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Verhütung: Warum ich glücklicher bin, seit ich die Pille durch die Spirale ersetzt habe

Eine Spirale zur Verhütung sei günstiger, verträglicher und nebenwirkungsärmer, als die klassische Pille, findet unsere Autorin. Diese Erkenntnis veränderte ihr ganzes Leben.

Von Refinery29-Autorin Tabea Behrendt

Pille durch Spirale ersetzt: Die beste Entscheidung meines Lebens

Die Spirale wird in der Gebärmutter verankert und gibt dort konstant Ionen ab. Diese verändern den Gebärmutterschleim und beeinträchtigen die Beweglichkeit der Spermien. (Symbolfoto)

Wie verschiedene Statistiken aus den vergangenen Jahren konstant belegen, ist die Pille bei über der Hälfte aller Befragten das bevorzugte Mittel zur Verhütung. Nur etwa zehn Prozent haben sich eine Spirale einsetzen lassen. Auch bei Frauenärzten ist die Pille das Verhütungsmittel, das auf Nachfrage stets als erstes genannt wird. Statt aber, wie bei der Spirale, einmalig zahlen zu müssen, sind Frauen durch die Einnahme der Pille immer wieder dazu genötigt, sich neue Rezepte zu organisieren. Das kostet Zeit, Geld und manchmal Nerven.

Im Alter von 16 Jahren ließ ich mir die Pille verschreiben. Es gab eigentlich nie einen Zweifel daran, dass genau dieses Verhütungsmittel für mich goldrichtig ist. Allerdings machte sich damals auch niemand die Mühe, mich über Alternativen aufzuklären, oder mich davon zu überzeugen, dass ich aufgrund meiner bis dato noch gar nicht vorhandenen sexuellen Aktivität (ja, ich war spät dran) keine Pille brauchte. Ich begann also brav meine tägliche Dosis Hormone zu schlucken und war glücklich. Die Pille und ich wurden Freunde. Es gab ja auch jede Menge Vorteile. Meine Periode kam regelmäßig, die Schmerzen waren überschaubar und außerdem, super wichtig, nahm jedes Mädchen, das ich sonst kannte, ja auch die Pille.

Ich hätte mich natürlich, etwa im Internet, informieren und dort nach anderen Möglichkeiten suchen können, allerdings war um die Jahrtausendwende die Internetrecherche noch nicht so komfortabel wie heute.

Pille durch Spirale ersetzt: Die beste Entscheidung meines Lebens

Die Spirale wird in der Gebärmutter verankert und gibt dort konstant Ionen ab. Diese verändern den Gebärmutterschleim und beeinträchtigen die Beweglichkeit der Spermien. (Symbolfoto)

"Wuki"-artiger Haarwuchs, samt Muckis

Wir hatten zwei glückliche gemeinsame Jahre, meine Pille und ich. Eigentlich hätte es ewig so weitergehen können. Wäre meiner Hausärztin nicht eines Tages aufgefallen, dass mein Testosteronspiegel so manchen Kerl vor Neid hätte erblassen lassen. Sie prognostizierte "Wuki"-artigen Haarwuchs, samt Muckis, wie Arnold Schwarzenegger. Das wollte ich natürlich nicht. Also nahm ich die folgenden zwölf Jahre munter eine regulierende Pille, die inzwischen in Deutschland nicht einmal mehr als Verhütungsmittel zugelassen ist und nur noch als Anti-Akne-Medikament verschrieben wird. Schön wäre es gewesen, hätte mir dieses Detail einer der vier Frauenärzte, bei denen ich die vergangenen Jahre war, mitgeteilt. Als schließlich in Frankreich einige Todesfälle mit diesem Produkt in Verbindung gebracht wurden, bekam ich Wind davon. Ich entschied, dass ich keine Lust mehr auf die kleinen Tabletten hatte.

Was aber stattdessen? Eine Freundin hatte gute Erfahrungen mit der Hormonspirale gemacht. Einmal eingesetzt bleibt das Ding jahrelang im Körper; die Periode bleibt einfach komplett aus. Eigentlich war das nicht mein Ding, aber das Prinzip klang reizvoll. Also entschied ich mich nach einer kurzen Besprechung mit der Frauenärztin meines Vertrauens, für eine "Gold-Kupfer-Spirale".

Zwar ist das kleine, aus Plastik, Gold und Kupfer gefertigte Biest in der Anschaffung mit rund 200 Euro, und dem Preis fürs Einsetzen, nicht ganz günstig, aber dafür hat man anschließend drei bis fünf Jahre Ruhe. Die Spirale wird in der Gebärmutter verankert und gibt dort konstant Ionen ab. Diese verändern den Gebärmutterschleim und beeinträchtigen die Beweglichkeit der Spermien. Eine Schwangerschaft kann nicht stattfinden. Jedenfalls im besten Fall, denn natürlich ist auch die Spirale nicht zu einhundert Prozent sicher. Ihr "Pearl-Index", welcher angibt, wie sicher ein Verhütungsmittel ist, entspricht jedoch ziemlich genau dem der Pille und macht die Spirale damit zu einer der verlässlichsten Verhütungsmethoden. Das überzeugte mich.

Nach dem Einsetzen, das leider ein wenig schmerzte, verbrachte ich den Abend mit starken Krämpfen auf der Couch, schluckte eine Paracetamol und schleppte mich ins Bett. Ich schlief erstaunlich schnell ein.

Der nächste Morgen war dann aber großartig. Die Schmerzen waren weg. Ich ging sofort zum Sport. Da die Spirale während der Periode eingesetzt wird, dürfen während des weiteren Verlaufs der ersten Blutung keine Tampons verwendet werden, was ein kleines Manko war. Zum ersten Mal überhaupt verließ ich daher mit einer Binde das Haus und fühlte mich wie frisch gewindelt. "Aber lieber ich, als ein kleines, schreiendes Bündel", dachte ich mir, und fühlte mich sofort besser.

Wirklich krass war allerdings, was mit mir in den folgenden Wochen passierte. Der vollständige Abbau der Hormone erfordert viel Zeit. Einige Frauen haben noch monatelang mit den "Nachwirkungen" der Pille zu kämpfen. Meine Tage blieben drei Monate lang aus, weshalb ich währenddessen ziemlich viel Geld in Schwangerschaftstests investierte. Als ich den „Nicht-schwanger“-Ergebnissen nicht mehr traute und gerade panisch einen Termin beim Frauenarzt vereinbart hatte, kündigten sie sich plötzlich wieder an. Vor lauter Freude hätte ich fast eine Party gefeiert.

"Die Spirale macht mich ausgeglichener"

Weder sind meine Schmerzen schlimmer geworden, noch blute ich tagelang, wie ich vorher befürchtet hatte. Es ziept ein bisschen und blutet ganz normal. Der ganze Spuk ist auf jeden Fall angenehmer als vorher.

In den sechs Monaten, in denen ich nun mit der Spirale verhüte, hat sich aber nicht nur körperlich einiges verändert. Ich bin eigentlich ein emotionaler Mensch; wenn es ganz doof läuft, kommt sogar ein leichter Jähzorn durch. Ab und an neige ich auch zu depressiven Stimmungen. Eigentlich. Denn neuerdings bin ich so ausgeglichen, entspannt, freundlich und zufrieden mit mir wie noch nie. Ich erkenne mich kaum wieder, was fast schon ein bisschen gruselig ist. In der Vergangenheit habe ich mich immer gefragt, was wohl passiert, wenn ich irgendwann die Pille absetze: "Werde ich zunehmen? Wird meine Haut schlechter?" - "Nein!", kann ich heute sagen. Ich mag mein neues Ich, und ich weiß, dass ich nie wieder Hormone schlucken werde.

Für mich war es die bislang beste Entscheidung meines Lebens. Vor allem auch, weil sich mein Testosteronspiegel wieder einpendelte.

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