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Mehr Selbstliebe: Warum ich so schlecht Nein sagen kann – und es dringend lernen muss

Unserer Autorin sagt häufig Ja, wenn sie eigentlich Nein sagen möchte. Warum es so wichtig ist, auch mal etwas abzulehnen, und wie man das lernen kann, hat sie einen Psychologen gefragt. 

Von Sara Tavakoli

Frau schüttelt energisch den Kopf

Auf manche Fragen möchte man am liebsten energisch den Kopf schütteln. Wahrscheinlich sollte man das auch einfach mal machen, findet unsere Autorin. 

Getty Images

Ich kann nicht gut Nein sagen. Welches Ausmaß das hin und wieder annimmt, möchte ich an einem Beispiel erklären: Ich bin derzeit auf der Suche nach einer neuen Mitbewohnerin. Neulich kam jemand zur Besichtigung und schrieb mir im Anschluss, sie fände das Zimmer zu klein, aber mich so nett und ob wir uns denn mal zum Kochen treffen könnten.

Nein, rief ich verzweifelt in mein Handy – mit dem Wissen, welches Kopfzerbrechen diese eigentlich sehr netten Zeilen in mir auslösen würden. Denn ich hatte absolut keine Zeit dafür und ehrlich gesagt auch nicht so viel Lust, wusste aber genau, wie schwer es mir fallen würde, Nein zu sagen. Tagelang schob ich die Antwort vor mir her und war kurz davor, zwischen mehreren Veranstaltungen, Verpflichtungen und Verabredungen einen zweistündlichen Abend-Slot für ein gemeinsames Kochen freizuschaufeln, bis ich merkte, wie absurd das Ganze eigentlich war.

Was würde denn passieren, wenn ich Nein sage?

Ich weiß, dass ich mit dem Gefühl, nicht Nein sagen zu können, nicht alleine bin. Regelmäßig höre ich aus meinem Umfeld Sätze wie "Eigentlich habe ich keine Lust, aber ...“ oder "Ich konnte einfach nicht Nein sagen". Aber warum eigentlich nicht? Warum sagen wir so häufig Ja, wenn wir eigentlich Nein sagen möchten – und ärgern uns dann im Nachhinein über uns selbst?

Der Psychologe Rolf Merkle hat darauf eine klare Antwort. "Wir haben Angst vor den negativen Konsequenzen", sagt er. "Der andere könnte uns böse sein, gekränkt sein oder wütend reagieren." Auch die Überzeugung, es stehe uns nicht zu, an uns zu denken, könne uns an einem Nein hindern, so der Experte, der ein ganzes Buch dazu geschrieben hat, keine Angst vor dem Neinsagen zu haben. 

Ein bisschen Egoismus ist okay

In dem, was Rolf Merkle sagt, finde ich mich selbst wieder. Denn oft habe ich das Gefühl, Menschen vor den Kopf zu stoßen oder egoistisch zu handeln, wenn ich Nein sage. Nehmen wir einmal folgendes Beispiel: Ich wurde kürzlich sehr kurzfristig gefragt, ob ich bei einem Umzug helfen kann. Den Tag hatte ich mir eigentlich freigehalten, um nach anstrengenden zwei Wochen einfach mal Nichts zu tun und mich um kleinere Dinge zu kümmern, die liegen geblieben waren.

Dr. Rolf Merkle: Lass dir nicht alles gefallen. PAL Verlag, München. 

Dr. Rolf Merkle: Lass dir nicht alles gefallen. PAL Verlag, München. 

Ich habe mich in der Situation gefragt: Ist es egoistisch, wenn ich Nein sage, nicht helfe und mir stattdessen einen entspannten Tag zu Hause mache? Ja, vielleicht ist es das. Aber ist es nicht auch mal okay oder sogar notwendig, egoistisch zu handeln? Meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche sind schließlich genauso wichtig, wie die der anderen – das scheine ich gelegentlich zu vergessen. 

Nein zu sagen, macht uns nicht rücksichtslos

Was ich auch nicht vergessen darf: "Ein einmaliges Nein macht uns noch lange nicht zu einem rücksichtslosen Menschen", sagt Rolf Merkle. Vielmehr sei es ein Zeichen für ein gesundes Selbstwertgefühl, verschaffe uns Respekt und helfe, um in Beziehungen das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen zu halten. Außerdem helfe das Neinsagen, um uns vor Überforderung zu schützen.

Denn was bringt es, wenn ich beim Umzug helfe und damit zwar möglicherweise einen (inneren) Konflikt vermeide, im Nachhinein aber gestresst und müde bin, weil ich mir die Zeit für mich selbst nicht genommen habe?

Nachdem ich einige Zeit viel zu häufig Ja und viel zu selten Nein gesagt habe und am Ende nur noch überfordert war, wurde mir bewusst, dass ich an meinem Verhalten etwas ändern muss. Es geht nicht darum, zu allem Nein zu sagen und immer nur das zu tun, worauf ich gerade Lust habe – davon bin ich absolut kein Fan. Aber ich (und alle anderen, die viel zu selten auf ihre eigenen Bedürfnisse hören) muss lernen, dass es 1. Situationen gibt, in denen mein Nein bei der anderen Person womöglich gar nicht so viel auslöst, aber bei mir selbst für sehr viel Stress sorgt und 2. dass Menschen, denen ich wichtig bin, es verstehen können, wenn ich auch mal Nein sage. 

Wie kann ich lernen, besser Nein zu sagen?

Um das Neinsagen besser zu lernen, empfiehlt Rolf Merkle, in unbedeutenden Situationen zu üben. Das versuche ich zur Zeit häufiger und tatsächlich merke ich, dass ich anfangs noch viel mehr Hemmungen hatte, Nein zu sagen, es aber von Mal zu Mal leichter wird. Was mir dabei aufgefallen ist: Wenn man immer Ja sagt, gewöhnt sich das Umfeld daran. Dann ist man Diejenige, die immer noch mit in die nächste Bar zieht oder die spontan noch Arbeiten von anderen Korrektur liest.

Seitdem ich auch mal Nein sage, habe ich das Gefühl, dass sich auch die Erwartungshaltung in meinem Umfeld verändert hat und die Reaktionen auf ein Nein gar nicht mehr so krass sind. Das wiederum führt dazu, dass es mir leichter fällt, das zu tun, wonach ich mich gerade fühle. 

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Rolf Merkle sagt auch, dass es hilfreich ist, zusätzlich in der Vorstellung zu üben, Nein zu sagen. "Dabei ist ganz wichtig, sich daran zu erinnern, was man durch ein Nein gewinnen kann, und sich nicht nur die Gefahren vor Augen zu führen". Außerdem empfiehlt er, eine Denkpause einzulegen und dem anderen etwas später Bescheid zu geben, bevor man zu schnell Ja sagt. 

Eine Denkpause habe ich (wenn auch erstmal aus Verzweiflung) eingelegt, als ich die Nachricht zum Kochen bekommen habe. Nach ein paar Tagen habe ich eine ehrliche Nachricht geschrieben und Nein gesagt. Daraufhin kam eine sehr verständnisvolle und freundliche Nachricht zurück. So schlimm, wie man denkt, ist ein Nein dann eben doch oft nicht. 

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