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Meinung

Container-Show: Warum "Promi Big Brother" tausend Mal besser ist als der Rest des Trash-TVs

Man muss sich ja immer ein bisschen verteidigen, wenn man gerne "Promi Big Brother" oder das Dschungelcamp guckt. Das kann unsere Autorin überhaupt nicht verstehen – schließlich sind die Sendungen die logische Schlussfolgerung von allen anderen Formaten.

Promi Big Brother 2019: Diese Kandidaten ziehen in die videoüberwachten Zelte

Eigentlich wollte ich am Freitagabend zum Nachbarschafts-Bingo. Aber wie das in Hamburg nun mal so ist, fing es knapp zehn Minuten vor Beginn meiner Abendplanung, die jeden Frührentner stolz gemacht hätte, an, wie blöd zu regnen. Was blieb mir also anderes übrig, als den Fernseher anzumachen und dann eben doch die Auftaktsendung von "Promi Big Brother" zu gucken? Richtig, nichts. Manchmal ist man einfach dem Schicksal gegenüber machtlos.

Und Freunde: Ich bereue nichts. Ich würde sogar so weit gehen, hier und jetzt eine wilde und schwer kontroverse These aufzustellen: Scheiß auf "Love Island", "Germany's Next Topmodel" und sämtliche Sendungen, in denen Rosen verteilt werden – neben dem Dschungelcamp ist "Promi Big Brother" das beste Trash-TV-Format im deutschen Fernsehen. Wieso? Ganz einfach wegen dieser vier Dinge:

1. Selbst die Macher wissen, dass es albern ist

Nix mit Heidi, die während der 145. Staffel "Germany's Next Topmodel" noch verspricht, dass ihre Meeeeedchen, hier gerade eine ganz einmalige Chance bekommen. Das Moderatoren-Duo Jochen Schropp und Marlene Lufen nannte die Sendung letztens den einzigen Ort, "an dem man live Gras über Promis wachsen sehen kann." Die hören auch, dass sich die Bewohner in der ersten Folge immer gegenseitig fragen "Und woher kennt man dich?" (Oder in Joey Heindles Fall: "Und? Was machst du so Schönes?"), was nicht unbedingt für ihren Bekanntheitsgrad spricht. Und die sind sich auch darüber im Klaren, dass "Ehefrau von Bert Wollersheim" jetzt nicht das gleiche wie "Grammy-Gewinnerin" ist. Und machen die Show trotzdem. Weil sie auch wissen, dass genau das der Charme der Sendung ist – diese Mischung aus grenzenlosem Selbstbewusstsein und einem Hauch Verzweiflung, der auch jeder Folge Dschungelcamp beiwohnt, ist das, was immer wieder über zwei Millionen Menschen dazu bringt, sich den Mist um 22:15 reinzuziehen.

2. Der "Promi Big Brother"-Container ist der Recyclinghof der Reality-Shows

Er habe "gejubelt", als er gesehen habe, dass Tobi Wegener in diesem Jahr dem Großen Bruder gegenübertreten würde, schrieb mir ein Kumpel während der Auftaktshow. Tobi wer? Den Namen habe ich noch nie gehört, aber der 26-Jährige scheint DER Kult-Kandidat der zweiten Staffel "Love Island" gewesen zu sein, aus der er als Gewinner und mit dem neuen Spitznamen "Dr. Love" hervorging. Keine Ahnung, habe ich keine Sekunde von gesehen. Aber muss ich ja auch nicht, weil er jetzt ja im Container ist! Formate wie das Dschungelcamp und Big Brother sind das, was im Sieb überbleibt, wenn man alle anderen Reality-Formate einmal kräftig durchschüttelt und alles das in den Abguss fließen lässt, was zu langweilig ist, um nach Ende der Sendung noch jemanden zu interessieren. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen, wie Aschenputtel jetzt sagen würde. Und das Töpfchen steht in diesem Fall auf dem Sat.1-Gelände.

Der beste Beweis hierfür wäre in dieser Staffel nicht nur Tobi (von dessen Trash-TV-Qualitäten ich jetzt schon restlos überzeugt bin), sondern auch beispielsweise Theresia, die als elfte bei "Germany's Next Topmodel" abschloss (ebenfalls keinerlei Lebenszeit drauf verschwendet) und dann auch noch LIVE im Finale ihren Traumprinzen heiratete und nun mit ihren ellenlangen Beinen über den Zeltplatz stolziert und alle dazu zwingt, mit ihrem Plüschtier Herbert zu kommunizieren. Wieso soll ich mir angucken, wie sie in normalen Klamotten über Laufstege läuft, wenn ich auch direkt zu Crocs, Katzenpullis und Matsch springen kann? Oder fünf Jahre "Köln 50667" durchstehen, wenn ich auch gleich dabei zuhören kann, wie sich Janine Pink beim lauschigen Pläuschchen ums Camp-Feuer mit Hellseherin (JEP!) Lilo von Kiesewetter über Anal-Plugs unterhält? Erschließt sich mir nicht.

Nach dem dritten Tag von "Promi Big Brother" wird Chris die Zielscheibe für hämische Twitter-Kommentare.

3. Sat.1 weiß einfach, wie man Stunk macht!

Vor einigen Jahren war mal Cathy Lugner im Container. Beziehungsweise: Zu diesem spezifischen Zeitpunkt befand sie sich gerade in der Kanalisation unter dem Luxus-Bereich. Sie hatte bereits ausgiebig über ihre Bedenken wegen ihrer Ehe mit dem österreichischen Unternehmer Richard "Mörtel" Lugner geplaudert, als der Sender den ultimativen Coup landete und den Geschäftsmann zu seiner "Spatzi" ins Haus holte, um dort mal in Ruhe (vor zahlreichen Kameras) über die Probleme zu sprechen. War das ein etwas unfairer Überfall gegenüber Cathy, die ja in den Container gegangen war, um sich von ihrem Image als Mörtel-Ehefrau zu lösen? Ja. War es mit Sicherheit auch mit dafür verantwortlich, dass Cathy schließlich als Zweitplatzierte das Haus verließ, weshalb es ihr mächtig in die Karten gespielt haben dürfte? Auch ja.

In diesem Jahr beispielsweise gibt es Gerüchte, dass der Sender Jürgen Milski, der bereits in der Web-Show zu Gast war, zum Gespräch auf den Zeltplatz einladen will, damit er endlich alles mit Zlatko klären kann. Der hat ja behauptet, dass die ganze BFF-Nummer zwischen den beiden nur Humbug war – MAN WILL ES KAUM GLAUBEN! –, was Milski, der seit seinem Auszug aus dem Original-Big-Brother-Haus als "Sänger" geführt wird und den Ballermann unsicher macht, natürlich nicht einfach auf sich sitzen lassen kann. Wir dürfen nur hoffen…

4. Zlatko

Dazu muss man nicht mehr sagen, oder?