HOME

Mankato, Kansas: Youtuber feiern Party in langweiligster US-Stadt – und entdecken die Magie der Provinz

Immer mehr junge Leute haben keine Lust auf das eintönige Leben auf dem Land und fliehen in die Städte. Dass die Provinz aber viel besser ist als ihr Ruf, haben nun drei Youtuber aus Los Angeles entdeckt: im 800-Seelen-Ort Mankato in Kansas.

"Yes Theory": Youtuber feiern Party in langweiligster Stadt der USA

Nein, das ist nicht Mankato, sondern Sabetha, ebenfalls eine Kleinstadt in Kansas. Vom tristen Erscheinungsbild sind sich die beiden Orte aber sehr ähnlich.

Getty Images

Landflucht. Ein Problem, das nicht nur deutsche Dörfer betrifft, sondern die ganze Welt. Junge Menschen sehen in den ländlichen Gebieten keine Perspektive und ziehen in die nächstgrößere Stadt. Dort wiederum steigen die Mieten so rasant, dass sie sich das Wohnen dort kaum noch leisten können. Dadurch werden die Speckgürtel um Großstädte immer größer, denn im Zentrum wohnen, das kann sich irgendwann keiner mehr leisten. Gleichzeitig werden die Bewohner in kleinen Gemeinden immer älter, Geschäfte müssen schließen, Bahnhöfe werden stillgelegt. So wird die Provinz immer unattraktiver für junge Leute. Ein ewiger Teufelskreis.

Zurück in die Heimat und damit zurück ins Kaff wollen die wenigsten. Selbst wenn man unter der Woche jeden Feierabend auf dem Sofa das 2834. Mal "Friends" guckt mit dem Döner von um die Ecke im Mund – man will wenigstens die Möglichkeit haben, sieben Tage die Woche feiern gehen, im Kino französische Arthousefilme mit Untertiteln und aus 95 verschiedenen Szene-Bowl-Restaurants im Viertel wählen zu können. Wenn das Sofa dafür in einer 15-Quadratmeter-Ein-Zimmer-Wohnung für 850 Euro kalt stehen muss, dann ist das halt so. Aber ist das Leben auf dem Land wirklich so langweilig?

Kann man eine Party in der langweiligsten Stadt der USA feiern?

Die Stadt Mankato im US-Bundestaat Kansas – wenn man sie überhaupt Stadt nennen kann – hat nicht einmal 900 Einwohner. Die drei Youtuber des Kanals "Yes Theory" sind durch ein Online-Ranking, auf das sie sich im Video beziehen, auf Mankato aufmerksam geworden. Laut der Website gehöre der Ort zu den langweiligsten der ganzen USA. Ihr Plan: genau dort eine Party veranstalten – innerhalb von nur 48 Stunden. Das Video von der Aktion haben Matt Dajer, Ammar Kandil und Thomas Brag auf Youtube hochgeladen - und was sie erlebt haben, ist wirklich rührend und lässt einen die Magie der Provinz (zurück)entdecken.

Die drei Jungs übernachten im einzigen Airbnb, das es in der ganzen Stadt gibt, und frühstücken in einem der drei Restaurants. Dort beginnen sie, ihre frohe Kunde unters Volk zu bringen: Sie seien aus Los Angeles angereist, um in dem Dorf eine fette Party zu schmeißen. Einer der Gäste, ein Mann um die 60 mit langem grauen Bart, äußert direkt seine Bedenken: "Das Problem ist, die meisten Leute hier sind sehr viel älter als ich. Ich bin immer noch einer der jüngsten", scherzt er. Die Kellnerin vermittelt die Drei an Emma, eine junge Frau, die viele Leute kennt. Sie soll ihnen bei der Organisation helfen. Das Vorgehen ist simpel aber effektiv: durch die Straßen gehen und Einwohner ansprechen. Zum Beispiel im Friseursalon. "Ich liebe Partys", sagt die Besitzerin und schließt sich der Gruppe an. "Wo sonst kann man einfach in die Läden gehen und die Leute dazu bringen, mitzumachen?", lacht Ammar in die Kamera. "Wir bilden einen Mob." 

Mit dem Mob durch Mankato, Kansas

Und so geht es weiter. Emmas Ehemann hat einen Kunstladen, sie ruft ihn an, um zu fragen, wo man die Party veranstalten kann. Auf dem Weg zur Feuerwache, die als potenzielle Location in Frage kommt, läuft der Gruppe ein Reporter der Lokalzeitung über den Weg. Er hatte von der Aktion gehört und will die drei Youtuber interviewen. Noch nicht einmal 24 Stunden in der Stadt und schon werden sie berühmt. Da hat der Leiter der Feuerwehr eine Idee: James, der Manager des örtlichen Supermarkts, hat eine Scheune, die er zu einer Bar umgebaut hat, "weil es in der Stadt keine Bar gibt". Tolle Idee, findet der Reporter und schließt sich der Gruppe an. James ist sein Cousin. 

Wir wollen nicht alles spoilern – schaut euch das Video an. So viel können wir aber verraten: Die Party wird ein voller Erfolg. Und regt zum Nachdenken an. Zum Schluss des Videos zeigt das "Yes Theory"-Team eine Szene, in der Emma in einer Runde mit Schülern erzählt, warum sie zurück nach Mankato gezogen ist. "Ich weiß, viele von euch wollen nicht zurückziehen, weil sie es hier langweilig finden. Aber ich bin mit meinem Mann zurückgekommen – und wir langweilen uns wirklich nie", sagt sie. Trotzdem sei ihr der Schritt nach dem College sehr schwer gefallen, weil all ihre Freunde "Jobs in großen, fancy Firmen angenommen haben". "Man hat hier einen viel größeren Einfluss als einer von Millionen Einwohnern einer Großstadt. Du kannst der Stadt, die schon deine Großeltern und Eltern mit aufgebaut haben, helfen zu überleben." 

Werde selbst zum Influencer deiner Stadt

Das Fazit der drei Männer aus Venice Beach am Ende ihres gelungenen Experiments: "Ja, in einer Kleinstadt gibt es nicht so viele Möglichkeiten, aber das heißt nicht, dass sie für jeden langweilig ist. Du kannst dein Umfeld beeinflussen – so wie James, der eine Bar in seiner Scheune errichtet hat, weil es keine in der Stadt gab. Und wenn es keine Szene für Filmemacher in eurer Stadt gibt, gründet eine. Der Punkt ist: Warte nicht darauf, dass jemand für dich das Umfeld schafft, das du dir wünschst." Wenn wir das nächste Mal in der Heimat sind und uns ärgern, dass der Bus nur jede Stunde in die nächstgrößere Stadt fährt, werden wir an diese weisen Worte denken. 

def