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Ausstellung in Graz: Oliviero Toscani: Provokateur hinter der Kamera

Der Italiener Oliviero Toscani ist vor allem für seine Werbekampagnen für das Label Benetton bekannt, mit denen er schockierte und provozierte. Eine Auswahl seiner Arbeiten ist nun in Graz zu sehen.

Oliviero Toscani

2007 fotografierte Oliviero Toscani die Französin Isabelle Caro für das italienische Label Nolita. Caro litt seit ihrem 13. Lebensjahr an Magersucht und starb 2010. Mit den schockierenden Bildern wollte Toscani auf die Krankheit aufmerksam machen.

Bis heute gehören seine Arbeiten für die Modemarke Benetton zu den provokantesten der Fotogeschichte: Der Italiener Oliviero Toscani verantwortete zwischen 1982 und 2000 zahlreiche Werbekampagnen für den Strickmodenhersteller. Die Kleidung geriet angesichts Toscanis kontroverser Motive fast zu Nebensache. Ob Rassismus oder Religion, Krieg, Krankheiten und Tod: Ein Tabu kennt Toscani nicht.

"Man kann nie zu weit gehen", sagte der 77-Jährige einmal. Dabei sieht er sich selbst nicht als Werbefotograf, sondern als Künstler. "Das ganze System Werbung ist ein System von Idioten, gemacht für Idioten. Die machen leere Versprechen und schlagen Profit aus der menschlichen Schwäche, aus dem Prinzip der Verführung - aus allem, was absurd ist. Ich war sehr großzügig mit der Werbung. Ich habe vielen Werbern beigebracht, weniger dumm zu sein", sagte Toscani 2015 dem "Spiegel"

Seit 2017 arbeitet Oliviero Toscani wieder für Benetton

Im Frühjahr 2000 beendeten Toscani und Benetton ihre Zusammenarbeit, aber der Fotograf sagt schon damals: "Nichts ist für immer." Tatsächlich ist er seit Ende 2017 wieder für das Familienunternehmen tätig.

Geboren wurde Toscani am 28. Februar 1942 in Mailand. Sein Vater Fedele arbeitete als Fotograf für die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" und machte seinen Sohn schon früh mit dem Handwerk vertraut. Anfang der Sechziger studierte Toscani Fotografie in Zürich und ging anschließend nach New York, wo er Andy Warhol kennenlernte, der zu seinem Vorbild wurde. 

Toscani schockte direkt mit seiner ersten Kampagne

Direkt mit seiner ersten Kampagne für den italienischen Jeans-Hersteller Jesus sorgte Toscani für einen Skandal: 1974 lichtete er den nackten Hintern seiner damaligen Freundin in knappen Hotpants ab und stellte dazu den Bibelspruch: "Wer mich liebt, der folge mir." Feministinnen und Gläubige zeigten sich empört, aber Toscani war fortan in aller Munde und als Fotograf gefragter denn je.

Heute sagt er: "Langfristig hat mir der Erfolg recht gegeben. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Außer, dass ich mit meinen Aktionen noch weiter hätte gehen können."

Toscanis Arbeiten sind vom 21. Oktober 2019 bis 25. Januar 2020 im Atelier Jungwirth in Graz zu sehen

jum