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Maries Modelcheck: "Ich kann wie der Wind blasen" - hinter den Kulissen beim Promi-Big-Brother-Finale

Katja Krasavice schreibt lieber Whatsapp als zuzuschauen, Dominik Bruntner ist auch ein Jahr nach seinem Einsatz noch begeistert und Moderator Jochen Schropp steht auf Erdnussflips. Marie von den Benken hat sich beim Finale hinter den Kulissen umgeschaut.

Finale: Promi Big Brother: Mama Wollny holt sich den Sieg – und zwar deutlich

Am Freitagmittag ist von globaler Erwärmung und Jahrhundertsommer in Köln wenig zu spüren. Ungemütliche 17 Grad geleiten mich nach Ossendorf. Ist Frau Holle etwa traurig, dass die sechste Staffel " " bereits heute, nach einem furiosen Quoten-Comeback, zu Ende geht? Vor dem großen TV-Studio-Komplex lungern dennoch viele Fans oder stehen für Tickets an. Viele von ihnen werde ich Stunden später nach der Finalshow wiedersehen, jeden VIP-Gast um ein Einlassband für die After Show Party anschnorrend. Dabei wirken sie irgendwie so, als würden sie auf meinen Einstiegssatz mit "Wer ist denn Frau Holle – war die auch mal bei Bachelor?“ reagieren. Noch knapp acht Stunden, bis Jochen Schropp und Marlene Lufen (denen vermutlich gerade vor der Konzernzentrale von Sat.1 ein aus reinem Platin besetztes Denkmal gebaut wird) die Prime-Time-Live-Show eröffnen werden.

Seit einigen Tagen bereits arbeiten die Teams am großen Finale und den regulären Shows parallel. Mehrere Dutzend Redakteure sichten live rund um die Uhr alle Kameras von Baustelle und Villa und tragen die interessantesten Szenen zusammen. Producer und Verantwortliche vom Sender wählen dann Szenen aus, die es in die Sendung schaffen. Diese werden geschnitten und intern über ein eigenes Redaktionssystem veröffentlicht. So können Autoren und Moderatoren sich die Szenen ansehen, Moderations-Texte schreiben und die Buchbesprechung vorbereiten, in der die Texte für den Tag mit Sender, Producer und Moderatoren durchgegangen werden. Erfahrungsgemäß schießt der Sender-Verantwortliche dabei dann 9 von 10 Gags ab und erinnert daran, dass statt dessen zum 28. Mal die Regeln der Show erklärt werden müssen.

Finaaaale, Ohoooo

Am Nachmittag findet dann die Regie-Besprechung mit Star-Regisseur Mark Achterberg statt. Ein Name, der selten in Klatsch-Magazinen auftaucht, in der Deutschen TV-Landschaft aber wichtiger ist, als die meisten Moderatoren, Schauspieler oder Autoren zusammen. Er zeichnet als Regisseur für Formate wie "Let´s Dance", "The Voice of Germany", das "GNTM"-Finale und eben auch PBB verantwortlich und hat damit das Deutsche Live-TV so ziemlich im Alleingang salonfähig gemacht. Legendär sind seine Kommentare über PBB-Kandidaten während der Shows, die ich an dieser Stelle nicht wiedergeben möchte. Nur so viel: Gegen einen Achterberg in Höchstform ist Desiree Nick ist der Dalai Lama.

Anschließend steigt die Generalprobe zur Show. Normalerweise wird noch ein wenig an den Texten und den Abläufen rumgebastelt und dann geht es auch schon los. Heute wird es etwas hektisch. Das aufwändige Final-Studio muss noch aufgebaut werden, nicht alle Timings werden 100 Prozent eingehalten. Die Probe wird abgebrochen. Die außergewöhnlich gute Atmosphäre im Team ist dennoch an jeder Stelle zu spüren. Diese eingeschworene PBB-Familie sorgt dann auch dafür, dass das Finale dennoch ein grandioses TV-Erlebnis wird. Oben, in den Moderations-Containern über der Duell-Arena entwickelt sich während der zwei Wochen Live-Marathon ein wirklich angenehmes Miteinander zwischen Moderatoren, Kamera-Teams, Maske, Autoren und Aufnahmeleitern. Besonders hervorzuheben ist selbstredend Moderatoren-Betreuerin Elli, die jeden Wunsch von den Augen abliest. Irgendwo aufgeschnappt, dass Jochen Schropp Erdnussflips mag? Am nächsten Abend stehen 15 Kilo bereit und das gesamte Team hat drei Kilo mehr auf den Rippen. Danke noch mal dafür an dieser Stelle, Elli.

Dominik Bruntner, der Promi Big Brother Sieger der Herzen

Diese Staffel ist ein solcher Quoten-Erfolg, Sat.1 denkt bereits darüber nach, im Winter ein "Promi Big Brother – Das Promi-Special" mit echten Prominenten nachzuschieben. Während die unterschiedlichsten Teams zum Catering pendeln (immerhin: ein vegetarisches Gericht pro Tag), nutze ich die Zeit, um mit einem Finalisten des vergangenen Jahres zu sprechen. Dominik Bruntner war 2017 amtierender Mister Germany, als er ins PBB-Haus zog. Eine gute Entscheidung, wie er auch ein Jahr später noch denkt, ein kurzes Interview:


Dominik, hat sich Dein Leben nach PBB verändert?

"Ja klar, der Bekanntheitsgrad ist total gestiegen. Gerade die Zeit nach PBB war sehr turbulent und aufregend. Man reist viel, hat TV-Auftritte und Bookings. Auch heute arbeite ich noch immer ganz gut als "Ex-PBB-Teilnehmer".


Du würdest also sofort noch mal mitmachen?

"Definitiv: Ja! Als ich vor zwei Wochen die Eröffnungsshow gesehen habe, dachte ich echt, wie cool es wäre, nochmal dabei zu sein. Es ist einfach ein einzigartiges Erlebnis, dass Außenstehende gar nicht so nachvollziehen können. Konnte ich vorher auch nicht. Man muss dabei gewesen sein."


Was war die wichtigste Erkenntnis über Dich, die dir die Tage im Container eingebracht haben?

"Ich bin als Mensch reifer geworden und im Haus über mich hinausgewachsen. Ich habe davon auch danach profitiert, habe gemerkt, dass ich nach dem Auszug wirklich selbstbewusster geworden bin."


Würdest Du jungen Prominenten raten, bei PBB mitzumachen?

"Definitiv. Bei PBB geht es nicht um so was wie Verkuppeln oder Dating, sondern wie man als Person ist und sich in die Gruppe mit ein bringt. Gerade wenn man jung und neu in der Branche ist, ist PBB ein tolles Sprungbrett."


Hast Du bei PBB echte Freunde gefunden?

"Auf jeden Fall, Kontakt habe ich heute noch mit fast allen. Am engsten bin ich aber mit Evelyn Burdecki, Jens Hilbert, Claudia Obert, Eloy de Jong und Willi Herren befreundet. Man sieht sich auch immer wieder mal auf Events."


Hast Du Favoriten für den Sieg 2018 gehabt?

"Johannes Haller war mein Favorit. Dabei spielt natürlich eine Rolle, dass er ein guter Freund von mir ist. Ich finde, er hat das mega gemacht. Er weiß, worauf es ankommt, setzt sich für das Team ein, putzt und versucht Streitereien zu lösen.“


Promi Big Brother 2019: Check

Lange bevor das erste Rotlicht der Kameras am Finaltag angeht, verbreitet es sich wie ein Lauffeuer über das riesige Studiogelände. Vom Catering, über die Daily-Redaktion bis hin zur Maske: Gerüchte besagen, der Sender habe freudetrunken noch am Morgen des Finaltages eine neue Staffel für 2019 bestellt. Das gibt es ja sonst nur bei "Lindenstraße". "Staffel verlängert", oder wie Oliver Pocher sagt: "Kenne ich nicht".

Als es dann um 20:15 Ihr losgeht, hängen die Exits (wie die unter der Staffel bereit rausgewählten Ex-Bewohner offiziell genannt werden) weitestgehend lustlos in ihren Sofas. Mal abgesehen von Johannes Haller konzentriert man sich im Kreis der Ausgeschiedenen auf Lästern, Augenrollen und WhatsApp-Schreiben. Während Haller jede Pause nutzt, etwa 5000 Selfie-Anfragen der Zuschauer im Publikum stets freundlich und lächelnd über sich ergehen zu lassen, beschäftigt sich beispielsweise Katja Krasavice selbst während der laufenden Liveshow so intensiv mit ihrem Handy, dass man fast spürt, wie oben in der Regie einige hochrangige PBB-Verantwortliche darüber sinnieren, ob man im Studio möglicherweise alle Mobilfunknetze sperren könnte. Krasavice hatte nach ihrer verlorenen Nominierung gegen Finalistin Chethrin Schulze und dem darauf folgenden sofortigen Auszug aus der Promi-Villa verraten, dass sie sich am meisten auf Sex freue. Sie habe einen Typen in Köln. Eigentlich in jeder Stadt. Leider in einigen auch mehrere. Beispielsweise in Hamburg habe sie zu viele, "das wird immer kompliziert". In Hamburg sitzen also mehrere Hobby-Casanovas in ihren 3er BMWs und hoffen, dass Katja demnächst mal wieder die Hansestadt beehrt. Besser könnte man den Zustand des Männermaterials in meiner Heimatstadt kaum beschreiben.

Der Backpfeifen-Bachelor

Als in der dritten Werbepause schließlich ein Aufnahmeleiter dazwischen geht und Krasavice bittet, wenigstens bei Höhepunkten der Show und vollkommen ausrastendem Publikum möglicherweise mal kurz vom Display hoch zu schauen, hat Johannes Haller mein Herz endgültig gewonnen. Nicht nur, weil er ein enger Freund meines PBB-Crushes 2017, Dominik Bruntner, ist, sondern weil er als einziger bei jedem live während der Sendung ausscheidenden Finalisten Standing Ovations spendet.

Finale: Promi Big Brother: Mama Wollny holt sich den Sieg – und zwar deutlich

Andere Exits ignorieren sich ja auch gerne mal gegenseitig. Zwischendurch versorgt ihn seine Freundin, Bachelor-Babe Yeliz Koc, mit Drinks von der parallel bereits startenden After Show Party. Einige Plätze weiter sitzt der heute Abend als erster gekickte Daniel Völz und beobachtet das Szenario mit gemischten Gefühlen. War es doch Koc, die ihn seinerzeit in der Nacht der Rosen zum legendären Backpfeifen-Bachelor machte.

Krasavice kümmert sich heute Abend dagegen ausschließlich um ihre eigenen Höhepunkte. Wer (wie ich) jede Insta-Story von Moderator verfolgt, erlebt einen solchen live von der After Show Party. Dort dreht Krasavice endlich auf und performt live ihren Megahit "Dicke Lippen". Der enthält Text-Perlen wie "Mache es mit Hingabe, ich kann wie der Wind blasen. Fange ich an mit meinem Mund, haut es dich um wie'n Kinnhaken", was darauf schließen lässt, dass Kalle Rummenigge aus ihren Tagebucheinträgen Gedichte geschrieben hat.

Kopf um Kopf moderieren

Am Ende sind bei PBB 2018 nach 15 Tagen Isolation Silvia Wollny und Chethrin übrig. Das offizielle Zuschauer-Voting zeigt 43% zu 57% für die Siegerin. Noch bevor Big Brother diese verkündet, nennt Moderatorin das Ergebnis "ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit eindeutigem Ergebnis". Hä? Genau. Das ist etwa so, als würde Heidi Klum zu einer ihrer Aspirantinnen sagen: "So, Hildegart, du warst immer die Beste, hast alle Jobs bekommen, die Fotografen lieben Dich, du hast alle Challenges gewonnen und jedes Foto von dir sieht aus wie ein VOGUE Cover, darum habe ich heute kein Foto für dich!"

Quasi der letzte Lacher für die um Mitternacht bereits leicht weggedösten PBB-Zuschauer, die sich letztendlich für Silvia Wollny entschieden haben. Die will ihren Gewinn (100.000 €) dafür nutzen, dass "Jugendliche nicht so leben müssen wie wir auf der Baustelle". Es gibt also Hoffnung für alle Verzweifelten, die auf einer Baustelle in einem in einem Kölner Vorort festsitzen, von 40 Kameras beobachtet werden und Annehmlichkeiten nur aus einem Big Spender ziehen können. Soziale Verantwortung ist so wichtig!

Das war es also mit PBB, Big Brother hat die Lichter ausgemacht. Es war eine Staffel mit vielen Höhen und Tiefen, oder wie der Drittplatzierte Alphonso Williams sagt: "Eine Achterbahn die Gefühle". Freuen wir uns also auf neue "Promis" und ein möglicherweise modifiziertes Konzept bei "Promi Big Brother 2019". Auf, dass es erneut eine Achterbahn die Gefühle wird.

Katja Krasavice bei "Promi Big Brother"