VG-Wort Pixel

Neuer König Charles III. Geldscheine, Flaggen, Briefmarken: Was sich nach dem Tod der Queen ändert

Britische Geldscheine und Münzen
Neuer Regent, neues Geld: Seit Jahrzehnten prangt ein Portrait der Queen auf den britischen Banknoten – das wird sich nun ändern. Das aber bei weitem nicht alles
© Stockfotos-MG / Picture Alliance
Die Königin ist tot – lang lebe der König. Mit dem Tod seiner Mutter besteigt Prinz Charles den britischen Thron, jetzt König Charles III. Bislang war die Queen das Gesicht des Empires. Das wird sich nun ändern – und im Alltag deutlich zu sehen sein.

Inhaltsverzeichnis

Ein Ende bedeutet immer auch einen Anfang – beziehungsweise im Fall des Todes von Queen Elizabeth II. eine Menge Veränderungen. Denn die Monarchin, die mehr als sieben Jahrzehnte auf dem Thron saß, ist allgegenwärtig im britischen Königreich – zum Beispiel auf Geldscheinen, Briefmarken, Flaggen und natürlich auch im Text der Nationalhymne.

Mit dem Ableben seiner Mutter trat Charles zeitgleich ihre Nachfolge an. Bis das Gesicht des neuen Königs, alias Charles III., im Alltag sich endgültig gegen das der Queen durchsetzt, dürfte es jedoch noch eine ganze Weile dauern, wie britische Medien berichten. Einige Beispiele, was sich konkret – und sichtbar – ändern wird.

Alle aktuellen Entwicklungen nach dem Tod von Queen Elizabeth II. lesen Sie im stern-Liveblog

Nationalhymne

Die wohl offensichtlichste Änderung ist buchstäblich am deutlichsten zu hören. Titel und Text der britischen Nationalhymne wird von "God save our gracious Queen" auf "God save our gracious King" abgeändert. Das sei allerdings vielmehr eine Frage der Tradition, denn des Gesetzes, merkt der "Telegraph" an.

Ob die neuen Zeilen den Briten nach mehr als 70 Jahren so einfach über die Lippen gehen werden, bleibt abzuwarten. Am Donnerstagnachmittag, kurz bevor die traurige Palastbotschaft die bangende Menschenmenge vor dem Buckingham Palace in London erreichte, war der Lobgesang auf Ihre Majestät noch lautstark zu hören. Die Hymne ist seit 1745 in Gebrauch. In einer früheren Version, so der "Guardian" laute der Text noch: "God save great George our king, Long live our noble king, God save the king."

Geldscheine und Münzen

Auf dem "Guardian" zufolge 4,5 Milliarden Pfund-Banknoten ist dasselbe Gesicht zu sehen – das der nun ehemaligen Monarchin. Der Zeitung nach dürfte es mindestens zwei Jahre dauern, bis Charles aus den Brieftaschen der Briten lugt. Nach der Krönung Elizabeths 1952 dauerte es sogar acht Jahre, bis die ersten Geldscheine (damals auf der 1-Pfund-Note) ersetzt waren. Die Bank of England habe versichert, dass Banknoten mit dem Portrait der Queen weiter ein gesetzliches Zahlungsmittel bleiben, berichten britische Medien. Wie es weitergeht, drüber wolle die Bank nach der offiziellen Trauerzeit informieren. Schließlich muss der König sich auch erst einmal für einen Portrait-Entwurf entscheiden. Eine ziemlich teure Wahl.

Der royale Kopf ziert übrigens auch die Währung einiger Commonwealth-Staaten, in denen der britische Monarch das Staatsoberhaupt ist: zum Beispiel auf einigen 20-Dollar-Noten in Kanada, auf Münzen in Neuseeland und auf allen Münzen, die von der Zentralbank der Ostkaribik ausgegeben werden. Im Portemonnaie der Commonewalth-Bürger klimpern übrigens in der Regel mehrere Regenten – die Münzen werden nicht per Rückruf ausgetauscht, sondern schlicht mit der Zeit. Charles soll auf den neuen Münzen im Gegensatz zu seiner Mutter mit Blick nach links dargestellt werden, so die Bank of England – die Abwechslung ist jahrhundertealte Tradition. Die Königliche Münzanstalt bildet seit mehr als 1100 Jahren die amtierenden Regenten auf den Münzen ab.

Nicht zu vergessen: Auch Militärmedaillen, zum Beispiel Auszeichnungen für den Einsatz oder langjährige Verdienste, die das Bildnis der Queen tragen, müssen neu gestaltet werden.

Flaggen und Wappen

Allein im Vereinigten Königreich wehen Tausende Flaggen – die Lettern der Queen (EIIR) müssen mit Beginn der neuen Regentschaft überall ersetzt werden. Auch Militärregimenter führen bislang die "Farben der Königin", viele Uniformen sind mit Elizabeths goldenem EIIR-Schriftzug bestickt. Ihre Initialen flattern auch mit den Fahnen der Feuerwehr und von Polizeistationen im ganzen Land.

Wie der "Guardian" berichtet, könnte auch die königliche Standarte bald ein neuer Wind umwehen. Bislang ist sie viergeteilt: oben links und unten rechts die drei schreitenden, goldenen Löwen auf roten Grund für England, oben rechts der rote Löwe auf gelbem Grund für Schottland und unten links die Harfe Nordirlands. Da fehlt doch was? Stimmt! Charles III. könnte auch Wales einen Platz einräumen. Die Flagge mit den roten Drachen gibt es schließlich erst seit 1959 und ist somit viel jünger.

Die Royal Standard flattert im Wind
Sieht die Royal Standard womöglich bald anders aus?
© Chris Radburn / PA Wire / DPA

Auch das royale Wappen (Löwe und Einhorn auf einem Schild), das von der berühmten Queen Victoria 1837 eingeführt wurde, müsste entsprechend angepasst werden, sollte Charles Wales miteinbeziehen. Das Monogramm wird oft auf Regierungsgebäuden und Briefpapier verwendet.

Und da wäre auch noch die ganz persönliche Flagge des Monarchen, die Elizabeth 1960 einführte. Das goldene E, eingerahmt in einen Rosenkranz, prangte seitdem rund um den Globus an allen Gebäuden, Schiffen, Autos oder Flugzeugen, in denen sich die Königin aufhielt.

Berührende Geschichte: Das steckt hinter dem Bild, mit dem der Tod der Königin bekanntgemacht wurde

Briefmarken und Briefkästen

Wer im Vereinigten Königreich Post verschickt, bezahlt für ein Abbild des königlichen Antlitzes. Genau wie seine Mutter wird Charles im Laufe der Zeit auf allen Briefmarken in Großbritannien und im Commonwealth zu sehen sein. Wann es soweit ist, ist noch unklar. "Wir veröffentlichen alle Briefmarkenbilder zu gegebener Zeit, nach Rücksprache mit dem Buckingham Palace", sagte ein Sprecher der Royal Mail gegenüber "CBS News".

Queen Elizabeth, so der "Telegraph" hatte dazu bereits drei Wochen nach ihrer Inthronisierung das erste Mal Fotomodell gestanden. Seitdem wurden verschiedene Standardvarianten und zahlreiche Sonderbriefmarken gedruckt – zuletzt im Februar zu Elizabeths Platinjubiläum.

Auch alle Briefkästen tragen den persönlichen Schriftzug des jeweiligen Monarchen. Sie werden jedoch nicht landesweit ausgetauscht. Auch heute finden sich noch alte Briefkästen, auf denen die Initialen von George IV., Elizabeths Vater, zu lesen sind.

Übrigens: Eigentlich wollte die Postgewerkschaft am Freitag streiken. Am Todestag der Queen hieß es jedoch, dass der Streik bis zum 30. September warten könne.

Gebete

Ja, auch der Glauben kann sich nicht aus der Affäre ziehen. In der anglikanischen Church of England war Elizabeth die "Verteidigerin des Glaubens und oberste Statthalterin". Im "Book of Common Prayer" (Buch des gemeinsamen Gebetes) von 1662 finden sich Gebete, die sich explizit auf den Monarchen beziehen und in der Regel in Sonntagsgottesdiensten und Abendandachten gesprochen werden. Sie müssen nun mit Beginn von Charles' Regentschaft abgeändert werden. Das, so die Zeitung weiter, müsse durch ein Gesetz oder königlichen Erlass geschehen.

Quellen: "The Guardian"; "The Telegraph"; "The Independent"; "CBS News"

Mehr zum Thema

Newsticker