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NEON-Reihe "Papa, lass uns reden": Wenn Vater und Sohn immer gemeinsam reisen: "Nach Streits wandern wir getrennt"

Aaron und sein Vater reisen zusammen durch Wüsten und über Berge. Im Interview erzählen sie von dramatischen Momenten am Hang und Skorpionen auf der Decke. Dritter und letzter Teil unserer Serie "Papa, lass uns reden!"

Papa lass uns reden

Vater Achill und Sohn Aaron Moser: "Auf unseren Reisen reduzieren wir uns auf das Wesentliche: Zelt, Wasser, Fotoequipment."

Achill und Aaron Moser (63 und 26), Hamburg

NEON: Wie kam es zu eurer ersten gemeinsamen Reise?

Aaron: Im Arbeitszimmer meines Vaters hingen Fotografien, die ihn auf seinen Wüstenreisen zeigten. In meiner Kindheit war er oft lange weg, ein halbes, Dreivierteljahr lang, und ich wollte wissen: Wer ist der Mann auf den Bildern? Als ich zwölf war, fragte ich ihn, ob ich mitfahren kann.

Achill: Ich nahm ihn mit nach Ägypten. Aarons Mutter blieb im Hotel, während wir mit Nomaden und Kamelen durch die Wüste wanderten. Bei meinem ersten Sohn war ich noch viel seltener zu Hause. Als 14 Jahre später Aaron geboren wurde, wusste ich: Ich bekomme eine neue Chance.

Wie haben die Reisen euch verändert?

Aaron: Wie unglaublich sich eine Reise anfühlen kann, habe ich zum ersten Mal erlebt, als wir nach meinem Abitur über die nach Florenz wanderten. Da verstand ich auch meinen Vater besser, ich kam dem Mann auf den Bildern näher.

Achill: Ich war nie ein großer Teamplayer. Auf den Reisen mit Aaron habe ich gelernt, Aufgaben abzugeben.

Welche zum Beispiel?

Achill: Zu Beginn habe ich Aaron noch viel gezeigt, wo man sein Zelt aufstellt und wie man reagiert, wenn Skorpione über die Decke laufen. Heute übernimmt Aaron die Filmtechnik zum Beispiel komplett, er ist ja Videojournalist, da komme ich eh nicht hinterher.

Aaron: Wir sind aber gleichgestellt und vertrauen einander. Das muss man auch, wenn man sich in den Bergen gegenseitig am Seil sichert.

Achill: Natürlich bleibt man immer der Vater. Wenn Aaron sich bei Sturm für ein Foto einem Abgrund nähert, rufe ich ihn zurück.

Seid ihr schon einmal in eine gefährliche Situation gekommen?

Aaron: In Schottland. Papa ist an einem Hang umgeknickt und mit dem schweren Rucksack den Berg runtergerutscht, direkt auf einen See zu, auf dem Eisschollen schwammen. Ich bin ihm hinterhergerast und hab mich vor ihn geworfen, um ihn aufzuhalten. Das hat zum auch geklappt.

"Wir können gut miteinander schweigen"

Streitet ihr euch unterwegs auch mal?

Aaron: Auf unseren Reisen reduzieren wir uns auf das Wesentliche: Zelt, Wasser, Fotoequipment. Als Stadtmensch kam ich mit der Stille in den Bergen oder in der Wüste lange Zeit schlecht klar, habe immer ein Hörbuch dabeigehabt und irgendwann ziemlich genörgelt. Das mag mein Vater überhaupt nicht, da wurde es schon mal laut. Zum Glück ist ja meistens niemand da, der uns hören kann.

Achill: Nach so einem Streit laufen wir manchmal ein, zwei Tage, ohne miteinander zu sprechen. Wenn es schlimm kommt, sucht einer sich eine Düne weiter einen Schlafplatz. Meistens knicke ich aber spätestens am nächsten Tag ein.

Warum reist ihr immer wieder zusammen?

Achill: Wir können vor allem gut miteinander schweigen, nicht nur nach Streits, das schätzen wir beide.

Aaron: Oft wandert sogar jeder für sich allein.

Achill: Aaron läuft schneller als ich. Ich habe gelernt, meine Kräfte einzuteilen.

Aaron: Abends treffen wir uns dann am Lagerfeuer und erzählen von unserem Tag. Das gemeinsame Erlebnis ist für uns trotzdem das Wichtigste: Es fördert Vertrauen und Respekt.

Was ist eure schönste gemeinsame Erinnerung?

Achill: Auf unserer ersten gemeinsamen Reise in die Wüste Sinai, als Aaron zwölf war, stiegen wir auf den Mosesberg und warteten auf den Sonnenaufgang. Wir waren dort oben ganz allein, um uns nur Wüste und Sterne. Aaron, das Großstadtkind, breitete die Arme aus und sagte: "Weißt du, Papa, hier ist es viel stiller als still." Aaron: Jetzt hast du es mir weggenommen. Davon erzähle ich auch immer.

Achill, du bist 63 Jahre alt. Denkst du über das Älterwerden nach?

Achill: Nein, gar nicht. Vielleicht sollte ich das?

Aaron: Wenn alle Stricke reißen, schiebe ich ihn mit dem Rollstuhl durch die Wüste.

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