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Ex-Alibi-Agentin erzählt: "Mein Job war es, Ehemännern zu helfen, ihre Frauen zu betrügen"

Die heute 30-jährige Gwendolin hat während ihres Studiums zwei Jahre in einer Alibi-Agentur für Ehebrecher gearbeitet. Sie half Ehemännern dabei, ihre Frauen zu betrügen und ging dafür an ihre Grenzen. Hier spricht sie über ihre Erfahrungen.

Ein schick gekleidetes Pärchen sitzt auf dem Bett, bereit, eine Affäre zu beginnen

Agenturen in Deutschland verschaffen Ehebrechern Alibis, damit sie ungestört ihre Partner betrügen können

Getty Images

Wenn Gwendolins Arbeitshandy klingelte, wusste sie, dass es wieder soweit war: Die besorgte Ehefrau wollte ihren Mann sprechen. Ihren Mann, der wahrscheinlich genau in diesem Moment mit einer anderen Frau im Bett war. Schnell ging Gwendolin aus der Vorlesung und sagte mit ernster Stimme: "Guten Tag, hier das Büro von Meyer, Magdalena Gebhart am Apparat. Was kann ich für Sie tun?"

"Hallo, Meyer hier. Ich würde gerne meinen Mann sprechen. Er sollte eigentlich schon zuhause sein. Ich habe mir Sorgen gemacht. Ist er noch in einem Termin?" 

Gwendolin schluckte. Sie hatte keine Ahnung, wo ihr Kunde gerade war, aber sie konnte es sich denken. Nur: Was, wenn ihm nun tatsächlich etwas passiert war? Sie riss sich zusammen und tat das, wofür sie bezahlt wurde: Sie log. "Ja, er ist noch in einem Termin. Das wird noch eine Weile dauern. Soll ich ihm etwas ausrichten?" 

Die Frau klang erleichtert. Wieder spürte Gwendolin, wie das schlechte Gewissen ihr einen kleinen Stich versetzte. 

Der Name, den Gwendolin sich als Sekretärin gab, war eigentlich ein anderer. Auch das Telefonat fand nicht wortwörtlich wie beschrieben statt. Noch heute, sieben Jahre nach ihrem Job in einer Alibi-Agentur für Ehebrecher, befürchtet Gwendolin, dass die Ehefrauen ihrer Kunden etwas herausfinden könnten. Dass eine Frau diesen Text lesen und sich denken könnte: "Moment mal. So hieß doch die Sekretärin meines Mannes." Und dass Gwendolin dadurch eine Ehe, möglicherweise eine ganze Familie, zerstören könnte. Denn: "Mein Job war es, Ehemännern Alibis zu beschaffen und ihnen so zu helfen, ihre Frauen zu betrügen", sagt sie. 

450 Euro im Monat für die Beihilfe zum Ehebruch

Während ihres Studiums der Berufspädagogik arbeitete Gwendolin, die sich auf Twitter "Miss Schmaguelze" nennt, von 2012 bis 2014 in einer Alibi-Agentur für Ehebrecher. Eine ihrer Kommilitoninnen hatte den gleichen Job und ihr davon erzählt. Von Reisen, von Nächten in Hotels und Wellness-Urlauben, alles auf Kosten einer Agentur. Für die damals 23-Jährige klang das wie ein Traum. 

Kurz darauf fing Gwendolin selbst an, dort zu arbeiten. Es war nicht das Geld, das sie lockte. Sie arbeitete auf 450-Euro-Basis. Es war der Reiz des Verbotenen. Der Reiz, dass das, was sie tat, auf jeden Fall und unter allen Umständen geheim bleiben musste. 

"Jetzt könnte ich das nicht mehr, es würde mich zu sehr belasten", sagt sie NEON. "Aber damals war ich jung und Studentin, das schlechte Gewissen war zwar da, aber meistens konnte ich es ausblenden." 

Auch, weil Gwendolin zu den Kunden selbst nie direkten Kontakt hatte. Nur der Agentur waren die Namen bekannt. Oft stellte sie sich vor, welcher Typ Mann sich hinter den Aufträgen verbarg, malte sich sein Leben aus, seine Beweggründe. "Ich denke mir immer, es wird schon Gründe für so ein Verhalten geben. Möglicherweise war die Ehefrau kontrollsüchtig", sagt Gwendolin. Vielleicht ist es dieser Gedanke, der sie ihren Job zwei Jahre lang durchstehen ließ. Die Hoffnung, das hinter dem, was sie tat, doch noch irgendein Sinn steckte. Ein anderer, als der, einen anderen Menschen zu betrügen. 

"Es könnte mein Nachbar sein, der mit meiner Hilfe gerade seine Ehefrau betrog"

"Ich habe mir immer eingeredet, dass niemand, den ich kenne, so etwas tun würde. Dabei weiß ich das eigentlich gar nicht. Der Kunde, der mit meiner Hilfe seine Ehefrau betrog, könnte theoretisch mein Nachbar sein und ich hätte es nicht gemerkt."

Gwendolin würde gerne sagen, dass das Auftragsverhältnis zwischen Männern und Frauen bei 50 zu 50 lag. Tatsächlich aber bekam sie zu 80 Prozent Aufträge von Männern weitergeleitet. 

Auch andere Mitarbeiterinnen der Agentur hätten vor allem von männlichen Auftraggebern erzählt. Darunter waren laut Gwendolin homosexuelle Fußballspieler, die sich eine Fake-Freundin kauften, und Männer, die zu wenige Freunde hatten und deshalb nach Fake-Freunden für Veranstaltungen suchten. 

Gwendolins Aufgabe aber war es, Ehebrechern ein Alibi zu verschaffen. Oft verbrachte sie Nächte allein im Hotel. Die klassische Ausrede der Männer seien "Seminare für die Arbeit" gewesen. Theoretisch hätte sie in die Hotels auch eine Freundin mitnehmen können, wenn diese selbst bezahlt hätte. Aber das wäre ihr unprofessionell vorgekommen, sagt sie. Sie wollte ihren Job perfekt machen. 

"Für andere Menschen zu lügen, ist viel einfacher"

Gwendolin checkte unter falschem Namen ein, machte bei Bedarf Handy-Fotos vom Wellness-Urlaub und leitete sie an die Agentur weiter. Die Agentur schickte sie dem Kunden, der Kunde schickte sie seiner Frau. So einfach war das. 

"Besonders oft war ich in Düsseldorf", erzählt sie. Einmal sei sie beispielsweise in Düsseldorf in die Oper gegangen und habe für das Wochenende 250 Euro plus Ausgaben bekommen. Wenn sie tanken war, musste sie auch die Tankbelege aufbewahren und an die Agentur weiterleiten. Damit der Kunde im Fall des Falles noch mehr Beweise für seinen angeblichen Aufenthalt hatte. 

"Ich selber könnte das nie", sagt sie. "Aber für andere Menschen zu lügen, ist viel einfacher." 

Obwohl mittlerweile sieben Jahre vergangen sind, merkt Gwendolin die Auswirkungen ihres Jobs noch immer. "Ich bin allgemein misstrauischer geworden. Manchmal haben mein Partner und ich Scherze gemacht, wenn es spät war, nachdem ich ihn nicht mehr erreichen konnte. Aber trotz des Scherzes wusste man: Ein Fünkchen Wahrheit steckt drin. Ein Fünkchen Unsicherheit wird bleiben."

Frau hält ihre Hände vor ihre Brüste
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(