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Queen in Berlin Liebe Queen, komm doch etwas näher!

Queen in Berlin
Queen Elizabeth fährt gemeinsam mit Bundespräsident Joachim Gauck, dessen Frau Daniela Schadt und ihrem Mann Prinz Philip auf der Spree.
© Picture Alliance
Jetzt ist sie da - und doch irgendwie nicht. Beim Besuch in Berlin kommt die Queen kaum mit den Zuschauern in Berührung. Abgesperrte Straßen und ein straffes Programm halten die Königin auf Abstand.
Von Sarah Stendel und Gesa Steeger, Berlin

Wie die Queen da so bedächtig auf Angela Merkel zugeht und ganz langsam mit ihr ins Kanzleramt wackelt, ist es eigentlich kaum zu glauben: Diese kleine Frau hat heute halb Berlin lahmgelegt!

Allein das Polizeiaufgebot von rund 1400 Beamten war beeindruckend. Rund um das Regierungsviertel sind am Mittwochmorgen entweder Polizeiautos oder TV-Übertragungswagen zu sehen - sonst kommt niemand mehr durch. Straßen werden abgesperrt, sogar das Spreeufer ist wegen der Bootsfahrt der Königin nicht überall frei zugänglich. Den roten Bentley der britischen Royals begleitet eine Motorradstaffel des Bundeskrimanalamts durch die Stadt, außerdem haben die Queen und Prinz Philip auch britische Leibwächter mit dabei. In der Luft kreisen Hubschrauber.

Kommt man also überhaupt ran an die 89-Jährige? Das Interesse der Berliner ist da, und das trotz Temperaturen um die 13 Grad und Nieselregen.

Schon früh morgens haben sich einige treue Queen-Fans vor dem Schloss Bellevue versammelt - an einer Absperrung, die hinter der Einfahrt, einer fünfspurigen Straße und dem Bürgersteig angebracht ist. Weiter weg geht kaum.

Doch die Zuschauer sind guter Dinge. "Für mich war sie schon als Kind etwas Besonderes. Sie bezaubert immer", sagt Shirley Heim, eine gebürtige Engländerin, die mit Flaggen angereist ist. Ganze Familien warten in der Kälte auf die Queen, die dann gemeinsam mit Prinz Philip tatsächlich relativ langsam an der Menge vorbeifährt und freundlich winkt. Richtig volksnah war das nicht. Wer nicht genug hat, pilgert deshalb schleunigst zum Spreeufer. Doch auch hier sind die Sicherheitsvorkehrungen hoch, der Termin eng getaktet.

"Ist sie das? In DIESEM Boot?"
"Nein, das ist ein Polizeiboot."
"Achso."
Auf dem Balkon des Hauses der Kulturen der Welt ist die Stimmung gut. Trotz leichtem Regen von oben und starkem Wind von der Seite. Etwa 50 Leute strecken ihre Hälse Richtung Spree und versuchen, das Boot der Queen als erstes zu sichten. Zum Zeitvertreib wird gefachsimpelt: Wie wichtig ist diese kleine alte Frau für die Weltpolitik? Wie lange wird diese Frau noch im Amt bleiben? Und ist Charles wirklich ein passabler Nachfolger?  Aufbrausender Jubel unterbricht das Fachgespräch.
"Ist sie das? In DIESEM Boot?"
"Nein, das ist das Presseboot."
"Achso."
Der Jubel verebbt, die mitgebrachten UK-Fähnchen werden noch mal zurechtgerückt. Plötzlich tönt es von links: Da ist sie! Ein Boot fährt ins Sichtfeld. Diesmal das Richtige. Im Heck eine kleine winkende Gestalt in Weiß. Der Balkon winkt geschlossen zurück. Nach einer Minute ist alles vorbei.  Die Fahnen werden eingerollt. Der Tross setzt sich in Bewegung. Nächstes Ziel: Kanzleramt. Angela Merkel wartet im knallroten Jackett bereits auf den königlichen Besuch. Im Hintergrund, weit weg vom Ehrenhof des Kanzleramts, drängen sich die Schaulustigen hinter einer Absperrung. Die Queen dürfte für sie nur als kleiner weißer Punkt erkennbar sein. Letzte Hoffnung für heute daher: Die Kranzniederlegung an der Neuen Wache.

Dort wird es richtig eng, schließlich steigt die Queen hier aus und geht zu Fuß - wird sie auch Hände schütteln? Niederländische Touristen halten gebannt ihre Selfiesticks in die Höhe, Berliner Schülerinnen drängeln sich vor, um einen Blick zu erhaschen. Die sonst so belebte Straße Unter den Linden ist komplett abgesperrt, Fahrräder müssen geschoben werden, Autos kommen keine mehr durch. Es sei denn, es handelt sich um den roten Bentley der Queen:

Darin braust sie an den Zuschauern vorbei - ihre Majestät ist fünf Minuten zu spät und mag das gar nicht. Vielleicht liegt es daran, dass es auch hier keine Berührungspunkte mit den Berlinern gibt. Die Queen winkt freundlich, Kontakt zu den Zuschauern nimmt sie aber nicht auf.

"War's das jetzt schon?", hört man aus der Menge. Sind die Adel-Fans etwa enttäuscht? "Nein, wir waren eh bloß zufällig hier." Für ihren Ausflug nach Frankfurt und den Abschluss am Brandenburger Tor am Freitag aber gilt: Liebe Queen, komm doch bitte etwas näher! 


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