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Neon-Traumziel: Ode an die Heimat: Darum müsst ihr unbedingt ... ins Ruhrgebiet

Traumziel gefunden: Einen Trip ins Ruhrgebiet solltet ihr euch auf jeden Fall in den Reisekalender schreiben. Aber was macht man dort am besten? Wo lässt es sich im "Revier" shoppen, feiern, chillen? NEON ist euer Guide.

Ruhrgebiet

Alter Look, neuer Charme: Das Ruhrgebiet war jahrzehntelang das industrielle Herz Deutschlands. Heute wird keine Kohle mehr gefördert, aber die beeindruckenden Gebäude der Montan- und Kohleindustrie, wie der Förderturm des Bergbaumuseums in Bochum, machen immer noch den besonderen Reiz der Region aus. Heute beherbergen sie oft Museen, Galerien oder Veranstaltungsräume.

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Bielefeld, Dortmund, Essen, Duisburg – jetzt weiß ich, ich bin gleich angekommen. Denn wir sind im Ruhrgebiet. Von wo auch immer auf der Welt ich gerade anreise, gibt mir die Ansage im Zug oder auf dem Navi immer ein Gefühl von Zuhause. Denn auch als gebürtige Rheinländerin hat hier im "Ruhrpott" meine Kindheit stattgefunden: Ob am Baggersee, beim Shoppen im "CentrO" oder beim Renovieren der ersten eigenen Wohnung meiner Freundin in Bottrop. Und jeder Besuch im "Revier" ist daher Kindheitserinnerung und Urlaub für mich zugleich. Denn im fünftgrößten Ballungsraum Europas (direkt nach Moskau, London, Paris, Madrid und Mailand) ist für mich alles ein bisschen wie früher.

Doch wer beim Ruhrgebiet nur an Bergarbeiter, rauchende Schornsteine und graue Arbeitersiedlungen denkt, liegt falsch: Die Region hat in den letzten Jahren einen Strukturwandel durchgemacht – Zechen, Gasometer und Stahlwerke spielen zwar immer noch eine wichtige Rolle, aber heute vor allem als Sehenswürdigkeiten für Kunst und Kultur. Wer also auf der Suche nach neuem Streetfood, fremden Sprachen und "Hidden Places" ist, braucht manchmal gar nicht so weit reisen, wie man meint.

Hinkommen: Am besten mit dem Zug. Wer in NRW wohnt, kann das "SchönerTagTicket" der Deutschen Bahn nutzen, um möglichst viele der 53 Städte und Gemeinden zu sehen. Teilweise sind es nur wenige Kilometer oder nur ein simples Ortsschild, das die einzelnen Städte des Ballungsgebietes trennt. Wer von Außerhalb kommt, kann entweder mit der Deutschen Bahn, dem Flixtrain (aus Hamburg oder Berlin) oder mit dem Fernbus anreisen. Dazu bieten sich Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund, Oberhausen oder Gelsenkirchen an. Düsseldorf und auch Köln/Bonn (die allerdings im Rheinland liegen) warten zudem mit Flughäfen auf, von denen man die großen Städte mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichen kann. Wer ein bisschen tiefer ins Ruhrgebiet vordringen will, wählt am besten das Fahrrad. So lassen sich auch mal abseits der bekannten Pfade versteckte Hinterhöfe oder kleine Parks entdecken.

Mitbringen: Abenteuerlust und offene Augen – denn hier ist vielleicht nicht alles klassisch "schön", aber es hat Charme. Die Region zwischen dem Fluss Lippe im Norden und der Ruhr im Süden, war jahrzehntelang die Industrieregion Deutschlands. Doch seit 2018 wird im "Pott" endgültig keine Steinkohle mehr gefördert und mit ThyssenKrupp gibt es nur noch ein Stahlwerk, das als wirklich aktiv gilt. Doch die Gebäude der Montan- und Kohleindustrie machen für mich immer noch die besondere Atmosphäre des Ruhrgebiets aus. Gemauerte Hochöfen, massive Kühltürme und riesige Areale mit verschachtelten Rohren sind heute kein Zeichen mehr für Kohlenstaub und Umweltverschmutzung, sondern laden zum Staunen und Entdecken ein. Statt Industrie findet sich dort Kunst und Kultur: So ist das "Gasometer", ein früherer Gasspeicher für die Industrie, heute die höchste Ausstellungs- und Veranstaltungshalle Europas.

Wer das frühere Herz des Ruhrgebiets noch hautnah erleben will, für den lohnt sich ein Besuch in der Zeche Zollverein in Essen. Das mittlerweile stillgelegte Steinkohlebergwerk ist heute ein Architektur- und Industriedenkmal. Bei Führungen rund um und in den Schachtanlagen des UNESCO-Weltkulturerbes erfährt man alles über den Wandel vom "Kohlenpott" zur Kulturmetropole. Wer trotzdem noch skeptisch ist, sollte bei der "ExtraSchicht. Die Nacht der Industriekultur" vorbeischauen. Bei dem einmal jährlich stattfindenden Kulturfestival öffnen Industrien, Museen und Landmarken für eine Nacht ihre Türen und beherbergen Künstler und Musiker der Region. Und nachts auf einen Hochofen zu steigen oder durch beleuchtete Zechen zu wandern, ist selbst für kundige Ruhrgebietsbesucher ein echtes Highlight. Das nächste Mal findet die "ExtraSchicht" im Juni 2020 statt.

Urlaub in einer besonderen Metropole: NEON-Traumziel - Darum müsst ihr unbedingt ins Ruhrgebiet
Bergbaumuseum Bochum

Alter Look, neuer Charme: Das Ruhrgebiet war jahrzehntelang das industrielle Herz Deutschlands. Heute wird keine Kohle mehr gefördert, aber die beeindruckenden Gebäude der Montan- und Kohleindustrie, wie der Förderturm des Bergbaumuseums in Bochum, machen immer noch den besonderen Reiz der Region aus. Heute beherbergen sie oft Museen, Galerien oder Veranstaltungsräume.

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Rumkommen: Wer mit dem Zug anreist, sollte überlegen, sein Fahrrad mitzunehmen oder sich vor Ort einfach eines auszuleihen. Auf der Route der Industriekultur, die dieses Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiert, können Besucher auf zwei Rädern (aber auch mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln) insgesamt 25 Ankerpunkte im Ruhrgebiet erkunden. Dazu gehört zum Beispiel die Margarethenhöhe, die als erste deutsche Gartenstadt gilt. Wen es noch mehr ins Grüne zieht, der sollte im Westfalenpark in Dortmund vorbeischauen. Im City-Park im Herzen der Ruhrgebietsmetropole, findet einmal im Jahr zudem das "Juicy Beats Festival" für elektronische Musik statt. Sommer im Ruhrgebiet heißt für mich außerdem immer Baggersee. Wenn es richtig warm wird, lockt das kühle Nass: Wo früher einmal Kies als Baumaterial abgebaut oder Tagebau betrieben wurde, finden sich heute oftmals große Seen. Im Seebad in Haltern oder am Baldeneysee in Essen lässt sich im Sommer wunderbar chillen und entspannen.

Essen: "Gehse inne Stadt, wat macht dich da satt, 'ne Currywurst. Kommse vonne Schicht, wat schönret gibt et nich, als wie Currywurst", sang schon Herbert Grönemeyer in seinem Song "Currywurst" von 1982. Einer der bekanntesten deutschen Musiker hat der Wurst in scharfer Sauce nicht umsonst ein Lied gewidmet – denn 800 Millionen Stück sollen die Deutschen jährlich verdrücken. Ob sie nun aus dem Ruhrgebiet oder doch aus Berlin stammt, ist letztendlich auch egal, solange "et schmeckt". Das kulinarische Angebot ist natürlich mittlerweile so groß wie in jeder Metropole und hält auch außerhalb von "Pommes rot/weiß" viel bereit. Wer trotzdem das besondere Ruhrgebietsflair erleben will, kann im "Casino Zollverein" europäisch und asiatische Küche in der 12 Meter hohen Halle der Zeche Zollverein erleben.

In diesem Zusammenhang lässt sich direkt ein kleiner kultureller und sprachlicher Exkurs unternehmen: denn gesprochen wird im "Pott" im entsprechenden Dialekt der jeweiligen Heimatstadt. Das "Platt" unterscheidet sich, je näher man an den Niederrhein oder nach Westfalen kommt und lässt sich gut am Verkürzen der Silben und dem runden "s" erkennen. So wird aus "Sauce" mal schnell eine "Sose" und aus "hast du" ein "haste". "Dat is doch völliger Mummpitz wasse da sachst" (Das ist doch totaler Unsinn, den du da erzählst), würde der Pottler wahrscheinlich sagen.

Ausgehen: Als Klassiker unter den Ausgehvierteln gilt bei Kennern des Ruhrgebiets eindeutig das "Bermuda3eck" in Bochum. Auf dem Areal in der Innenstadt, fußläufig vom Hauptbahnhof, kann man abends in einem Restaurant oder einer Bar starten und später durch die Clubs der Stadt ziehen. Wer es noch uriger und etwas kultureller mag, geht ins "Grammatikoff" nach Duisburg. Das Kulturhaus bietet unter der Woche alles von Theater bis Poetry Slam. An den Wochenenden gibt es oft Partys und Konzerte von Elektrobands bis hin zu Modern Jazz. Als Ikone unter den Indie-Kellerclubs gilt außerdem das "Sissikingkong" in Dortmund. Konzertfans kommen außerdem auf dem "Junkyard" auf ihre Kosten: Auf dem ehemaligen Schrottplatz finden heute Konzerte und Veranstaltungen statt. Ein bisschen ruhiger geht es im Depot Dortmund zu, zum Beispiel auf den regelmäßigen Nachtflohmärkten. Und wer mal keine Lust auf Kultur hat und lieber ein bisschen im Metropolen-Style bummeln will, kann ins "CentrO" nach Oberhausen. Das Einkaufs- und Freizeitzentrum war für mich schon als Kind der Inbegriff eines Shoppingcenters, in dem man sich fühlte wie in amerikanischen Spielfilmen – kein Wunder, bei 250 Einzelgeschäften in einem Gebäude.

Wer danach mit dem Auto nach Hause zurückfährt, kann in der Nacht noch ein ganz besonderes Schauspiel erleben. Beim Rein- und Herausfahren in die Metropolregion über die Autobahn A42 Richtung Duisburg lohnt sich ein Blick auf die großen Industrieanlagen. Was mich immer wieder fasziniert und berührt und besonders im Dunklen ein besonders Schauspiel bereithält ist der Stahlabstich bei ThyssenKrupp. Dabei leuchtet der Himmel über dem Ruhrgebiet blutrot, wenn die Flammen aus dem Hochofen lodern.

Unterkommen: In der Metropolregion mit 5,2 Millionen Menschen finden sich natürlich mittlerweile zahlreiche private Unterkünfte. Aber wie wäre es, in einem ehemaligen Kanalrohr oder in einem original Bergmannshaus zu übernachten? Im Parkhotel im Bernepark in Bottrop kann man bei vollem Komfort in der "Kanalrohr-Suit" nächtigen. Historischen Flair gibt es in der Ferienwohnung "Vierspänner" direkt in der Nähe des "UNESCO-Weltkulturerbes Zollverein" : Nach einem Bad in einer Zinkwanne anno 1899 kann man direkt auf Entdeckungstour gehen.

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