große Heldin, aber in Deutschland, immerhin die Heimat der in der Karnevals-Hochburg Bergisch-Gladbach aufgewachsenen Rheinländerin, eine extrem polarisierende Reizfigur? Ist es ihr oftmals etwas burschikos, eben bergisch-gladbachisch wirkender Vater Günther, der sich im Windschatten des Erfolgs der von ihm betreuten Tochter und vor allem als vertraglich zugewiesener Manager aller GNTM-Absolventinnen mit Potenzial eine goldene Nase verdient hat? Ist es der umgekehrt proportional zu ihrem eigenen Alter laufende Männergeschmack? Gab sie sich mit Mitte 20 noch Männern wie Star-Friseur Ric Pipino oder Star-Gigolo Flavio Briatore hin, die locker ihre Väter sein könnten und deren Äußeres auf den unvorteilhaften Bildern draußen auf dem Boulevard weniger an die Model-Branche sondern eher an Halloween-Kostüme erinnert, könnten ihre letzten Eroberungen Vito Schnabel und Tom Kaulitz ihre Söhne sein. Also, jedenfalls mit viel Teen-Mom-Fantasie.

Oder ist es doch nur der klassische Futterneid auf eine Frau, die es im fernen Amerika über "Sports Illustrated", Victoria's Secret, diverse TV-Projekte und Werbedeals zu veritablem Reichtum gebracht hat? Man kann Heidi Klum sicher vieles vorwerfen. Dass sie das wirklich optimale aus ihren Möglichkeiten raus geholt hat, sollte aber – wenn schon nicht bewundert – zumindest respektiert werden.

Wie wird denn jetzt GNTM 2019?

Aber zurück zum Thema. Alles ist neu dieser Tage, in der Politik wie auf dem GNTM-Laufsteg. Die Karten werden neu gemischt. Aber was wissen wir wirklich über die kommende Legislaturperiode von Model-Kanzlerin Klum? Eigentlich nur Spekulationen. Die Ex-Juroren beteuern, wie wahnsinnig toll sie das Format stets fanden und wie unfassbar toll auch Heidi Klum als Chefin ist – und dass sie wirklich nur aussteigen, weil GNTM mittlerweile so riesig geworden ist, dass Großteil des Jahres dabei drauf geht. Das lässt sich nur schwer mit einer Karriere auf anderem Gebiet in Einklang bringen. Michael Michalsky etwa, immerhin auch schon seit drei Jahren der Frotzel-Partner von Thomas Hayo, ist ja nicht GNTM-Juror mit dem Hobby Mode, wie es in der GNTM-Berichterstattung oftmals wirkt, sondern einer der wichtigsten Designer in Deutschland. Wer kann Hayo und Michalsky also ersetzen?

Die Kandidatinnen-Liste, die gerade per Bewerbungs-Gerüchte durch die Klatschmagazine erstellt und abgearbeitet wird, klingt illuster. Nadja Auermann etwa, ist zu hören, wäre eine Option. Also doch eine Frau an der Seite von Klum? Auch eine interfamiliäre Lösung mit Tom und Bill Kaulitz wird erwogen, wobei die Fashion-Expertise der "Durch den Monsun"-Zwillinge aus meiner Sicht eher bescheidene Ausmaße erreicht. Dafür hatten sie aber mit Sicherheit einige weibliche Models im Bett. Unter den Glücklichen soll sogar Ann-Kathrin Götze gewesen sein. Natürlich lange, bevor sie WM-Held Mario kennenlernte. Aber das sind auch nur Gerüchte aus dunklen Düsseldorfer Nachtclubs. Bevor ich mich hier also ohne substanzielle Fakten weiter auf Gossip-Niveau auslasse, halte ich für diese Woche ein und verspreche, GNTM derweil ganz genau im Auge zu behalten.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie