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stern-Stimme Marie v. d. Benken: Von schlechter Douglas-PR, Beauty-Festivals und Wana Limar

Beauty-Conventions wie das "Glamour Beauty Festival" arbeiten nicht mehr nur mit Models, sondern mit großen Influencern und noch größeren Marken. Funktioniert das? Und warum ist Wana Limar überhaupt so cool?

MTV-Moderatorin Wana Limar

MTV-Moderatorin, DJane und Influencerin Wana Limar

DPA

Eigentlich wollte ich diese Woche von einem Beauty-Highlight-Event der Extraklasse berichten. Allerdings sind dem Parfümerie-Filialisten Douglas offensichtlich die Briefmarken ausgegangen. Oder die PR-Abteilung besteht ausschließlich aus Mitarbeitern, die meine kleine, familiäre Beauty-Kolumne hier bei stern, Deutschlands Fashion-Magazin Nummer 1, nicht so grandios finden wie zum Beispiel Heidi Klum.

Das könnte dann daran liegen, dass die neue Douglas-Chefin, bevor sie die neue Douglas-Chefin wurde, die neue Opel-Chefin war. Opel ist bekanntlich mit seinem Fiat-500-Klon "Adam" Hauptsponsor von Germany's Next Topmodel. Womöglich haben ihr seiner Zeit Sätze wie "Jasmin räumt einen Opel Adam ab. Dass sie keinen richtigen Führerschein hat, ist nebensächlich. Ein Opel Adam ist ja auch kein richtiges Auto" nicht so gefallen.

Das Orakel von Selfie

Ja, Lästereien haben lange Schatten. Kaum mal vor zwei Jahren Opel abgedisst, heute schon im Abseits bei Douglas. In Zukunft schreibe ich nur noch, dass der Opel Adam das beste Auto der Welt ist. Besser als Porsche 911 und Mercedes CLS zusammen. Nützt aber ad hoc erst mal nichts. Der Abend zum neu erfundenen Douglas, immerhin in Anwesenheit von Cara Delevingne, findet ohne mich statt. Dabei wäre ich wirklich gerne dort gewesen. Jeder will so sein wie Cara, auch ich. Ich habe hier sogar schon mal eine Ode an sie geschrieben.


Keine Cara für mich, keine euphorische Kolumne für Douglas. Das einzige, was mir aus lauter Verzweiflung noch blieb, war den ehemaligen stern-Chefredakteur Philipp Jessen zum Douglas-Abend zu schicken. Er ist die größte Fashion-Ikone, die ich kenne, auch wenn Kai Diekmann seinen Bart hässlich findet. Diekmann war aber nie in der Jury von GNTM und gilt insofern natürlich nicht als relevante Stil-Ikone. Jessen jedenfalls dokumentierte das Event akkurat auf Twitter und somit ist das größte Highlight, das ich zum Douglas-Event präsentieren kann, ein Bild von Influencerin Caro Daur, wie sie Caro Daur fotografiert. 

 

Da bekommt die Vokabel "Selfie" eine ganz neue Bedeutung. Oder wie Leonardo di Caprio sagt: Selfie-Inception.

Das Glamour Beauty Festival 

Deutlich schlauer haben es da die Kollegen von der "Glamour" gemacht. Auf ihrem "Glamour Beauty Festival" dieses Wochenende in München war ich gern gesehener Gast. Entsprechend kann ich ausführlich berichten. Von den Massen an jungen Menschen zum Beispiel, die sich in langen Schlangen am Haus der Kunst einfanden, um sich von Profis der Top-Beauty-Brands wie Dr. Hauschka, Artdeco, Barbor, ghd, Caudalie, Pixi, La Mer, Shiseido Maria Galland, Clarins, Guerlain, Sisley, Benefit, Marc Cain, Bulgari Parfums, Anny, Senszera, Riutuals oder Claudia Schiffer MakeUp beraten, stylen und mit tollen Produkten ausstatten zu lassen.

Mitten im Geschehen, zu dem neben DIY-Areas und Beauty-Workshops auch Experten-Runden mit Branchen-Insidern gehörten, natürlich auch zahlreiche Helden der Branche: Influencer. Aus dem GNTM-Stall beispielsweise Pia (aktuelle Staffel) und Anuthida (2015 Zweite). Und Multitalent Wana Limar. 

Wana ist nicht nur Influencerin, sondern auch MTV-Moderatorin, Aktivistin für Flüchtlinge oder im Kampf gegen rechtes Gedankengut, bei Organisationen wie Visions for Children e.V. engagiert sowie DJane. Außerdem hat sie bei Instagram nach wie vor meine All Time Favorite Profil-Beschreibung: "Breitgebaut, braungebrannt,100 Kilo Hantelbank". Keine Zeile aus einem Bushido-Track, sondern das Motto der in Afghanistan geborenen und in Hamburg aufgewachsenen Schmink-Expertin.

I Wana Dance With Somebody

Auf dem #GlamourBeautyFestival übernimmt Wana daher standesgemäß einen ganzen Workshop und zeigt dem staunenden Auditorium, dass Schminken kein Mittel zum Swag sein muss. Vorher verrät sie mir noch, dass sie bei öffentlichen Auftritten immer aufgeregt und nervös ist, außer wenn es um Schminke geht. Vermutlich, weil sie sich mit Schminken auskennt. Das merkt man schnell, wenn sie Sätze sagt wie "Ihr könnt euch das Rot auch weiter nach vorne setzen, dann sieht es halt aus als hättet ihr Sonnenbrand. Je nachdem, was ihr möchtet!". Breitgebaut, nie verpennt, 100% Schminktalent.

Beauty-Events mit Influencern sind schon seit einiger Zeit die Wunderwaffe für Kosmetik-Giganten. Nicht durchgehalten allerdings hat dabei offensichtlich die GlossyCon. 2016 noch "Europas größte Beauty-Convention" mit deutschen IT-Girls aus dem obersten Regal wie Lena Meyer-Landrut oder Stefanie Giesinger, gab es 2017 keine Fortsetzung. Auch für 2018 ist keine Neuausgabe in Sicht.

Glow & Butter

Besser sieht es da bei der Glow aus. Die hat sich mittlerweile eine Drogeriemarkt-Kette als Hauptsponsor und Namenspaten gesucht und wird im Oktober Berlin zum glowen bringen. Ähnliche Konzepte gibt es auch von Zalando (Bread & Butter) oder Otto (AboutYou Awards). Influencer ziehen, auch wenn selbsternannte Influencer-Marketing-Experten das anzweifeln. Die meisten waren vor ein paar Monaten in ihren Werbeagenturen noch für Google Analytics zuständig, heute gaukeln sie jedem ihrer Kunden Influencer-Insider-Wissen vor und halten schlaue Vorträge in Facebook-Gruppen mit minimaler Reichweite.

Verständlich. Werbekunden fahren voll auf die neue Marketing-Disziplin Influencer ab. Und die Agenturen, die es bislang gewohnt waren, Online-Marketing-Budgets ihrer Kunden lustlos in überteuerten Mediaplänen für Display-Banner, nutzlosen Webseiten-Optimierungen oder Facebook-Ads zu versenken, wollen natürlich Expertise zeigen. Also buchen sie Premium-Accounts bei gängigen Instagram-Analyse-Tools, tippen Influencer ein und nennen sich fortan "Experten".

Paradedisziplin Influencer-Marketing

Als solche hacken sie dann mit schlauen Marketing-Buzzwords wie KPI oder ROI auf 18-jährigen Instagram-Nutzerinnen rum, ohne zu merken, dabei lediglich zu offenbaren, von Influencer-Marketing noch weniger Ahnung zu haben, als Mesut Özil von politischem Feingefühl. Kunden verabscheuen Vokabeln wie ROI oder KPI nämlich schon lange und sind von kreativen Ideen und außergewöhnlichem Content deutlich mehr begeistert, als von pseudo-intellektueller Kritik an blutjungen Internet-Protagonisten. Aber das ist in der Branche noch nicht überall angekommen. Womöglich fehlt es aber auch einfach an genau dieser Fähigkeit: Sehr guten Content erzeugen zu können. Dann wäre das Ganze einfach ein ziemlich durchsichtiges und vor allem recht kurzlebiges Ablenkungsmanöver.

Wie bin ich jetzt eigentlich von schlechter Douglas-PR, Wana Limar und Beauty-Festivals auf Influencer-Marketing und ihre unsäglichen "Experten" gekommen? Und warum bin ich heute so in Pöbellaune? Wahrscheinlich, weil die es schaffen, diesen coolen Content zu produzieren und die (Social Media) Massen zu begeistern. Egal, da müsst ihr diese Woche durch. Nächste Woche bin ich dann wieder auf Schmusekurs. Versprochen.

PS: Unentschuldigt beim Glamour Beauty Festival fehlte übrigens (Ex-)Star Fotograf Florian Roser. Damit verspielte er nicht nur seine Chance auf ein Goodie-Bag im Wert von 350 Euro, sondern auch auf ein Selfie mit mir. Seine Karriere dürfte damit vorbei sein. Wessen Karriere ich dann kommende Woche begrabe, überlege ich mir noch. Also seid lieber nett zu mir!

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie