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Ohne mich: Mir geht Silvester auf die Nerven! Weshalb ich auf Partys, Böller und Vorsätze verzichte

Muss in der Silvesternacht wirklich DIE Party des Jahres steigen, in der alles perfekt ist? Unsere Autorin mag den Jahreswechsel nicht besonders – und erklärt hier ihre Gründe. 

Wunderkerze

Ja, es gibt Menschen, die keine Lust auf Silvester haben. Zum Beispiel unsere Autorin.

Als Kind konnte ich Silvester immer kaum erwarten. Wir feierten mit der ganzen Familie. Onkel, Tanten, Oma, Opa, Cousinen und Cousins – alle waren da. Ein Highlight, denn ich war schon immer ein Familienmensch. Wir Kinder durften lange wach bleiben, das Wohnzimmer wurde festlich dekoriert, es gab leckere Snacks und wir feierten bis zur Erschöpfung.

Als Jugendliche haben wir die Partys dann ohne Familie veranstaltet – jedoch nie mit langer Vorbereitungszeit. Dennoch waren es wundervolle Partys, weil wir die Gabe hatten, aus jeder Feier das Maximum herauszuholen.

Heute hält sich meine Vorfreude auf Silvester jedoch sehr in Grenzen. Um es zurückhaltend zu formulieren. Je älter ich werde, desto mehr sinkt die Lust auf eine Party am 31. Dezember. Mittlerweile würde ich den Abend am liebsten ganz ausfallen lassen. Ja, ich bin ein Silvester-Grinch. Und dafür gibt es Gründe.

Wo ist die Spontanität geblieben?

Schon die Planung der Feierei geht mir heute ziemlich auf die Nerven. Man wird älter, Freunde heiraten, Kinder kommen hinzu. Und es leidet die Spontanität. Das kann und will ich niemandem vorwerfen, vielleicht war ich früher auch mal lockerer, wenn es um die Vorbereitung eines Abends ging. Und doch vermisse ich die Unbeschwertheit von früher, in der wir ohne große Planung geile Partys veranstalteten. 

Dazu passend die gefühlt immer größer werdende Erwartungshaltung des Partyvolks – und die der Gastgeber erst recht. Es darf nichts schief gehen. Könnte ja ein schlechtes Omen für das bevorstehende neue Jahr bedeuten. So ein Quatsch! Für mich ist das Streben nach Perfektion der wohl größte Stimmungskiller. Genau wie die Einstellung feiern zu "müssen", weil es alle tun.

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Das Unterhaltungsprogramm aus der Hölle

Wenn dann noch das Unterhaltungsprogramm vorgeschrieben werden soll, ist es bei mir endgültig vorbei. "Dinner for One" finde ich ebenso langweilig wie die Jahresrückblicke, schlechte Sketch-Shows oder Musikshows aus der Volksmusik-Hölle , die manche glauben einschalten zu müssen. Da kann man sich auch direkt mit Gehörschutz ins Bett legen. 

Und die Essgewohnheiten und vermeintlich traditionellen Bräuche brauche ich auch nicht. Am Ende eines Abends hat man Sodbrennen von der Bowle, befindet sich in der Fressnarkose vom Käsefondue und über die Flecken auf dem Teppich vom Bleigießen (jetzt: Wachs- oder Zinngießen) kann man auch nur den Kopf schütteln. Und da habe ich noch nicht über Mitternacht gesprochen: Ich kann nachvollziehen, dass die Macht des Feuers einen gewissen Reiz auf Menschen ausübt – somit auch Feuerwerk. Anfangen kann ich damit aber trotzdem nichts. Für mich ist die Böllerei nur unnötiger Dreck und Krach. Und dass es obendrein noch eine riesige Umweltverschmutzung und Geldverschwendung ist, sollte eigentlich auch jeder verstanden haben.

Und dann vibriert das Handy ...

Wenn die Böller ertönen, steht auch das Smartphone nicht mehr still. Und ich weiß, dass die Wünsche, die einen per WhatsApp überfluten, immer ganz nett gemeint sind. Doch meistens bekommt man Sprüche und Bilder einfach zu oft geschickt. Über etwas Persönliches (oder Originelles) würde ich mich wirklich freuen. Doch auf den weitergeleiteten Schnickschnack kann ich verzichten. 

Am Morgen danach folgt dann der Kater. Irgendwie bechert doch wieder jeder zu viel, weil ja Silvester ist. Mag sein, dass ich einfach zu alt dafür werde. Ist ja kein Geheimnis, dass man jedes Jahr noch länger braucht, um nach dem Besäufnis wieder klar zu kommen. Mir gibt das nichts mehr. Das neue Jahr mit einem dicken Schädel zu beginnen, ist doch auch ein alberner Brauch.

Vorsätze: keine!

Das gilt auch für die guten Vorsätze. Wer sich wirklich eine Veränderung in seinem Leben wünscht, muss nicht bis Silvester warten. Anpacken statt warten – das wäre mein Ratschlag.

Ganz ignorieren werde und will ich den letzten Abend in diesem Jahr dann aber doch nicht. Ich werde lecker kochen, etwas Wein trinken und gute Musik im Kreise von lieben Menschen genießen. Mehr brauche ich nicht. Ich freue mich sehr darauf – und wünsche trotz meiner Silvester-Miesepetrigkeit allen Feierwütigen einen guten Rutsch ins neue Jahr und eine wilde Party. So lange ich nicht mitfeiern muss, sei das jedem gegönnt.

Dieser Artikel erschien erstmals im Dezember 2018 bei NEON. Aber weil er so gut passt, haben wir ihn zum Jahreswechsel nochmal aus dem Archiv gekramt.