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Früher war alles besser?: Die schlimmsten Popbands der 90er hattet ihr schon fast vergessen

Die Backstreet Boys, Take That, N'Sync, Boyzone ... an diese Bands der 90er-Jahre erinnert sich jeder. Dabei waren sie nicht die einzigen, deren Songs damals die Charts eroberten. Die weniger bekannten Kollegen haben wir bloß längst vergessen, äh, verdrängt.

Die Band Worlds Apart
Picture Alliance

Vor 22 Jahren trennten sich Take That – und die Fans brachen vor Entsetzen zusammen. Ja, ja, die wilden 90er und ihre eigenwillige Popmusik ... wir haben das sehr ernst genommen, damals. Heute sind die Backstreet Boys oder New Kids On The Block wieder auf Tour und lassen sich mit gesunder Selbstironie von den mit ihnen gealterten Fans abfeiern. Andere Bands tingeln von 90er-Party zu 90er-Party.

Aber was ist mit den ganzen Bands, die damals regelmäßig Titelseiten der "Bravo" schmückten und die wir längst aus unseren Gehirnwindungen entsorgt haben?

1. Bed & Breakfast

Die Band Bed & Breakfast
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Sie galten gefühlte fünf Minuten als die erfolgreichsten deutschen Mitspieler im internationalen Boyband-Game: Florian Walberg, Daniel Aminati, David Jost und Kofi Ansuhenne von Bed & Breakfast. Die vier Hamburger existierten von 1995 bis 1999 als Gruppe und hatten mit "Stay Together" oder "Falling In Love" akzeptable Hits.

Aminati stieg 1996 aus, um eine Solo-Karriere zu verfolgen. Das funktionierte anders, als er es geplant hatte: Heute moderiert er die Sendung "taff" und verkauft Training-Tipps zum Stiernacken. David Jost lebt als Musikproduzent in den USA, Florian Walberg moderierte erst "Bravo TV"und vertreibt heute Elektro-Fahrzeuge. Kofi Ansuhenne macht solo noch immer Musik, mit mäßigem Erfolg.

2. No Mercy

Die Band No Mercy
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Offiziell gibt es die 1995 in Miami gegründete Band noch immer, inoffiziell ward ab 2007 – nach einer Tour durch Osteuropa und einem Best-of-Album – nie wieder etwas von ihnen gehört.

No Mercy sind zwar eigentlich eine amerikanische Band, die aber unter den Fittichen des deutschen Erfolgsproduzenten Frank Farian vor allem in Deutschland produzierten. Mit dem Nerv-Ohrwurm "Where Do You Go" waren sie in den 90ern überall zu hören. Und tatsächlich auch in den USA recht erfolgreich. Der Song war übrigens ein Cover der ebenfalls fast vergessenen Kollegen von La Bouche.

Auch die Nummer "Please Don't Go" hatte noch mal alles, was die 90er-Disco wollte. Den Mitgliedern Marty Cintron und den Zwillingen Ariel und Gabriel Hernandez half das aber nicht, sie musizieren noch immer – doch mit keinem nennenswerten Erfolg.

3. Worlds Apart

Die Band Worlds Apart
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Ihr Song "Together Baby" erklang seinerzeit im Abspann der damals durchaus populären Serie "Gegen den Wind" und auch sonst lief es eine Weile ganz gut für die fünf Jungs. Das Konzept der zusammengecasteten Band: Internationalität. Die Jungs stammten aus Großstädten der ganzen Welt.

Aber schon bald setzte der Verfallsprozess ein – passablen Erfolg hatten Worlds Apart nur noch in Frankreich, die Hälfte der Mitglieder verließ die Truppe, einige wurden ausgetauscht. Der klägliche Rest der Band besteht heute aus drei Sängern, von denen keiner ein Gründungsmitglied ist.

Mit dem endschmalzigen "Baby Come Back" werden uns Steven Hart, Schelim Hannan, Patric Osborne, Aaron Poole und Dan Bowyer aber wohl noch viele Jahre erhalten bleiben ...

4. Just Friends

Die Band Just Friends
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Der Bandname war ewige Grundlage jedes ihrer Jugendzeitschriften-Interviews: Waren Denise Zich, Sabine Manke, Matthias Fuchs und Daniel Höferlin nun wirklich "nur Freunde" oder etwa doch zwei Pärchen? Als Denise, Matthias & Co. lernten die pubertierenden Fans die Musiker übrigens nie kennen – nach einem Auftrtritt bei GZSZ behielten die vier ihre Rollennamen bei: Als "Dani", "Susanne", "Markus" und "Dirk" standen sie fortan auf der Bühne und trällerten Hits wie "Ever And Ever" oder "Anytime Anyplace". Damit waren sie glorreiche drei Jahre recht erfolgreich, bis sie es 1998 nicht mehr waren und sich sang- und klanglos auflösten.

Denise Zich ist heute vielbeschäftigte Schauspielerin und mit Andreas Elsholz verheiratet. Sabine Manke arbeitet als Synchronsprecherin. Daniel Höferlein ist Betreiber mehrerer Clubs, Fuchs arbeitet als Fotograf.

5. The Boyz

Die Band The Boyz
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Diese Band ist immerhin nur halb gecastet. Adel Tawil (den kennt ihr ja) und sein Kumpel Tarek Hussein lernten in einem Berliner Club Florian Fischer kennen und man beschloss, gemeinsam sein Glück als Band zu versuchen.

Bei einem Talentwettbewerb fielen die drei positiv auf – und gabelten dort den Saxofonisten Salvatore Di Blasi auf, der aus dem Trio ein Quartett machte. Um das Gesamtpaket noch etwas aufzuhübschen, engagierte der geschäftstüchtige Florian Fischer das Männermodel Stephane Claudio Kroll-Marongiu vom Laufsteg weg als fünftes Mitglied.

Mit "Round And Round" und "One Minute" veröffentlichte die Band ein paar funky Singles. Doch im Jahr 2000 war Schluss. Florian Fischer ist inzwischen erfolgreicher Produzent und mit Sarah Connor liiert. Adel Tawil singt solo, Tarek Hussein versuchte sein Glück als Sänger bei Bushidos Label Ersguterjunge, allerdings mäßig erfolgreich. Von den beiden anderen Mitgliedern wurde nie wieder gehört.

6. Touché

Die Band Touché
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Was Dieter Bohlen anfasst, hat gute Aussichten auf Erfolg – so auch dieses deutsche Bandprojekt, das er 1996 ins Leben rief. Alexander Geist, Martin Scholz, Glenn Frey, Karim Maataoui und Dennis Frey brachten die Teenies mit Nummern wie "I Can't Get No Sleep" oder "I Want You Back, I Want Your Heart" zum Tanzen, 1997 wurden sie vom Fernsehsender Viva zum "Act des Jahres" gekürt.

Nachdem 2002 dann aber Schicht im Schacht war, versuchten Alexander Geist und Martin Scholz 2015 mit zwei neuen Kollegen ein Comeback. Habt ihr sie inzwischen in den Charts erspäht? Wir auch nicht.

Karim Maataoui alias "Der Knutscher" erreichte kurzen, zweifelhaften Ruhm durch die Teilnahme an Realityformaten wie "Big Brother" oder "Die Burg". Die Brüder Frey verschwanden mehr oder weniger von der Bildfläche.

7. 3T

Die Band 3T
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Sie sorgten vor allem mit ihrer Jugend für Aufsehen: 3T galten als die Wunderkinder der Popmusik. Taj, Taryll und TJ Jackson waren 14, 17 und 19 Jahre alt, als sie 1992 die Brüderband 3T gründeten. Außerdem waren sie die Neffen von Michael Jackson, was dabei geholfen haben dürfte, einen Plattenvertrag zu ergattern.

1998 waren sie nach den Spice Girls für eine Weile die erfolgreichste Band in Europa. Den Song "Didn't Mean To Hurt You" steuerten sie zum Soundtrack des Films "Free Willy" bei, "Waiting For Love" zu "Men In Black".

2012 versuchten die Brüder sich an einem Comeback, das allerdings kaum Beachtung fand. Alle drei sind heute verheiratet und bis auf Taj sind die Nachwuchs-Jacksons inzwischen Familienväter.

8. Natural

Die Band Natural
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Was sagt es über eine Popband aus, wenn Sarah Connor sozusagen ihre Yoko Ono war? Dass Natural – die Gruppe von Ben Bledsoe, Josh Horn, Michael Johnson, Patrick Jr. King und Mark Terenzi – die neuzeitichen Beatles waren? Nein, wirklich nicht.

Die US-Boyband wurde von Erfolgsmanager Lou Perlmann an der kurzen Leine gehalten. Der zwielichtige Musikmogul sah in den Jungs "die neuen N'Sync". Bärte, Tattoos und Freundinnen waren verboten. Trotz des bewährten Erfolgsrezeptes war der internationale Erfolg der Gruppe nur mäßig, immerhin hatten Natural mit "Let Me Count The Ways" so etwas wie einen Hit.

Als Sarah Connor 2004 von Terenzi schwanger wurde, warf der wütende Perlman ihn aus der Band. Anlass für die restlichen Mitglieder, hinzuschmeißen und die Gruppe aufzulösen.

Terenzi hat inzwischen sowohl einen Bart als auch Tattoos, aber weder eine Karriere – noch Sarah Connor. Die ließ sich 2010 von ihm scheiden. Seitdem holperte der Musiker von Auftritten in Freizeitarks über das Dschungelcamp hin zur Mitgliedschaft in einer Männerstripgruppe.

9. Overground

Die Band Overground
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2003 ging diese Band aus der TV-Castingshow "Popstars" hervor und folgte dem Prinzip, das allen Retortenbands vorgezeichnet zu sein scheint: ein, zwei Hits, dann traurige Funkstille. Da half auch nicht, dass in der damaligen Jury Sabrina Setlur und Erfolgsproduzent Uwe Fahrenkrog-Petersen saßen.

Ahmet „Akay“ Kayed, Ken Miyao, Marq Porciuncula und Meiko Reißmann wagten zumindest etwas – damals – Neues und sangen größtenteils auf Deutsch. "Schick mir 'nen Engel" und "Der letzte Stern" blieben trotzdem nicht m Ohr.

2008 war es aus mit Overground. Nennenswerte Solokarrieren legte keines der Mitglieder hin.

10. Westlife

Die Band Westlife
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Allein für den "Mut", aus Billy Joels 1983er-Klassiker "Uptown Girl" eine alberne Synthiepop-Version zu machen, gebührt den Briten ein gewisser Respekt. Auch die Ballade "You Raise Me Up" stammt nicht aus der Feder von Nicky Byrne, Kian Egan, Mark Feehily, Shane Filan und Brian McFadden, wird aber nun für immer mit den braven Briten verbunden werden. Die fünf galten als Saubermänner der Boyband-Szene, waren deshalb aber auch ein bisschen langweilig.

Immerhin engagierte der Fußballer Wayne Rooney sie 2008, um auf seiner Hochzeit zu spielen. Und immerhin gelang dem Quintett ein eleganter Abschied, als die Boyband-Welle endgültig vorbei war. 2011 verkündeten sie das Ende, 2012 gab's eine finale Abschiedstour. So macht man das.

Brian McFadden hatte in England und Australien noch bescheidene Hits als Solo-Musiker, inzwischen ist es aber um alle Mitglieder still geworden.

Backstreet Boys: Das wurde aus den Sängern der Boyband