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Einfach rumknutschen ausgeschlossen: Demisexuell: Was bedeutet das eigentlich?

Den Begriff kennen nur wenige, das Gefühl dafür umso mehr: Demisexuell sind vermutlich viel mehr Menschen als wir wissen. Tatsächlich wird Demisexualität auf dem Spektrum der Asexualität angesiedelt. Aber was bedeutet eigentlich demisexuell?

Demisexuell: Wenn Sex ohne Gefühle unmöglich erscheint

Wer demisexuell ist, kann mit Rumknutschen auf Parties und One Night Stands nichts anfangen

Unsplash

Sexuelle Selbstbestimmung ist eine der größten Errungenschaften der letzten Jahrzehnte und gleichzeitig einer der größten Kämpfe, die weltweit immer noch ausgetragen werden. In vielerlei Hinsicht ist es ein Segen, dass wir in großen Teilen der Gesellschaft inzwischen alle offen mit unserer Sexualität und unserem Begehren umgehen dürfen. 

Wir können an einem einsamen Abend eine der zahlreichen Dating-Apps aufmachen und innerhalb von Stunden in einem fremden Bett liegen. Wir können auf Partys gehen, auf denen alle, die da sind, den gleichen Fetisch haben wie wir und uns in einem Pony-Kostüm aus Leder den Hintern versohlen lassen – wenn wir das wollen. Doch für demisexuelle Menschen ist all das nicht von Interesse. Denn wer demisexuell ist, träumt nie davon, mit dem fremden Typen da vorne nach Hause zu gehen oder eine lockere Affäre mit dem Kumpel der besten Freundin anzufangen.

Demisexuell: kein Orgasmus ohne Emotion 

Demisexualität beschreibt eine sexuelle Neigung, bei der Menschen nur dann zum Orgasmus kommen können oder überhaupt das Interesse haben, zum Orgasmus zu kommen, wenn sie zuvor eine intensive emotionale Beziehung zu ihrem Gegenüber aufgebaut haben. Man könnte meinen, dass das bedeutet, dass Menschen, die demisexuell sind, nur in romantischen Beziehungen Sex haben können – aber das ist nur bedingt wahr. Denn während eine Beziehung natürlich auf eine starke emotionale Bindung zu jemandem hinweist, geht es dem Demisexuellen nicht um die Romantik – sondern darum, sich dem anderen durch mehr als nur körperliche Nähe verbunden zu fühlen.

Tatsächlich wird Demisexualität auf dem Spektrum der Asexualität angesiedelt – eben weil es Demisexuellen nicht nur schwerfällt, mit flüchtigen Bekanntschaften zum Orgasmus zu kommen, sondern sie schlicht kein Interesse daran haben, überhaupt mit ihnen ins Bett zu gehen.

Demisexualität ist keine Entscheidung

Der Verein zur Sichtbarmachung des asexuellen Spektrums "AktivistaA" beschreibt Demisexualität so: "Primäre sexuelle Anziehung beruht […] auf sofort erkennbaren Merkmalen wie Aussehen, Stimme, Bewegungsabläufe. Sekundäre sexuelle Anziehung beruht unter anderem auf Merkmalen, die eins erst kennenlernen muss, wie dem Charakter, Humor etc., und entwickelt sich im Lauf der Zeit. Es wird postuliert, dass Demisexuelle nur sekundäre sexuelle Anziehung kennen."

Und während es auch nicht demisexuelle Menschen gibt, die die Entscheidung fällen, erst dann mit einer Person zu schlafen, wenn sie dieser voll vertrauen oder gar keinen Sex haben wollen, ehe sie verheiratet sind, seien das spezifische Entscheidungen, die vielleicht nicht unbedingt dem primären Verlangen entsprechen. Demisexuell sei demnach auch "kein Vorwurf an Menschen, die Entscheidungen über ihre Sexualkontakte anders treffen".

Sechs Anzeichen, dass du demisexuell sein könntest

Die Informationsseite "demisexuality.org" hat gewisse Anzeichen herausgearbeitet, an denen erkennbar sein soll, ob jemand demisexuell ist. 

1. Du bist dir in Sachen Sex nicht ganz sicher

Zwei Drittel aller Demisexuellen fänden Sex abstoßend oder zumindest uninteressant, so die Seite, und würden in Gesprächen über Sex schnell den Anschluss und auch das Interesse verlieren. Wer demisexuell sei, masturbiere vermutlich nicht oft, vielleicht gar nicht – oder masturbiere zwar gerne, verstehe aber nicht, wieso ein Orgasmus eine andere Person beinhalten müsse. So sei Sex häufig ein Ausdruck von Liebe und Intimität und kein Stillen eines körperlichen Begehren.

2. Du findest andere Dinge attraktiv als deine Freunde

Während andere Leute darüber reden, wie heiß dieser eine Schauspieler ist, haben Demisexuelle, wenn sie eine Person toll finden, häufig viel mehr das Bedürfnis, sie kennenzulernen, als ihr die Kleider vom Leib zu reißen. Pornografie, Strip-Clubs und Bilder von halbnackten Männern erregen sie womöglich nicht – tatsächlich finden sie es vermutlich attraktiver, wenn jemand schick angezogen ist, als wenn die gleiche Person nackt vor ihnen steht.

3. Sex? Klar. Aber mit wem?!

Es kann auch sein, sagt "demisexuality.org", dass jemand, der demisexuell ist, Sex eigentlich nicht abgeneigt ist. Der- oder diejenige guckt Pornos und masturbiert. Aber wenn es um die Frage geht, mit wem er oder sie seine Lust jetzt ausleben soll, wird es schon schwieriger. Denn Demisexuellen will häufig einfach niemand einfallen, auf den sie jetzt spontan Lust hätten. Und auch auf Partys und in Clubs finden sie einfach niemanden auf Anhieb so attraktiv, dass sie mit dieser Person schlafen würden.

4. Flirten findest du absurd

Wieso solltest du lockeren Smalltalk mit jemandem halten, wenn du dich auch tiefgründig unterhalten könntest? Flirten und schäkern erschließen sich Demisexuellen einfach nicht. Und wenn sie auf Partys oder in Bars gehen, sind sie oft entweder die ganze Zeit angespannt und genervt von Menschen, die mit ihnen flirten wollen, oder sie bekommen es schlicht und ergreifend nicht mit und müssen hinterher darauf hingewiesen werden.

5. Dating macht dir Angst

Die Idee, nach ein paar Dates vielleicht schon mit jemandem ins Bett zu gehen, ist für dich nicht nur absurd – sie macht dir sogar ein bisschen Angst. Denn um mit jemandem zu schlafen, musst du diese Person schlicht schon länger kennen. Vielen, die demisexuell sind, würde es manchmal viel leichter fallen, ihre Freunde zu daten. Immerhin sind sie denen emotional ohnehin schon sehr nah. Tatsächlich kann es Demisexuellen gerne mal passieren, dass sie sich mit der Zeit immer mehr zu guten Freunden hingezogen fühlen.

Quellen: "AktivistaA" / "demisexuality.org"

NEON: Bin ich schön?


jgs
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