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Interaktives Format auf Netflix: "Du gegen die Wildnis": Die Serie für alle, die zu feige für den Dschungel sind

Wer gern mal die Natur bezwingen würde, am Ende aber irgendwie doch immer auf der Couch liegenbleibt, kann jetzt auf Abenteuerreise gehen – mit der neuen Netflix-Serie "Du gegen die Wildnis".

Bear Grylls in Netflix-Serie "Du gegen die Wildnis"

Überlebenskünstler Bear Grylls kämpft in der Netflix-Serie "Du gegen die Wildnis" mit der Natur – und braucht dafür die Hilfe des Zuschauers

Die Sonne brennt erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel, während ein Helikopter durch die Luft knattert. Darunter: Der Dschungel, die grüne Hölle. Ein Mann springt an einer seichten Stelle ins Wasser, schwimmt ans Ufer und beginnt seine Mission. Er soll eine Ärztin im Urwald finden und ihr Medikamente bringen, um zahlreichen Ureinwohnern das Leben zu retten. Und du sollst ihm dabei helfen.

Was Bear Grylls da vorhat, klingt nicht nur ziemlich anstrengend und vor allem gefährlich – es ist auch anstrengend und gefährlich. Beruhigenderweise lässt sich all das aber von der Couch erledigen: "Du gegen die Wildnis" ist die neue "choose your own adventure"-Serie von Netflix, bei der der Zuschauer dem Überlebenskünstler Grylls die Entscheidungen in der erbarmungslosen Natur abnehmen muss. 

Couchpotatoes steuern einen Abenteurer in der Wildnis

Nach dem Erfolg von "Black Mirror: Bandersnatch" lässt Netflix wieder den Serienschauer den Verlauf der Handlung bestimmen. Diesmal ist das Konzept deutlich einfacher gestrickt: Es geht nicht um einen Spielfilm, in dem der Zuschauer die Figuren auf fast schon schicksalhafte Art und Weise lenkt, sondern mehr um eine Art Doku unter Extrembedingungen. Was die Entscheidungsfindung nicht unbedingt einfacher macht, denn so stark die Schultern des Naturburschen Bear Grylls auch sind, die Verantwortung lastet dennoch schwer auf ihnen – ganz zu schweigen von denen der Couchpotatoes, die mit einem Mausklick den Helden in die eine oder andere Richtung schicken.

Welche Pilze kann man im Wald essen? Welche Ausrüstung braucht es im Urwald? Wo findet man in der Wüste Wasser? Der ehemalige SAS-Soldat Bear Grylls, bekannt durch seine Abenteuerserien wie "Ausgesetzt in der Wildnis", wüsste vielleicht die Antworten. Aber auf Netflix gibt er höchstens ein paar Tipps, dann wartet er mit seinem stechend-motivierten Blick auf die Anweisung des Zuschauers: Wo ist Westen? Links oder rechts? Los, die Zeit läuft. 

Die Frage der Netflix-Zuschauer: Kann Bear Grylls sterben?

Das ist schon leicht stressig, allerdings ein Spaziergang gegen die Strapazen, die Grylls auf dem Bildschirm erledigt. Stellvertretend für uns, denn "Du gegen die Wildnis" versucht zumindest, jedem das Gefühl zu geben, um sein eigenes Leben zu kämpfen. Am Ende ist man aber doch stets froh, gerade mit Chips, Bier und einer schlechten Internetverbindung zu kämpfen als gegen Schlangen im Dschungeldickicht. Heutzutage kann man mutig Abenteuer in den Alpen, auf einsamen Inseln und in der Wüste durchleben, auch wenn man eigentlich zu feige ist, im Urlaub das Resort zu verlassen.

Das tut schließlich Bear Grylls für uns. Doch auch sein Todesmut hat Grenzen: Endgültig brenzlig wird es selten. Wenn Grylls durch das dünne Eis auf einem See in den Alpen bricht, hat er noch Zeit, seinen Zuschauern den Ernst der Lage zu erklären, während er langsam das Gefühl in den Beinen verliert. Irgendwann weiß auch ein Bear Grylls aber nicht mehr weiter – dann muss er, mit gebrochenem Knöchel oder einer Vergiftung durch gefährliche Pflanzen, seine Mission abbrechen. 

Und natürlich haben diverse Zuschauer auch schon versucht, den Helden in den Tod zu schicken. Gelungen ist es bislang noch niemandem. Das wäre ja auch ziemlich gemein, so mit Chips und Bier auf der Couch.

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