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Hollywood: La La Lange nicht im Kino gewesen?

Was haben die Golden Globes, Geschichtsprofessoren und Matt Damon in Rüstung gemeinsam? Richtig! Sie alle sind Teil der Kinostarts dieser Woche. Wir zeigen euch wofür sich der Eintritt lohnt und welchen Film sich der Vorführer lieber alleine ansehen kann.

Ryan Gosling (links), Emma Stone (rechts) und Nachos mit Käsedip (nicht im Bild)

Ryan Gosling (links), Emma Stone (rechts) und Nachos mit Käsedip (nicht im Bild)

La La Land

Das Showbiz-Drama von Damien Chazelle wurde in der vergangenen Woche mit sieben Golden Globes ausgezeichnet.

Mia (Emma Stone) ist gerade nach Los Angeles gekommen, um als Schauspielerin groß rauszukommen. Dort trifft sie auf Sebastian (Ryan Gosling), der auf seinen Durchbruch als Jazz-Musiker wartet. Beide haben große Pläne, doch die Realität ist deutlich ärmer an Glanz. Mia jobt in Cafès und büffelt Zeilen für Castings. Sebastian steht vor der Entscheidung, ob er einer Band beitreten soll, die ihm gänzlich unsympathisch ist, aber schnellen Ruhm verspricht. Die Beziehung der beiden Protagonisten ist ein Anker. Aber gibt dieser den beiden halt oder zieht er das Paar in die Tiefe?

Von Regisseur Chazelles ist es die zweite Großproduktion, nachdem er 2014 mit seinem Erstlingswerk „Whiplash“ die Kinnladen der Kritiker ins Bodenlose fallen ließ.

Fans des Vorgängers können sich freuen: J.K. Simmons, der für seine Rolle als cholerischer Schlagzeuglehrer in „Whiplash“ mit einem Oscar belohnt wurde, ist in La La Land als Clubbesitzer zu sehen. 

Bei La La Land handelt es sich trotz Tanzeinlagen nicht um „ 2017“ sondern um eins der Entertainment-Großproduktionen des Jahres. Wer eine Oscar-Nacht plant, kommt an La La Land sowieso nicht vorbei. 

Die Blumen von Gestern

„Die Blumen von Gestern“ ist ein Film über den Historiker Totila Blumen (Lars Eidinger), dessen Name auch das aufregendste an ihm ist. Totila erforscht den Holocaust. Seine weiteren Kernkompetenzen sind Jammern und sich über Lappalien aufregen. Sein Umfeld bringt er damit zur Weißglut. Erst seine neue Praktikantin Zazie (Adèle Haenel), die familiäre Verbindungen zum Holocaust hat, gibt seinem Leben neuen Drive. Ob Totila damit umgehen kann?

Erfreulich, dass Berufsberliner  einmal mehr den Schritt von der Theaterbühne ins Kino wagt. Die Rolle des nervigen Pedanten liegt ihm dabei überraschend gut. Dazu kommen Hannah Herzsprung als Totilas Frau und Jan Josef Liefers als sein Vorgesetzter. Regie führt Chris Kraus, der in diesem Film auch seine eigene Vergangenheit verarbeitet.

Trotz ernster Thematik ist „Die Blumen von Gestern“ eine absurde Komödie über die Widersprüche des Lebens und den Umgang mit der eigenen Geschichte. Dabei nimmt der Film auch die aktuelle P.C.–Debatte aufs Korn, ohne dabei zu verkopft zu sein.

The Great Wall

„The Great Wall“ ist definitiv kein Stoff für pedantische Historiker. Im China des 15. Jahrhunderts fliehen die Söldner William Garin (Matt Damon) und Pero Tovar (Pedro Pascal) vor Monstern. Schutz finden sie hinter der chinesischen Mauer, die, so stellt sich heraus, nicht nur die Mongolen aus dem Reich der Mitte aussperren sollen, sondern auch besagte Ungetüme. Dort werden die beiden Söldner von der chinesischen Armee gefangen genommen und postwendend zurück an die Monsterfront geschickt. Das hatten sich die beiden sicher anders vorgestellt.

Getragen wird der Film von , das Marketing übrigens auch. Sein Sidekick ist Pedro Pascal, der im vorletzten Jahr seinen Durchbruch mit „Narcos“ hatte. In „The Great Wall“ jagt er Monster an Stelle von Pablo Escobar. Wenn das kein Upgrade ist.
Regie führt der Chinese Zhang Yimou, dessen Filme lange von der chinesischen Kulturbehörde mit einem Aufführverbot belegt waren. Monsterjagd scheint für diese Behörden aber kein Streitthema zu sein.

Doppelbödige Gesellschaftskritik ist sicherlich keine der Kernkompetenzen von „The Great Wall“. Helden aus Ost und West kämpfen gegen 3D-gerenderte Eidechsen. Nicht mehr und nicht weniger. Wer nach dem Film noch Hunger auf etwas Nahrhaftes hat, schaut sich „Rotes Kornfeld“ oder „Der Fluch der goldenen Blume“ an. Hier zeigt Regisseur Zhang Yimou, dass er auch die leiseren Töne trifft. Wer nicht auf das Kung Fu-Sahnehäubchen verzichten möchte, greift zu Yimous „Hero“ oder „House of Flying Daggers“.

Egal ob tanzende Hollywood-Stars, Stress mit der eigenen Geschichte oder Mauern gegen Monster, wir wünschen viel Spaß im Kino.


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