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stern-stimme Maries Modelcheck: Supermodel datet Waldschrat

In den Neunzigern liebte Stephanie Seymour Axl Rose und Claudia Schiffer verlobte sich mit David Copperfield. Auch heute haben viele Supermodels Partner und Ehemänner, die auf der Attraktivitäts-Skala eher unten rangieren.

Von Marie von den Benken

Lily Aldridge

Supermodel Lily Aldridge ist mit Musiker Caleb Followill verheiratet

Erst mal möchte ich vorwegschicken, dass es heute durchaus etwas oberflächlich werden kann. Hallo? Höre ich da etwa ein "Etwa noch oberflächlicher als sonst?" Egal. Heute soll es um Schönheit gehen und warum sich überdurchschnittlich oft in Männer verlieben, die ihnen zumindest im äußerlichen Attraktivitäts-Level nicht das Wasser reichen können. Schönes Thema, in Zeiten von #MeToo möchte ich aber ergänzen: Mir ist bewusst, dass eine Bewertung auf Äußerlichkeiten keinerlei Substanz hat. Es bleibt aber interessant. Unwichtig, aber faszinierend. Ich kann mit Schönheit und ihrer Oberflächlichkeit leben, ohne sie zu ernst zu nehmen. Wer mich kennt, den überrascht diese Überzeugung vermutlich nicht – aber für die anderen Leser, die die letzten zwei Jahre im Koma lagen oder den stern für ein Astro-Magazin hielten, habe ich das mal ins Protokoll aufgenommen.

Ist Schönheit wirklich vergleichbar?

Unsere auf Hochglanz aufglamourisierte Welt funktioniert eben so. In Magazinen, Filmen, -Videos, dem TV und natürlich nicht zuletzt der Fashion-Branche wird ein Schönheits-Ideal propagiert, das sich in den Köpfen der Konsumenten verankert und dann langsam runter sickert bis in die Kinderzimmer. Eppendorfer Möchtegern-Model-Jungmütter, die ihren vierjährigen Töchtern bereits Prada-Stiefel und Balenciaga-Miniröcke verordnen, sind einer der vielen absurden Auswüchse dieses oftmals fehlgeleiteten Diktats von Stil, Trend und Schönheit.

Ich habe diese Entwicklung nicht in Gang gesetzt, genau so wenig, wie ich sie stoppen kann. Ich beobachte aber. Und hier kommen wir an diesen "Supermodel x Bad Boy" Punkt, der mich schon oft beschäftigt hat. Warum haben so viele weltbekannte Models, immerhin so was wie die Königinnen der Schönheit in unserem System, Partner und Ehemänner, die man (Achtung, Oberflächlichkeits-Alarm) auf der Attraktivitäts-Skala möglicherweise eher fünf bis zwölf Stufen unter ihnen eingeordnet hätte?

Für dich soll's Axl regnen

Claudia Schiffer

Claudia Schiffer und ihr Mann, Regisseur Matthew Vaughn

Jeder kennt doch die Bilder. Als Guns'N'Roses "November Rain" rausbrachte, war ich nicht mal drei Jahre alt. Stephanie Seymor dagegen war eins der heißesten Supermodels der 90er Jahre. Und die Freundin von Leadsänger Axl Rose. Die magische Schönheit und der Rocker, bei dem man immer das Gefühl hat, man dürfe nur Zeit mit ihm verbringen, wenn man einen Lifestyle aus James Dean und einem Heroin-Junkie mag. Wenn schon früh sterben, dann wenigstens high und im Porsche. Eine andere Ikone der 90er ist Claudia Schiffer. Ihr Ehemann Matthew Vaughn gilt auch nicht gerade als der neue Markus Schenkenberg.

Die Top 7 Hä?-Couples unserer Generation

Diese Konstellation ist kein Phänomen der 90er. Heute laufen mir die vom Optischen absurdesten Paarkonstellationen mehr denn je über den Weg. Von den aktuellen Victoria's Secret Angels bis zu den Ikonen unserer Zeit – es gibt auch hier unzählige fantastische Beispiele für unorthodoxe Verschmelzungen:

  1.  Adriana Lima war verheiratet mit Marko Jaric, einem serbischen Basketballprofi, der immer ein bisschen aussieht, als käme er direkt aus einem Streetfight mit einer verfeindeten Mafia-Familie.
  2. Heidi Klum vereinigt in ihrer Historie von Ex (Ehe-)Männern so illustre Kandidaten wie Ric Pipino, Anthony Kiedis oder Seal. Alles Männer, die entweder sehr reich oder sehr talentiert sind – oder beides. Insgesamt aber eine Truppe, die meine Oma für Fotos einer Familienfeier eher an einen Tisch möglichst weit abseits des Weitwinkelobjektivs platzieren würde.
  3. Anastassija Makarenko datet schon seit vielen Jahren Mickey Rourke. Auf Couple-Fotos wirken die beiden stets wie ein Supermodel, das gerade zufällig ihren völlig zugedröhnten Urgroßvater von der Straße aufgelesen hat und jetzt schnell zurück ins Heim bringen möchte.
  4. Lily Aldrigde und Caleb Followill. Wenn man den Kings of Leon-Sänger neben der Victoria's-Secret-Schönheit sieht, bekommt man im ersten Moment immer kurz einen Schock, weil man denkt: Oh, der Stalker hat es aber nah an sie ran geschafft.
  5. Kate Moss heiratete Musiker Jamie Hince. Hince macht immer den Eindruck, er hätte sich soeben aus einer eigentlich noch für weitere acht Monate geplanten Rehab geschlichen.
  6. Mit Josephine Skriver hat ein weiterer Diamant der Victoria's-Secret-Riege ihr Herz an einen Mann verloren, den man eher an der Seite von Jigsaw – dem Monster aus den "Saw"-Filmen, als im Arm einer der schönsten Frauen unserer Generation vermuten würde: Alexander DeLeon.
  7. Oder auch Behati Prinsloo. Sie ist mittlerweile mit Adam Levine verheiratet und erwartet ihr zweites gemeinsames Kind. Nun ist Adam nicht unbedingt in die Kategorie "Ugliest Man oft he Year" einzuordnen. Sein Hang zu Wildheit, Ganzkörper-Tattoos und sein Drang, sich möglichst oft nackt zu zeigen, würde meine Mutter dennoch dazu verleiten, ihn auf einer Wunsch-Schwiegersohn-Skala von eins bis zehn so etwa bei Minus drei einzuordnen.

Baby daddy...💋 #TB

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Diese sieben Beispiele sind sogar nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Es handelt sich also um einen belastbar belegbaren Trend, nicht um zufällige Ausnahmen zur Bestätigung der Regel. Warum ist das also so?

Ist Schön + Schön wie Minus mal Minus?

Man kann nur spekulieren. In einer Welt voller - oftmals mit viel Aufwand extrem manipulierter - Schönheit, sehnt man sich vielleicht einfach im Privaten nach etwas Rauem? Etwas Wildem? Etwas, das nicht wieder der Schönheitsnorm entspricht, das disruptiv auf das Leben wirkt und sich völlig unterscheidet von der Glitzerwelt des Jobs? Können Frauen, die ihr Leben in dieser Beauty-Welt verbringen, womöglich besser erkennen, was wirkliche Schönheit ist? Etwas muss es ja sein. Die Supermodels sind finanziell selber sehr gut abgesichert. Das typische Gold-Digger-Phänomen ist es also definitiv nicht. Ist Schönheit für Frauen vielleicht unwichtiger als für ? Möchten Frauen, die selber ihr ganzes Leben für ihre Schönheit gelobt werden, nicht mit jemandem zusammen sein, bei dem das genau so ist? Suggerieren sich schöne Frauen, dass wilde Männer sie interessanter machen oder mehr herausfordern? Oder weniger oberflächlich wirken, was schönen Frauen ja schnell unterstellt wird?

Macht Schönheit schön – oder Charakter?

Brauchen Frauen, die sehr gut aussehen, viel weniger diesen psychologischen Pusher, einen möglichst attraktiven Partner zu haben, um sich in ihrem Umfeld geschätzt zu fühlen? Können sich Frauen, die sich optisch nichts mehr beweisen müssen, eher auf innere Werte, Charakter oder Talente bei ihrer Partnerwahl fokussieren? Oder ist das ganze einfach nur ein logisches Bild der Realität: Es gibt tolle Menschen, die gut aussehen und es gibt tolle Menschen, die optisch weniger her machen. Und die alte Regel "man datet in seiner Preisklasse" verschiebt sich bei den Parametern der Bewertungsgrundlage von Optik zu Menschlichkeit? Sind genau die Frauen, mit denen die Industrie es schafft, Schönheits-Normen zu kreieren, am Ende sogar die, denen es gelingt, genau dieses Diktat der vorgefertigten Ideale zu ignorieren? Und wenn dem so ist – was wäre das für ein Signal an die "Schönheit", die wir alle in dieser Branche verkaufen? Viele interessante Fragen. Ich bleibe dran.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie

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