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Maries Modelcheck: Hoch die Tassen! Wie wild feiern eigentlich Models und Influencer?

Ein bisschen Posen, viel Geld kassieren und den Rest des Tages feiern: Dieses Klischee von Models und Influencern ist durchaus verbreitet. Doch sind sie wirklich so ein wildes Partyvolk?

Von Marie von den Benken

Die Models Bella Hadid und Jessica Hart feiern bei der amfAR-Gala in Cannes

Die Models Bella Hadid und Jessica Hart feiern bei der amfAR-Gala in Cannes

Ich arbeite als Model, seit ich 14 Jahre alt bin. Mittlerweile also so ziemlich genau mein halbes Leben. Die Frage, die mir in all den Jahren am häufigsten gestellt wurde, lautet nicht etwa "Wie ist das, immer nur auf sein Äußeres reduziert zu werden?" oder "Wie hält man sich schlank?", obwohl beides ziemliche Klassiker-Fragen sind. Das, was die Menschen am meisten interessiert, ist offensichtlich das vermeintlich glamouröse Leben der Fashion- oder Unterhaltungsbranche: "Gibt es diese wilden Partys wirklich?" oder: "Hängt ihr jede Nacht auf Gala-Dinners und Luxus-Partys ab?" Die Neugierde ist groß, unterschwellig auch die Skandalsucht. Deutschland ist ein Land, das gerne urteilt, besonders gerne verurteilt. So kommt es dann, dass lieber berichtet wird, jemand hätte viel zu viel Champagner getrunken und dann in die Hotellobby gekotzt, als dass auf der selben Party noch 600 andere waren, die die meiste Zeit Saftschorle getrunken haben, weil sie am anderen morgen wieder einen Job hatten.

Cathy Hummels ist nicht Claudia Effenberg in jung

Ich kann das zum Teil verstehen. Kotzende Promis verkaufen sich besser, als spießige. Das ist okay, auch wenn es oft ein verzerrtes Bild des tatsächlichen Abends zeichnet. Weniger gut klar komme ich mit Sensations-Meldungen, die aus absurden, unlauter konstruierten Zusammenhängen abgeleitet werden. Ein Beispiel: Ich verbrachte vor einigen Wochen einen Kurzurlaub in Kroatien, in der Villa von Cathy und Mats Hummels. Man kann von Cathy halten, was man möchte, das ist jedem selbst überlassen. Ich allerdings habe in den Tagen in Kroatien eine Cathy Hummels kennengelernt, die vor allem eine liebevolle Mutter und gleichzeitig eine erfolgreiche Geschäftsfrau ist. Cathys Lebensmittelpunkt ist ihre Familie, ihr Mann und ihr Sohn Ludwig. Aber sie ist eben auch eine erfolgreiche Influencerin und Unternehmerin, bietet etwa Ferien-Villen zur Miete an, hat ein Yoga-Buch geschrieben oder (wie passend, als gebürtige Münchenerin, die mit der Wiesn aufgewachsen ist) eine eigene Trachten-Kollektion entworfen. Damit steht sie natürlich anders da, als etwa eine Claudia Effenberg aus der Spielerfrauen-Generation vor ihr, über die Uli Hoeneß mal gesagt hat: "Erst macht sie sich an den verheirateten Thomas Strunz ran und als das Geld weniger wird, geht sie zum Stefan Effenberg."

Es ist nicht okay, "OK"

Das macht Cathy zu einem Fixpunkt der deutschen Medienlandschaft. Ihr Instagram-Account wird täglich analysiert, sie ist Dauergast in Star-Magazinen. Klatsch-Blätter, die sich am Kiosk mit zumeist frei erfundenen Skandalen überbieten und deren Wahrheitsliebe knapp hinter Aussagen wie "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" oder "I did not have sexual relations with that woman" rangiert. Cathy wird immer wieder Opfer dieser Enthüllungs-Industrie. Dieser Tage titelte das Magazin "OK" in Pulitzer-Preis verdächtiger Manier, Mats Hummels würde seine Cathy nun wohl verlassen. Oh, denkt man da im ersten Moment. Eine junge Familie, der Sohn nicht mal ein Jahr alt, was ist denn da los? Ein so junges Glück, das wirft man doch nicht so einfach weg. Da hat die "OK" sicher hoch seriös recherchiert, damit so eine Behauptung nicht auf tönernen Füßen steht. Und tatsächlich – sie steht nicht auf tönernen Füßen. Ton ist nämlich ein Material, das durchaus ein paar Erschütterungen aushalten würde.

Titelseite der "OK!"

Titelseite der "OK!"

Die "Beweise" in der Story über das Ehe-Ende im Hause Hummels hatten dagegen eher die Belastbarkeit einer verfaulten Erdbeere. Als eindeutiges Indiz dafür, Mats Hummels würde sich von seiner Frau und Mutter seines Sohnes trennen wollen, wurde sein Like-Verhalten auf Instagram herangezogen. Die Investigativ-Abteilung der "OK" hatte nämlich festgestellt, dass Mats dort Bilder von anderen Frauen liked. Von Barbara Palvin etwa oder von Taylor Hill und Lorena Rae. Alles aktuelle Victoria's Secret Models übrigens, die im Schnitt so 400.000 bis 1.000.000 Likes auf ihre Bilder erhalten. Wenn das also etwas beweist, kann ich nur froh sein, dass ich nicht prominent bin. Ich habe nämlich mal ein Bild von Jan Böhmermann geliked – und da will ja wirklich niemand in eine Affäre reingequatscht werden.

Die Abenteuer von Fake News Girl

Diese abstruse Beweisführung im Fall Cathy Hummels ist natürlich nur ein Beispiel dafür, wofür sich die Öffentlichkeit vermeintlich interessiert und wie solche Meldungen dann das Licht der Welt erblicken. Womöglich einer der Gründe dafür, dass auch bei Models die Frage nach wilden Partys häufiger kommt, als nach persönlichen Zielen oder wenigstens Ernährungsplänen. So funktioniert das Aufbausch-Geschäft der Gossip-Medien. Kaum ist Toni Garrn in einem Club, in dem auch Leonardo DiCaprio schon mal gesichtet wurde, ist die Cover-Story schnell geschrieben: "Liebescomeback bei Toni Garrn und Leo". Trägt Helene Fischer mal ein weites T-Shirt beim Müll raustragen – zack: "Helene und Florian Silbereisen - Endlich schwanger!" Würde Marvel über die Autorin eines solchen Artikels eine Comic-Serie starten, sie würde "Fake News Girl" heißen.

Wie wenig nah diese Berichte oftmals an der Wahrheit sind, sieht man im Modelbereich sehr genau. Natürlich gibt es Partys, vor allem zu großen Events wie der Fashion Week, wenn die Branche aus der ganzen Welt an einem Ort zusammen kommt und sich selber feiert. Oder bei großen Produktionen, an denen viele Protagonisten beteiligt sind. Aber die kolportierten Drogen-Exzesse, Alkohol-Eskapaden und Sex-Orgien, die in den Medien und den Hinterköpfen der Menschen herumgeistern, sind zu 99 Prozent erfundene Sensationsgeschichten oder Hirngespinste.

Influencer & Models im Party-Modus

Wie unglamourös das Party-Leben in der Model- und Influencer-Branche eigentlich ist, möchte ich an zwei kurzen Beispielen skizzieren. Die Annahme, es würde bei Models und Influencern nachts so richtig wild zur Sache gehen, ist alleine aus dem Grund ausgeschlossen, dass man während einer terminintensiven Modewoche häufig bereits am frühen morgen erste Call Times, Fittings oder Stylings hat. Wer als Model für die erste Show um neun Uhr gebucht ist, muss sich – je nach Aufwand der Couture und der korrespondierenden Make-Ups und Hairstyles – oftmals bereits um fünf Uhr morgens einfinden. In einer Branche, in der es in erster Linie um gesundes, fittes, junges, straffes, makelloses Aussehen geht, ist man mit einer ausschweifenden Partynacht vorab schlecht beraten. Alkohol, mangelnder Schlaf und schlechte Luft sind nicht deine Freunde und deine Haut vergisst nicht so schnell.

Somit fällt während der Fashion Weeks oder ähnlichen Events der Großteil der potenziellen Kandidatinnen für legendäre Tanznächte alleine aus professionellen Gründen schon mal weg. Aber nicht nur bei mehrtägigen Veranstaltungen wie der Modewoche, mit unzähligen Terminen, sondern auch bei einem Einzelevent ist die Wirklichkeit von den glitzernden Jay-Gatsby-Party-Bildern in den Köpfen der Außenstehenden weit entfernt.

Party Like Gina-Lisa

Am Samstag beispielsweise war ich gemeinsam mit anderen Influencern wie GNTM-Starlet Klaudia mit K, DSDS-Vize Sarah Lombardi, Bachelor Paul Janke, Dschungel-Camp Sieger Joey Heindl und Fitnesstrainer BastiGoodlife zur neuen interaktiven Internet-TV-Action-Show "Powergames" eingeladen. Während der Proben philosophierten wir alle hochmotiviert, welche Clubs und Bars wir in dieser Nacht in München noch auf den Kopf stellen würden. Als die Livesendung dann gegen 21 Uhr vorbei war und alle wieder im Hotel eingetrudelt waren, sah die Realität etwas anders aus.

Das gesamte Team - vom Moderatoren-Duo (Vanessa Meisinger, die immerhin mal Popstars gewonnen hat und Patrice Bouédibéla, der immerhin schon viele Popstars interviewt hat) über die Agentur bis zur Produktionsfirma - saß am Ende in einem für 40 Leute viel zu kleinen Hotelzimmer und guckte im Fernsehen einer komplett nackten Gina-Lisa Lohfink bei "Adam sucht Eva" zu. Das wildeste an diesem Abend war somit der Couchtisch, auf dem sich diverse alkoholische Getränke in eleganten Weißblech-Dosen türmten und das Sitzen auf dem Boden wie zu Schülerparty-Zeiten. In-Clubs blieben unbesucht, das aufregendste Zusammentreffen mit der Außenwelt blieb der Junggesellinnen-Abschied, der uns unverhofft in der Hotellobby empfing. Allerdings nicht gerade ein Ego-Pusher für die meisten von uns. Die bereits leicht angesäuselten Mittdreißigerinnen in kurzen Partykleidern interessierten sich nämlich ausschließlich für Neu-Chippendale Paul Janke. Die Selfiedichte war hoch, Instagram hatte einige Promi-Schnappschüsse mehr - nur halt keine von mir. Pff. Nur weil ich nicht bei den Chippendales tanze. Wo ist die #Aufschrei Bewegung, wenn man sie mal braucht?

Hauptsache, Alessio geht es gut

Abschließend kann also freimütig attestiert werden, dass mein Highlight des Wochenendes nicht etwa eine wilde Party oder das grandiose Promi-Nachtleben Münchens gewesen ist, sondern endlich mal den legendären Alessio persönlich kennenlernen zu dürfen. Ein wirklich – und das schreibe ich gänzlich Ironie frei – zauberhafter Junge, der gerne Weintrauben mag, mit seinem Roboter spielt und seine Mutter sehr liebt. Sofern das Motto "Hauptsache, Alessio geht es gut"“ also weiterhin gilt, darf ich sagen: Macht euch keine Sorgen! Und nur für das Protokoll: Als es viel Bier und die nackte Gina-Lisa gab, war Alessio schon lange im Bett.

Bis dahin: Alles Liebe, eure Marie