HOME

Hohe Lebenshaltungskosten: Wie man in Hamburg mit 1400 Euro netto (über-)lebt

Hamburg zählt in puncto Lebenshaltungskosten zu den teuersten Städten Deutschlands. Auch und gerade für durchschnittlich Bezahlte. Unsere Autorin rechnet vor, wie sie mit knappem Budget (und Zweitjob) zurechtkommt.

Von Refinery29 (anonym)

Hamburg: Wie es sich dort mit 1400 Euro im Monat leben lässt

"Ich bestelle Käsespätzle, ein großes Alsterwasser und einen Espresso für 15,90 Euro. Dann regnet es in Strömen, was typisch ist für Hamburg." (Symbolfoto)

Sprechen wir über eines der letzten Tabus unseres Zeitalters: Geld. Eine Volontärin aus Hamburg, die über ein Jahresbruttoeinkommen von knapp 23.000 Euro verfügt, rechnet uns vor, wie es sich damit leben lässt.

Job: Volontärin
Branche: Online-Journalismus
Alter: 26
Ort: Hamburg 
Jahresgehalt (brutto): 22.800 Euro
Monatsgehalt (netto): 1400 Euro (1162 Euro Volontariats-Gehalt, ca. 200-250 Euro für den Nebenjob in der Gastronomie, je nach Trinkgeld)
Miete: 420 Euro (inkl. Internet)
Öffentlicher Nahverkehr: 10 Euro (Radfahren zum Glück ist gratis)
Fitnessstudio: 19,99 Euro
Kredite und Zinsen auf Dispokredit: 215 Euro
Zigaretten: 112 Euro
übrig: 563,01 Euro

Tag 1, Montag in Hamburg

Ich muss um 8 Uhr morgens im Büro sein. Nach dem Aufstehen trinke ich schnell einen Kaffee und nehme einen Apfel, Sojamilch und Müsli mit, sodass ich während der Themen-Konferenz frühstücken kann – mein Magen braucht fürs Wachwerden länger als mein Kopf.

Zum Mittag gehen meine Kolleginnen und ich zu Edeka an die Salatbar. Meine Mischung aus Eisbergsalat, Couscous, Mais, roter Beete und Kartoffelspalten, sowie einem Krustenbrötchen und Zartbitterschokolade, kostet mich 7,44 Euro.

Die zweite Hälfte des Arbeitstages besteht aus Meetings und redaktioneller Arbeit. Kaffee bekommen wir im Büro zum Glück gratis, jedoch ist meine Wasserkiste leer. Also bestelle ich bei unserer Empfangsdame eine Kiste mit Sprudelwasser für 4,20 Euro. 

Nach dem ersten Job fahre ich mit meinem Rad zum zweiten. Um mein Gehalt aufzubessern, arbeite ich etwa dreimal pro Woche abends in einer Bar. Da ich keine Zeit habe nach Hause zu fahren, hole ich mir ein Falafel-Sandwich für 3,50 Euro und esse es zwischendurch. Um 00.30 Uhr habe ich Feierabend und falle nach einem langen Tag ins Bett. Trinkgeld gab es heute nicht, da es eine Privatveranstaltung war und die Getränke kostenlos.

Gesamtkosten: 15,14 Euro.

Tag 2, Dienstag

Heute bin ich auf einem Pressetermin mit Frühstück – lecker, reichlich und kostenlos. Während meiner Mittagspause verzichte ich deshalb auf das Essen, gehe stattdessen shoppen und kaufe Eyeliner und Handschuhe (morgens auf dem Rad ist es manchmal ganz schön frisch) für insgesamt 37,98 Euro. 

Am Abend bin ich mit meiner Freundin verabredet. Wir gehen zum Restaurant "Hatari", denn da gibt es die besten Käsespätzle der Stadt. Dazu bestelle ich ein großes Alsterwasser und einen Espresso, was mich 15,90 Euro kostet. Es regnet in Strömen, was typisch für Hamburg ist. Netterweise fährt meine Freundin mich nach Hause. Mein Fahrrad passt sogar in den Kofferraum – Jackpot! Zu Hause angekommen wartet noch eine Folge "Suits" auf mich. Währenddessen bereite ich mein Mittagessen für den kommenden Tag vor. Es gibt Bulgur mit Mozzarella, Frühlingszwiebeln, Physalis und Paprika. Schnell ins Bett, morgen wird ein langer Tag.

Gesamtkosten: 53,88 Euro

Tag 3, Mittwoch

In der Redaktion ist heute "Beauty-Bazar", einer meiner liebsten Tage im Jahr. Dort kann man Kosmetikprodukte aus der Requisite kaufen. Der Erlös wird an ein Frauenhaus gespendet. Ich staube zwei Highlighter, eine Creme für meine Mutter, eine Eyeshadow-Palette, Volumenschaum und eine Gesichtsmaske ab, wofür ich 32 Euro bezahle – ein Schnäppchen! 

Zum Glück habe ich meinen Bulgursalat dabei, denn das Stöbern im Beauty-Kram hat länger gedauert als gedacht und ich habe noch viel zu tun. Es müssen etwa 20 Mails beantwortet und ein Fashion-Artikel zum Thema "Silvester-Styling" abgetippt werden.  

Um 17 Uhr fahre ich wieder zu meinem Nebenjob und hole mir noch schnell neue Wattepads und Nagellackentferner aus der Drogerie für 3,49 Euro.  

Eine Kollegin hat Banenenbrot gebacken, was mir als Abendessen nicht ganz reicht. Also hole ich mir im Imbiss der Bar ein Stück Zwiebelkuchen (zum Mitarbeiterpreis von 2 Euro) und mache mir einen Kaffee – der ist ja gratis.  

Es ist viel los und die Gäste geben reichlich Trinkgeld. Ich gehe mit 24 Euro und halb zugefallenen Augen nach Hause, wo ich todmüde ins Bett falle.

Gesamtkosten: 13,49 Euro

Verbraucherschützer warnen: Diese Änderung im Supermarkt kann Verbraucher viel Geld kosten

Tag 4, Donnerstag

Endlich Donnerstag! Wir frühstücken alle zusammen in der Redaktion und holen dafür Brötchen, Aufschnitt, Gemüse und Orangensaft. das kostet jeden 7,40 Euro. Wir haben so viel gekauft, dass ich mir mittags einfach noch ein Brötchen schmieren kann. Am Abend bin ich zum Date in einem Restaurant verabredet und weiß schon jetzt, dass ich dort Trüffelpizza essen werde.  

Nach den News des Tages arbeite ich an einem langen Artikel zum Thema "Dating in Zeiten von Tinder und Co.". Passt ja gut zu meiner Abendplanung. Gegen 15 Uhr habe ich ein Tief und gehe schnell zum Gänsemarkt, um mir einen Chai Latte mit Sojamilch zu holen. Dank unseres Firmen-Discounts zahle ich "nur" 4,07 Euro für die mittlere Größe.

Ich verabschiede mich pünktlich um 17 Uhr, dusche schnell und telefoniere beim Fertigmachen mit meiner kleinen Schwester. Sie hat gerade Klausurphase in der Schule und gibt mir ein kurzes Update, wie es so läuft. Jetzt noch die Haare glätten und dann geht's ab zur Verabredung. Da das Restaurant etwa sieben Kilometer von meiner WG entfernt ist und weil ich meine Haare nicht durch den Fahrtwind zerzausen möchte, fahre ich mit dem Bus. Der kostet 2,60 Euro.

Am Treffpunkt angekommen entscheiden wir uns, erstmal ein Bier trinken zu gehen. Er bezahlt. Das anschließende Essen teilen wir uns aber. Naja, eigentlich gebe ich 10 Euro dazu. Er nimmt sie, wenn auch zögerlich, an. Süß! Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang steige ich gegen Mitternacht, gut gesättigt und mit einem Grinsen, wieder in den Bus. "2,60 Euro, bitte", sagt die Fahrerin. Morgen fahre ich wieder Rad!

Gesamtkosten: 26,67 Euro

Tag 5, Freitag

Ich habe Urlaub und das ist gut so, da ich Weihnachtsgeschenke kaufen muss. Die Creme vom "Beauty-Bazar" für meine Mama habe ich ja bereits. Jetzt brauche ich noch eine Kleinigkeit für meine Schwester. Ihr Hauptgeschenk ist eine gemeinsame Reise nach Berlin, die ich schon letzten Monat gebucht habe. Sie bekommt schlichte Hausschuhe, da ihre alten ausgelatscht sind (12,95 Euro). Ich kaufe noch einen Zahnbüstenhalter (3,95 Euro) für meine Cousine. In der Drogerie kaufe ich Süßes, Geschenkpapier und Dekoband für 17,85 Euro. Da ich über Weihnachten zu meiner Familie nach Polen reisen werde und dort noch Zeit zum Shoppen ist, gebe ich mich mit meiner Ausbeute zufrieden. Das Dekokissen für meine beste Freundin bestelle ich während einer Zigarettenpause im Internet für 14,97 Euro.

Um 15.30 Uhr habe ich ganz schön Hunger und treffe mich mit einer Kollegin im Burgerladen. Der Portobello-Veggie-Burger kostet 7,60 Euro, die Pommes mit Sauce 3,10 Euro und die Cola light 2,50 Euro. 

Gegen 18 Uhr fahre ich nach Hause und packe die Geschenke ein.

Gesamtkosten: 62,87 Euro

Tag 6, Samstag

Ich schlafe aus, da ich nachts bis etwa 4 Uhr bei einer Party arbeiten muss. Toller Samstag. Ich versuche, trotzdem das Beste aus dem Tag zu machen und schaue nach Flügen in Richtung Polen. Von Hamburg nach Krakau und zurück zahle ich über die Feiertage 100,98 Euro.

Meine beste Freundin schleppt mich zum Sport, was gut ist, da ich diese Woche noch gar dort war, obwohl ich regelmäßig dafür zahle. Also rauf auf das Laufband. Anschließend haben wir mächtig Hunger und kaufen uns einen Salat und eine Knusperstange beim Bäcker nebenan. Sie möchte mich einladen, weil sie gerade eine Gehaltserhöhung bekommen hat. Da widerspreche ich nicht.  

18 Uhr muss ich auch schon zur Arbeit und koche mir zu Hause noch schnell Penne. Ich nehme sie in einer Dose mit und hole beim Supermarkt nebenan Pesto und Parmesan für 3,56 Euro. Das muss reichen.

Die Schicht will nicht enden. So fühlt es sich zumindest an. Das Einzige, was mich um 4.45 Uhr noch aufheitern kann, ist der Gedanke an mein Bett und das saftige Trinkgeld von 58 Euro!

Gesamtkosten: 46,54 Euro

Tag 7, Sonntag

Mein Tag beginnt erst um 14 Uhr, da ich morgens mit Migräne aufgewacht bin und zur Apotheke fahren musste, um mir Tabletten für 10,49 Euro zu kaufen.

Ohne Kopfschmerzen wache ich später wieder auf und mache mir einen gemütlichen Sonntag mit meiner besten Freundin. Wir basteln ihrem Freund einen Adventskalender, trinken Tee und bestellen eine große Sushi-Box. Für jeden werden 15 Euro fällig. Nach einer Folge "Suits" in ihrem Bett schlafen wir ein. Ich liebe Sunday-sleepovers!
Gesamtkosten: 25,49 Euro

Die Füße einer Frau liegen in Wollsocken auf einer Heizung. Auf der Fensterbank stehen ein Kaffeebecher und ein Smartphone