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Interview

Online-Dating: Date-Doktor: "Ich verschaffe Männern Dates – fast alle machen die gleichen Fehler"

Markus Dobler ist Date-Doktor: Er will frustrierten Singles dabei helfen, online die große Liebe zu finden. Dafür flirtet er so lange mit Frauen, bis sie sich bereiterklären, ihn zu treffen. Doch am Treffpunkt wartet dann jemand ganz anderes auf sie. 

"Unter meinen Kunden sind erfolgreiche Unternehmer": Ghostdater Markus Dobler 

"Unter meinen Kunden sind erfolgreiche Unternehmer": Ghostdater Markus Dobler 

Für die einen ist es ein als notwendig angesehenes Übel, für die anderen ein Tool für schnellen Sex, für Markus Dobler ein Nebenberuf und seine absolute Leidenschaft: Online-Dating. Der Beamte aus Ingolstadt betreibt mit seiner Agentur "Weedate" eine der wenigen Ghostdating-Agenturen in Deutschland. Im Namen seiner Kunden flirtet er auf Online-Dating-Plattformen so lange mit Frauen und manchmal auch Männern, bis sie ein Date vereinbaren. Dort erscheint dann aber nicht er, sondern sein Kunde – und der kann nur hoffen, dass niemand dahinterkommt, wer wirklich hinter den charmanten Flirtnachrichten steckt: ein professioneller Date-Doktor. 

Herr Dobler, was würde ein professioneller Date-Doktor wie Sie auf keinen Fall bei der ersten Kontaktaufnahme schreiben?
"Hallo, Lady" oder "Hallo, Süße". Das geht gar nicht. "Lady" ist ein Protzausdruck und als "Süße" können Männer ihre kleine Nichte bezeichnen, aber bitte keine fremde Frau. Viele Männer machen die gleichen Fehler: Sie sind oft sexistisch, zu unkreativ oder zu eindeutig in ihrer Wortwahl. Sehr einfallslos finde ich auch "Na, du" oder "Hallo, schönes Profil". Ich wüsste nicht, wieso eine Frau darauf antworten sollte.

Ich auch nicht. Woher haben Sie Ihre Expertise? 
Von 21 Jahren Online-Dating-Erfahrung. Ich habe schon 1998 mit Online-Dating begonnen, mit großem Erfolg. 

Dafür sind Sie aber schon lange aktiv. 
Ich habe Frau und Kinder und bin jetzt nur noch als Ghostdater auf den Plattformen unterwegs. Ich war in dem Sinne erfolgreich, dass ich immer sehr schnell Reaktionen auf meine Nachrichten bekommen habe. Den meisten meiner Kunden fällt es schwer, überhaupt mit jemandem ins Gespräch zu kommen, noch dazu humorvoll. Da mir das sehr leicht fällt, helfe ich gerne nach.

Wie läuft Ihr Ghostdating konkret ab?
Zuerst telefoniere ich mit den Kunden, um sie kennenzulernen. Überwiegend sind es Männer. Sie müssen einen Steckbrief ausfüllen, damit ich die grundlegenden Dinge über sie weiß. Wichtig ist, dass sie mir sympathisch sind. Ich arrangiere für niemanden ein Date, der mir extrem unsympathisch ist. Das habe ich einmal gemacht und dachte die ganze Zeit "Ach, das arme Mädel, das sich jetzt mit dem treffen muss." 

Wichtig ist mir auch, dass die Kunden zumindest etwas Humor haben. Aber natürlich passe ich mich an. Für einen eher ruhigen Kunden mit weniger Humor würde ich keine Mail mit einem Schenkelklopfer nach dem anderen verfassen. Die ersten beiden Mails, die ich verschicke, sind meistens neutral. Ich greife etwas aus dem Profil der Frau auf und stelle ihr eine Frage dazu, wie zum Beispiel wo oder an welcher Schule sie als Lehrerin arbeitet. Die dritte Nachricht hat das Ziel, ein Date für den Kunden zu arrangieren. 

Das sind nicht besonders viele Nachrichten
Ich versuche ganz bewusst, so wenige Nachrichten wie möglich zu schreiben, bis es zum ersten Date kommt. Schließlich sollen im Vordergrund die Dates stehen und damit der Kunde selbst und nicht die Nachrichten, die ich für den Kunden geschrieben habe. Natürlich klappt es nicht immer bei der dritten Mail, aber oft.

Sind die Dates erfolgreich oder fliegen die Kunden oft auf?
Leider erfahre ich nicht immer, wie es nach dem Date weitergegangen ist, weil meine Arbeit mit dem Date beendet ist. Ich kann auch nicht in Zahlen sagen, wie viele Beziehungen daraus entstanden sind, aber die Resonanz ist positiv, ich habe nie etwas Schlechtes gehört.

Wie sieht Ihrer Erfahrung nach das perfekte Dating-Profil aus? 
Die Optik ist das A und O. Wer meint, dass er mit Selfies vor dem Spiegel oder Schnappschüssen Erfolg hat, der täuscht sich – es sei denn, die Person ist höchst attraktiv. Aber im Normalfall würde ich jedem empfehlen, zu einem Fotografen zu gehen. Man sieht den Unterschied. Entweder erstelle ich selbst das Profil für meine Kunden oder berate sie, wie sie es optimieren können.

Und dann wählen Sie auch aus, wen Sie für Ihre Kunden anschreiben?
Ja, auf Online-Dating-Seiten wie Parship werden Matching Points angezeigt, an denen ich schon sehen kann, wer zu meinem Kunden passen würde. Ich erstelle dann eine Liste mit Screenshots möglicher Dates und schicke sie meinen Kunden. Viele meiner Kunden sind viel beschäftigte Unternehmer und dankbar, dass ich die Vorauswahl treffe.

Tatsächlich? Ich hätte mir Ihre Kunden ganz klischeehaft als sehr unsichere, unerfahrene Männer vorgestellt. 
Nein, es wenden sich auch erfolgreiche Unternehmer an mich, die einfach keine Zeit für Online-Dating haben, weil sie so viel arbeiten. 

Und wie stellen diese Männer sich das zeitlich vor, wenn sie eine Beziehung führen wollen?
Das sehe ich auch kritisch. Aber für die Beziehung wären sie schon bereit, sich die Zeit zu nehmen. Teilweise verdienen meine Kunden einfach so viel, dass es für sie ganz egal ist, ob sie noch ein paar hundert Euro für einen Ghostdater zahlen. Sie sehen darin nur den zeitlichen Aufwand, den sie sparen. Aber nicht alle sind so. Vom 25-jährigen frustrierten Single-Studenten bis zum Mitte-60-Jährigen, der wieder jemanden kennenlernen will, ist alles dabei.

Wo liegt Ihre Grenze? Flirten Sie mit jedem? 
Im Grunde ja. Ob Mann oder Frau macht beim Schreiben gar nicht so einen großen Unterschied. Es gibt allerdings etwas, das ich ablehne: Casual Dating. Wenn Verheiratete wollen, dass ich ihnen Dates verschaffe. 

Da haben Sie dann Bedenken? 
Nein, aber das ist viel komplizierter und man muss vorsichtiger sein. Das ist mir zu heikel. 

Können Sie denn von Ihrem Ghostdater-Gehalt leben? 
Eigentlich bin ich Beamter. Das Ghostdating ist nur mein Hobby, eine Leidenschaft. Mitarbeiter habe ich auch keine, aber meine Frau hilft mir manchmal.

Ihre Frau unterstützt also Ihren Nebenberuf? Es könnte doch theoretisch passieren, dass Sie beim Ghostdating auf einmal selbst Interesse an Ihrem Chatpartner entwickeln. 
Nein, da bin ich ganz unbesorgt, weil ich die passenden Partner für meine Kunden und nicht für mich selbst auswähle. Außerdem wohnen die meisten, mit denen ich chatte, ohnehin weit weg von mir. Meine Frau hat auch kein Problem damit. Sie wählt gerne die schönsten Fotos der Männer aus. Und für uns springt dann am Ende ein schöner Urlaub dabei heraus. 

Ihr Basispaket kostet 399 Euro. Ein gutes Geschäft, das Sie ganz ohne moralische Bedenken eingehen? 
Moralische Bedenken habe ich gar nicht, weil ich im Endeffekt nicht viel mache. Es geht nur darum, den Kunden überhaupt die Möglichkeit zu verschaffen, ein Date zu haben. Wenn ich dann ab und zu mal ein glückliches Pärchenfoto zugeschickt bekomme, freue ich mich. 

Jetzt verraten Sie uns doch noch ein humorvolles Anschreiben, mit dem Sie jede Frau um den Finger wickeln. 
Auf Dating-Profilen wie Parship oder Elite Partner schreiben viele Frauen, sie würden einen Mann zum Pferdestehlen suchen. Ich schreibe dann zum Beispiel: "Ich bin nicht der Mann zum Pferdestehlen, weil ich schon so viele gestohlen habe. Die brauchen zu viel Platz. Wie wäre es mit Goldhamstern?" 

Hm. Und das funktioniert? 
Ja, es geht nicht darum, dass der andere losbrüllt vor Lachen, sondern, dass der Gedanke aufkommt: Mein Chatpartner ist kein Langweiler. Dann ist das Interesse für ein Date geweckt. 

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