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"Bumble BFF": Ich habe versucht, per App eine neue beste Freundin zu finden – mit Erfolg

Bei vielen von uns ist ein echtes Beuteschema zu erkennen, was die Partnerwahl angeht: Groß, blond oder doch eher klein und brünett. Aber wie sieht es bei der Wahl unserer besten Freunde aus: Spielt etwa auch bei der Suche nach der perfekten BFF das Äußere eine größere Rolle als wir zugeben?

Von Pia Schmücker

Bumble BFF

Nach welchen Kriterien suchen wir unsere besten Freundinnen oder Freunde aus? Unsere Autorin hat sich hinterfragt.

Jeder kennt es: Beim Partner muss einfach alles passen! Der Charakter, aber eben auch das äußere Erscheinungsbild sind Faktoren, die unsere Zuneigung gegenüber einer Person beeinflussen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Apps wie Tinder und Co., die diese Oberflächlichkeit fördern. Fast wie im Katalog können wir uns aussuchen, wer uns optisch gefällt und wer eher nicht. Dieses bereits bekannte Schema wird mit der App Bumble BFF auch bei der Suche nach der "Familie, die man sich aussuchen kann" – AKA: Freunde – angewendet. Ich habe es ausprobiert und mein eigenes Verhalten hinterfragt.

Die ersten Schritte sind klar: App runterladen, Profil anlegen. Bei der Auswahl der Bilder war es mir wichtig, dass ich möglichst freundlich aussehe und viel lache. Dass ich das Bild eines Mädchens vermittele, mit dem die anderen Bumble-BFF-Girls viel Spaß haben können. Zusätzlich zu der Visualisierung meiner selbst, habe ich dann noch Fragen beantwortet wie: Bin ich ein Local? Was ist mein Lieblingsfilm? Was mache ich eigentlich? Warum benutze ich Bumble BFF? Und natürlich: Wie stelle ich mir ein Blind-Date mit einer potentiellen Freundin vor?

Schon konnte es losgehen!

Swipe nach links: "Nein danke!", swipe nach rechts: "Ich würde dich gerne kennenlernen". Doch woran mache ich diese Entscheidung überhaupt fest? Ehrlich gesagt nach Bauchgefühl. Diejenigen, die ich auf den Bildern als sympathisch empfunden habe, wurden von mir nach rechts geswiped.

Anders als das "klassische" Dating

Tatsächlich konnte ich bei meiner Auswahl schnell eine Art Schema feststellen – mich haben immer die Profile angesprochen, bei denen mir via Foto oder Infobox Parallelen zu mir selbst aufgefallen sind. Mein oberflächliches Geständnis: ich habe viel mehr aussortiert, als ich es gedacht hätte: Mädchen mit vielen Piercings, bunten Haaren oder Texten wie "Ich gehe gerne feiern" haben von mir keinen Like bekommen. Warum nicht? Ich weiß es nicht, eigentlich ist es ja genau diese Vielfalt, die Freundschaften interessant macht. Trotzdem lösten diese äußerliche Unterschiede Hemmungen in mir aus.

Trotzdem kamen schnell einige Matches zusammen, doch zunächst war ich mir unsicher, wem ich schreiben möchte und was? "Na wie geht’s?", "Was machst du so?", "Erzähl mal was über dich". Ein extrem komisches Gefühl, einfach mit Fremden zu chatten und Smalltalk zu führen, ohne zu wissen, wer dahintersteckt. Anders als bei Männern. Das Prozedere beim Daten ist bekannt. Ich hinterfrage es nicht. Aber mit Mädels? Ist das nicht komisch? Manchmal schlich sich der Gedanke ein: "Was ist, wenn hier einige Girls eine Freundin suchen und nicht einfach nur Freundinnen?". Doch schon nach kürzester Zeit blinkte meine Inbox auf: "Hellooo!" Die erste Bumble-BFF-Konversation nahm ihren Lauf. Interessiert fragte ich nach, wie lange sie die App schon nutze und warum.

Chloe* erzählte, dass sie schon vor circa drei Jahren die Plattform für sich entdeckt hat. Sie war damals für ein Jahr in die USA gegangen und die App hatte ihr geholfen schneller Freunde zu finden und Kontakte zu knüpfen. Nachdem wir uns schrieben, was wir aktuell so machen, stellten wir fest, dass wir sogar an der gleichen Uni studieren. Wir tauschten unsere Handynummern aus und verabredeten uns für den kommenden Mittwoch.

Was hat es mit Bumble auf sich?

Bumble ist eine standortorientierte Dating- und Social- App. Sie wurde von der Amerikanerin Whitney Wolfe Herd 2014 gegründet, die zuvor bei Tinder arbeitete. Wolf verließ das Unternehmen Tinder nach einer Klage wegen sexueller Belästigung und wollte mit Bumble eine sicherere Dating-Plattform auf den Markt bringen. Bumble ähnelt Tinder zwar, weist aber entscheidende Unterschiede auf – denn in der Datingversion hat die Frau das Sagen. Hier darf sie entscheiden, ob sie dem Mann schreiben möchte oder nicht. Diese Besonderheit soll für weniger Belästigungsfälle sorgen und dem Mann verklickern, dass der Kontakt zur Frau wertvoll ist.

Doch Bumble hat eben noch mehr zu bieten. Neben dem klassischen Dating gibt es eben auch den "BFF-Modus", mit dem man Freunde kennenlernen kann. Diese Funktion soll vor allem Usern, die einen Neustart in einer fremden Stadt bewältigen müssen, oder Leuten, die nur für einen gewissen Zeitraum zu Besuch sind, helfen, sich nicht einsam zu fühlen und schnell neue Leute kennenzulernen. Zusätzlich gibt es noch den "Bizz-Modus". Bumblebizz ist eine Plattform auf der die User sich ein berufliches Netzwerk aufbauen können und sich via Austausch mit anderen Usern, die in einem ähnlichen Berufsfeld tätig sind, austauschen können.

Rund um Bumble hat sich eine eigene Community entwickelt, die über die digitale Welt hinausgeht. Die Internetseite "BeeHive" veröffentlicht Artikel rund ums Thema Dating und organisiert immer wieder Events, bei denen sich Bumble-User auch in der realen Welt kennenlernen können – natürlich auch Standortorientiert. Mittlerweile gibt es ca. 50 Millionen registrierte Bumble User (Stand 4. April 2019) – und Fun Fact: 5.000 Paare, die sich über Bumble kennengelernt haben sind heute verlobt oder sogar verheiratet (Stand Februar 2017).

Mein erstes Freundschafts-Blind-Date 

Ehrlich gesagt war ich auch beim Chatten auf WhatsApp noch skeptisch, was dieses Treffen mit einer fremden Person betraf. Chloe wirkte nett, ich mochte ihre offene Art und fand es cool, dass sie im Ausland war. Allerdings fragte ich mich immer wieder, warum jemand, der hier schon lange lebt, hier zur Schule gegangen ist und hier studiert, diese App benutzt, um Freunde zu finden. Den Fakt, dass ich genau dasselbe tat, ließ ich gekonnt außer Acht. Anders als bei einem Date mit einem Mann, war ich am Tag des Treffens weniger aufgeregt, empfand eher sowas wie Gleichgültigkeit. Aber ein Teil von mir war auch einfach neugierig. Neugierig auf die Erfahrung und auf die Person, die hinter dem Bumble-Profil steckte.

Ich stieg aus der Bahn in dem Wissen, dass ich Chloe gleich am Bahnsteig treffen würde, und schaute mich um. Mit dem Gedanken, dass ich ja gar nicht so richtig weiß, wie sie aussieht, ging ich zaghaft auf eine junge Frau zu, die den Bildern aus dem Internet ähnelte. Mit einem freundlichen Lächeln und einer herzlichen Umarmung begrüßte Chloe mich. Die Skepsis viel von mir ab und wir fingen direkt an zu quatschen – als würden wir uns kennen, schon ewig. Wir machten uns auf den Weg in ein Restaurant. Dort entschieden wir uns für genau das gleiche Essen, teilten uns eine Vorspeise und stellten immer mehr Gemeinsamkeiten fest. Unter anderem unser Sternzeichen: Löwe.

Chloe interessierte sich total für dieses Thema und erklärte mir, dass Löwen Rudeltiere seien und sich in Gesellschaft anderer Löwen sehr wohlfühlen. Das ist bis heute unser Insider – denn wir sind Freundinnen geworden. Am Abend unseres Kennenlernens gingen wir noch in strömendem Regen über den Weihnachtsmarkt, lachten uns gegenseitig aus, weil wir aussahen wie begossene Pudel, und fuhren mit derselben Bahn in Richtung Zuhause. Wir sahen uns die Woche darauf wieder. Die Woche darauf auch. Und die Woche darauf auch. So geht es bis heute.

Die Gefahren der Cyber-Freundin

Diese erste Bumble-Erfahrung ist natürlich nicht die Norm, sondern eher ein sehr glücklicher Zufall. Ich habe mich nach dem Treffen mit Chloe noch mit weiteren Mädels über Bumble BFF verabredet. Mit vielen hat es schon beim Schreiben nicht gefunkt. Diejenigen, mit denen ich mich treffen wollte, haben oft abgesagt und der Kontakt brach immer wieder ab. Ehrlich gesagt störte mich das nie. Denn ich hatte für mich schon eine Freundschaft aus diesem Experiment mitgenommen. Es gab immer wieder junge Frauen, die mir vorschlugen, dass wir uns doch gegenseitig auf Instagram folgen sollten und ja dort weiterschreiben könnten.

Ich will niemandem etwas vorwerfen, aber nach dem Follow kam es zu keinem Schriftkontakt mehr. Chloe, die die App seit mehreren Jahren nutzt, erzählte mir von vielen Einzelgängern, die sie über Bumble traf. Leute die im echten Leben Ängste und Hemmungen haben, andere Menschen kennenzulernen. Aber auch Menschen, die einfach ihr Leid klagen wollen und die Meinung einer außenstehenden Person brauchen. Und wieder andere, die verkrampft nach Freunden suchen und zwischenmenschliche Beziehungen erzwingen wollen. Man weiß eben nicht, worauf man sich einlässt, wenn man sich mit Fremden aus dem Netz trifft.

Für mich ist Bumble BFF …

… eine wertvolle Erfahrung gewesen, die mir persönlich ein Happy End beschert hat. Ich glaube man muss offen sein und sich vielleicht auch mal aus seiner Komfortzone herausbewegen. In meinen Augen ist es wertvoll, fremde Menschen kennenzulernen, um vor allem mehr über sich selbst zu erfahren. Jeder sollte ohne Vorurteile an die Sache herangehen und auch aus negativen Erfahrungen etwas mitnehmen. In diesem Sinne können die User dieser App nur gewinnen, denn es gibt ja nichts zu verlieren. Ich kann sagen: Es funktioniert! Natürlich ist es eine andere Art und Weise, Freunde zu finden, als wir es bislang kennen, aber darum geht es ja: Gib dem Neuen eine Chance!

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