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Endlich Papa werden? Die "Ehe für alle" ist da: Warum hat's so lange gedauert?

Zwei Väter, lächelnd mit ihrer Tochter auf dem Arm.
Eine Familie ist eine Familie, ist eine Familie. (Symbolbild)
© Getty Images
Ich heiße Niels, bin fast 30, in einer Beziehung und schwul. Jetzt kann ich endlich heiraten und Kinder adoptieren. Wie sich der heutige Tag für mich anfühlt? Mehr als Worte ausdrücken können – dennoch ist es einen Versuch wert. 

Ich bin gerade mal ein paar Minuten in der Redaktion, aber die Stimmung ist gespannter als üblich. Die Fernseher laufen, die Newsticker werden stetig im Auge behalten und ich selber habe wohl schon lange nicht mehr meinen Twitter-Feed so schnell aktualisiert wie heute. Und dann ist es soweit: Endlich ist das Ergebnis da, die "Ehe für alle" hält bald auch offiziell Einzug in die Bundesrepublik Deutschland. Das bedeutet viel mehr, als es sich Unbeteiligte oder nicht Betroffene vielleicht vorstellen können. 

Wenn man heiraten möchte – es nur nicht darf?

"Wie, du darfst nicht heiraten? Das können Schwule doch auch!" – den Satz habe ich schon ganz oft gehört in den letzten Jahren. Am Anfang verfällt man dabei noch in eine gewisse Art von Rechtfertigungs-Euphorie. "Ja na klar, halt irgendwie schon, aber auch nicht so richtig, weil ..." und jedes Mal zählt man wieder alle Inhalte auf, die eine "Verpartnerung" so schön auf dem Papier machen und dir dennoch immer einen faden Beigeschmack hinterlassen. Wenn du schließlich deinen 37. Vortrag dazu gehalten hast und dein Gegenüber mit teils staunendem Blick sagt: "Ach, schade, nun ja – wie findest du das Wetter heute eigentlich?", ist das frustrierend. 

Zwei Mütter, Rückansicht mit ihrem Kind auf dem Arm
Weil Familie mehr ist als Mutter, Vater, Kind.
© Getty Images

Dieser Freitag ist nicht "nur" ein Freitag

Nun, wir schreiben heute den 30. Juni 2017 und dieser Tag wird für mich, und auch für hoffentlich viele andere, ein Neustart, eine weitere Stufe auf der Leiter der Gleichberechtigung sein. Nennt es, wie ihr wollt. Die Quintessenz ist jedenfalls die gleiche: Liebe und das Recht darauf. Liebe, die nun genauso schätzenswert, gleichberechtigt und ehrbar ist, wie sie schon lange hätte sein sollen. Aber was noch viel wichtiger ist, ist das Recht zur Adoption. Ob ich selber jemals Kinder will? Damit habe ich mich bisher noch nicht beschäftigt. Wieso auch? Es stand nie zur Debatte, aber wer weiß wofür ich mich in Zukunft berufen fühle?

Natürlich gibt es einen Grund zu feiern!

Für mich ist dieser Tag in der Redaktion nun noch lange nicht zu Ende. Wie könnte man ihn auch einfach so mir nichts, dir nichts enden lassen? Auch wenn es hier gerade in Hamburg regnet, wie aus Gießkannen, der Himmel trist und grau ist und man sich eigentlich nur auf das gemütliche Sofa freut, folgt doch auf jeden Regen auch ein Regenbogen.

Auf die Liebe, auf das Leben und auf die "gleichgesetzliche" Zukunft, die wir nun endlich haben!  

 

Endlich Papa werden?: Die "Ehe für alle" ist da: Warum hat's so lange gedauert?

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