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stern-Stimme Maries Modelcheck: Model-Karriere dank Instagram? Na, klar!

Influencer sind die neuen Werbeikonen. Ihre Bilder tragen die Botschaften in die neue Generation. Mit Julia Wulf einem Trend auf der Spur: Hat Instagram die Fashionbranche revolutioniert? Und wie sieht es bei ihr eigentlich in der Liebe aus?

Von Marie von den Benken

Maries Modelcheck

Model-Karriere dank über 830.000 Followern auf Instagram: die Dänin Mathilde Gøler 

Das Image, das Gossip-Magazine jemandem überstülpen, entspricht nicht immer der Realität. Bevor ich Julia Wulf treffe, habe ich Fragen im Kopf. Wie wird sie sein? Ist sie vielleicht die Verrückteste unter den GNTM-Mädchen? Immerhin trägt sie Nasenring! Oder die Schwierigste? Immerhin wirkt sie eigenwillig! Vielleicht die Verruchteste? Immerhin hat sie sich für "Heroine Kids" Hashtags auf den Bauch gemalt! Oder sogar die Wildeste? Immerhin war ihr Ausstieg bei GNTM von Drogen-Gerüchten überschattet!

Wenn auf dem Boulevard der Belanglosigkeiten Langeweile einkehrt, erinnert man sich an Menschen, die polarisieren. Dann reicht ein kurzer Ausflug auf das Instagram-Profil von Julia, um Stoff für eine Handvoll zusammengereimter Exklusivmeldungen zu haben: Sie ist zu dünn! Sie zeigt Nippel! Ist das ein Joint? Ist das ihr neuer Freund?

Influencer ist keine Grippe-Epidemie

Stichwort Instagram. Der Game-Changer der Modelbranche. Julia Wulf ist die perfekte Gesprächspartnerin für die Frage, ob Instagram das Modelbusiness revolutioniert hat: "Models werden zu Influencern und Influencer werden zu Models. Je mehr du Influencer bist, desto besser verdienst du. Total logisch. Wenn ich ein Model suchen würde, würde ich auch zu einem mit hoher Reichweite greifen. Das ist einfach noch mal kostenlose Werbung! Instagram wird immer wichtiger, es erhöht die Chancen auf einen Job enorm!"

Instagram ebnet heute sogar Wege ins Business. Die Dänin Mathilde Gøler erreichte mit Bikini-Fotos in kurzer Zeit eine halbe Million Follower. Ein Jahr und weitere 350.000 Follower später steht sie bei der Agentur Next Models mit Branchen-Gigantinnen wie Marloes Horst, Anja Rubik, Suki Waterhouse oder Kate Upton in einer Reihe und arbeitet weltweit.

Penisbilder, die große Liebe und das Business

Eine Karriere, die ich auch Julia Wulf zutraue. Auch bei ihr geht es auf die halbe Million Follower zu. Job-Angebote häufen sich: "Ich bekomme viele Anfragen über Instagram, ja." Nicht nur Seriöses: "Viel Schmock, klar, Dickpics und andere tolle Sachen." Kein Wunder, dass die große Liebe noch nicht dabei gewesen ist. Genau so wenig übrigens, wie im Real Life. Julia ist Single. Sie geht davon aus, dass das noch lange so bleibt: "Ich bekomme es meistens nicht mal mit, wenn mich einer gut findet. Weil ich grundsätzlich mit Typen immer nur chillen will. Da läuft nichts. Ja, wenn ich so drüber nachdenke: Ich bin echt eher der Bro-Typ. Ein Mann müsste mir schon richtig krass gefallen. Das kommt aber kaum bis gar nicht vor."

Unaufgefordert eingesandte Bilder männlicher Geschlechtsorgane sind aber nicht das einzige, wofür wir Instagram lieben. Es bringt auch Business. Unternehmen nutzen Models auf Instagram als Transportmittel für Produkte. Dieser neue Weg ist außergewöhnlich attraktiv.

Marketing-Mathe für Milchmädchen

Pamela Reif erreicht als Top-Influencer 2.300.000 Follower. Diese Anzahl Kontakte auf klassischem Weg zu generieren, ist teuer. Ein Beispiel: Ein Ferienhaus-Anbieter richtet eine exklusive Yoga-Stunde in seinem Luxus-Apartment auf dem Pariser Eiffelturm aus. Um diese Aktion einer Yoga-interessierten Zielgruppe zu präsentieren, könnten sie eine Anzeige im Magazin "Shape" buchen. Das hat laut Bauer-Verlag eine Auflage von 160.000, die Seite Werbung kostet 21.300 Euro. Um 2.300.000 Menschen zu erreichen, müsste man 15 Anzeigen schalten. Das würde mehr als ein Jahr dauern, 320,000 Euro kosten und vermutlich 15 Mal dieselben 160.000 Menschen erreichen.

Der Ferienwohnungs-Anbieter bucht also lieber Pamela Reif, die großartige Schauspielerin und Yoga-Trainerin Sarah Stork und eine weitestgehend unbekannte stern-Autorin. Damit kommen sie locker auf eine Reichweite von 3.000.000. In wenigen Stunden. Für einen Bruchteil der 320.000 Euro. Hätten Pamela und ich keinen Instagram-Account, wären wir nicht gebucht worden. 

Caro-Daur-Werbesendung 

Auch Caro Daur gehört mit 660.000 Followern zu den größten Influencern. Alleine in den letzten zwei Wochen versorgte sie ihre Fangemeinde mit Werbebotschaften von Chanel, dem InStyle Magazin, Tommy Hilfiger, Gucci, Levi´s, Nike, Givenchy, Daniel Wellington, Moet, Zadig & Voltaire, Ray Ban, Eventim, Lancôme, Sonia Rykiel, H&M, Cartier, Pandora, Mercedes-Benz, Elle und einigen mehr. Man könnte sie liebevoll Caro-Daur-Werbesendung nennen.

Auch wenn nicht alle erwähnten Marken für ihre Nennung bezahlt haben, ist der finanzielle Erfolg offensichtlich. Den sie sich aber auch alleine erarbeitet hat. So kalkuliert und professionell geht Julia Wulf noch nicht vor. Für sie ist Instagram in erster Linie Spaß. Und sie weiß um ihre Verantwortung: "Ich führe meinen Account genau so, wie es mir passt. Ich poste zum Beispiel keine Sachen, die Kinder zu irgendwas Schlimmen anstiften könnten. Ich teile mit, was mich beschäftigt oder ich erzähle einfach nur Unnötiges, das ich der Welt nicht vorenthalten möchte."

Instagram vs. Facebook

Dass Instagram in seiner Bedeutung auch Facebook schon längst eingeholt hat, zeigt ein Beispiel von Julias GNTM-Kollegin Elena Carriére. Elena postete kürzlich dasselbe Selfie sowohl auf Instagram (36.100 Likes bei 419.000 Followern - das macht 8,6 % Interaktion), als auch auf Facebook (2.210 Likes bei 86.500 Fans - 2,55% Interaktion). Elena hat bei Instagram nicht nur fünf Mal so viele Fans. Diese Fans sind dazu auch noch mehr als drei Mal so aktiv.

Instagram hat Facebook in einer bestimmten Zielgruppe bereits abgelöst. Das bestätigt auch der aktuelle Internet-Report von KPCB, einem der weltweit größten Risiko-Kapitalgeber für Internet StartUps. Er zeigt, dass Instagram 2015 bei 12- bis 24-Jährigen Amerikanern mit 32% 2015 erstmals Facebook (14%) als wichtigsten Social Media Kanal abgelöst hat. Noch vor zwei Jahren sah das völlig anders aus. 2013 lag Facebook mit 34% deutlich vor Instagram (16%). Julia hat also auf das richtige Pferd gesetzt. Ob sie die zu erwartenden Früchte auch ernten wird? Ich bleibe dran!

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie