HOME

Retro-Trend: Ich will euch zurück! Warum die Kassette ein Comeback verdient hat

Sie sind viel unkaputtbarer als ihr Ruf, sie sind schön und sie sind praktisch. Die Musikkassette ist für viele Musiknerds noch lange kein Relikt von gestern und hätte ein Revival mehr als verdient.

Ein Paar hört gemeinsam Musik mit einem Walkman

Ein selbst zusammengestelltes Mixtape zu verschenken galt lange als die ultimative romantische Geste

Picture Alliance

Ich nutze Spotify. Gern und viel, muss ich gestehen. Aber manchmal erwische ich mich dabei, wie ich im Bus oder in der Bahn sitze und jedem Song in meiner Playlist ungefähr eine Sekunde gebe, bevor ich beschließe, dass der nächste bestimmt noch besser ist – und vorwärts skippe. Und skippe. Und skippe.

Die Begrenztheit ist ein Segen

Das ist einer der Momente, in denen ich denke, dass das beste Musikmedium vielleicht doch die Kassette war. Beziehungsweise ist. Denn für mich und viele andere Musikliebhaber ist das rechteckige Plastikding kein Relikt der Vergangenheit. Und die Qualität eines guten Tapes liegt unter anderem in der Begrenztheit: Du hast pro Seite 30 bis maximal 45 Minuten Zeit für Musik. Da fällt die Songauswahl von Anfang an strenger aus. No Fillers, just Killers. Zudem ist das Skippen nicht, wie bei Streamingdiensten oder CDs, nur ein Klick. Du musst spulen, warten, den richtigen Moment abschätzen. Spulen nervt. Darum packst du einfach keine lahmen Lieder auf dein Tape.

Der Akt, ein möglichst perfektes Mixtape zusammenzustellen, hat mich viele Stunden meiner Jugend gekostet. Am Besten vorher schon grob die Längen der auserkorenen Stücke zusammenrechnen, damit es am Ende passt. Dann möglichst sanft den Pausen- und Stoppknopf drücken, damit kein hässliches "Klack" auf der Aufnahme zu hören ist. Eine - zugegeben ziemlich nerdige - Kunst für sich.

Ich würde eher meine komplette CD-Sammlung weggeben als meinen Schuhkarton voll mit geschenkten und selbstgemachten Kassetten. Die sind voller Erinnerungen und Emotionen und tatsächlich noch immer besser als jede Mix-CD. Ich habe Tapes für jede Lebenslage: zum Feiern, zum Aufstehen, zum Rumhängen, zum Einschlafen.

Ich möchte wieder Tapes verschenken

Übrigens: Die Haltbarkeit von Tapes wird grotesk unterschätzt. CDs, die ich während der letzten zehn Jahre oft gehört habe, sind gerne mal zerkratzt oder fangen an, in der Anlage zu spinnen. In den letzten 15 Jahren habe ich hingegen nur eine Kassette an den gefürchteten Bandsalat verloren. Daran war aber ein defekter Walkman schuld. Rumnudeln tut da auch nichts. Und dieses zarte statische Rauschen mag ich ebenso gern wie Vinyl-Liebhaber auf der angeblich so "warmen" Akustik beim Plattenhören bestehen.

Immer wieder wird in letzter Zeit das Revival der Musikkassette heraufbeschworen. Noch glaube ich nicht recht daran, aber freuen würde es mich. Auch, weil ich die Dinger ästhetisch sehr mag. Und ich dann endlich wieder lieben Freunden Tapes schenken könnte. Die hätten dann nämlich wieder Tapedecks oder einen Walkman.

Am schönsten hat es vielleicht Olli Schulz 2003 in einem Song zusammengefasst:

Themen in diesem Artikel