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Diskriminierung?! : Mädchen darf nicht im Berliner Staatschor singen, denn der möchte ein Knabenchor bleiben

Die Bewerbung eines Mädchens für den "Staats- und Domchor Berlin" wurde aufgrund des Geschlechts des Kindes abgelehnt. Der Chor versteht sich als reiner Knabenchor. Eine beteiligte Rechtsanwältin sieht in dem Fall eine Verletzung des Grundgesetzes.

Liegt Diskriminierung vor? Mädchen darf nicht im Staatschor singen

Dürfen Mädchen aus einem Jungenchor ausgeschlossen werden? Und wäre eine mögliche Diskriminierung in diesem Fall gerechtfertigt? (Symbolbild)

Getty Images

Ein Mädchen möchte gern im Berliner Staatschor singen, darf es aber nicht, da der Berliner Staats- und Domchor sich als ein reiner Knabenchor sieht und dies auch bleiben möchte. "Es gab bisher die Bewerbung eines Mädchens, das nicht aufgenommen werden konnte, weil der Staats- und Domchor gemäß Satzung ein Knaben- und Männerchor ist", sagte eine Sprecherin der Universität der Künste dem Evangelischen Pressedienst (epd). Den entsprechenden Bericht der Agentur veröffentlichten unter anderem die "BZ" und "domradio.de".

Laut Artikel drei des Grundgesetzes darf niemand wegen seines Geschlechtes benachteiligt oder bevorzugt werden. Die an dem Fall beteiligte Berliner Rechtsanwältin Susann Bräcklein hält den Ausschluss von Mädchen aus Knabenchören daher laut des Berichts für diskriminierend.

Anatomische Unterschiede

Die Gegenseite bringt vor, dass zwischen Jungen und Mädchen nun mal ein anatomischer Unterschied bestehe, der sich auch auf die Stimme auswirke. Marie-Therese Schulte von der Berliner Universität der Künste sagte der Agentur, dass der Satzung entsprechend die künstlerische Arbeit des Staats- und Domchors auf die Förderung von Knabenstimmen ausgerichtet sei. 

Die Diskussion um Knabenchöre ist nicht ganz neu, sie wurde vor allem auch in der Vorweihnachtszeit geführt. "Zwingende Gründe, die den Ausschluss rechtfertigen können, gibt es nicht. Zu hören sind vielmehr Argumente oder Vorbehalte", schrieb Bräcklein damals in einem Gastbeitrag im "Tagesspiegel".

Ann-Christine Mecke, eine Musikwissenschaftlerin aus Berlin, verwies im Dezember auf Untersuchungen, wonach der unterschiedliche Klang der Stimmen von Jungen und Mädchen tatsächlich hör- und messbar sei. Allerdings sei der Unterschied "kleiner, als viele behaupten", wie unter anderem bei "mdr.de" zu lesen ist . 

Gut möglich, dass irgendwann ein Gericht entscheiden muss, ob in diesem Streitfall Diskriminierung vorliegt. Eine juristische Klage gegen die Ablehnung der Aufnahme liege bisher jedoch nicht vor, wie die "BZ" via epd berichtet.

Quellen: domradio.de / "BZ" / mdr.de / "Tagesspiegel"

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Anmerkung der Redaktion: Dies ist die zweite Version des Texts. Er wurde am 4. Februar überarbeitet und um weitere Quellen ergänzt.

km
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?